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Ausländische Arbeiter bauen in Doha an einer Strasse. Bild: EPA

90 Prozent des Lohns für Kim Jong Un

Zwangsarbeit für die Fussball-WM in Katar: Nordkoreaner schuften als Staatssklaven auf Baustellen

Exportschlager Mensch: Nordkorea schickt im grossen Stil Arbeiter nach Katar. Von ihrem Gehalt sehen die Beschäftigten kaum etwas – das meiste kassiert das Regime in Pjöngjang. Menschenrechtsorganisationen sprechen von moderner Sklaverei.

08.11.14, 11:46 08.11.14, 12:36

Ein Artikel von

Tausende von Wanderarbeitern aus Nordkorea schuften seit Jahren auf Baustellen in Katar – praktisch ohne Bezahlung. Sie werden in den neuen Vierteln eingesetzt, die 2022 das Herzstück der umstrittenen Fussball-WM bilden sollen. Nach einem Bericht des «Guardian» sind die Männer so etwas wie «staatlich geförderte» Sklaven. «Wir sind hier, um Devisen für unsere Nation zu verdienen», sagte ein nordkoreanischer Arbeiter der englischen Zeitung.

Die Gastarbeiter verbringen in der Regel drei Jahre in dem Golf Emirat. Bei ihrer Rückkehr nach Nordkorea erwarten sie, das volle Gehalt ausbezahlt zu bekommen. Doch nach einer Reihe von Zeugenaussagen erhalten die Arbeitnehmer meist weniger als zehn Prozent ihres mühsam erarbeiteten Verdienstes. Ihr Aufenthalt in Katar dient lediglich dem Regime. Dieses beschafft sich durch die Zwangsarbeiter neue Devisen.

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un beim Besuch einer Baustelle in der Heimat. Bild: KCNA/REUTERS

Die Nordkoreaner arbeiten auch dann noch, wenn die anderen schon längst Feierabend haben

Nordkoreas Wirtschaft ist isoliert und gehört zu den schwächsten der Welt. Das nordkoreanische Regime unter der Führung von Kim Jong Un sieht sich derzeit internationalen Sanktionen ausgesetzt. Diese haben zum Ziel, das Regime in Pjöngjang zur Aufgabe des Atomprogramms zu zwingen.

In der weitläufigen Baustelle, wo die Nordkoreaner eingesetzt werden, in Lusail City, nördlich der Hauptstadt Katar, seien vier Grossbaustellen, sagte ein nordkoreanischer Arbeiter. In der Planstadt soll 2022 auch das WM-Finale stattfinden.

Die Nordkoreaner kämpfen schwer mit dem beissenden Wüstensand und arbeiten von früh morgens bis spät in der Nacht. Sie sind auch dann noch auf der Baustelle, wenn die Kollegen anderer Nationen sie längst verlassen haben, heisst es.

Arbeiter in Katar warten nach ihrer Schicht in der brennenden Sonne auf den Bus, der sie in die Unterkunft zurückbringt. Bild: EPA

Bis zu 65'000 Staatssklaven in aller Welt

«Sie haben keinen einzigen Riyal für sich» und «leihen sich von uns Geld falls sie Kleinigkeiten wie Zigaretten benötigen», berichtete ein Projektmanager. Aidan McQuade, Direktor von Anti-Slavery International, der ältesten Menschenrechtsorganisation der Welt, sprach von «moderner Sklaverei».

Schätzungen zufolge arbeiten in Katar mehr als 3000 Nordkoreaner. Sie sind Teil einer weltweiten Armee von Arbeitern des nordkoreanischen Regimes, um dringend benötige Devisen heranzuschaffen. Bis zu 65'000 Nordkoreaner arbeiten im Ausland, überwiegend in Russland, China, der Mongolei und im Nahen Osten.

Arbeitern werden 90 Prozent des Lohns weggenommen

Kim Joo Il, ein im Jahr 2005 geflüchteter Armeeoffizier aus Nordkorea, schätzt, dass das Regime etwa 70 Prozent des Gehalts der Arbeiter im Ausland kassiert. Nach Abzug der fiktiven Kosten für Essen und Unterkunft sollen den Arbeitern lediglich noch zehn Prozent bleiben.

Zwei Mitarbeiter der vom nordkoreanischen Staat geführten Rekrutierungszentren in Katar bestätigten, dass die Arbeiter ihre Gehälter nicht persönlich erhalten. Ein Teil des Geldes würde den Familien in Nordkorea geschickt, hiess es dort.

Das Vorgehen des Regimes um Kim Jong Un zur Devisenbeschaffung ist kein grosses Geheimnis. Vor wenigen Monaten hatte das US-Aussenministerium die Behandlung ausländischer Arbeiter kritisiert, die für das Regime Fremdwährungen verdienten. In der Stellungnahme war auch von «Zwangsarbeit, Überwachung, Drohungen und Repressalien», seitens Nordkoreas die Rede.

Die Behausung ausländischer Bauarbeiter in Katar auf einem Bild, das Amnesty International veröffentlicht hat. Bild: EPA

Katar: «Wir nehmen alle Fragen sehr ernst»

Die Situation von Gastarbeitern in Katar hatte sich zuletzt verbessert, nachdem im vergangenen Jahr der «Guardian» über zahlreiche Todesfälle und Missbrauch der Menschen auf den Baustellen berichtet hatte. Im Mai dieses Jahres hatte das Emirat eine Reihe von Reformen angekündigt, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter zu verbessern.

Ein Sprecher des Ministeriums für Arbeit und Soziales sagte: «Wir nehmen alle Fragen rund um die Bezahlung der Arbeiter sehr ernst. Derzeit seien 2800 nordkoreanische Gastarbeiter in Katar registriert, Beschwerden über ihre Bezahlung oder Behandlung liegen uns nicht vor. Katar ist entschlossen, die Arbeitsbedingungen für alle, die im Land arbeiten, zu verbessern.» (ram/mhu)



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    Alle Leser-Kommentare
  • Hans der Dampfer 08.11.2014 18:41
    Highlight Ich bin auch der Meinung das die FIFA der Schweiz schadet und sie unterstützt ein Schneeball artiges System wo einige wenive profitieren und viele für den Wohlstand einiger schufzen müssen. Leider wagt es aber die Politik nicht ein Zeichen zu setzen - Zu gut wird wohl daran verdient.
    14 0 Melden
  • Markus Noach Meister 08.11.2014 18:25
    Highlight Wenn ich den Namen Mr.Sepp Blatter wird mir einfach nur schlecht!
    10 0 Melden
  • Zeit_Genosse 08.11.2014 15:50
    Highlight Katar-ISIS-Nordkorea-FIFA-Connection. Unheilvolle Verbindungen. Nur damit die FIFA noch mehr Gewinn machen kann. Der Fussball ist längst Mittel zum Zweck.
    22 0 Melden
  • Lumpirr01 08.11.2014 14:51
    Highlight Absolut skandalös! Als Schweizer muss man sich schämen, dass sich der Sitz der FIFA in Zürich befindet! Weiter deprimierend sind auch die beiden Umstände, dass der sehr reiche Weltfussverband in der Schweiz keine Steuern bezahlen muss und dass der machtgeile Sepp Blatter sein Amt keinem Nachfolger überlassen will...........
    19 1 Melden
  • Mia_san_mia 08.11.2014 14:33
    Highlight Unglublich das dieses Turnier immer noch nicht abgesagt worden ist!
    27 0 Melden
  • roger.schmid 08.11.2014 14:13
    Highlight Sklaven, Konzentrationslager, Hungersnot. Was sich dieses Regime in Nordkorea alles erlauben kann ist unglaublich.. aber alles geht, solange man von China beschützt wird. Es ist zum #!?*%!
    21 2 Melden
    • Joe putz 08.11.2014 22:05
      Highlight Und damit die schweiz etwas gegen china unternehmen kann braucht sie geld, das bekommt sie indem sie am fach religion an kantonsschulen geld spart. Besonders in willisau. Den nordkoreanischen arbeitern zuliebe!
      Lg schilliger
      2 5 Melden
  • jbaur 08.11.2014 13:14
    Highlight wer wäre dabei, politisch gegen die Fifa in der Schweiz vorzugehen? zb mit einer Initiative?
    32 0 Melden
    • kuhrix 08.11.2014 13:47
      Highlight Genau, wir sollten dieses Pack aus der Schweiz werfen. So etwas ist nicht mit unseren Werten vereinbar. Natürlich müsste man dann konsequenterweise auch das Turnier boykottieren.
      25 1 Melden
    • manhunt 08.11.2014 14:49
      Highlight bleibt anzumerken das diese verdammte bande trotz milliardenumsätzen kaum steuern zahlt. und der kleine giftzwerg sagt dann wieder: "äs geit doch nur um dr füäsball".
      20 0 Melden
    • Hans der Dampfer 08.11.2014 18:43
      Highlight Ist mir offen gesagt auch durch denk Kopf. Aber ich frage mich ob das wirklich per Initiative möglich wäre.
      7 0 Melden
  • DerWeise 08.11.2014 12:28
    Highlight ....wohlgemerkt auch das Katar, welches jahrelang die ISIS finanziell unterstützt hat. Die FIFA ist ein Witz ...
    36 1 Melden

Herr und Frau Mötzli, können wir uns nicht einfach mal freuen?!

Die Schweiz schlägt Serbien hochdramatisch 2:1. Schlagzeilen machen aber die Doppeladler beim Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Die Gesten waren unüberlegt und unnötig. Aber auch verständlich für Spieler, bei denen sich so viel um Identität und Zugehörigkeit dreht.

Als sich Xherdan Shaqiri nach seinem 2:1 in der 90. Minute gegen Serbien dazu entschied, seine Hände zum Doppeladler zu formen, da wurde er innert Sekunden vom Helden zum Deppen. 

Zumindest für ganz viele Schweizer Fans. Die Freude über den Sieg wurde schnell gedämpft. Dürfen sich Schweizer da überhaupt noch freuen? Das war doch Hochverrat!

Zum Glück, so muss man fast sagen, haben Shaqiri und Xhaka mit dem Doppeladler für einen kleinen Skandal gesorgt. Sonst, man stelle sich vor, hätten …

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