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ZU DEN AEUSSERUNGEN VON SWISS-OLYMPICS-PRAESIDENT SCHILD ZUR FIFA STELLEN WIR IHNEN AM SAMSTAG, 30. MAI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Joerg Schild, president de Swiss Olympic parle lors d'une conference de presse de Swiss Olympic sur le soutien financier de Swiss Olympic aux federations sportives ce mercredi 17 septembre 2014 a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Jörg Schild lässt seinem Ärger freien Lauf.
Bild: KEYSTONE

Swiss-Olympic-Präsident haut auf den Tisch: «Ich bin erstaunt, enttäuscht und verärgert»

Ärger über den feigen Entscheid des IOC im «Fall Russland». Jörg Schild, Swiss-Olympic-Präsident ist enttäuscht, dass der Weltverband Führungsstärke vermissen lässt und sagt: «Ein Familienmitglied betrügt alle übrigen Familienmitglieder auf eine so unglaubliche Weise. Es ist eine Ohrfeige für alle Sportler.»



Das IOC sperrt nicht alle russischen Athleten für Olympia. Es lässt die internationalen Fachverbände entscheiden, nur die 68 Leichtathleten bleiben ausgeschlossen. Damit wird ein deutliches Zeichen im Kampf gegen das Doping verpasst.

Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild ist gar nicht erfreut über den Entscheid:

«Entscheidend an dem ganzen Fall ist, dass es sich in Russland nicht um Dopingvergehen einzelner Athletinnen und Athleten handelt. Es war eine konzentrierte und orchestrierte Aktion des Staates, sogar des Geheimdienstes und vor allem auch des Nationalen Olympischen Komitees. Nach dem jetzigen Entscheid des IOC bin ich erstaunt, enttäuscht und verärgert. Ich bin erstaunt, dass plötzlich nicht das IOC entscheiden will, sondern dass es die Entscheide den einzelnen Sportverbänden überlässt. Ich bin enttäuscht, dass das IOC in dieser Sache jegliche Führungsstärke vermissen lässt. Und ich bin verärgert darüber, dass das IOC selber nichts unternimmt, wenn Russland die anderen Nationalen Olympischen Komitees weltweit betrügt. Das IOC spricht ja immer von der Olympic Family. Und jetzt betrügt ein Familienmitglied alle übrigen Familienmitglieder auf eine so unglaubliche Weise. Was ist denn die Charta wert, wenn das IOC nicht jetzt daran denkt. Es ist eine Ohrfeige für alle Nationalen Olympischen Komitees und alle Sportlerinnen und Sportler.

Joerg Schild, president de Swiss Olympic, s'exprime lors de la seance d'information sur le processus national de selection d'une candidature suisse aux Jeux Olympiques et Paralympiques de 2026, ce mercredi 20 avril 2016, au Musee Olympique de Lausanne. (KEYSTONE/Christian Brun)

Jörg Schild kann den Entscheid des IOC nicht verstehen.
Bild: KEYSTONE

Ähnlich hört es sich bei Gian Gilli, dem früheren Chef de Mission Swiss Olympic, an:

«Der Entscheid hätte ja lauten müssen: Ausschluss der ganzen russischen Delegation. Wenn Doping in der ganzen staatlichen Organisation systematisch betrieben wird, muss man mit aller Härte und gnadenlos durchgreifen. Was passiert ist, ist wirklich gravierend. Gegen das Ja zum Ausschluss hätte nur gesprochen, dass es auch saubere Sportler getroffen hätte, die zum Teil in Sportarten aktiv sind, in denen Doping nichts bringt. Aber jetzt, wo das IOC die Verantwortung an die Sportverbände abgetreten hat, glaube ich, dass gar nichts passieren wird. Alle werden nach Rio fahren. Zudem ist die Zeit jetzt schon unglaublich knapp.»

Nicht äussern will man sich beim Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS): 

«In Absprache mit Bundesrat Parmelin kann ich Ihnen mitteilen, dass wir den Entscheid nicht kommentieren werden. Das IOC entscheidet gemäss ihren geltenden Richtlinien und den Entscheid haben wir nicht zu kommentieren.»

Internationale Reaktionen

Jelena Isinbajewa (zweifache Olympia-Siegerin im Stabhochsprung aus Russland):

«Die komplette russische Mannschaft nicht zuzulassen, wäre ein riesiger Fehler und ein internationaler Sportskandal gewesen.»

Athletics - Russian Track and Field Championships - Women's pole vault - Cheboksary, Russia, 21/6/16. Yelena Isinbayeva warms up before an attempt. REUTERS/Sergei Karpukhin

Jelena Isinbajewa: Was hätte sie auch sonst sagen sollen? Bild: SERGEI KARPUKHIN/REUTERS

Alfons Hörmann (Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes):

«Das IOC hat einen zweifelsohne schwierigen, harten und in mehrfacher Hinsicht konsequenten Entscheid getroffen. Wer also systematisch gegen die Regeln verstösst, erhält die Rote Karte. Im Sinne der Chancengleichheit und des Fairplays können nun aber diejenigen Sportler, die den Nachweis von Kontrollen ausserhalb Russlands erbringen, noch eine Teilnahme erwirken.»

Alfons Hoermann (L), President of the German Olympic Sports Confederation (DOSB) presents Hamburg as a possible German city bid for the Olympic Games in 2024, during a news conference in Frankfurt March 16, 2015.    REUTERS/Ralph Orlowski    (GERMANY - Tags: SPORT OLYMPICS)

Alfons Hörmann äussert sich versöhnlich.
Bild: RALPH ORLOWSKI/REUTERS

Witali Mutko (Sportminister Russlands):

«Die Kriterien sind sehr hart, aber ich bin überzeugt, dass die meisten Athleten sie erfüllen. Wir werden für einen sauberen Sport kämpfen. Nur uns zu kritisieren, scheint mir nicht ganz korrekt. Doping ist nicht nur ein Problem Russlands. Die Entscheidung des IOC liegt im Interesse des internationalen Sports und der olympischen Familie. Russland ist dem Internationalen Olympischen Komitee dankbar, dass das Land nicht komplett von Olympia in Rio de Janeiro ausgeschlossen wurde. Wir sind dankbar, dass das IOC jedem sauberen Sportler die Chance auf eine Olympia-Teilnahme gibt.»

Travis Tygart (Chef der Anti-Doping-Agentur der USA):

«Das IOC hat sich geweigert, entschiedene Führungskraft zu zeigen, in dem es Russland nicht komplett ausgeschlossen hat. Der Entscheid und das Chaos, das er auslöst, ist ein harter Schlag für die Rechte der sauberen Athleten.»

(sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • insider 26.07.2016 09:26
    Highlight Highlight Es gab gestern den "SommerTalk" mit J. Blatter. Dabei wurde er zur IOC-Entscheidung befragt und gab eine bemerkenswerte Antwort (ab ca. 17:00 min). Sinngemäss sagt er, dass nur die Sportverbände Sportler zu den Spielen zulassen können und dass dies vom CAS in seinen Urteilen auch bestätigt wird.
    Ich finde diesen Punkt sehr interessant, kann aber nicht beurteilen, ob diese Argumentation stimmt. Ebenso habe ich diesen Standpunkt noch nirgends gelesen. Das wäre doch noch etwas für watson!
    (http://www.telezueri.ch/64-show-sommertalk/11401-episode-sepp-blatter)
  • Pius C. Bünzli 24.07.2016 23:58
    Highlight Highlight Bei jedem einzelnen Sportler sollte man individuel entscheiden ob man ihn sperren soll oder nicht. Kollektivstrafen sind so oder so schlecht.
  • Christian Gerber 24.07.2016 23:04
    Highlight Highlight Der lange Arm des Wladimir Putin...
  • Beobachter24 24.07.2016 22:27
    Highlight Highlight Es ist überhaupt nicht feige, dass sich das IOC einer politischen Einflussnahme verweigert, im Gegenteil, das ist mutig.

    Systematisches Doping ist keine Weltneuheit - Sippenhaftung für einen ganze Abteilung (russisches Leichtathletik-Team) hingegen schon.

    Hut ab vor dem IOC - und einen Kaktus an Jörg Schild.
  • terribile 24.07.2016 21:42
    Highlight Highlight IOC hmmm das erinnert mich etwas an FIFA. Darum ist dieser Club der erhabenen Männer in die gleiche Schublade zu verschliessen ich habe habe absolut kein verständnis.
    Ich verstehe sehr gut wie sich Jörg Schild fühlt. Wut und Scham.
  • dergraf 24.07.2016 21:35
    Highlight Highlight Nun bleibt als einzige Konsequenz diese frisierte Show zu boykottieren und nicht hinzufahren.
    Der Nichtentscheid des IOC heisst ganz einfach, dass Kohle vor Ethik kommt; resp. Dopingkontrollen nur für die Dummen sind.
    Aber hier hat die Schweiz auch noch ein paar Aufgaben: nach Peking reiste über ein Drittel der CH-Delegation mit einem Attest (entspricht legalem Dopen...). Entweder kann man eine Sportart ohne chem. Hilfsmittel bestehen oder man nimmt nicht teil. Muss sich halt was anderes suchen...

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