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Gestatten: Chaunté Lowe, (frischgebackene) Gewinnerin einer Bronze-Medaille an Olympia 2008. Bild: Marcio Jose Sanchez/AP/KEYSTONE

Gute Seite des Doping-Skandals: US-Athletin Lowe rutscht vom Abgrund auf Bronze

22.11.16, 10:26 22.11.16, 12:08

Über 75 Athleten gedopt, 40 davon waren Medaillen-Gewinner: Der Doping-Skandal rund um die Olympischen Spiele 2008 in Peking und 2012 in London hat mit den Enthüllungen der «New York Times» einen neuen Höhepunkt erreicht. Während bei vielen Strahlefrauen und -Männern nun Wundenlecken angesagt ist – ist das dann eigentlich so eine Art Recycling der Steroide Stanozolol und Turinabol? Wir meinen ja nur ... –, herrscht anderswo unbändige, fassungslose und unverhoffte Freude. Die US-Hochspringerin Chaunté Lowe sagt: 

Meine olympische Geschichte wird komplett neu geschrieben.

Chaunté Lowe, Hochspringerin USA

Lowe sass vergangene Woche zuhause, so erzählt es das Leitblatt aus New York, als sie plötzlich eine Facebook-Nachricht einer deutschen Athletin aufpoppen sah, gegen die Lowé in Peking angetreten war. Darin: lediglich drei Worte.

Gratulation, Bronze-Gewinnerin.

Facebook-Nachricht an Chaunté Lowe

2012 in London flog Lowe erneut auf Platz Sechs. Wobei: Mal sehen ... Bild: DOMINIC EBENBICHLER/REUTERS

Acht Jahre nach ihrem Auftritt ist Lowé, heute 32 Jahre alt und Mutter einer Tochter, die damals noch im Säuglings-Alter war, völlig unverhofft in olympische Medaillen-Sphären katapultiert worden. Denn mit den beiden Russinnen Anna Tschitscherowa und Yelena Slesarenko und der Ukrainerin Vita Palamar wurden gleich drei besserplatzierte Mitstreiterinnen des Doping-Missbrauchs überführt. Kaum zu fassen. Oder, Frau Lowe?

Ich rechnete nach. Warte: 6, 5, 4 ... Meine Güte, das stimmt. Ich begann zu weinen.

Chaunté Lowe, Hochspringerin USA

Die US-Athletin ist sich sicher: Hätte es damals geklappt mit der Medaille, ihr wäre so einiges erspart geblieben: Nachdem ihr Gatte im selben Jahr nämlich seinen Job verlor, musste die Familie ihr Haus aufgeben. Sie sei sehr jung und vielversprechend gewesen damals, blickt Lowe zurück. «Viel Interesse geht verloren, wenn du nicht auf dem Podium landest.» Was sie sagen will: Hätte sie damals Bronze geholt, wäre ihre Karriere anders (lies: erfolgreicher) verlaufen. 

Prominente Sportler von A bis Z, die mit Doping erwischt wurden

(tat)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Amadeus 22.11.2016 12:01
    Highlight Ich versuchs nochmal: Chaunté Lowe ist nicht Stabhochspringerin, sie ist Hochspringerin :)
    6 0 Melden
    • Janick Wetterwald 22.11.2016 12:09
      Highlight Danke für den Hinweis. Wir haben der Frau Lowe natürlich sofort den Stab weggenommen. ;)
      16 0 Melden

Alt-Bundesrat Schmid zum Russen-Doping: «Russische Spione waren in der Schweiz»

Alt-Bundesrat Samuel Schmid leitete für das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Doping-Untersuchung, die zu einer Sperre von Russland für die Spiele in Pyeongchang 2018 führte. Er spricht über Untersuchungen, Sicherheitsvorkehrungen und das Verhalten der Russen.

Herr Schmid, Russland klagt, der Entscheid des IOC sei eine «Verschwörung des Westens». Ist er das?Sicher nicht. Es existieren Fakten, die sich nicht weglügen lassen. Proben müssen manipuliert worden sein, chemische Zusammensetzungen von Urinproben sind nicht natürlich. Es kamen viele Elemente zusammen. In Russland versucht man, sich herauszureden, indem man die Schuld auf eine sehr kleine Gruppe von Verschwörern abwälzt.

Es geht aber um staatlich mit beeinflusstes Doping?Vielleicht kann man …

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