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Trotz Rücktrittsforderungen von Sponsoren will Sepp Blatter vorläufig im Amt bleiben.
Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

FIFA-Sponsoren fordern Blatter-Rücktritt: Wie viel Heuchelei, Dreistigkeit, Ahnungslosigkeit, Feigheit und Dummheit wird uns noch zugemutet?

Grosse Geldgeber fordern den Rücktritt von FIFA- Präsident Sepp Blatter. Sie begehen gleich sieben «Todsünden». Das FIFA-Theater wird immer absurder.

03.10.15, 15:57 04.10.15, 08:59


Mit globaler Medienwirksamkeit fordern grosse Geldgeber den Rücktritt des grossen FIFA-Vorsitzenden Sepp Blatter. Gleich aus sieben Gründen eine Torheit sondergleichen:

Erstens ist es Heuchelei

Jene, die das System FIFA, wie wir es heute kennen, durch die Zahlung von Millionen erst möglich gemacht haben, fordern den Rücktritt des Mannes, den sie jahrelang hofiert haben. Diese Firmen sind ein Teil des Problems. Kein Schelm, wer fragt, ob es wohl bei der Unterzeichnung der millionenschweren Werbeverträge nie ein «Kickback» gegeben hat – also eine Zahlung unter dem Tisch an jene, die diese Millionen bewilligt haben.

Die WM-Trophäe war vor der Endrunde 2014 in Brasilien mit Coca Cola auf Tour.
Bild: Getty Images Europe

Zweitens ist es Dreistigkeit

Ein ungeschriebenes Gesetz sagt, dass sich Sponsoren nicht einmischen sollten. Und wenn, dann diskret. In Vieraugengesprächen. Wer öffentlich Forderungen erhebt, missachtet das Prinzip der Gewaltentrennung zwischen Werbung und Sport und zeigt, dass man sich nicht an Spielregeln hält und dreist und respektlos Einfluss nimmt, wo man sich zurückhalten sollte. Und dazu kommt: Wer einen Rücktritt fordert, sollte auch eine Lösung präsentieren.

Drittens ist es mangelnde Professionalität

Wer zweistellige Millionenbeträge in ein Sponsoring investiert und hinterher öffentlich Forderungen stellt, hat zuvor nicht sorgfältig geprüft, mit wem er sich da eingelassen hat. Das ist höchst unprofessionell, ja, mangelnde Sorgfaltspflicht.

Viertens ist es billig

Die Sponsoren, die den Rücktritt des FIFA-Präsidenten fordern, sind weltweit operierende Milliarden-Konzerne. Sie sind also in verschiedensten Ländern und Kulturen tätig. Kein Schelm, wer fragt, ob es denn nicht andere, berechtigtere Rücktrittsforderungen gäbe. Immerhin sei angemerkt, dass die FIFA trotz allem keine Steuern erhebt, keine Steuergelder verprasst, keine Kriege führt, keine Menschen unterdrückt, keine Revolutionen anzettelt und nirgendwo Gewalt ausübt.

Die World-Cup-Burger verkauften sich während der WM sicher nicht schlecht.
bild: mcdonalds

Fünftens ist es feige

Wenn grosse Sponsoren mit dem Wesen und Wirken der FIFA nicht mehr einverstanden sind – dann sollen sie die Geschäftsbeziehung beenden. Punkt. Dass dies nicht passiert, hat nicht primär juristische, vertragstechnische Gründe. Vielmehr ist es Feigheit: Wer jetzt den Mut hat, auszusteigen, überlässt anderen eine weltweite Werbeplattform. Das will dann doch niemand riskieren. The Show must go on.

Sechstens ist es Ahnungslosigkeit

Wer öffentlich einen Rücktritt fordert, sollte dies nur tun, wenn klar ist, dass dieser Rücktritt auch erfolgt. Passiert nichts, entlarvt man sich als machtlos – und ahnungslos. Und entlarvend ist auch, dass sich weltweit operierende Milliardenkonzerne offenbar mit einem unseriösen Geschäftspartner eingelassen haben. Dass diese Manager der Milliardenkonzerne ahnungslos waren. Das ist noch schlimmer als fehlende Professionalität. Kein Schelm, wer fragt, ob sich nicht dieser oder jene Herr diese Ahnungslosigkeit bezahlen liess.

Visa ist beim WM-Achtelfinal 2014 zwischen Deutschland und Algerien allgegenwärtig.
Bild: Thanassis Stavrakis/AP/KEYSTONE

Siebtens ist es ganz einfach schiere Dummheit

Sehr viele Menschen wissen gar nicht, wer die FIFA finanziert und wer über diese Organisation Werbung macht. Immer wieder fördern Umfragen rund um WM-Turniere eine erstaunliche Unwissenheit des Publikums zu Tage. Mit diesen Rücktrittsforderungen machen die Sponsoren darauf aufmerksam, dass sie mit der FIFA zusammenarbeiten und der Name wird in einem Zug mit dem FIFA-Skandal genannt. Das kann nicht im Sinne der hochbezahlten PR-Strategen sein.

Das Gebot der Stunde ist für die grossen FIFA-Geldgeber ein anderes: Schweigen und sich schämen – und die Konsequenzen ziehen, wenn alles vorbei ist.

Tschau Sepp – Blatters Karriere in Bildern

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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24
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    Alle Leser-Kommentare
  • reputationsguard 04.10.2015 17:16
    Highlight Und elftens sollte man offenlegen, wer für diesen Artikel bezahlt hat.
    0 3 Melden
  • dracului 04.10.2015 10:40
    Highlight Die Perspektive von Blatter sieht es anders aus: Seit 1975 in der FIFA und hat sich die Macht erkämpft, sieht keine Fehler in seinem Tun, spricht noch von "Reformprogramm", welches ohne ihn nicht vorankommt. Burnout-Patienten glauben, dass sie mit mehr Einsatz die Lage noch retten können. Durch den Tunnelblick nimmt er keine Aussensicht mehr wahr. Blatter kann nicht aufgeben, kämpft bis er umfällt, zwangs- oder regulär abgelöst wird oder stirbt.
    Gutes Beispiel, wie Macht sich auf Menschen pathologisch auswirken kann. Blatter braucht Hilfe von aussen! Alleine schafft er es nicht mehr.
    16 0 Melden
  • Mox 04.10.2015 07:55
    Highlight Dieser Artikel ist absolut stumpfsinnig. Ich mach bei dieser Gelegenheit auch einmal einen Listicle, weil dies gerade so trendy zu sein scheint.
    1. die forderung "die sponsoren sollen still sein und sich schämen." WTF?
    2. "gewaltentrennung im sport" WTF?
    3. die behauptung: die sponsoren hätten sich von der fifa bestechen lassen. WTF?
    5. die annahme, dass die sponsoren sofort in die öffentlichtkeit gingen, ohne erst hinter den kulissen druck auszuüben. Ich glaube, wenn man de bedenkt, was für ein sesselnkleber sepp ist, ist diese annahme sehr unwahrscheinlich.
    Fazit: viel Sülze, keine fakten.
    10 10 Melden
    • Mathis 04.10.2015 10:53
      Highlight Beim Sponsoring handelt es sich um eine Geschäftsbeziehung; die Geschäftspartner haben sich jetzt miteinander überworfen. Ein Imagegewinn ist die Verbindung zur Fifa jetzt nicht mehr. Also versuchen die Sponsoren, Druck auszuüben. Das kann man ihnen nicht verdenken. Und ich denke auch, dass die Sponsoren bereits vorher mit der Fifa geredet haben, aber Blatter ums Verrecken nicht zurücktreten will. Der Gang an die Öffentlichkeit ist die nächste Stufe der Eskalation.
      6 1 Melden
  • pbs64 04.10.2015 04:12
    Highlight Platt ... Platter

    Blatter... Herbst und ausgedört..
    es folgt Der tiefe Fall
    .... blums
    gefallen bist
    4 8 Melden
  • Marquess 03.10.2015 17:36
    Highlight Kein Schelm, der hier am Werk war.
    19 0 Melden
  • Crecas 03.10.2015 17:11
    Highlight Ich finde es gut, dass sie es machen. Klar ist es 40 Jahre zu spät, aber lieber spät als nie. Dies heisst nicht, dass es nicht heuchlerisch ist, hat man bisher immer nur zugesehen.

    Übrigens Klaus: So etwas wie das "Prinzip der Gewaltentrennung zwischen Sport" und Werbung gibt es nicht. :) :)
    17 13 Melden
  • 's all good, man! 03.10.2015 16:50
    Highlight «... keine Steuergelder verprasst, keine Kriege führt, keine Menschen unterdrückt, keine Revolutionen anzettelt und nirgendwo Gewalt ausübt.»

    Naja, nicht direkt vielleicht, aber durch eine Vergabe der WM an Qatar z.B. billigt die FIFA mindestens Unterdrückung und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen.

    Ansonsten sehr guter, pointierter Artikel. Wirklich äusserst heuchlerisch, was die Sponsoren da abziehen.
    62 5 Melden
    • exeswiss 03.10.2015 17:15
      Highlight Und mit der Vergabe 2014 in Brasilien förderte die FIFA direkt das Verprassen von Steuergeldern.
      40 1 Melden
    • pun 03.10.2015 20:23
      Highlight Und in Südafrika gab es z.B. Vertreibungen rund um Stadionbauten und die Gewinne sind alle an die FIFA, die Verluste an den südafrikanischen Staat gegangen. Aber schön hat Sepp die WM nach Afrika geholt mol.
      30 1 Melden

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