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goalie Florence Schelling (41), of Switzerland, reaches for the puck during the third period of the preliminary round of the women's hockey game against Sweden at the 2018 Winter Olympics in Gangneung, South Korea, Wednesday, Feb. 14, 2018. (AP Photo/Matt Slocum)

Florence Schelling, die beste Torhüterin der Welt.  Bild: AP/AP

Florence Schelling – ganz einfach die beste Torhüterin der Welt

Hätten unsere Männer einen Goalie wie Florence Schelling, dann wären sie schon lange Weltmeister. Nun ist die beste Torhüterin der Welt nach dem 2:1 gegen Schweden gar olympische Rekordhalterin.

14.02.18, 09:22 14.02.18, 09:59

klaus zaugg, südkorea



Als sie ihre Karriere begann, war Fraueneishockey in der Schweiz eine exotische Leibesübung. Florence Schelling bringt es im Herbst 2003 als 13-Jährige – da spielt sie noch mit den Buben der ZSC Lions in der Junioren-Meisterschaft – bereits zum ersten Länderspiel. Gegen Österreich. Sie sagt: «So jung in der Nationalmannschaft zu spielen, wäre heute ganz und gar unmöglich. Die Entwicklung des Fraueneishockeys ist einfach unglaublich.»

Die kecke Juniorin von einst ist inzwischen die beste Torhüterin der Welt. Sie war schon im All-Star-Team bei der WM und bei Olympischen Spielen. Beim olympischen Turnier von 2014 in Sotschi gar MVP – die wertvollste Spielerin. Die Männer wären längst Weltmeister und Olympiasieger, wenn sie einen Goalie dieser Klasse hätten.

Die Schweizer Torhueterin Florence Schelling nach dem Spiel, aufgenommen am Montag, 28. Maerz 2005, anlaesslich der Frauen Eishockey Weltmeisterschaft Division 1 im Thurgauischen Romanshorn in der Eishalle EZO beim Spiel Schweiz gegen Lettland. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Florence Schelling als 16-Jährige im Nationalteam. Bild: KEYSTONE

An eine grosse Karriere oder gar olympische Spiele habe sie damals, als alles begann, nicht gedacht. «Es ist einfach immer weitergegangen, von Länderspiel zu Länderspiel.» Sie war bald so gut, dass sie nach Nordamerika wechseln konnte – dorthin, wo Frauenhockey wirklich zählt. Die Amerikanerinnen und Kanadierinnen haben in der ganzen Geschichte bei einem Titelturnier erst ein einziges Spiel gegen eine europäische Mannschaft verloren.

(Vorläufige) Krönung in Sotschi

Fünf Jahre lang spielte und studierte Florence Schelling in Nordamerika (2008 bis 2013), in der Schweiz bewährte sie sich bei Bülach in der 1. Liga und kam als erste Frau in der NLB zum Einsatz. In einem Testspiel mit den GCK Lions. Diese Saison spielt sie in Schweden. Der Vertrag läuft Ende Saison aus. «Aber über meine Zukunft machte ich mir keine Gedanken. Ich lebe im Hier und Jetzt.»

Mit Florence Schelling hat sich unser Frauennationalteam stetig entwickelt. 2006 gelingt erstmals die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Seither sind die Schweizerinnen immer dabei. 2014 in Sotschi holten sie als vorläufige Krönung Bronze. Nun haben sie hier soeben gegen Schweden den dritten Sieg hintereinander gefeiert (2:1) und stehen im Viertelfinale.

Florence Schelling zeigt einen Big Save gegen Schweden. Video: streamable

Florence Schelling ist ein Beispiel dafür, wie sehr eine grosse Torhüterin eine ganze Mannschaft besser macht. Eine kleine Geste zeigt, wie sehr alle wissen, was sie ihrer «letzten Frau» zu verdanken haben. Wenn die Schweizerinnen ein Tor erzielen, dann fahren die Spielerinnen, die sich auf dem Eis befinden, zum Abklatschen nicht nur an der Spielerbank vorbei, wie dies die Männer tun. Sie kurven auch alle zu ihrer Torhüterin. «Ich schätze das sehr» sagt Florence Schilling. «Ich bin ja auch ein Teil des Teams.»

Der Zusammenhalt ist die vielleicht grösste Stärke dieses Teams. Was sich an einem weiteren, bemerkenswerten Ritual zeigt: Wenn die Schweizerinnen einen Treffer kassieren, dann fahren alle Spielerinnen zur Spielerbank und gruppieren sich dort zu einem Rudel. Als wollten sie die Hockeygötter beschwören, Energie auftanken und sich gegenseitig aufmuntern. «Für uns ist dieses Ritual selbstverständlich», sagt Nationaltrainerin Daniela Diaz, die Schwester von Zugs Verteidigungsminister Raphael Diaz. «Wir haben gegen Kanada ein Testspiel 0:10 verloren und haben es nach jedem Tor so gemacht.»

Die Männer haben keinen Goalie vom Format von Florence Schelling. Das ist mit der Grund, warum die Schweizer bei einem olympischen Turnier gegen Schweden noch nie ein Spiel gewonnen haben, bei dem es um alles ging. Die Schweizerinnen haben hingegen in Sotschi im Bronze-Spiel Schweden 4:3 besiegt. Und jetzt hier im letzten Vorrundenspiel 2:1. Es ist für Florence Schelling der 9. Sieg bei einem olympischen Turnier.

Keine andere Torhüterin hat so oft auf der olympischen Bühne gewonnen. Auch keine Kanadierin oder Amerikanerin. Ihre Fangquote hier beim olympischen Turnier liegt nach drei Partien bei sagenhaften 97,50 Prozent.

Was macht die Stärke der Schwester von Lausannes Verteidiger Philippe Schelling aus? Sie ist eine perfekte Stilistin mit eleganten Bewegungsabläufen. Kein wilder Spektakelgoalie. Vielmehr eine unheimlich ruhige «Blockerin», die praktisch keine Abpraller zulässt. Und wenn doch, dann weiss sie immer, wo der Puck ist. Wie eine Kombination von einem Martin Gerber der allerbesten Tage mit Leonardo Genoni.

Und wenn sie nach dem Spiel vom Eis kommt, wirkt sie bei Interviews frisch und fröhlich, als komme sie gerade von einer Party. Es ist ein Zeichen für die grosse Leidenschaft, die alle grossen Spieler und Spielerinnen auszeichnet.

Ein vorwitziger Chronist sagte nach der Partie gegen Schweden zu Nationaltrainerin Daniela Diaz, sie habe hier gegenüber Nationaltrainer Patrick Fischer einen riesigen Vorteil. «Welchen denn?», fragt sie sichtlich neugierig. «Sie müssen nie überlegen, welchen Goalie Sie nominieren sollen.» Sie mag zwar nicht widersprechen und rühmt Florence Schelling.

Aber sie betont, dass auch die Ersatztorhüterinnen bereit seien. Die Trainerin hat die beste Torhüterin der Welt zur Verfügung und vergisst nicht, die Nummer zwei (Janine Alder) und drei (Andrea Brändli) zu erwähnen. Das ist vorgelebter Teamgedanke.

Dank Florence Schelling haben die Schweizerinnen gute Aussichten, das Viertelfinale zu überstehen und nach einer Niederlage gegen die nach menschlichem Ermessen unbesiegbaren Amerikanerinnen oder Kanadierinnen um Bronze zu spielen.

Florence Schelling ist erst 28. Sie hat bereits elf WM- und vier Olympiaturniere (2006, 2010, 2014 und 2018) hinter sich. Sie war schon bei der WM (2012) und bei olympischen Spielen (2014) die beste Torhüterin und im All-Star-Team. Bei den Männern hat es noch keiner in ein All-Star-Team geschafft. Sie hat noch mindestens zehn gute Jahre vor sich. Ein Torhüter mit ihrer Klasse wird auch noch mit 40 noch ihr bestes Hockey spielen und noch weitere drei olympische Turniere bestreiten.

Florence Schelling hat alle Chancen, auf der Torhüterposition zu werden, was Wayne Gretzky bei den Männern war: eine absolute Ausnahmeerscheinung, die bald nur noch ihre eigenen Rekorde übertrifft.

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mänu Renfer 14.02.2018 15:33
    Highlight übrigens noch happy birthday lieber eismeister...
    3 0 Melden
  • Chatzegrat Godi 14.02.2018 13:24
    Highlight Der Eismeister ist mittlerweile im Frauenhockey auch angekommen. Schön zu erkennen, dass er diesbezüglich nun endlich eine gewisse Akzeptanz erkennen lässt. Dies war in der Vergangenheit nicht immer so. Respekt Chlöisu!
    21 2 Melden
    • Knety 14.02.2018 14:29
      Highlight Das Frauenhockey hat sich (in der CH) auch massiv weiterentwickelt in den letzten Jahren.
      12 2 Melden
  • Ohniznachtisbett 14.02.2018 12:37
    Highlight Wir hatten und haben immer gute Goalies. Wir wären beim Silberwunder auch mit Marc-Andre Fleury, Martin Brodeur oder Tommy Salo nicht Weltmeister geworden bzw. hätten es auch mit unseren werden können. Also ich glaube nicht, dass wir irgendwas gewonnen hätten, wenn wir einen Übergoalie gehabt hätten.
    35 1 Melden
  • Bruno Wüthrich 14.02.2018 11:53
    Highlight Leider habe ich das Spiel der Schweizerinnen gegen die Schwedinnen nicht gesehen. So muss ich mich darauf beschränken, wie Florence Schelling gegen die Japanerinnen gewirkt hat. Doch bereits dies ist für mich - wie bereits das, was ich vorher schon von ihr gesehen habe - beeindruckend.

    Wäre die Differenz zu den Kanadierinnen und Amerikanerinnen zum Rest der Welt nicht so gross, und hätte unsere Frauen-Nati reelle Titel-Ambitionen, könnte ich mir gut vorstellen, dass die Schweiz wegen Schelling WM-Titel holen könnte und sie damit zu einer wirklichen Legende des Frauen-Eishockeys würde.
    26 3 Melden
  • Mitch82 14.02.2018 11:19
    Highlight Hallo Eismeister

    Also wenn Sie von WM und Olympiade sprechen ist es eine gewagte Aussage, dass es bei den Männer noch niemand ins All-Star-Team geschafft hat. Sie sprechen auch nicht explizit von Torhütern in diesem Abschnitt und daher erinnere ich Sie gerne an 2013 und Roman Josi... Wobei es an dieser WM auch nicht vermessen gewesen wäre, wenn Reto Berra auch im All-Star-Team gewesen wäre... aber öeider durfte er aus für mich bis heute unerklärlichen Gründen sein können nicht auch noch im Finale zeigen...
    25 4 Melden
  • Anyway 14.02.2018 10:26
    Highlight "Bei den Männern hat es noch keiner in ein All-Star-Team geschafft."
    Julian Vuclair und Roman Josi waren beide bei der WM 2013 im All Star Team.
    158 5 Melden
    • MrBlack 14.02.2018 10:57
      Highlight Er sprach wohl von den Torhütern.
      20 10 Melden
    • Bruno Wüthrich 14.02.2018 11:38
      Highlight Dies war wohl einfach etwas unpräzise formuliert. Ich gehe davon aus, dass KZ die Torhüter gemeint hat.
      11 3 Melden
    • holden27 14.02.2018 11:51
      Highlight Er meint wohl an den Olympischen Spielen
      13 5 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Boston5 14.02.2018 10:24
    Highlight Florence Schelling ist zweifelsfrei einer der besten Torhüterinen der Welt. Viel hat Sie dem zu verdanken, dass Sie viel Spielzeit im Männerhockey absolviert hat.
    Und der Vergleich mit Genoni und co. hinkt schon sehr, denn das Niveau des Fraueneishockey (bis auf Kanada und USA) ist im Vergleich zum Männerhockey wirklich unterirdisch.
    52 25 Melden
  • Shlomo 14.02.2018 10:15
    Highlight Diese Lobhudelei auf Schelling ist ein wenig übertrieben.
    Bei Bülach war sie nicht mal eine ganze Saison und die Verpflichtung von Schelling war eine einzige PR-Aktion. Als sie weg ging aus Bülach hat man schön wieder den rausgeschmissenen Torhüter von Winterthur zurückgeholt.
    27 45 Melden
    • Bruno Wüthrich 14.02.2018 11:42
      Highlight Wieso denn PR-Aktion? Dass Bülach seinen früheren Torhüter zurück holte, beweist, dass dieser zwar gut war, aber Florence Schelling offenbar besser.

      Ich bin sicher, dass Schelling bei einem Frauenteam der Spitzenklasse mehr verdienen kann als in Bülach.
      28 5 Melden
  • Errikson 14.02.2018 09:55
    Highlight Die Schweiz hat seit Jahren sehr gute Torhüter. Dass sie mit einem Weltklassegoalie längst Weltmeister wären glaube ich nicht. An den Torhütern lag es nie, dass die Schweiz gegen einen Grossen scheiterte. Gut möglich, dass uns ein Übergoalie mal einen Sieg gegen einen Grossen sichern würde. Über ein ganzes Turnier gesehen reicht dies jedoch nicht um einen Titel zu holen.
    223 5 Melden
    • chnobli1896 14.02.2018 10:09
      Highlight Ausser es wäre ein Torhüter der jedes Spiel offensiv ein paar Tore erzielt. Dann hätte es wohl mal gereicht ;-)
      73 0 Melden
    • joe 14.02.2018 10:11
      Highlight Ebe doch...
      Titel holt man nur mit sehr guten Torhütern, auf internationaler Ebene nur mit Weltklasse Torhütern. Das du das als Freiburg-Fan nicht verstehst erstaunt mich aber nicht! ;-)
      36 40 Melden
    • Arutha 14.02.2018 10:48
      Highlight Man braucht aber nicht nur Weltklasse Torhüter.
      Und die Torhüter Position war in den letzten 10 Jahren wahrscheinlich die kleinste Baustelle der Schweizer Nationalmannschaften.
      56 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Marshawn 14.02.2018 09:30
    Highlight „Florence Schelling hat alle Chancen, auf der Torhüterposition zu werden, was Wayne Gretzky bei den Männern war: Eine absolute Ausnahmeerscheinung, die bald nur noch ihre eigenen Rekorde übertrifft.“

    Naja, das glaube ich dann doch nicht.
    53 35 Melden
    • Bene86 14.02.2018 10:38
      Highlight Der Vergleich mit Wayne Gretzky finde ich... ich schreib's jetzt mal so... gewagt. :)
      62 1 Melden
  • Bene86 14.02.2018 09:28
    Highlight So begabt und dazu so hübsch! Weiter so!
    100 16 Melden

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