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Annemiek van Vleuten bemerkt in der Rechtskurve zu spät, dass sie diese falsch anfährt.
bild: srf

Van Vleutens Horrsturz war ein Fahrfehler – aber Kritik am Olympia-Kurs ist trotzdem angebracht

Er war der grosse Schocker beim Strassenrennen der Damen: Der fürchterliche Sturz der in Führung liegenden Annemiek van Vleuten. Niemand anders als die Holländerin war am Sturz schuld, doch auch die Veranstalter haben Fehler gemacht.

08.08.16, 11:14 08.08.16, 14:03


Der Walliser Didier Plaschy, Sieger zweier Weltcupslaloms, ging stets mit einer knallharten Strategie an den Start: «Sieg oder Sarg» lautete sein Motto. Alles oder nichts – das galt auch in den Olympischen Strassenrennen in Rio für die in Führung liegenden Athleten. Sowohl bei den Männern (Vincenzo Nibali und Sergio Henao) wie auch bei den Frauen (Annemiek van Vleuten) endeten Goldträume nach Stürzen in der letzten Abfahrt im Spital.

Besonders der Hochgeschwindigkeits-Sturz der Holländerin, live in die Welt übertragen, liess den Zuschauern vor den Fernsehern das Blut in den Adern gefrieren. «Ich dachte, sie sei tot», gestand die neue Olympiasiegerin, Landsfrau Anna van der Breggen, welche den Unfallort kurz darauf passiert hatte.

«Sieg oder Sarg.» Was makaber klingt und bloss der Übertreibung dient, wäre gestern in Rio de Janeiro beinahe tragische Realität geworden. Annemiek van Vleuten überstand den schweren Unfall mit drei Knochenabsplitterungen an der Lendenwirbelsäule und einer schweren Gehirnerschütterung. Auf Twitter meldete die 33-Jährige aus dem Spitalbett, dass sie vor allem «super enttäuscht» sei nach dem «besten Rennen» ihrer Karriere. Aussagen, die hoffen lassen, dass die Rennfahrerin ihren Fokus vielleicht schon bald wieder auf den Sport richten kann.

Kurve falsch angesteuert

Van Vleutens Sturz ist auf einen Fahrfehler zurückzuführen. Sie nimmt in der technisch schwierigen Abfahrt volles Risiko, distanziert ihre amerikanische Fluchtgefährtin Mara Abbott deutlich.

In einer tückischen Rechtskurve der fatale Fehler der Holländerin: Anstatt von aussen nach innen zu ziehen, fährt sie ganz rechts am Strassenrand. Die Fliehkräfte ziehen sie nach links. Van Vleuten versucht, zu korrigieren. Scharf zu bremsen und zu hoffen, ist im dichten Urwald ihre letzte Chance. Über eine Wiese ausweichen, wie es einst Lance Armstrong tat, geht nicht, weil überall Bäume sind. Beim Bremsmanöver knallt van Vleuten kopfüber auf den Asphalt. Regungslos bleibt sie liegen.

Van Vleutens Sturz.
streamable

Risiko, mehr Risiko, zu viel Risiko

Die Kritik, der Olympia-Parcours sei zu schwierig, ist indes verkehrt. An sämtlichen Rundfahrten gibt es solche heiklen Abfahrten. Es ist kein Zufall, dass vor allem diejenigen stürzten, die Gold vor Augen hatten. Sie riskierten schlicht mehr als diejenigen, für die es nicht mehr um die Medaillen ging – und zwar soviel mehr, dass es nicht bei allen gut ging.

Als zu schwierig kann der Kurs also nicht bezeichnet werden. Und trotzdem müssen sie die Organisatoren den Vorwurf gefallen lassen, dass er gefährlich war. Denn die kleine Mauer am Strassenrand, auf die Van Vleuten stürzte, hätte im Vorfeld als Gefahr erkannt werden müssen. Hätte man den Kurs deshalb ändern müssen? «Ich bin sehr verärgert über die Parcours-Designer», sagte der britische Bahn-Olympiasieger Chris Boardman. «Ich fuhr selber da hinunter, sah diese Mauern und wusste: Da steht niemand wieder auf, der hier stürzt.»

Annemiek van Vleuten bringen all die Diskussionen nichts mehr. Anstatt als Olympiasiegerin wird sie Rio ohne Medaille verlassen. Dafür ist sie noch einmal mit dem Leben davongekommen. Und das ist nach diesem fürchterlichen Sturz mehr Wert als jeder Titel.

epa05463286 Anna van der Breggen of the Netherlands celebrates as she crosses the finish line to win the gold medal in the women's cycling road race of the Rio 2016 Olympic Games at Fort Copacabana in Rio de Janeiro, Brazil, 07 August 2016.  EPA/LUKAS COCK AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

Anna van der Breggen: Gold auch für die gestürzte Teamkollegin.
Bild: EPA/AAP

Update

Am Tag nach dem Unfall twittert van Vleuten erneut aus dem Spital. Sie müsse noch für weitere Untersuchungen da bleiben, hoffe aber, das Krankenhaus bald verlassen zu können. «Zu wissen, dass diese Chance nur einmal in vier Jahren kommt, macht es nicht leichter.»

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17
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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sauraus 08.08.2016 22:15
    Highlight Welcome to the GCN Show:)
    0 0 Melden
  • c_meier 08.08.2016 20:05
    Highlight Es gibt noch ein neues Video wo es etwa 2 Minuten geht bis Hilfe eintrifft aber einer immer filmt :(..
    Weiss das jemand, in den USA darf ja auch NUR ein Arzt helfen, ist das in Brasilien auch so?
    3 0 Melden
  • dave1771 08.08.2016 19:40
    Highlight Naja so schwer sah das nicht aus!
    0 6 Melden
  • Mario le magnifique 08.08.2016 17:04
    Highlight Finde ich toll haben sie dort in der abfahrt keine abschrankungen hingestellt, denn sonst wäre fäbu in führung liegend wieder reingefahren...

    Nibali und die holländerin sind selber schuld, da sie das limit zu sehr gesucht haben. Punkt.

    1 7 Melden
  • EvilBetty 08.08.2016 12:47
    Highlight a) Wird die Strecke nicht vorher von den Fahrern besichtigt?

    b) Wie kommt man auf die Idee eine Kurve auf der Innenseite anzufahren?

    Ich kann da echt keinen Fehler bei der Strecke ausmachen...

    Der Athletin wünsche ich eine schnelle und vor allem vollständige Genesung.
    22 3 Melden
  • Karl Müller 08.08.2016 12:25
    Highlight Ich bin zwar alles andere als ein Radsportexperte, aber als die Kritik über diese Strecke losbrandete, wähnte ich mich im falschen Film. Fährt man denn etwa an der TdF nicht auch völlig ungesicherte Alpenpässe runter? Sind bei anderen Abfahrten die Kurven nicht auch gesäumt von Mauern, Randsteinen etc.? Manchmal habe ich das Gefühl, bei dieser Olympiade regiert in den Medien und bei den "Experten" die Jagd auf Skandale ...
    51 1 Melden
    • Ratchet 08.08.2016 22:01
      Highlight Hauptsache alles was Brasilien tut ist schlecht.
      2 1 Melden
  • lemeforpresident 08.08.2016 12:17
    Highlight Ich finde solche Tipps schlecht, denn sie verleiten Unerfahrene zu einem für sie gefährlichen Fahrstil... wenn man nicht das Fahrkönnen und die Erfahrung hat, Kurven mit hoher Geschwindigkeit zu fahren, dann kann das böse enden...
    3 27 Melden
    • lemeforpresident 08.08.2016 13:01
      Highlight Ja liebe Blitzer, ginge es um einen Ralleyunfall fändet ihr die Tipps vielleicht auch unangebracht... Fahrtechnik und Taktik muss sich entwickeln, wäre schade wenn auf Grund fehlender Erfahrung bei einer Passabfahrt frontal in einen Lastwagen knallt... So zum Vergleich, der Effekt ist je nach Situation etwa der selbe wie wenn man mit 80 in eine Betonmauer fährt! Stay safe!
      3 13 Melden
    • Hoppla! 08.08.2016 13:09
      Highlight Und was sind denn deine Tipps? Von hoher Geschwindigkeit spricht ja niemand ("Nie übers eigene Limit gehen!").

      Bremsen vor der Kurve, Innenseite Pedal oben, Kurve rund, nach vorne schauen,... Das sind sicherheitsrelevante Tipps, egal bei welchem Tempo.
      17 0 Melden
    • so en shit 08.08.2016 13:13
      Highlight Tipps wie man eine Kurve schnell fährt finde ich auch schlecht. Dies sind aber Basics welche für eine sichere Fahrt notwendig sind und daher durchaus angebracht.
      11 0 Melden
  • Nosgar 08.08.2016 11:51
    Highlight Dass van der Breggen davon ausging, dass sei tot ist und dann dennoch weiterfährt und ausgelassen jubelt, muss man wohl nicht verstehen.
    43 20 Melden
  • DomiNope 08.08.2016 11:42
    Highlight Müsst ihr diesen horror sturz wirklich zeigen?
    3 47 Melden
    • Ralf Meile 08.08.2016 11:46
      Highlight Es steht jedem frei, ob er das Video anklickt.

      Ich habe das Video absichtlich so geschnitten, dass man den Sturz nur aus der Ferne sieht und Zeitlupen extra weggelassen. Das Video dient primär zur Veranschaulichung der falschen Linienwahl.
      64 2 Melden

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