Sport

Sowohl in Kasachstan als auch in China müsste noch viel gebaut werden. Bild: JASON LEE/REUTERS

Welches ist das geringere Übel? IOC wählt heute Peking oder Almaty als Veranstalter der Olympischen Winterspiele 2022

Peking oder Almaty wird die Olympischen Winterspiele 2022 durchführen. Der Entscheid fällt heute Freitag im Rahmen der 128. IOC-Session in Kuala Lumpur. Die Wahl ist alles andere als einfach, beide Kandidaturen haben ihre Mängel.

31.07.15, 07:13 31.07.15, 12:32

Fest steht bereits jetzt: Zwischen 2018 und 2022 wird dreimal in Folge in Asien und damit auf dem selben Kontinent olympisches Edelmetall vergeben. Das hatte es zuletzt zwischen 1936 und 1952 (Berlin, London, Helsinki) gegeben.

Peking gilt als leicht favorisiert, weil das Know-how in der Organisation von Events dieser Grössenordnung vorhanden ist. Dank wirtschaftlich fast unbegrenzter Möglichkeiten und einem Gesamtbudget von rund drei Milliarden Dollar will die chinesische Millionenmetropole zur ersten Stadt werden, die nach Sommer- auch Winterspiele ausrichtet.

Umfrage

Wo sollen die Olympischen Winterspiele 2022 stattfinden?

  • Abstimmen

358 Votes zu: Wo sollen die Olympischen Winterspiele 2022 stattfinden?

  • 14%Almaty
  • 10%Peking
  • 76%Am besten gar nicht

Olympische Spiele auf Kunstschnee

Um Medaillen soll in drei Zonen gekämpft und gefahren werden, zwei davon liegen weit ausserhalb der Stadt: die nordischen Resorts 150 km nordwestlich in Zhangjiakou, die alpinen und der Eiskanal 72 km nördlich in Yanqing. Die Wettkampfstätten von 2008 will Peking einerseits für Eissportarten und die Infrastruktur nutzen, andererseits um rund 300 Millionen Menschen den Zugang zum Wintersport zu ermöglichen. «Wir wollen ein möglichst mächtiges Erbe hinterlassen», sagte OK-Sprecherin Wang Hui.

So oder ähnlich könnten die Skipisten in Peking 2022 aussehen. Bild: Ng Han Guan/AP/KEYSTONE

Es gibt aber auch einen grossen Wermutstropfen. Die Chinesen wollen ihre Spiele ohne Naturschnee durchführen. Dieser fällt in der Region Peking nämlich kaum. Im technischen Dossier der Chinesen steht darum auch: «Es könnte ausserhalb der Wettkampfstätten keinen Schnee geben, was die visuelle Wahrnehmung dieser Winterspiele beeinträchtigen dürfte.» 

Die Organisatoren wollen aber ausreichend Kunstschnee produzieren – auf umweltfreundliche Art, wie versichert wird. Speicherseen dafür gibt es genug, die Leidtragenden könnten aber die lokalen Bauern werden. 

Keine Pisten und Hotels

In Kasachstan setzte das Organisationskomitee auf weniger hohe Ambitionen, dafür auf mehr Kompaktheit. «Keeping it real» lautet der Slogan der ehemaligen Hauptstadt Almaty für die Kandidatur, die nach der Nicht-Berücksichtigung für die Top 3 für die Winterspiele 2014 als erste eingereicht worden ist.

Die elf Wettkampfstätten liegen im Umkreis von maximal 40 Kilometern, nur eine müsste für Olympia neu gebaut werden. Wie in Peking fehlen die Anlagen für den Alpinsport noch komplett. Auch die Hotels mit rund 11'000 Betten für Sportler, Betreuer, Helfer und Journalisten existieren noch nicht.

Die Eissportanlagen stehen schon. Pisten für die Alpinen gibt es in Almaty und Umgebung allerdings noch nicht. Bild: Pavel Mikheyev/AP/KEYSTONE

Bach: «Zwei exzellente Kandidaturen»

«Wir haben zwei exzellente Kandidaturen», versicherte IOC-Präsident Thomas Bach trotzdem. «Es stehen zwei unterschiedliche Konzepte zur Wahl. Beide Städte haben – obwohl sie aus dem letzten Bewerbungsverfahren vor der Einführung der olympischen Agenda 2020 hervorgegangen sind – die Grundgedanken dieser Agenda in vielen Teilen schon aufgenommen.» 

Auch Ueli Maurer weilt in Kuala Lumpur. Er wirbt für Lausanne als Ausrichter der Winter Youth Olympic Games 2020. Bild: FAZRY ISMAIL/EPA/KEYSTONE

Unter anderem sieht das vom Deutschen initiierte Programm vor, die immer gewaltiger werdenden Ausmasse zu redimensionieren. «Es geht darum, Spiele für Athleten unter wirtschaftlich vertretbaren Gesichtspunkten veranstalten zu können», so Bach.

Beobachter schliessen indes nicht aus, dass die Vergabe für das IOC zur Hypothek für die kommenden Jahre werden könnte. Sowohl Kasachstan (die Republik wird im Präsidialsystem regiert) als auch die Volksrepublik China (sozialistisches Einparteiensystem) stehen wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. (pre/si)

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
9
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodman 31.07.2015 09:06
    Highlight Ich finde die zunehmende Globalisierung der olympischen Winterspiele interessant. Bis vor wenigen Jahren waren Winterspiele und deren Teilnahme faktisch den Alpenländern, den Skandinaven, Russen, Kanadiern und US-Amerikanern vorbehalten. Seit Kurzem legen z.B. Südkorea und China im Eishockey oder Japan im Skifahren zu. Aus meiner Sicht tut diese weltweite Konkurrenz dem Weltsport gut, um nicht zu stark zu Fussballmonokultur zu werden.

    Daher unterstütze ich es auch denm Globalisierungsgedanken, dass auch andere "Exotische Länder" die Winterspiele ausrichten sollen. Mein Favorit: Almaty.
    3 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 31.07.2015 08:28
    Highlight Verbier steht ja mit den Chinesen in Kontakt, denn die haben zwar kalte Temperaturen und ein Gebirge, "nur" fehlt am Veranstaltungsort für die alpinen noch ein Skigebiet und immense Infrastruktur für die Schneeproduktion. Das ist sogar noch gewagter als in Sochi, wo Bernhard Russi immerhin Berge UND Schnee vorfand als er eine Piste bauen musste. Daher kann man Bachs Geschwafel von wegen Nachhaltigkeit der Spiele absolut nicht nachvollziehen, es fehlt schlichtweg jegliche Wintersportinfrastruktur (ok, Peking hat immerhin Stadien von 2008 und auch Kunsteisbahnen) und nach denn Spielen werden 95% der Anlagen ungebraucht bleiben (eine olympische Tradition). 2010 schien das IOC noch auf dem richtigen Weg (In Vancouver/Whistler wurde Bestehendes verwendet und wird Neues wie z.B. die Bob- und Skeletonbahn in Whistler weiterverwendet), und auch 2012 war die nachhaltige Verwendung mehr oder weniger gewährleistet, nun scheint sich das IOC aber auf unnachhaltige Verschwendung zu richten (und zwar nicht nur in China & Russland, case in point wäre das Olympiastadion in Tokyo und die Proteste dagegen).
    4 1 Melden
    • Amboss 31.07.2015 09:12
      Highlight Es ist nun mal so: Selbst wenn sämtliche Infrastruktur bereits besteht und nichts neu gebaut werden muss: Olympische Winterspiele sind eine riesige Belastung für den Veranstaltungsort und haben keinerlei nachhaltige positive Einflüsse. Es bringt rein gar nichts, Olympische Winterspiele zu veranstalten:
      Negative Effekte:
      - Verkehr, Lärm
      - Volle Hotels, teure Preise, langjährige Gäste werden vergrault

      Positive Effekte:
      - Hotelauslastung? Die Spiele finden voll in der Hauptsaison statt. Da sind die Hotels auch so voll...
      - Werbeeffekte? Nöö
      2 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 31.07.2015 10:13
      Highlight Stimme dir zu. 2012 brachte London gar nichts, die üblichen Touristen wurden schlichtweg durch Olympia-Besucher verdrängt. Ich hab 2010 auch nur aufgeführt weil die Infrastruktur nachhaltig genutzt wird (z.B. der Skytrain in Vancouver), aber auch dort sind die Kosten stark in die Höhe geschossen. Und das ist seit Jahrzehnten das Problem, Montreal brauchte 40 Jahre um die Schulden vom Bau des Olympiastadions von 1976 abzubauen.
      2 0 Melden
    • Amboss 31.07.2015 11:03
      Highlight @Max: Die Lösung für Winterspiele könnte folgendermassen Aussehen: Die Spiele finden in der zweiten Novemberhälfte an einem Ort, wo bestehende Anlagen genutzt werden können.
      Vancouver war eigentlich wirklich noch ein gutes Beispiel.
      Dann könnte die Vorsaison-Flaute gefüllt werden und es hätte vielleicht tatsächlich noch positive Effekte bzgl. Tourismus.
      So könnte es auch für Orte in demokratischen Ländern attraktiv sein.
      Die Frage ist nur: Ist da schon genug Schnee vorhanden?

      1 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 31.07.2015 12:14
      Highlight Abgesehen vom Eishockey (respektive der Frage ob die NHL pausiert) ist Februar ja unproblematisch (z.B. im Alpinski fällt halt die WM in Olympiajahren aus) und vom Schnee und Wetter her auf der Nordhalbkugel ideal (wär zwar toll wenn z.B. Neuseeland Olympia in unserem Sommer ausrichten könnte). Problematisch ist, dass das IOC die Spiele immer an Städte vergeben will, wenn die Spiele in einer grösseren Region (oder z.B. im Fall der Schweiz im ganzen Land) stattfinden würden, könnte mehr vorhandene Infrastruktur eingebunden werden. Und sogar dann fehlt es aufgrund der zahlreichen Sportarten noch an Infrastruktur (so verfügt nur eine handvoll Länder über Olympia-konforme Eisschnelllaufanlagen etc.).
      1 0 Melden
  • Sveitsi 31.07.2015 08:21
    Highlight Wo ist das logische und ökonomische Denken auf der Strecke liegen geblieben?
    7 1 Melden
  • MaskedGaijin 31.07.2015 07:49
    Highlight Katar wäre cool. Fussball WM im Winter und Winterspiele im Sommer.
    23 0 Melden
    • Hierundjetzt 31.07.2015 08:32
      Highlight ...und die Piste liegt schön überdacht gleich um die Ecke (Dubai).

      Und wir in der Schweiz (8 Mio Einwohner) machen uns Gedanken wenn eine (1) Batterie im Abfall liegt. Wir sind schon unermesslich reich? Mehr Luxusgedanken geht echt nicht mehr
      6 4 Melden

Noch ein Monat bis Olympia – das sind unsere grössten Medaillen-Hoffnungen

Am 9. Februar werden in Pyeongchang die Olympischen Winterspiele 2018 eröffnet. Einen Monat vorher wagen wir den Ausblick und sagen: 12 bis 14 Medaillen sind ein realistisches Ziel für die Schweizer Delegation. Das sind die grossen Trümpfe.

Unsere beiden Topshots. Wir rechnen mit zwei Medaillen.

Im Frauen-Slalom schwebt Mikaela Shiffrin über allen, dahinter balgen sich Wendy Holdener, Frida Hansdotter und Petra Vlhova um die beiden anderen Medaillen. Läuft alles normal, fährt Holdener aufs Podest. Und wenn Überfliegerin Shiffrin ausgerechnet in Pyeongchang patzt – Olympia schreibt die schönsten Geschichten – fliegt die Kombi-Weltmeisterin vielleicht gar mit Gold heim.

Mit dem souveränen Sieg an der Tour de Ski hat der Münstertaler …

Artikel lesen