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Sara Benz schiesst die Schweizer Hockey-Girls mit zwei Toren gegen Japan in den Viertelfinal. Bild: AP/AP

Die beinahe schon kitschige Geschichte von Matchwinnerin Sara Benz

12.02.18, 16:44

Sascha Fey, Gangneung

Die vergangenen beiden Saisons musste Sara Benz verletzt pausieren. Nun trug die 25-jährige Winterthurerin mit zwei Toren zum 3:1-Sieg gegen Japan massgeblich zum vorzeitigen Viertelfinal-Einzug der Schweizerinnen bei.

Nach dem Gewinn der Bronzemedaille vor vier Jahren in Sotschi machte Sara Benz sportlich mehrheitlich eine schwierige Zeit durch. In den drei Spielzeiten danach konnte sie in der Meisterschaft bloss zwölf Partien bestreiten. Sie litt an Schwindel als Folge einer Hirnerschütterung. Dennoch setzte Nationaltrainer Daniela Diaz nach dem Comeback auf die Stürmerin.

Eiskunstlauf war nichts für Sara Benz, lieber trug sie die Hockeyausrüstung ihres Bruders. Bild: AP/AP

Warum, ist an den Winterspielen zu sehen. Nach ihren drei Assists beim 8:0 im Auftaktspiel gegen das vereinigte Team Korea schoss sie die Schweizerinnen gegen Japan mit einem Doppelschlag innert 171 Sekunden zum 2:0 (34.) auf die Siegerstrasse. Beim 1:0 erwischte sie die japanische Keeperin Nana Fujimoto mit einem Schuss unter die Latte in der nahen Ecke.

Zweimal eiskalt

«Wir wussten, dass ihr Goalie oben nicht so stark ist und schnell in die Knie geht, wenn wir von der Seite kommen», sagte Sara Benz. Und da sie nicht so recht wusste, was sie machen soll, brachte sie den Puck einfach mal aufs Tor, was sich als richtiger Entscheid entpuppte. Vor dem ebenfalls im Powerplay erzielten zweiten Treffer wurde sie von Christine Meier mit einem herrlichen Pass aus der eigenen Zone bedient, worauf sie alleine vor Fujimoto eiskalt abschloss.

Sara Benz entwischt und lässt Japans Keeperin keine Chance. Video: streamable

Dass Sara Benz ein «Knipser» ist, stellte sie in der Schweizer Liga, in der sie für die ZSC Lions tätig ist, immer wieder unter Beweis. 121 Tore in 92 NLA-Partien lautet ihre eindrückliche Bilanz. Zudem verfügte sie trotz des Verletzungspechs über eine enorme internationale Erfahrung. Pyeongchang sind ihre dritten Olympischen Spiele, ausserdem nahm sie an vier Weltmeisterschaften teil, erstmals 2009 im Alter von 16 Jahren. An Winterspielen war sie vor der Partie gegen Japan aber erst zweimal erfolgreich.

Bruder als Vorreiter

Dass Sara und ihre Zwillingsschwester Laura, die ebenfalls zum Team gehört, vom Eishockey-Fieber infiziert sind, kommt nicht von ungefähr, übte doch auch der vier Jahre ältere Bruder Dominik die Sportart aus. Er brachte es immerhin in die 1. Liga. Die Eltern schickten die beiden Töchter jedoch zunächst zum Eiskunstlauf. Sara und Lara wollten aber lieber eine so tolle Ausrüstung wie ihr Bruder tragen.

Sara Benz (ganz rechts) und ihre Kolleginnen nehmen die olympischen Ringe in Beschlag. Bild: KEYSTONE

Neben dem Eis schloss Sara Benz im vergangen Jahr ihr Jura-Studium ab. Danach absolvierte sie bis Ende November einen Teil ihres einjährigen Praktikums. Dieses setzt sie nach den Winterspielen fort, ehe sie die Anwaltsprüfung bestehen will. Derzeit gilt ihr ganzer Fokus aber dem Eishockey. Dass die Schweizerinnen nach zwei Partien bereits vorzeitig ihr Zwischenziel Viertelfinal erreicht haben, ist für sie «eine grosse Erleichterung. Es war eine super Teamleistung.»

Zum Abschluss der Vorrunde am Mittwoch gegen Schweden soll nun weiteres Selbstvertrauen getankt werden, schliesslich wollen die Schweizerinnen erneut eine Medaille gewinnen. Im Viertelfinal bekommen sie es sehr wahrscheinlich mit Finnland oder Russland zu tun. «Wir haben gegen beide Teams eine Chance. Das Wichtige ist, dass wir als Team zusammenstehen und unser Spiel spielen.»

Goalie-Rekord für Schelling

Goalie-Rekord für Florence Schelling: Die 28-Jährige feierte beim 3:1 der Schweizerinnen gegen Japan ihren achten Sieg an Olympischen Winterspielen. Damit egalisierte sie die Bestmarke der Kanadierin Kim St. Pierre. «Das ist grossartig. Aber ich bin nicht hier, um Rekorde zu brechen. Ich bin hier, um mit dem Schweizer Team Geschichte zu schreiben.»

Schelling war gegen Japan neben der zweifachen Torschützin Sara Benz die überragende Schweizer Spielerin. Sie wehrte gegen die über weite Strecken der Partie besseren Asiatinnen nicht weniger als 37 Schüsse ab. «Ich habe solche Spiele sehr gerne. So ist es einfacher, in der Partie zu bleiben», sagte Schelling. Die Japanerinnen hätten sie im ersten Drittel (1:7 Torschüsse) mit ihrer physischen und läuferischen Stärke überrascht. «Nach dem ersten Tor ging der Knopf auf.» (sda)

So hexte Schelling:

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • supi 13.02.2018 11:21
    Highlight Gratulation an Sara Benz, dass sie den Weg zurück auf das Eis gefunden hat.

    Toll, dass neben Daniela Diaz auch die Clubtrainer ihr das Vertrauen gaben, welches sie für ihr Come-back gebraucht hat.
    1 0 Melden
  • Bruno Wüthrich 12.02.2018 18:51
    Highlight Wie kommt die SDA darauf, die Asiatinnen seien besser (zumindest über weite Strecken) gewesen?

    Es sind immer die Sieger, der besser waren. Denn die Sieger (hier die Siegerinnen) haben das Entscheidene besser bewerkstelligt. Nämlich das Toreschiessen.

    Die Schweizerinnen haben hinten zugemacht, und vorne die entscheidenden Treffer markiert. Torfrau Florence Schelling ist Weltklasse und wird von den sehr diszipliniert agierenden Vorderleuten gut unterstützt.

    Weil die Japanerinnen dagegen kein Rezept fanden, können sie gar nicht besser gewesen sein. Denn sonst hätten sie gewonnen.
    24 21 Melden
  • Brucho 12.02.2018 17:47
    Highlight Und wo wäre die Schweizerinen im Hockey ohne die Girls von den ZSC Lions? Niergends!
    Tja Tikki zu einer richtigen Hockeyhauptstadt gehören halt (neben international einem Champions League und Victoria Cup Sieg) auch ein erfolgreiches Frauenteam und irgendwie scheint das Frauen Hockey an Euch vorbei gegangen zu sein ;-) Hopp Schwiiz
    36 50 Melden
    • Dan Rifter 12.02.2018 20:47
      Highlight Man könnte auch argumentieren, dass das Niveau im Schweizer Damenhockey höher wäre, wenn der Z und Lugano nicht so überlegen wären und die Natispielerinnen (die nicht im Ausland sind) unter sich aufteilen.

      Zudem: 1.5 Tore im Schnitt tönt schon toll - aber wenn 2 von 5 gegnerischen Teams quasi drittklassig sind, 2 weitere zweitklassig und nur ein Gegner auf Augenhöhe spielt - das relativiert diese Stats.

      Und wenn ein Club die Lebensader der Damen-Nati sein soll, dann ists der EHC Winterthur.
      2 6 Melden
    • Leguan 13.02.2018 06:39
      Highlight Solange es im Frauenhockey kein Geld zu verdienen gibt, wird Chole-Marc auch kein Frauenteam in Bern ansiedeln.
      8 1 Melden
    • supi 13.02.2018 16:58
      Highlight @DanRifter
      Wenn eine junge Frau ohne finanzielle Entschädigung ihre ganze Freizeit und Ferien für diesen Sport opfert, das ganze Material selber bezahlen muss ... finde ich es respektlos daran zu "mäkeln" dass sie ihre 1,5 Punkte wohl nur wegen der schlechten Gegner gemacht hat.

      Würde ein solcher Spruch jemals gesagt werden bei Andrew Ebbett oder Nilson betreffend ihrer Tore gegen Kloten, Ambri etc. ?
      1 0 Melden
  • Züzi31 12.02.2018 17:09
    Highlight Schelling verschiebt schneller als Flüeler 😉
    91 4 Melden
    • nJuice #NoNoBillag 12.02.2018 23:54
      Highlight Und dies sogar, wenn der Flüeli ausnahmsweise mal nicht verletzt ist (also so 10 Spiele inklusive Vorbereitung pro Saison xD )
      6 1 Melden

Florence Schelling – ganz einfach die beste Torhüterin der Welt

Hätten unsere Männer einen Goalie wie Florence Schelling, dann wären sie schon lange Weltmeister. Nun ist die beste Torhüterin der Welt nach dem 2:1 gegen Schweden gar olympische Rekordhalterin.

Als sie ihre Karriere begann, war Fraueneishockey in der Schweiz eine exotische Leibesübung. Florence Schelling bringt es im Herbst 2003 als 13-Jährige – da spielt sie noch mit den Buben der ZSC Lions in der Junioren-Meisterschaft – bereits zum ersten Länderspiel. Gegen Österreich. Sie sagt: «So jung in der Nationalmannschaft zu spielen, wäre heute ganz und gar unmöglich. Die Entwicklung des Fraueneishockeys ist einfach unglaublich.»

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