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Lüthi vor Aegerter beim GP von Mugello Ende Mai. Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Lüthi und Aegerter träumen weiter vom Aufstieg in die MotoGP – doch realistisch ist der Traum nur für einen der beiden

Der Traum vom Aufstieg in die Königsklasse MotoGP ist beim GP von Katalonien in Barcelona für Dominique Aegerter (24) wieder einmal ganz aktuell. Er tanzt auf drei Hochzeiten.

12.06.15, 18:15

Klaus Zaugg, Barcelona

Seit dem Podestplatz beim GP von Italien in Mugello (3.) brennt die Kerze des Selbstvertrauens bei Dominique Aegerter wieder. Aber es ist ein flackerndes Licht im Wind der Konkurrenz. Beim ersten Trainingstag zum GP von Katalonien ist der Ruhm von Mugello schon wieder ein wenig verblasst. Position 8 (Tom Lüthi 9.) ist nach dem ersten Tag immerhin das zweitbeste Saisonresultat.

Aber so sehr das Rennen am Sonntagmittag im Mittelpunkt steht – für Dominique Aegerter ist der Montag hier in Barcelona fast so wichtig wie das Rennen. Dann rückt er im Rahmen der offiziellen MotoGP-Tests zum dritten Mal in dieser Saison mit einem Kawasaki-Prototyp aus. Auch Tom Lüthi spricht immer wieder mal vom Traum MotoGP und einmal, im Jahr 2008, hatte er sich sogar für einen Aufstieg in die Königsklasse entschieden. Aber das Projekt scheiterte am Geld.

«Tom ist nicht gut genug für ein MotoGP-Spitzenteam»

Inzwischen weiss Lüthi tief im Herzen, dass die Königsklasse für ihn keine Option mehr ist. Sein Manager Daniel M. Epp sagt es so: «Tom ist nicht gut genug für ein Angebot eines MotoGP-Spitzenteams. Aber er ist viel zu gut, um in einem mittelmässigen MotoGP-Team um den 10. Platz herum zu fahren. Das würde erst dann ein Thema, wenn er sich nicht mehr zutraut, in der Moto2-WM um den Titel zu fahren. Ähnlich wie bei einem Fussballer, der am Ende seiner Karriere noch ein wenig in Katar spielt …»

Davon ist Tom Lüthi noch weit entfernt. Er ist und bleibt in der Moto2-WM ein Kandidat für GP-Siege und – wenn einmal alles passt – auch für einen WM-Titel. In der Moto2-WM vorne zu fahren ist der Inhalt seiner Karriere. So sichert er sich Medienpräsenz, Werbewert und ein Einkommen, das inzwischen rund 800'000 Franken brutto pro Saison beträgt.

Der Umstieg in die MotoGP-Klasse würde sich also erst lohnen, wenn er von einem Team als Ersatz für verlorene Medienpräsenz ein Salär in dieser Grössenordnung bekommen würde. «Das ist nicht möglich», sagt sein Manager. Und davon, ein eigenes Team aufzubauen, ist Daniel M. Epp sowieso längst abgekommen. 2010 hatte er mit einem japanischen Piloten ein Team in der Königsklasse: «Da habe ich eine Million Franken verloren.»

Lüthi lauscht den Worten von Manager Epp. Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Aegerter: Jetzt der Test, irgendwann ein Vertrag?

Für Dominique Aegerter ist der Aufstieg in die wichtigste Töff-WM hingegen ein Traum, der Wirklichkeit werden kann. In der MotoGP-Klasse wäre er auf dem Töff-Olymp. Aber Medienpräsenz und Werbewert kann er als Hinterbänkler in der Königsklasse nicht generieren. Auch er verdient inzwischen in der Moto2-WM als potenzieller Siegfahrer mehr als eine halbe Million Franken brutto durch Werbung. Ein Klassenwechsel lohnt sich auch für ihn nur, wenn er von einem Team oder einem Werk ordentlich sechsstellig bezahlt wird. Aber anders als der vier Jahre ältere Tom Lüthi hat er mittelfristig gewisse Chancen auf einen solchen Kontrakt.

Kawasaki hat die Rückkehr in den GP-Zirkus zwar offiziell noch nicht verkündet. Aber die Japaner lassen eine französische Firma (Akira) das Bike entwickeln. Dominique Aegerter ist der Testpilot und am Montag wird er die neuste Version (neues Fahrgestell, neuer Motor) im Rahmen der offiziellen MotoGP-Tests hier in Barcelona fahren.

Kawasaki steigt wohl 2017 ein

Er freut sich auf diese Tests: «Die Power ohne Ende eines MotoGP-Bikes macht riesig Spass!» Ein Moto2-Töff hat etwa 130 PS, die MotoGP-Höllenmaschinen werden hingegen von rund 250 PS vorwärtsgepeitscht. Der kräftige, raue Stilist Dominique Aegerter ist sowieso für ein MotoGP-Abenteuer eher der Typ als der feine Techniker Tom Lüthi.

Sollte Kawasaki tatsächlich wieder in die WM einsteigen, hat Dominique Aegerter gute Chancen auf einen Vertrag mit einem hohen sechsstelligen Salär. Sein Vertrag läuft Ende Saison ohnehin aus und so macht es Sinn, sich alle Optionen offen zu halten. Allerdings dürfte Kawasaki nicht vor 2017 zurückkehren.

Aegerter hofft auf eine Zukunft in der MotoGP-Klasse. Bild: Lukasz Swiderek/freshfocus

Der Tanz auf drei Hochzeiten

Auch mit dem Einsatz beim Acht-Stunden-Rennen in Suzuka Ende Juli arbeitet Dominique Aegerter fürs grosse Ziel MotoGP. Letzte Saison bescherte er Suzuki beim wichtigsten Töffrennen Japans einen Podestplatz (3.). Jetzt fährt er im zweiten Team von Honda. Schafft er erneut ein Spitzenergebnis, dann rückt er auf der Liste der möglichen Werkpiloten auch bei den anderen japanischen Werken weiter nach oben. Wer in Suzuka schnell fährt, ist MotoGP-tauglich. Die 1000er-Viertakter entsprechen in den technischen Grundzügen einem lendenlahmen MotoGP-Bike.

Und so tanzt Dominique Aegerter im Juli auf drei Hochzeiten: Moto2-WM, MotoGP-Tests und das Acht-Stunden-Rennen von Suzuka.

Die Schweizer Fahrer in der Moto2-WM 2015

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