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14.06.2014; Montmelo; Motorsport - Training GP Katalonien 2014; Thomas Luethi (SUI) (Gareth Harford/Gold&Goose/freshfocus)

Bild: Gareth Harford/freshfocus

Raffin als nächstes Schweizer Talent

Tom Lüthis letzter Trost: Ein Vergleich mit Valentino Rossi

Schweizer Töff-Drama in Assen. Tom Lüthi so langsam und Dominique Aegerter so schnell wie noch nie. 

27.06.14, 20:19

klaus zaugg / assen

Assen nennt sich ganz offiziell Kathedrale des Tempos («Cathedral of Speed»). Die Rennstrecke im Norden von Holland ist seit Anbeginn der Zeiten (seit Einführung der WM 1949) eine Bühne für helvetische Töff-Triumphe und Dramen.

Hier hat Rolf Biland 10 (!) GP gewonnen. Hier siegte der legendäre Luigi Taveri in drei verschiedenen Klassen. Hier hat Jacques Cornu 1984 vom letzten Platz aus den zweiten Rang herausgefahren. Hier fiel Hermann Schmid 1976 nach seinem Seitenwagen-Sieg vom Hitzschlag getroffen um und musste ins Spitel gebracht werden. Hier hat Rolf Biland die Konkurrenz beleidigt wie nie ein anderer Fahrer.

Er war so überlegen, dass er demonstrativ vor dem Ziel stoppte und das Gespann über die Ziellinie schob. 

Rolf Biland und Kurt Waltisperg als Seriensieger. Bild: CTK

Ratloser Lüthi

Und nun geht in Assen ein Spektakel über Triumph und Tragödie über die Bühne. Tom Lüthi (27) sitzt nach dem Abschlusstraining am Tisch wie ein Vogel, der zu weit geflogen ist. Er sagt: «In einer so schwierigen Situation war ich noch nie. Ich bin völlig ratlos».

Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Und sein Teamchef Daniel M. Epp ergänzt: «Wir verändern die Maschine von unten nach oben, von rechts nach links , von vorne bis hinten – und Tom ist immer gleich schnell.» Tom Lüthi, der 12 Jahre lang unsere Töffszene unangefochten dominiert hat, startet heute zum GP von Assen als 17. aus der 6. Reihe. Das ist fast wie das Verpassen der Playoffs SC Bern

In einer so schwierigen Situation war ich noch nie. Ich bin völlig ratlos».

Tom Lüthi

Der Reifeprozess

Eine Viertelstunde später wird Dominique Aegerter zu seinem Abschlusstraining befragt. Er sagt: «Es war das beste Training meiner Karriere. Ich fühle mich so gut wie nie.» Ja, es sei möglich, das Rennen zu gewinnen und den Samstag zum schönsten seines Lebens zu machen. Er startet zum GP von Assen als 2. aus der ersten Reihe. Sein bestes Trainingsresultat.

Ein erstaunlicher Entwicklungsprozess hat diesen dramatischen Rollenwechsel provoziert. Erst im Laufe der letzten Saison ist es Dominique Aegerter gelungen, nach sieben Jahren seinen tief sitzenden «Lüthi-Komplex» zu überwinden.

«Ich fühle mich so gut wie nie.»

Dominique Aegerter.

Der Weltmeister von 2005 war das Idol seiner Kindheit. Der Hauptdarsteller in seinen Bubenträumen. Als er endlich gegen Lüthi fahren durfte, fiel ihm das Herz in die Hose und die Hand vom Gasgriff. Er war in jedem Direktduell chancenlos. Der 3. Platz vor einem Jahr hier in Assen war der Anfang der Wende.  

Bild: Eibner/freshfocus

Kommt 2015 der Rossi-Effekt?

Jetzt ist Dominique Aegerter aus Lüthis Schatten herausgefahren. Ja, mehr noch: Die Präsenz von Tom Lüthi ist nicht mehr ein lähmender Komplex. Sondern ein Motivationskick. Ein Testosteronstoss. Hier der coole, selbstsichere Töff-Rockstar, der sich anschickt, die die Nummer 1 der Schweiz und vielleicht einmal sogar der Welt zu sein.

Und dort der alternde, lahmende Leitwolf. Dieses Duell wird den Schweizer Töffrennsport in den nächsten Monaten und Jahren mit Dramen und Triumphen würzen. 

Niemand kann Tom Lüthis Teamchef Daniel M. Epp vorwerden, er habe dieses Drama um seinen Schützling nicht kommen sehen. Er weiss sogar, wie es weiter geht. Er sagt: «Ich habe im Herbst 2012 unseren Sponsoren gesagt: 2013 wird Aegerter gleich schnell werden wie Tom und 2014 kommt es sogar zur Wachablösung. Aber 2015 profitieren wir im Rossi-Effekt.»

Bild: Waldemar Da Rin

Rossi Effekt? «Valentino Rossi ist nach einer schweren Krise abgeschrieben worden. Nun fährt er wieder ganz vorne. Tom wird 2015 zurückkehren wie Rossi.» Epp hat es wohlweislich unterlassen, einen Grund für Rossis Comeback zu nennen. Der italienische Weltstar hat sich im letzten Herbst von seinem langjährigen Cheftechniker Jeremy Burgess getrennt. Tom Lüthis Cheftechniker Alfred Willecke ist (noch) im Amt.

Lieber ein Schweizer Talent als einen Deutschen Hinterherfahrer

Jesko Raffin (18) ist die grösste Schweizer Töffhoffnung der nächsten Generation. Er dominiert zurzeit die spanische Moto2-Meisterschaft. Aber es ist keineswegs sicher, dass er 2015 endlich in der Moto2-WM ankommt. Sein Manager Marco Rodrigo sagt, er sei daran, ein Team für die Moto2-WM 2015 zu suchen.

Jesko Raffin. Bild: AP

«Aber es wird sehr schwierig und ich habe bisher nur Absagen bekommen. Die Teams wollen entweder einen Siegfahrer und das ist Raffin ja noch nicht. Oder sie wollen, dass die ganzen Kosten übernommen werden und das sind rund eine Million. Das können wir nicht zahlen.»

Wenn Marco Rodrigo bis zum GP von Aragon (28. September) keinen Platz für die Moto2-WM 2015 findet, dann wird er eine spektakuläre Werbeaktion inszenieren. Er wird Jesko Raffin mit einer Wild Card beim GP von Aragon im Moto2-Rennen einsetzen. «Dann werden die Teamchefs vielleicht sehen, welches Talent sie verschmäht haben.»

«Dann werden die Teamchefs vielleicht sehen, welches Talent sie verschmäht haben.»

Manager Marco Rodrigo über seinen Schützling.

Tom Lüthis Manager und Teamchef Daniel M. Epp setzt zurzeit in der Moto3-WM den freundlichen deutschen Hinterherfahrer Philipp Oettl ein. Es wäre besser, wenn er nächste Saison dem Schweizer Talent Jesko Raffin eine Chance in der Moto2-WM geben würde. So würde auch Tom Lüthi aus seiner Komfortzone gescheucht 

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