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Switzerland's Valon Behrami, left, is fouled by Ecuador's Carlos Gruezo during the group E World Cup soccer match between Switzerland and Ecuador at the Estadio Nacional in Brasilia, Brazil, Sunday, June 15, 2014.  The referee played the advantage rule and the Swiss carried on to score the winning goal. (AP Photo/Martin Mejia)

Bild: Martin Mejia/AP/KEYSTONE

Behrami über seinen entscheidenden Einsatz

«So spielt Valon» – die Schweiz hat einen neuen Winkelried

Valon Behramis Grätsche und der anschliessende Sturmlauf haben das Schweizer Siegestor gegen Ecuador eingeleitet. Diese eine Szene könnte den Turnierlauf für die Mannen von Ottmar Hitzfeld entscheidend verändern.

16.06.14, 12:10 24.06.14, 15:29

Es läuft die Nachspielzeit. Xherdan Shaqiri verliert am ecuadorianischen Strafraum den Ball, wieder so ein gefährlicher Konter der Südamerikaner! Die Schweizer sind stehend K.o., Captain Gökhan Inler kann nicht mehr, trabt nur noch neben Antonio Valencia her, ruft verzweifelt Steve von Bergen zu Hilfe. Doch auch der Innenverteidiger kann den gefährlichen Ball in den Rückraum nicht verhindern.

Michael Arroyo bietet sich die Chance auf den Siegtreffer, als sich Valon Behrami – wie dem Mythos nach Arnold von Winkelried in der Schlacht von Sempach 1386 – in die Bresche wirft und den Ball aus der Gefahrenzone grätscht. Gefährlich sei das gewesen wegen dem drohenden Penalty. «Ich habe alles riskiert», sagt er nach dem Spiel.

Valon Behramis sensationeller Sturmlauf in der Nachspielzeit. Gif: SRF

Doch die Grätsche genügt dem «Eidgenossen» mit kosovarischen Wurzeln nicht. Wie ein wilder Stier hechtet der dem Ball nach und sprintet los. Als ihn sein Gegner nur mit einem Foul stoppen kann, bleibt Behrami nicht liegen. Nach einer Hechtrolle sprintet er weiter, bis zur Mittellinie. 

Das Tor gehört zur Hälfte Behrami

Schiedsrichter Rawschan Irmatow, der ein reguläres Tor von Drmic zuvor wegen angeblichem Offside aberkannt hat, lässt Vorteil laufen. Behrami sieht Haris Seferovic, der Ricardo Rodriguez auf dem linken Flügel anspielt und nach dessen Flachpass zur Mitte zum viel umjubelten 2:1-Sieg für die Schweiz trifft.

Seferovic hämmert den Ball zum 2:1 für die Schweiz in die Maschen. Bild: SRF

Seferovic ist der Torschütze, doch dieser Treffer gehört mindestens zur Hälfte Valon Behrami, der sich nach dem Siegtor wie ein Gorilla auf die Brust klopft. «Es ist wichtig, dass man solche Situationen ausnützt», analysiert Trainer Ottmar Hitzfeld nach der Partie nüchtern. Der Sturmlauf ist sinnbildlich für den Kämpfer Valon Behrami.



Wie Oli Kahn: «Weiter, immer weiter»

Nie aufgeben. «Weiter, immer weiter», wie Oli Kahn einst predigte, ist auch das Motto des Napoli-Söldner. Das sieht er auch selber so: «Wenn jemand fragen würde: ‹Wie spielt Valon?› Dann würde ich antworten: ‹So spielt Valon›», sagt er nach der Partie.

Paradox: Behrami gelingt vor seinem Sturmlauf wenig, er zeigt eines seiner schlechteren Länderspiele. Warum Hitzfeld ihn nicht durch Blerim Dzemaili ersetzt? Nennen wir es Intuition. Mit seinem Rush hat Behrami das auf einen Schlag vergessen gemacht. Der unbändige Wille, der in dieser Aktion steckt, wird Spuren hinterlassen. Der Aggressivleader hat seinen Teamkollegen in 10 Sekunden gezeigt: «Hey, alles ist möglich. Wenn wir daran glauben und alles geben.»

Behramis Jubel nach dem Siegestor. Bild: Michael Sohn/AP/KEYSTONE

Wie einst Alain Sutter mit gebrochenem Zeh

Für den weiteren Turnierverlauf kann so etwas unheimlich wichtig sein. Als der angeschlagene Superstar Alain Sutter 1994 in den USA im zweiten Gruppenspiel gegen Rumänien mit gebrochenem Zeh den 1:0-Führungstreffer erzielte, war das der Ausgangspunkt zum bislang schönsten WM-Moment der Schweizer Nati. 4:1 wurden die Rumänen abgefertigt und die Schweiz qualifizierte sich für den Achtelfinal. Hoffen wir, dass Behramis Sturmlauf ähnlichen Symbolcharakter bekommen wird.

Sutters 1:0 gegen Rumänien 1994. Gif: Youtube/Kanal von ZwoelfMagazin

Die Reaktionen zu Behramis Einsatz

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • simonline 16.06.2014 14:08
    Highlight Behrami du alte Fighter. Yeah!
    1 0 Melden
  • #10 16.06.2014 13:34
    Highlight Guter Text, schlechter Titel. Der Eidgenossen-Kitsch aus dem 14. Jahrhundert hat mit Behrami, Rodriguez, Seferovic etc. soviel Gemeinsamkeit wie Pinguine mit dem Amazonas. Wär' schön, watson würde darauf verzichten.
    3 4 Melden
  • salming 16.06.2014 13:09
    Highlight Behrami's Einsatz in der letzten Szene in allen Ehren - der wirklich hervorragend war. Aber ansonsten war er zusammen mit Djourou und Stocker mit Abstand schwächster Mann auf dem Feld.
    Die Lobhudelei in der Medienwelt sollte also ein wenig vorsichtiger erfolgen.
    2 4 Melden
    • Lezzelentius 16.06.2014 16:38
      Highlight Djourou schwächster Mann auf dem Feld? Ich habe selten jemanden gesehen, der hinten so effizient im Zweikampf war.
      0 0 Melden
  • SwissGronkh 16.06.2014 12:42
    Highlight Bitte erzielt das Siegertor im nächsten Spiel schneller, noch einmal halten das meine Nerven nicht aus ;)
    7 0 Melden

Papa Valon tröstet Baby Neymar – und 6 weitere unheimliche Begegnungen 

Neymar hat in der Nacht nach dem Spiel gegen die Schweiz wohl noch von Valon Behrami geträumt: So intensiv wurde er vom Tessiner während des Matchs betreut.

Als Erinnerung bleiben ihnen die Schmerzen – und uns dieses ikonische Bild:

Dabei hätte alles so anders kommen können, wären die beiden nur in anderen Situationen aufeinander getroffen. (Wobei: So richtig angenehm wäre auch das für den Brasilianer nicht geworden.)

Wir haben da mal was gebastelt: 

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