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In der besten Liga der Welt gehen heute Nacht die Vorhänge wieder auf.
Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Josi neu im Captain-Team, Niederreiters Umstellung, viel Konkurrenz für Hiller – das sind die Rollen der acht Schweizer NHL-Stammkräfte

Acht Schweizer haben die Vorbereitungscamps überstanden und spielen zum Saisonstart in der NHL. Die ersten Partien finden in der Nacht auf Donnerstag statt – Vorhang auf für das grosse Spektakel.

07.10.15, 07:13 07.10.15, 08:38

Roman Josi ist in der vergangenen NHL-Saison weiter ins Rampenlicht gerückt. Der Berner brachte es in 87 Spielen für die Nashville Predators auf 16 Tore sowie 40 Assists und wurde zum fünftbesten Verteidiger der Liga gewählt. Dabei ist er erst 25 Jahre alt und hat bloss 269 Partien in der NHL auf dem Buckel. Auch in der Vorbereitung überzeugte Josi als Torschütze und mit vier Skorerpunkten in drei Einsätzen. «Ich fühle mich gut», sagte der MVP der WM 2013 am Telefon.

Das Sommertraining hatte Josi erneut zusammen mit Mark Streit und Yannick Weber bestritten. Das Trio musste sich allerdings neu orientieren, da der bisherige Konditionstrainer Harry Andereggen Ende April bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. «Es war schon etwas anderes», so Josi. Andereggen habe auf eine sehr spezielle Art trainieren lassen. Aber schlussendlich gehe beim Krafttraining alles in die gleiche Richtung.

Das verdienen die Schweizer Nordamerika-Söldner

Nashville wird in der neuen Saison, der zweiten unter Headcoach Peter Laviolette, einiges zugetraut. Das Team wurde nicht gross verändert, nachdem in der letzten Qualifikation nur fünf Mannschaften mehr Punkte geholt hatten. In den Playoffs scheiterten die Predators dann allerdings in der ersten Runde am späteren Champion Chicago Blackhawks (2:4 Siege). Dies soll sich nicht wiederholen.

Weniger Eiszeit, dafür im Captain-Team 

Die Verteidigung wurde mit dem 34-jährigen Barret Jackman verstärkt, der 13 Jahre lang für die St. Louis Blues tätig war. «Er ist einer, der sehr hart spielt. Das hat uns gefehlt», erklärte Josi, der neuerdings zum Captain-Team gehört. Dass er nun wohl weniger Eiszeit erhält, ist für ihn kein Problem. «Wir haben sehr viele gute Verteidiger, die in jeder Situation spielen können. Da macht es Sinn, die Einsatzzeiten mehr zu verteilen.» Im Sturm verpflichtete Nashville den talentierten Cody Hodgson. Die Perspektiven sind also gut. Dennoch warnt Josi: «Es wird nicht einfach, die Playoffs zu schaffen.»

Wie Josi blickt auch Nino Niederreiter auf eine starke Saison zurück. Der 23-jährige Churer war mit 28 Treffern (vier in den Playoffs) der zweitbeste Torschütze der Minnesota Wild, obwohl acht Stürmer in der Regular Season im Durchschnitt mehr Eiszeit erhielten. Nun hat er sich in der Hierarchie fürs Erste nach oben gearbeitet. Er wird die Saison in der zweiten Linie mit Mikko Koivu und Jason Zucker beginnen.

«Wir haben uns gut gefunden», sagte Niederreiter. Überhaupt habe er ein sehr gutes Camp hinter sich und sei es in den Vorbereitungsspielen (zwei Tore, drei Assists) super gelaufen Der Bündner spielt nun als rechter Flügel. Obwohl er lieber über diese Seite kommt, bereitete ihm die Umstellung am Anfang etwas Mühe, da er in der Defensivzone alle Pässe auf die Backhand erhalte und der Backhand-Flip-Pass riskanter sei. «Es geht aber besser und besser.»

Nino Niederereiter war in der letzten NHL-Saison der beste Schweizer Skorer.
Bild: Mike Wulf/freshfocus

Minnesota war in diesem Frühjahr im Viertelfinal an Chicago (0:4) gescheitert. Diesmal ist den Wild mehr zuzutrauen. «Man merkt, dass die Mannschaft ein Jahr älter ist», sagte Niederreiter, der vor dem Camp während knapp zwei Wochen in Portland Powerskating betrieben hat. Sie seien stärker als letztes Jahr. Wenn die jungen Spieler weitere Fortschritte machen würden, hätten sie die Chance, eines Tages etwas zu gewinnen.

Es wäre ein weiteres Highlight, nachdem er im Sommer in Wimbledon erstmals Roger Federer getroffen und sie allgemein über Sport gesprochen haben. «Das war mega. Er ist ein eindrücklicher Mensch und extrem bodenständig», schwärmte Niederreiter.

Neuer Coach für Streit

Als Mark Streit vor zwei Jahren von den New York Islanders zu den Philadelphia Flyers gewechselt hatte, war ein Grund gewesen, dass er sich dort Erfolg versprochen hatte. In der ersten Saison scheiterten die Flyers allerdings in den Achtelfinals, in der zweiten verpassten sie gar die Playoffs - wie auch 2013.

Ein Problem war jeweils der schlechte Saisonstart. Dies soll sich mit dem neuen Trainer Dave Hakstol ändern. Mit dessen Verpflichtung ging Philadelphia jedoch ein Risiko ein. Hakstol ist der erste Headcoach seit 1982, der direkt vom College-Hockey in die NHL wechselte. Streit dürfte bis auf Weiteres zusammen mit Nick Schultz das erste Verteidiger-Duo bilden.

Wie Josi gehört auch Mark Streit in Philadelphia zum Captain-Team.
Bild: Icon SMI

Bei den Vancouver Canucks stehen mit Sven Bärtschi, Yannick Weber und Luca Sbisa drei Schweizer im Kader. Für Bärtschi ist es ein Neustart in der NHL. Der 23-jährige Langenthaler war Anfang März nach einer schwierigen Zeit bei Calgary nach Vancouver getradet worden. «Hier ist es etwas ganz anderes», so Bärtschi. «Ich habe ein Umfeld, das an mich glaubt.»

Dieses Vertrauen zahlte er mit fünf Assists in den letzten zwei Begegnungen zurück. In der letzten Testpartie spielte er in der zweiten Linie an der Seite von Bo Horvat und Radim Vrbata. Die offensive Rolle behagt ihm. «Ich habe sehr gut trainiert», sagte Bärtschi. In den ersten paar Spielen habe er die Trainingsleistungen nicht umsetzen können. Mittlerweile könne er sich aber nicht beklagen.

Sven Bärtschi will in Vancouver endgültig den Durchbruch schaffen.
Bild: X02835

Für Weber geht es darum, die guten Leistungen aus der vergangenen Saison zu bestätigen. Noch Steigerungspotenzial hat dagegen Sbisa, der einen neuen Dreijahresvertrag über 8.7 Millionen erhalten hat. In den Medien wurde der Zuger zum Teil harsch kritisiert und wurde ihm mangelndes Spielverständnis vorgeworfen. Diesen Eindruck gilt es zu korrigieren.

Finnische Konkurrenz für Hiller

Einem harten Konkurrenzkampf ausgesetzt ist Jonas Hiller bei den Calgary Flames, stehen mit den Finnen Karri Rämö und Joni Ortio doch aktuell zwei weitere Torhüter im Team. Im ersten Saisonspiel gegen Vancouver muss der 33-jährige Appenzeller, der sich im letzten Vertragsjahr befindet, mit der Ersatzrolle Vorlieb nehmen.

Jonas Hiller hat in Calgary viel Konkurrenz bekommen.
Bild: AP/The Canadian Press

Für Reto Berra ist es schon ein Erfolg, die Nummer 2 der Colorado Avalanche zu sein. Hinter ihm lauert mit Calvin Pickard harte Konkurrenz. Berras Vorteil ist, dass er im Gegensatz zu Pickard einen Einwegvertrag besitzt, der ihm auch beim Farmteam den vollen Lohn garantiert.

Mit den in die AHL abgeschobenen Kevin Fiala, Sven Andrighetto und Mirco Müller besitzen drei weitere Schweizer realistische Chancen auf NHL-Einsätze in dieser Saison. Raphael Diaz hat sich einen Monat Zeit gegeben, wieder den Sprung in die beste Liga der Welt zu schaffen. Sonst strebt er eine Rückkehr in die Schweiz an. (pre/si)

Schweizer Meilensteine in der NHL

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