Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Rio Olympics - Olympic Park - Rio de Janeiro, Brazil - 01/08/2016. Syrian refugee team swimmer Yusra Mardini, 18, from Syria speaks with her German coach Sven Spannekrebs at the Olympic swimming venue.            REUTERS/Michael Dalder   FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS.

Die syrische Schwimmerin Yusra Mardini (mit ihrem deutschen Trainer Sven Spannekrebs) ist so etwas wie der Star des Flüchtlingsteams. Bild: MICHAEL DALDER/REUTERS

1 Team – 10 Schicksale: Die Olympia-Mannschaft der Flüchtlinge soll Hoffnung machen

Die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro erleben eine Premiere der besonderen Art. Zum ersten Mal dürfen Flüchtlinge aus mehreren Ländern in einem gemeinsamen Team antreten.



Die Statistik ist deprimierend: Mehr als 65 Millionen Menschen waren 2015 auf der Flucht, hielt das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) in seinem Jahresbericht fest. Es ist die höchste Zahl seit dem Zweiten Weltkrieg. 21,3 Millionen mussten in ein anderes Land flüchten. Mehr als die Hälfte davon stammt aus nur drei Ländern: Afghanistan, Somalia und Syrien.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will nun «ein Zeichen der Hoffnung» für geflüchtete Sportler und Menschen aus aller Welt setzen. Es lässt an den am Freitag beginnenden Sommerspielen in Rio de Janeiro erstmals ein Refugee Olympic Team (ROT) antreten. Aus 43 Kandidaten hat das IOC zehn Athletinnen und Athleten aus vier Ländern ausgewählt.

Das Flüchtlingsteam von Rio

Fünf Teilnehmer stammen aus dem Südsudan, sie treten als Mittelstreckenläufer in der Leichtathletik an. Hinzu kommen ein Marathonläufer aus Äthiopien, zwei Judokas aus der Demokratischen Republik Kongo und zwei Schwimmer aus Syrien. Sie werden unter der olympischen Flagge und mit der olympischen Hymne teilnehmen. An der Eröffnungsfeier im Maracanã-Stadion laufen sie als zweitletztes Team ein, vor Gastgeber Brasilien.

Seit ihrer Ankunft in Rio erfreuen sie sich einer Aufmerksamkeit, von der die meisten Olympioniken nicht einmal träumen können. Sie erhielten eine eigene Pressekonferenz, einen Empfang im Olympischen Dorf und einen Auftritt an der Session des IOC. Sie konnten die Christus-Statue auf dem Corcovado besichtigen, eine Läuferin aus dem Südsudan durfte die Fackel im Dorf tragen. Ausserdem verfügt das ROT über einen eigenen Twitter-Account und eine Facebook-Seite.

Stets in der Nähe: IOC-Präsident Thomas Bach, der angesichts des Doping-Skandals um die russischen Sportler auf positive Schlagzeilen angewiesen ist. Die Geschichten der zehn Flüchtlinge bieten dafür reichlich Stoff. Die beiden Judokas aus dem Kongo etwa starteten noch 2013 für ihr Land an der WM in Rio. Dort machte sich ihr Trainer mit ihren Pässen und dem ganzen Geld davon. Zwei Jahre schlugen sie sich mittellos auf den Strassen der brasilianischen Metropole durch, ehe man auf ihr Schicksal aufmerksam wurde.

Hoch emotional ist auch der Werdegang der 18-jährigen syrischen Schwimmerin Yusra Mardini. Sie gehört zu den Hunderttausenden, die letztes Jahr über die Balkanroute nach Europa flüchteten. Bei der Überfahrt von der Türkei auf die Insel Lesbos begann ihr Schlauchboot zu sinken. Yusra und ihre Schwester Sarah, ebenfalls eine trainierte Schwimmerin, sprangen ins Wasser und zogen das Boot während rund drei Stunden, ehe sie das rettende Ufer erreichten.

Play Icon

Die Pressekonferenz des Teams. Video: watson.ch

Schliesslich gelangten die beiden nach Deutschland. Heute leben sie in Berlin. Yusra kam bei den Wasserfreunden Spandau 04 unter. Mit ihrer lebhaften Art, ihren Englischkenntnissen und ihrem fotogenen Äusseren ist sie das Postergirl des ROT. In Rio geht sie über 200 Meter Freistil an den Start. Ihr Landsmann Rami Anis schwimmt die 100 Meter Delfin. Er stammt aus der Stadt Aleppo, die derzeit von syrischen und russischen Truppen in Schutt und Asche gebombt wird. Letztes Jahr flüchtete er nach Griechenland, heute lebt er in Belgien.

Echte Medaillenchancen hat niemand aus dem Team, für die zehn Teilnehmer gilt tatsächlich das alte olympische Motto «Dabei sein ist wichtiger als siegen». Das erinnert an die Somalierin Samia Yusuf Omar, die 2008 in Peking im 200-Meter-Rennen der Leichtathleten mit grossem Abstand Letzte wurde. 2012 wollte sie in London erneut dabei sein, doch wenige Monate vor den Spielen musste sie aus Somalia flüchten. Bei der Fahrt über das Mittelmeer ertrank sie.

Die Wettkampfstätten der Olympischen Spiele 2016 in Rio

Fakten zu Rio 2016

Stets missachtet, endlich berücksichtigt: Rio erhielt die Olympischen Spiele im fünften Anlauf

Link to Article

Die erfolgreichsten Teilnehmer olympischer Sommerspiele

Link to Article

Kein Federer, kein Wawrinka – aber diese Schweizer gehören in Rio zu den Favoriten

Link to Article

Beachvolleyball an der Copacabana – bestimmt eines der Highlights der Olympischen Spiele

Link to Article

Rekord! Mit 109 Athleten treten so viele Schweizer Olympioniken an wie seit 20 Jahren nicht mehr

Link to Article

Die Wettkampfstätten der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro

Link to Article

Ein gelber Kater und ein Artischocken-Kopf: Die Maskottchen von Rio heissen Vinicius und Tom

Link to Article

Der Zeitplan der Olympischen Spiele 2016 in Rio: Alle Entscheidungen in der Übersicht

Link to Article

Die 10 erfolgreichsten Schweizer an Sommerspielen? Ich behaupte: Du kennst keinen einzigen!

Link to Article

Vier Entscheidungen mehr als in London: Das ist neu bei den Olympischen Spielen

Link to Article

Fidschi träumt dank der Rückkehr des Rugbys von der allerersten Olympia-Medaille der Geschichte

Link to Article

Silber und Bronze hat Nino Schurter schon. In Rio zählt für ihn deshalb nur der Olympiasieg

Link to Article

Einmal um die ganze Welt für den grossen Traum von Olympia: Judoka Ciril Grossklaus greift an

Link to Article

Gewinnt die Schweiz in Rio ihre 200. Medaille an Olympischen Sommerspielen?

Link to Article

Mit diesen 14 Olympia-Zahlen kannst du bei deinen Freunden ganz schön angeben

Link to Article

Fussball-Gold muss her: Der wichtigste Olympia-Wettkampf für Gastgeber Brasilien

Link to Article

Bist du besser als damals in der Schule? 7 Lückentexte zu den Olympischen Spielen

Link to Article

Sitzstreiks, üble Wasserschlachten und zu viel Alkohol – Kuriositäten aus 120 Jahren Olympia 

Link to Article

Keine Lust aufs olympische Dorf: US-Basketballer wohnen auf Kreuzfahrtschiff

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

4
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 06.08.2016 09:43
    Highlight Highlight Was für ein sympatisches Team!
    Was für eine "Flucht nach vorn"!
    Sehr inspirierend so was!
  • Nameless Hero 05.08.2016 15:13
    Highlight Highlight Skandal! Jetzt nehmen uns die Flüchtlinge auch noch die Goldmedallien weg!

    (Wäre für mich persönlich ja ein Highlight, wenn jemand von denen eine Medallie gewinnen würde 😁 Hopp!)
  • Alnothur 05.08.2016 14:25
    Highlight Highlight Schön, auch mal Positives aus Rio zu hören :-)
    Und jetzt soll die UNO bitte noch Somaliland anerkennen, dann ist viel erreicht!
  • Thomas Bollinger (1) 05.08.2016 14:19
    Highlight Highlight Tolle Idee - mal eine positive Nachricht von einem Sportverband.

Hast du 9,81 Sekunden Zeit? Dann schau dir Bolts unglaubliche Aufholjagd zu Olympiagold an

Usain Bolt schafft an den Sommerspielen in Rio de Janeiro das Triple über 100 m. Der 29-jährige Jamaikaner siegt in 9.81 Sekunden vor dem Amerikaner Justin Gatlin (9.89).

Bolt spricht immer wieder davon, eine Legende wie beispielsweise Muhammad Ali im Boxen werden zu wollen. Deshalb möchte er am Zuckerhut wie 2008 in Peking und 2012 in London über 100, 200 m sowie mit der 4x100-m-Staffel das oberste Podest besteigen. Der erste (und vielleicht schwierigste) Schritt ist gemacht, denn über 100 m …

Artikel lesen
Link to Article