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Members of the Los Angeles Clippers listen to the national anthem before Game 4 of an opening-round NBA basketball playoff series against the Golden State Warriors on Sunday, April 27, 2014, in Oakland, Calif. The Clippers chose not to speak publicly about owner Donald Sterling. Instead, they made a silent protest. The players wore their red Clippers' warmup shirts inside out to hide the team's logo. (AP Photo/Marcio Jose Sanchez)

Das Team der La Clippers. Bild: AP/AP

Skandal in der NBA

Amerikas ganz alltäglicher Rassismus

In den USA haben Obamas Wahlsiege keineswegs den Weg für eine «postrassische» Gesellschaft freigemacht. Jüngstes Beispiel: Donald Sterling, Besitzer des US-Basketballteams Los Angeles Clippers, hetzte gegen Schwarze. Die Spieler seines Clubs reagierten eindrucksvoll. 

28.04.14, 11:09 28.04.14, 11:25

Ein Artikel von

Marc Pitzke, New York / Spiegel Online

Es war ein stiller Protest. Als sich die Los Angeles Clippers am Sonntag zu ihrem vierten Spiel der NBA-Playoffs gegen die Golden State Warriors aus San Francisco aufwärmten, zogen sie ihre roten T-Shirts demonstrativ linksherum an. Während des Spiels selbst trugen die Basketballer dann schwarze Socken und Armbänder. 

Die Clippers verloren 97:118. Doch das war diesmal Nebensache. Denn keinem in der Oracle Arena von Oakland entging, dass am Rande des Courts einer fehlte: Donald Sterling, der Besitzer der Clippers - und der Mann, gegen den seine eigenen Spieler protestierten. 

Mr. Sterling liess sich entschuldigen. Weshalb, das bedurfte keiner Erklärung. 

Der kalifornische Immobilienmilliardär steht im Mittelpunkt des jüngsten Rassismusskandals der USA. Auf mehreren Audio-Aufnahmen, die der Gossip-Website «TMZ» und dem Sportblog «Deadspin» zugespielt wurden, soll er zu hören sein, wie er Schwarze herabwürdigt - obwohl sein eigenes, lange Zeit eher glückloses Basketballteam ja auch fast nur aus Afroamerikanern besteht. 

«Weisst du, dass du ein ganzes Team hast, das schwarz ist?»

Quelle: YouTube/TMZ

Die Aufnahmen enthalten zwei streitende Stimmen: eine männliche - angeblich Sterling - und eine weibliche - angeblich seine Ex-Geliebte V. Stiviano, ihrerseits schwarz-mexikanischer Herkunft. Auslöser war offenbar ein Instagram-Foto Stivianos mit dem - schwarzen - Basketball-Idol Magic Johnson. 

Bild: AP/AP

«Es stört mich sehr, dass du herausposaunen willst, dass du dich mit Schwarzen abgibst», schimpft der Mann. «Muss das sein?» Sie könne Schwarze «privat lieben», nur nicht öffentlich. Auch solle sie zu seinen Spielen künftig «keine Schwarzen mitbringen». 

«Weisst du, dass du ein ganzes Team hast, das schwarz ist?», entgegnet die Frau. 

«Ich helfe ihnen», antwortet der Mann und geriert sich als grosser Gönner seiner Spieler, die Millionengehälter verdienen: «Ich geben ihnen Nahrung und Kleidung und Autos und Häuser. Wer gibt ihnen das? Gibt ihnen jemand anders das?»

Die Authentizität der Aufnahmen, die US-Präsident Barack Obama als «unglaublich rassistisch und beleidigend» verurteilte, ist inzwischen weitgehend bestätigt: Sowohl die lancierten Ausschnitte wie das gesamte, einstündige Band seien «legitim», erklärte Stivianos Anwalt Mac Nehoray - die Stimmen gehörten Sterling sowie seiner Mandantin. 

Bild: AP/AP

Amerikas Ewiggestrige widersetzen sich umso lauter 

Ein Einzelfall? Mitnichten: Der Skandal um Sterling fügt sich nahtlos in eine ganze Reihe ähnlicher Ausfälle in den vergangenen Monaten ein. 

Von der TV-Starköchin Paula Deen, die sich gerne von «einem Haufen kleiner Nigger» bedienen liess, bis zum Nevada-Rancher und Tea-Party-Helden Cliven Bundy, der gerade Schlagzeilen macht, weil er findet, dass Schwarze es als Sklaven besser gehabt hätten: In den USA treibt der ganz alltägliche Rassismus bis heute krass-kuriose Blüten. 

Obamas Wahlsiege haben keineswegs eine «postrassische» US-Gesellschaft eingeläutet, wie manche hofften. Im Gegenteil: Es scheint, als widersetzten sich Amerikas Ewiggestrige umso lauter. 

Das offenbart sich nicht nur in kruden Worten, sondern in den vielen rassistisch durchwirkten Debatten, die die USA in jüngster Zeit bewegt haben - in der Politik, der Gesellschaft, der Wirtschaft und, ironischerweise, nun auch im Basketball. 

Vor dem Sterling-Skandal hielten Bundys Entgleisungen die Amerikaner in Bann. Die begannen eigentlich als etwas ganz anderes. Der 67-jährige Cowboy erkennt die US-Regierung aus Prinzip nicht an. Doch der gehört das Land, auf dem er seine 500 Kühe grasen lässt. Seit 1993 weigert sich Bundy also, die Gebühren dafür zu entrichten - und schuldet dem Staat nun mehr als ein Million Dollar. 



Farmer verstört mit seinem Wissen «über den Neger»

Mitte April schickte das zuständige Bureau of Land Management (BLM) Agenten in die Halbwüste Nevadas, um Bundys Vieh zu konfiszieren. Der Zwangsauftrieb endete jedoch, als Bundy den Regierungsvertretern bewaffnet entgegentrat - angefeuert von bis zu 1500 Militia- und Tea-Party-Konsorten. 

Die Fronten zogen sich bis durch den US-Kongress: Dort pries Republikaner-Senator Rand Paul Bundy als Volkshelden, während Pauls demokratischer Senatsrivale Harry Reid ihn einen "einheimischen Terroristen" nannte. 

Doch dann tat Bundy kund, was er «über den Neger weiss»: «Sie treiben ihre jungen Kinder ab, sie stecken ihre jungen Männer ins Gefängnis, weil sie nie gelernt haben, Baumwolle zu pflücken.» Und: «Ich habe mich oft gefragt, ob sie es als Sklaven besser haben.»

Die zuvor jubelnden Republikaner konnten sich plötzlich nicht schnell genug von ihm absetzen. 

Ähnlich geht es nun Sterling. Aktive und ehemalige Basketball-Stars distanzieren sich, einer nach dem anderen: Magic Johnson, LeBron James, Kobe Bryant, Charles Barkley. Die NBA prüft Konsequenzen. 

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass Sterling dergestalt auffällt. Sein Rassismus ist lange dokumentiert. Die Clippers verzichteten denn auch diesmal auf einen Boykott und begnügten sich mit dem schweigenden Protest. Was ist schon ein bisschen Rassismus gegen den Rausch in den NBA-Playoffs? 

Am 15. Mai soll Donald Sterling übrigens einen «Preis für sein Lebenswerk» verliehen bekommen - von der US-Schwarzenorganisation NAACP. 

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