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epa05347227 Spanish MotoGP rider Dani Pedrosa of the Repsol Honda team pays a tribute to late Spanish rider Luis Salom after getting the third position in the Motorcycling Grand Prix of Catalunya at Catalunya circuit in Montmelo, near Barcelona, northeastern Spain, 05 June 2016.  EPA/TONI ALBIR

Dani Pedrosa: In Gedanken beim verstorbenen Kollegen.
Bild: EPA/EFE

Wenn wahre Männer Gefühle zeigen: Die langen Schatten des Dramas um Luis Salom

Nicht alle konnten beim GP von Katalonien die Schatten des Todes von Luis Salom verdrängen. Im Schweizer Team von Tom Lüthi (29) und Dominique Aegerter (25) wird es intern gehörig rumpeln.

klaus zaugg, montmelo



Es ist auf den ersten Blick ist der Grosse Preis von Katalonien fast ein GP wie jeder andere. Am Ende siegt Valentino Rossi. Er feiert einen grandiosen Sieg. Dass Ducatis Andrea Iannone Yamahas Jorge Lorenzo zu Fall bringt, ist nicht einmal Anlass zu grosser Polemik: der Weltmeister war zu diesem Zeitpunkt längst besiegt und chancenlos. Und am Ende reichen sich die Erzfeinde Valentino Rossi und Marc Marquez die Hände zur Versöhnung.

Auf den zweiten Blick fällt auf: etwas ist nicht ganz so wie sonst. Auf dem Podest wird kein Champagner verspritzt und die Helden des Tages tragen das Trauer-T-Shirt im Gedenken an Luis Salom.

epa05347238 Spanish MotoGP riders Dani Pedrosa (R), third, and Marc Marquez (L), second, of the Repsol Honda team and Italian of Movistar Yamaha team Valentino Rossi (C), winner, pay a tribute to late Spanish rider Luis Salom after the Motorcycling Grand Prix of Catalunya at Catalunya circuit in Montmelo, near Barcelona, northeastern Spain, 05 June 2016.  EPA/ANDREU DALMAU

Keine grosse Siegerfeier: Marc Marquez (l.), Valentino Rossi) und Dani Pedrosa (r.). Bild: EPA/EFE

Es ist eine Situation, die keiner der aktiven GP-Haudegen je erlebt hat. Luis Salom (24) rast am Freitagnachmittag in den Tod. Gewiss, die Gefahr gehört zu diesem Geschäft. Aber die letzten drei Todesstürze waren anders. Daijiro Kato (2003), Shoya Tomizawa (2010) und Marco Simoncelli (2011) starben nach Rennunfällen. Am Abend kehrten alle nach Hause zurück und hatten über eine Woche Zeit, um das Drama zu verarbeiten.

Aber hier in Barcelona ist die Situation völlig anders. Der Unfall passiert bereits am Freitagnachmittag. Niemand kann jetzt nach Hause gehen, durchatmen und die ganze Sache verarbeiten. Alle müssen bleiben, weitere zwei Trainings und ein Rennen unter höchster Anspannung absolvieren und unzählige Male dort durchfahren wo Luis Salom verunglückt ist. Aber Höchste Konzentration ist gefordert.

epa05346830 Family members, friends and mechanics attend a tribute for Spanish Luis Salom during the Motorcycling Grand Prix of Catalunya at Catalunya circuit in Montmelo, near Barcelona, northeastern Spain, 05 June 2016. 25-year-old Luis Salom has tragically lost his life after an accident in the training session for the Motorcycling Grand Prix of Catalunya.  EPA/ANDREU DALMAU

Ein GP im Zeichen eines Todesfalles.
Bild: EPA/EFE

Ein wenig helfen die Routine, die geregelten Abläufe des Rennwochenendes – aber die letzten wahren Männer des Sportes sind sensibel. Darüber kann die sorgfältig gepflegte Macho-Kultur des Rennsportes nicht hinwegtäuschen. Nicht an diesem Sonntag in Barcelona.

Lüthi vom Tod Saloms deutlich gezeichnet

Nach dem Moto2-Rennen ist Tom Lüthi völlig fertig und den Tränen nahe. Nicht wegen des verlorenen Platzes auf dem Podest. Der Emmentaler braust aus der ersten Reihe heraus an die Spitze. Dort kann er sich nicht lange halten. Auch den dritten Platz verliert er in der Schlussphase und schliesslich reicht es zu Rang 5. Der Abstand zu WM-Leader Alex Rins vergrössert sich von 16 auf 23 Punkte.

Nicht dieses Rennen, dieser Rückschlag im Kampf um den WM-Titel, macht Tom Lüthi zu schaffen. Er versichert zwar, das Drama um Luis Salom habe keinen Einfluss gehabt. Aber wer ihn so sieht, ein Häufchen Elend, weiss auch ohne psychologische Kenntnisse: es hatte sehr wohl einen Einfluss. Und ratlos und irgendwie verloren sagt er ein Wort, das er fast nie gebraucht: «Scheisse.»

epa05347074 Swiss Moto2 rider Thomas Luethi (front) of the Garage Plus Interwetten team leads the race during the Motorcycling Grand Prix of Catalunya held at Catalunya circuit in Montmelo, near Barcelona, northeastern Spain, 05 June 2016.  EPA/ALEJANDRO GARCIA

Keine Zeit, um sich zu fangen: Nach dem Todesfall am Freitag wurde am Samstag trainiert und am Sonntag gefahren.
Bild: EPA/EFE

Wenn ein Berner diesen Ausdruck verwendet, meint er Sinnlosigkeit. «Scheisse, was soll ich über das Rennen sagen? Gut, dass es vorbei ist und gut, dass wir jetzt Abstand gewinnen können. Es kommt mir alles so surreal vor und es wird Zeit, dass wir in die Wirklichkeit zurückkehren.»

Tom Lüth wird im September 30. Es ist einerseits das beste Alter für einen Rennfahrer: Erfahrung, Talent und Wagemut halten sich die Waage. Aber andererseits werden viele in diesem Alter auch nachdenklicher. Der Tod von Luis Salom hat Tom Lüthi zutiefst getroffen. «Tom ist tief geerdet», sagt Manager Daniel M. Epp über seinen Schützling. «Er kommt darüber hinweg. Aber es braucht Zeit.» Das nächste Rennen wird am 26. Juni in Assen gefahren.

Bei Aegerter droht sich ein Eklat an

Dominique Aegerter ist mindestens so sensibel wie sein Teamkollege. Aber er versteht es besser, seine Sensibilität zu überspielen. Wer ihn kennt, dem fällt lediglich auf, dass er wortkarger ist als üblich, ja fast ein wenig knurrig. Er kann, er will seine Erschütterung über den Tod von Luis Salom nicht zeigen. Und er findet einen Ausweg: Unmut, ja Zorn. Er verliert mindestens einen 8. Platz, weil beim Herausbeschleunigen das Hinterrad bricht. Ein gefährlicher, äusserst seltener Defekt. Zum ersten Mal seit dem Saisonauftakt 2014 in Katar (Motorenschaden) hat ihn die Technik im Stich gelassen.

Kurz nach dem Rennen begnügt er sich mit der unwirschen Bemerkung, dass es schade sei. Später lässt er seinen Unmut freien Lauf. Er habe nach dem Rennen die restlichen Räder gecheckt und festgestellt, dass alle Risse hätten. Aber man habe ihm nicht glauben wollen und erst später zugegeben, dass es tatsächlich so sei.

epa05253213 Swiss Moto 2 rider Dominique Aegerter (C) of the CarXpert Interwetten Team does an interview on the starting grid prior to the Moto2 race at the Motorcycling Grand Prix of the Americas at the Circuit of the Americas racetrack in Austin, Texas, USA, 10 April 2016.  EPA/PAUL BUCK

Dominique Aegerter: Die Stimmung im Team ist längst nicht mehr rosig.
Bild: PAUL BUCK/EPA/KEYSTONE

Im Team kümmert sich einer nur um Räder und Reifen – und niemand hat gemerkt, dass mit den Rädern etwas nicht stimmt. Seit dieser Saison hat das Team einen neuen Lieferanten für die Magnesium-Räder – und es scheint, dass eine ganze Serie brüchiger Räder geliefert worden ist. Der schon lange schwelende Unmut im Aegerter-Clan über vermeintliche oder tatsächliche Unzulänglichkeiten in der technischen Betreuung könnte bald zum Eklat führen.

Noch ist in Barcelona nicht Zeit zu toben. Zu sehr stehen alle unter dem Eindruck des Dramas um Luis Salom. Das Team testet am Dienstag und am Mittwoch in Valencia. Und da wird es, wenn alle unter sich sind und der Alltag wieder einkehrt, ganz gehörig rumpeln.

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bongalicius 06.06.2016 14:03
    Highlight Highlight Ich hab das gesamte Rennwochenende verfolgt und sobald ein Training bzw. das Rennen vorbei war, dieses gespannte Gefühl der Action verblass, hatte man wieder dieses Gefühl der Unmacht, diesen Kloss im Hals und Tränen in den Augen. Selbst ich als Zuschauer und Hobbyfahrer war dermassen mitgenommen vom Fakt dass einer meiner Helden nicht mehr da ist.
  • Miss_Ann_Thropist 06.06.2016 13:06
    Highlight Highlight Ich hab beim Ende der fünften Folge der sechsten Staffel von GoT (The Door) auch geweint. Bin ich jetzt auch ein "echter Mann"?
    • Fumo 06.06.2016 13:18
      Highlight Highlight Du vergleichst die Tränen um einen toten Kumpel mit den Tränen um eine fiktive Figur?
      Ich zweifle daran ob du überhaupt ein echter Mensch bist...
    • Miss_Ann_Thropist 06.06.2016 14:00
      Highlight Highlight Also, ohne spoilern zu wollen. Das was in der Serie mit einem Charakter geschah, der mir sehr symphatisch war, und vor allem der Grund warum es geschah, bewegt in mir tatsächlich mehr als der öffentliche Tod von jemanden, von dem ich noch nie gehört hatte und zu dem ich 0 Bezug hab. Wenn man dazu noch bedenkt, dass sich dieser Mann durch seine Berufsausübung des Risikos bewusst war und in kauf nahm, gibt es für mich keinen Grund ihn zu betrauern. Dein Kommentar zeugt von sozialem Druck etwas zu betrauern, was einen nicht betrifft. Diesem Druck beuge ich mich nicht *aphatisches Schulterzucken*
    • Fumo 06.06.2016 14:31
      Highlight Highlight "Kommentar zeugt von sozialem Druck etwas zu betrauern, was einen nicht betrifft. Diesem Druck beuge ich mich nicht "

      Diesen Druck erfindest du um eine Ausrede über das asoziale Vergleich zu haben.
      Ich vergleiche die Tränen der Rennfahrer um IHREN toten Kumpel, zu dem sie auch garantiert einen Bezug hatten, mit DEINE Tränen wegen einen fiktiven Niemand zu dem du genau so wenig Bezug hast wie zum Rennfahrer.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Asmodeus 06.06.2016 10:14
    Highlight Highlight "Wenn wahre Männer Gefühle zeigen"
    "Die letzten wahren Männer"

    Es wäre schön wenn solche Aussagen im vergangenen Jahrtausend geblieben wären wo sie hingehören.
    • rYtastiscH 06.06.2016 13:10
      Highlight Highlight Die Wortwahl ist zugegebenermassen etwas unpassend.

      Da es aber keine eigene "Frauen-Klasse" gibt und auch gerade mal 5 Frauen seit Anbeginn mitgefahren sind, darf man hier schon von einer fast reinen Männerdomäne sprechen.

      Mal frei geraten, würde ich sagen, waren diese Aussagen gedacht, um eben diesen Fakt zu unterstreichen - genau so hab ich das verstanden und nicht anders.

      Verstehe natürlich schon, warum solche Aussagen nicht förderlich sind, aber mir stinkt diese "political correctness" zuweilen etwas.
    • Asmodeus 06.06.2016 14:59
      Highlight Highlight "political correctness" ist dann wichtig, wenn man Dinge ändern will.

      Aussagen wie "echte Männer" befinden sich extrem Nahe an Beleidigungen wie "Schwuchtel" etc. Respektive legen sie nahe, dass jemand der nicht sein Leben riskiert oder nicht emotionslos wäre kein echter Mann sein könne.

      Es sollte gar nicht erwähnenswert sein, dass hier "wahre" Männer um den Verlust eines Freundes/Kollegen trauern.
      Es sind Menschen die jemanden verloren haben. Nicht mehr, aber auch garantiert nicht weniger.

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