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2016 Rio Olympics - Triathlon - Final - Women's Final - Fort Copacabana - Rio de Janeiro, Brazil - 20/08/2016. Gwen Jorgensen (USA) of USA and Nicola Spirig (SUI) of Switzerland compete. REUTERS/Adrees Latif  FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS.

Olympiasiegerin Jorgensen vor Spirig, die Silber holt. Bild: ADREES LATIF/REUTERS

Spirig nach Gold in London nun mit Silber: «Es war ein super Rennen, ich bin mega glücklich!»

Vier Jahre nach ihrem Olympiasieg in London gewann Nicola Spirig Silber. Die Zürcher Unterländerin musste sich einzig der Amerikanerin Gwen Jorgensen geschlagen geben.

20.08.16, 18:09 21.08.16, 09:09


Im Laufen kam es zum erwarteten Duell zwischen den als erste Anwärterinnen auf den Olympiasieg gehandelten Nicola Spirig und Gwen Jorgensen. Die beiden setzten sich in der abschliessenden Disziplin schon nach wenigen hundert Metern vom Rest des Feldes ab und brachten die Strecke bis zwei Kilometer vor dem Ziel gemeinsam hinter sich. Dann sorgte die zweifache Weltmeisterin mit einer Tempoverschärfung für die Entscheidung. Platz 3 sicherte sich die Britin Vicky Holland.

«Ich bin emotionaler als nach dem Gold in London», strahlte Spirig kurz nach dem Rennen im SRF-Interview. «Ich glaube, dass ich alles richtig gemacht habe.» Sie bedauerte bloss eines: «Am Ende hatte ich leider wieder keine Zeit, eine Schweizer Fahne zu nehmen auf der Zielgeraden.»

Silver medal winner Nicola Spirig of Switzerland celebrates with her family after the women’s Triathlon in Fort Copacabana at the Rio 2016 Olympic Summer Games in Rio de Janeiro, Brazil, pictured on Saturday, August 20, 2016. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Familie Spirig feiert die Silbermedaille: Mami Nicola, Papi Reto und Söhnchen Yannis. Bild: KEYSTONE

Rennen auf dem Rad hart gemacht

Den ersten Teil, die anderthalb Kilometer Schwimmen, hatte Nicola Spirig mit zehn Sekunden hinter der Spitze beendet. Während den 40 Kilometern auf dem Fahrrad versuchte sie mehrmals sich abzusetzen und sich für die abschliessende, zehn Kilometer lange Laufstrecke einen Vorsprung zu erarbeiten. Gelungen ist es ihr nicht. Gleich 18 Athletinnen kehrten fast gleichzeitig in die Wechselzone zurück, unter ihnen auch die zweite Schweizer Starterin, Jolanda Annen. Die Urnerin, die als Ziel eine Klassierung in den ersten 25 hatte, belegte Platz 14.

«Ich wusste, dass ich die fitteste im Feld bin und versuchte deshalb, das Rennen auf dem Rad hart zu machen», erklärte Spirig ihre Taktik. Spirigs Trainer Brett Sutton lobte den Auftritt seiner Top-Athletin: «Nicola hat ein besseres Rennen als vor vier Jahren in London gezeigt. Ich war davon ausgegangen, dass sie mit 40 Sekunden Rückstand aus dem Wasser kommt. Doch sie war in der ersten Gruppe.»

epa05502091 Nicola Spirig (front) of Switzerland competes in the cycling leg of the women's Triathlon race of the Rio 2016 Olympic Games at Fort Copacabana in Rio de Janeiro, Brazil, 20 August 2016.  EPA/PETER KLAUNZER

Auf dem Rennrad drückte Spirig mächtig auf die Tube. Bild: EPA/KEYSTONE

Silber, das Gold wert ist

Nicola Spirig darf sich trotz der verpassten Titelverteidigung als Siegerin fühlen. Einen Wettlauf, jenen gegen die Zeit, hatte sie schon in den Monaten vor den Olympischen Spielen gewonnen. Anfang März war das Projekt «Rio 2016» akut gefährdet. Der Sturz in Abu Dhabi beim Saisonauftakt der WM-Serie und dem Mehrfachbruch der linken Hand als Folge machten die zusammen mit Trainer Brett Sutton erarbeiteten Trainingspläne zu einem grossen Teil zur Makulatur.

Nach der zwei Tage später vorgenommenen Operation, bei der die verletzte Hand mit 23 Schrauben und drei Platten fixiert wurde, war Improvisation gefragt – verbunden mit dem Glauben daran, das von verschiedener Seite als unmöglich Erachtete möglich zu machen und beim Highlight des Jahres dabei sein zu können. Nicole Spirig nahm die Herausforderung an. Die Hoffnung, als Titelverteidigerin in Rio am Start zu stehen, übertünchte die Selbstzweifel und die quälenden Gedanken an ein mögliches Scheitern. Das Wissen, für ein erfolgreiches Abschneiden alles unternommen zu haben, wirkte beruhigend.

epa05502094 (L-R) Gwen Jorgensen of the USA, Nicola Spirig of Switzerland, and Barbara Riveros of Chile return to Copacobana beach after completing the swimming leg of the women's Triathlon race of the Rio 2016 Olympic Games at Fort Copacabana in Rio de Janeiro, Brazil, 20 August 2016.  EPA/PETER KLAUNZER

Spirig (Mitte) hielt im Schwimmen mit den besten in dieser Disziplin gut mit. Bild: EPA/KEYSTONE

Und jetzt?

Nicola Spirig hat allen Widerwärtigkeiten getrotzt, dank unbändigem Willen, nie erlahmendem Kampfgeist und einem Umfeld, das ihr jede mögliche Unterstützung zukommen liess. An diesem Samstag wurde die 34-Jährige aus Bachenbülach im Kanton Zürich für all die Strapazen, Bemühungen und auch die im letzten halben Jahr ertragenen Schmerzen belohnt. Aus dieser Warte glänzt Silber wie Gold.

Die Familie Spirig wird nun noch ein paar Tage in Brasilien bleiben. Nicolas sportliche Zukunft ist offen. Klar indessen ist, dass es für sie die letzten Olympischen Spiele als Triathletin waren. «Aber die sportliche Zukunft werden wir in den nächsten Tagen besprechen», sagt Spirig. Sutton weiss etwas mehr: «Sie hat mir gesagt, dass sie noch zwei weitere Kinder möchte.» Gut möglich also, dass sich die Prioritäten wieder verlagern. (ram/sda)

Alle Schweizer Medaillengewinner in Rio

24.04.1993: Järmann schlägt im Sprint Weltmeister Bugno und gewinnt das Amstel Gold Race

14.02.2004: Der Pirat geht von Bord – aber in den Herzen der Fans lebt Marco Pantani ewig

17.07.1992: Der Thurgauer Rolf Järmann bodigt Ex-Gesamtsieger Pedro Delgado und gewinnt die längste Tour-Etappe

11.10.1998: Ein halbes Jahrhundert nach Ferdy Kübler trägt mit Oscar Camenzind endlich wieder ein Schweizer das Regenbogentrikot

14.07.2003: Armstrong rettet sich nach dem Horrorsturz von Beloki mit einem Höllenritt querfeldein über das Kornfeld

13.07.1967: Tom Simpson stirbt am Mont Ventoux – und sein Name wird zu einem Mahnmal für alle Radsport-Profis

30.01.2011: «Dummi huere Ruederer» und «Schiiss-Ponys» machen Reporter Hans Jucker zur Legende

22.03.1995: Du kannst im Fitness-Center strampeln wie du willst – an den durchdrehenden Nüscheler kommt keiner ran

09.04.2006: Ein Lenkerbruch und ein Albtraumsturz zerstören den grossen Traum von Armstrongs Edelhelfer

17.06.1981: «Dä Gottfried isch für mich gschtorbe!» – 2 Tage nach dem Zitat seines Lebens fliegt Beat Breu ins Leadertrikot

20.07.2006: Floyd Landis begeistert die Sportwelt mit einer historischen Flucht – und wird kurz nach dem Tour-Sieg als Doper entlarvt

15.10.2011: Für einen Tag schlüpft Oliver Zaugg aus der Rolle als Helfer und feiert den grössten Triumph seiner Karriere

22.07.2001: Sven Montgomery erlebt an der Tour den schönsten Moment seiner Karriere – und nur drei Tage später den schlimmsten

21.07.2009: Jens Voigt stürzt fürchterlich und gibt drei Tage später ein obercooles Interview

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    Alle Leser-Kommentare
  • Chloote 21.08.2016 07:08
    Highlight Fantastische Leistung von Nicola Spirig!!!
    Sie hat ALLES Richtig gemacht beim Schwimmen, Radfahren und auf der Laufstrecke.
    Ganz am Schluss des Rennens fehlte Ihr ganz einfach die Kraft, um noch als erste ins Ziel zu kommen.
    Nach Ihrem Handbruch im März und den dadurch erschwerten Vorbereitungen zu diesen Olympiaden hätte Ihr wohl niemand mehr eine solche Hammerleistung zugetraut.
    Herzliche Gratulation Nicola Spirig das war "Spitze"
    Herzliche Gratulation Nicola
    2 0 Melden
  • Ben L. 20.08.2016 19:47
    Highlight Total guet. Respect
    28 0 Melden

Marc Rosset holt sich an Federers 11. Geburtstag sensationell Olympiagold

8. August 1992: Marc Rosset siegt im Olympia-Final gegen Lokalmatador Jordi Arrese und gewinnt in Barcelona Gold. Mit dem überraschenden Coup hält der Genfer als einziger Medaillengewinner auch die Schweizer Fahne hoch. 

Noch einmal nimmt Marc Rosset Mass, noch einmal drückt er die Filzkugel mit Topspin ins Feld, noch einmal degradiert er den Spanier Jordi Arrese zum Zuschauer. Dann: Jubelpose im Sand, Hände über dem Kopf zusammenschlagen, der ungläubige Blick auf die Anzeigetafel. 7:6, 6:4, 3:6, 4:6, 8:6 steht da geschrieben.

Marc Rosset läuft zum Netz, umarmt den glücklosen Lokalmatador. Der Schlaks und sein Gegner, es sieht aus wie bei Vater und Sohn, etwas unbeholfen und fremd. Aber der «Vater» ist …

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