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Hingis und Bacsinszky strahlen um die Wette. Bild: PRAESENZ SCHWEIZ/HOS BRAZIL 2016

Pflicht erfüllt, folgt nun die Kür? Die Schweiz könnte die besten Olympischen Sommerspiele seit 1948 erleben

Die Schweizer Olympia-Delegation hat das vorgegebene Mindestziel von fünf Medaillen nach einer von zwei Wochen bereits erreicht. Doch einige Asse sind noch im helvetischen Olympia-Ärmel. Damit könnte die Schweiz die erfolgreichsten Sommerspiele seit 68 Jahren erleben.

15.08.16, 15:55 15.08.16, 16:28

«Fünf Medaillen», so lautete die Vorgabe von Swiss Olympics vor den Sommerspielen in Rio de Janeiro. Das Ziel schien mit den Absagen der Tennis-Asse Federer, Wawrinka und Bencic dann doch eher zu hoch gesetzt. 

Nun, nach der ersten Woche, hat die Schweiz ihr Ziel dank einigen etwas überraschenden Medaillen bereits erreicht und wir stellen schon jetzt gerne die Frage: 

Wie viele Medaillen hat die Schweiz geholt?
Antwort
  • 0 Gold
  • 0 Silber
  • 0 Bronze

Während die Goldmedaille der Ruderer, die im Vorjahr den Gesamtweltcup gewonnen haben, erwartet werden durfte, hat der Exploit von Fabian Cancellara doch eher überrascht. Auch das neu formierte Tennis-Doppel Hingis/Bacsinszky stiess doch etwas unerwartet bis in den Final vor, holte Silber und machte die grossen Absenzen im Tennis vergessen. 

Dazu kommen zwei Bronzemedaillen von Steingruber und Diethelm Gerber, die zwar beide von Medaillen träumten, aber nicht zum ganz engen Favoritenkreis zählten.

Bronze-Heidi ist aus Rio zurück in der Schweiz

Gibt's jetzt historische Sommerspiele?

Mit den bisherigen Medaillen hat die Schweiz – zumindest anzahlmässig – die letzten Sommerspiele schon übertroffen. Nach Anordnung im Medaillenspiegel (geordnet nach Gold, Silber, Bronze) könnte die Schweiz sogar die erfolgreichsten Sommerspiele seit 1948 erleben. 

Schweizer Medaillen der letzten 68 Jahre

2012 London: 4 (2-2-0)
2008 Peking: 7 (2-1-4)
2004 Athen: 5 (1-1-3)
2000 Sydney: 9 (1-6-2)
1996 Atlanta: 7 (4-3-0)
1992 Barcelona: 1 (1-0-0)
1988 Seoul: 4 (0-2-2)
1984 Los Angeles: 8 (0-4-4)
1980 Moskau: 2 (2-0-0)
1976 Montréal: 4 (1-1-2)
1972 München: 3 (0-3-0)
1968 Mexiko-Stadt: 5 (0-1-4)
1964 Tokio: 4 (1-2-1)
1960 Rom: 6 (0-3-3)
1956 Melbourne: 1 (0-0-1)
1952 Helsinki: 10 (2-6-6)
1948 London: 20 (5-10-5)

Pascal Richard holte 1996 in Atlanta die Goldmedaille im Strassenrennen. Bild: AP NY

Die Marke von Atlanta 1996 (4 Gold, 3 Silber) wird zwar schwer zu knacken, liegt aber im Bereich des Möglichen. Wir haben eine Übersicht zu den verbleibenden Schweizer Athleten mit realistischen Medaillenchancen. 

Mountainbike

Nino Schurter holte 2008 Bronze, vor vier Jahren gewann er Silber und nun will er endlich Olympiasieger werden. Der Bündner hat allerbeste Aussichten – genauso wie Jolanda Neff, die als grosse Favoritin zum Frauenrennen antritt. Im Männer-Rennen hat die Schweiz mit Mathias Flückiger und Lars Forster noch weitere Kandidaten für Edelmetall am Start.

Wenn es nach Wunsch läuft, holt die Schweiz im Mountainbike sogar Doppelgold!

Mountainbike Frauen: Samstag, 20. August, 17:30 Uhr. 

Mountainbike Männer: Sonntag, 21. August, 17:30 Uhr.

Posiert Jolanda Neff bald auch mit Olympia-Gold? Sie ist schliesslich die grosse Favoritin im Mountainbike-Rennen der Frauen. Bild: KEYSTONE

Triathlon

Nicola Spirig geht als Titelverteidigerin an den Start. Ob sie nach London auch in Rio de Janeiro Gold holt? Die Zürcherin gehört nach wie vor zu den herausragenden Akteurinnen ihrer Sportart.

Triathlon Frauen: Samstag, 20. August, 16 Uhr.

2012 gewann Spirig hauchdünn vor der Schwedin Lisa Norden die Goldmedaille.  Bild: EPA

Kunstturnen

Giulia Steingruber holte am Sonntagabend die erste Olympia-Medaille einer Schweizer Kunstturnerin in der Geschichte. Nach Bronze am Sprung hat sie nun die Chance, am Boden nachzulegen. Genug Selbstvertrauen dürfte die 22-jährige Ostschweizerin jetzt haben.

Turnen, Boden, Frauen-Final: Dienstag, 16. August 19:47 Uhr.

Können es nicht fassen: Steingruber und Coach Jordanov nachdem die Medaille am Sprung sicher ist. Bild: KEYSTONE

Reiten

Titelverteidiger Steve Guerdat zählt auch in diesem Jahr zu den Favoriten auf eine Olympia-Medaille. Zudem hat die Schweiz mit der Mannschaft (Guerdat, Sprunger, Fuchs, Duguet) die Chance, weiteres Edelmetall zu gewinnen.

Springreiten, Mannschafts-Final: Mittwoch, 17. August, 15 Uhr.

Springreiten, Einzel-Final: Freitag, 19. August, 18:30 Uhr.

Steve Guerdat mit Nino des Buissonnets. Bild: TONY GENTILE/REUTERS

Für alle weiteren Schweizer Athleten, die noch im Einsatz sind, würde eine Medaille an eine Sensation grenzen. Doch wenn nur schon die Trümpfe stechen, dann erleben die Schweizer äusserst erfolgreiche Sommerspiele. Vielleicht sogar die erfolgreichsten seit 1948.

Die besten Bilder der Olympischen Spiele

Unvergessene Olympia-Momente: Sommerspiele

17.09.1988: Zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Seoul gibt es geröstete Tauben

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Die Geschichte eines Bauernsohns, der im vorletzten Jahrhundert zum Olympiahelden wurde

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08.05.1984: Die Sowjets boykottieren Olympia. Eine Retourkutsche, die ihre Wirkung komplett verfehlt

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26.07.1992: Das beste Team, das jemals Basketball gespielt hat, verzaubert die ganze Welt

04.08.2012: Das knappste Finale in der Olympia-Geschichte im Triathlon gewinnt Nicola Spirig dank einer unglaublichen Willensleistung

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Ketchum 16.08.2016 10:07
    Highlight Jolanda Neff gehört sicher zu den Favoritinnen. Aber DIE Topfavoritin? Sie hat noch keine WM-Medaille in der Elite, und im Weltcup war die Dänin Anika Langvad diese Saison stärker. Schurter holt fast sicher Gold oder Silber, bei Neff wäre auch ein 9.Rang möglich.
    0 1 Melden
  • blobb 15.08.2016 19:25
    Highlight Ich hoffe sie brechen den Rekord ohne Reitmedallien. Die zählen für mich nur, wenn das Pferd Schweizer ist ;)
    11 5 Melden
  • Jimmy :D 15.08.2016 19:21
    Highlight die Silbermedalie auf der Frage "wie viele Medallien hat die Schweiz schon geholt" sieht wohl ehr blau aus. Oder bin ich farbenblind?
    2 1 Melden
  • AJACIED 15.08.2016 17:27
    Highlight Nach den absagen der Tennisler zu hoch gesteckt??
    Super haben es die andern den Zweiflern gezeigt.👍👍
    Es gibt nicht nur Tennis liebe "Experten"
    11 9 Melden
  • Nicosinho 15.08.2016 17:10
    Highlight echt sehr stark bis jetzt für eine so kleine Nation!

    wenn man da an die Ösis denkt ;))
    31 0 Melden

Alt-Bundesrat Schmid zum Russen-Doping: «Russische Spione waren in der Schweiz»

Alt-Bundesrat Samuel Schmid leitete für das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Doping-Untersuchung, die zu einer Sperre von Russland für die Spiele in Pyeongchang 2018 führte. Er spricht über Untersuchungen, Sicherheitsvorkehrungen und das Verhalten der Russen.

Herr Schmid, Russland klagt, der Entscheid des IOC sei eine «Verschwörung des Westens». Ist er das?Sicher nicht. Es existieren Fakten, die sich nicht weglügen lassen. Proben müssen manipuliert worden sein, chemische Zusammensetzungen von Urinproben sind nicht natürlich. Es kamen viele Elemente zusammen. In Russland versucht man, sich herauszureden, indem man die Schuld auf eine sehr kleine Gruppe von Verschwörern abwälzt.

Es geht aber um staatlich mit beeinflusstes Doping?Vielleicht kann man …

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