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So sieht ein Sieger aus: Tom Lüthi nach seinem Triumph in Australien. Bild: EPA/AAP

Die Rechnerei geht los: So kann Tom Lüthi noch Weltmeister werden

Tom Lüthi kann nach seinem grössten Sieg doch noch den Titel holen. Aber es könnte auch sein, dass ihn der Rausschmiss von Dominique Aegerter um den finalen Triumph bringt.

23.10.16, 15:27 23.10.16, 17:13

Am Ende verliert, wer mit zu knappem Vorsprung auf das Ziel zurast. Deshalb kann es ein Vorteil sein, im Windschatten des Führenden zum Schlussspurt anzusetzen. So hat Tom Lüthi den GP von Australien gewonnen. Eine taktische Meisterleistung. Ein Triumph in einem hochstehenden Rennen. Sein grösster Sieg, der 14. insgesamt.

Hier fährt Tom Lüthi noch vor Franco Morbidelli. Bild: EPA/AAP

Zum ersten Mal in seiner Karriere hat der Emmentaler zwei Rennen hintereinander gewonnen. Er sagt, er habe Franco Morbidelli in der Schlussphase den Vortritt gelassen. Das sei zwar riskant gewesen. Franco Morbidellis Maschine erreichte im Rennen mit 280,30 km/h die leicht höhere Maximalgeschwindigkeit als der Feuerstuhl von Tom Lüthi (279,40 km/h), aber die Rechnung ist aufgegangen

Es ist auch ein Triumph der Zusammenarbeit mit dem Team. Der Fahrer wusste dank den Anzeigen seiner Boxencrew, dass neben ihm mit Morbidelli nur noch ein Siegesanwärter war. Wären es zwei oder mehr gewesen, wäre es zu riskant gewesen, die Führung abzugeben.

Weil Titelverteidiger und WM-Leader Johann Zarco nur auf Platz 12 gefahren ist, beginnt nun das grosse Rechnen. Dass Tom Lüthi den Titel durch die drei Nuller in Assen, auf dem Sachsenring und in Brünn verschenkt hat, ist eigentlich längst klar.

Johann Zarco liegt weiter mit einem Polster an der WM-Spitze. Bild: Shizuo Kambayashi/AP/KEYSTONE

Die Rechnerei vor den letzten zwei Rennen hat doppelte Brisanz. Am Ende ist nicht einmal auszuschliessen, dass Tom Lüthi durch den Rausschmiss von Dominique Aegerter um die Weltmeisterschaft gebracht wird. Aber es gibt auch diese Argumentation: wenn Dominique Aegerter noch im Team wäre, dann würde der innere Friede gestört und die zwei Siege von Tom Lüthi wären nicht möglich gewesen.

So geht die Rechnerei. Erst einmal müssen wir wissen, wie viele Punkte die Ränge einbringen:

Die Punkteverteilung

1. Platz 25 Punkte
2. Platz 20 Punkte
3. Platz 16 Punkte
4. Platz 13 Punkte
5. Platz 11 Punkte
6. Platz 10 Punkte
7. Platz 9 Punkte
8. Platz 8 Punkte
9. Platz 7 Punkte
10. Platz 6 Punkte
11. Platz 5 Punkte
12. Platz 4 Punkte
13. Platz 3 Punkte
14. Platz 2 Punkte
15. Platz 1 Punkt

Tom Lüthi hat 204 Punkte. Er kann mit zwei Siegen auf 254 Punkte kommen. Johann Zarco hat 226 Punkte.

Zwei mögliche Siege

Machen wir nur das einfachste Rechenbeispiel. Tom Lüthi gewinnt am nächsten Sonntag auch in Malaysia (Sepang) und am 13. November in Valencia. Das ist durchaus möglich. Er hat 2011 in Malaysia und 2014 in Valencia gewonnen. Gewinnt er zweimal, dann kommt er auf ein Total von 254 Punkten. In diesem Falle muss Johann Zarco, weil bei Punktgleichheit Tom Lüthi mehr Siege aufzuweisen hat, 29 Punkte holen. Das ist, wenn Tom Lüthi zweimal gewinnt, mit folgenden Platzierungen möglich:

Tom Lüthi 2014 bei seinem Sieg in Valencia. Bild: Gareth Harford/freshfocus

Nehmen wir jetzt an, Dominique Aegerter wäre noch dabei und im Team wäre es gelungen, eine Art «Burgfrieden» zu bewahren. Der Rohrbacher wäre dazu in der Lage gewesen, in Australien Johann Zarco im Kampf um Platz 12 zu besiegen. Dann hätte der Franzose jetzt einen Punkt weniger und die Ausgangslage wäre heikler. Für den Titel würde er dann folgende Platzierungen benötigen.

Das ist die einfach zu berechnende Ausgangslage bei zwei durchaus möglichen Siegen von Tom Lüthi.

Ein Sieg zum Titel für Zarco

Es gibt noch eine viel einfachere Rechnung. Wenn Johann Zarco noch eines der beiden ausstehenden Rennen gewinnt, dann ist er Weltmeister. Denn mit einem Sieg kommt er auf 251 Punkte und Tom Lüthi, selbst wenn er Zweiter wird, nur auf 224. Den Rückstand von 27 Punkten kann er in einem Rennen nicht mehr aufholen. Johann Zarco kann also den Titel schon am nächsten Sonntag holten.

Somit kündigt sich ein Drama an. Vor einem Jahr hat der Franzose in Malaysia vor Tom Lüthi gewonnen. Nun ist aber die Strecke neu asphaltiert worden und die Anpassung an den neuen Belag wird bei der Abstimmung der Maschine und der Reifenwahl entscheidend sein.

Johann Zarco kann aus eigener Kraft als erster Pilot der Geschichte den Moto2-Titel verteidigen. Tom Lüthi muss rechnen. Im Sport müssen in der Regel die Verlierer rechnen.

Die Schweizer Moto2-Piloten 2016

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