Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Homeless World Cup

Chile wird Doppel-Weltmeister, die Schweiz landet auf Platz 34 – und feiert trotzdem

Der Gastgeber feiert sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern einen Erfolg und erspielt sich die Weltmeistertitel. Die Schweiz verliert den Final um den Futbol Calle Cup gegen Indien.

27.10.14, 14:09 27.10.14, 14:27

olivier joliat, chile

Der Teufel ist los am Finaltag in Santiago. Tausende heissblütiger Chilenen wollen ihre beiden Futbol-Calle-Teams bei den Finalspielen sehen und unterstützen. Der Platz auf den Tribünen reicht nicht und so drängen Hundertschaften von weiteren Futbol-Calle-Aficionados gegen die Absperrgitter. 

Nur mit grosser Mühe können Ordner und Helfer die Leute zurückhalten. Als dann der Frauenfinal angepfiffen wird, drücken die Chileninnen die Titelverteidigerinnen aus Mexico mit der gleichen brachialen Wucht an die Wand. Es ist ein äusserst intensives, aber kein schönes Spiel. Am Ende gewinnen die Chileninnen die Schlacht mit 4:3. Die Revanche für die letztjährige Finalniederlage gegen Mexico ist geglückt und das erst noch daheim. 

Europäer wieder chancenlos

Anders das Spiel beim Herrenfinal. Chile setzt auf Tempo und Klasse und geht gegen Bosnien-Herzegowina früh in Führung. Es wird toller Strassenfussball geboten, auch wenn nie wirklich Spannung aufkommt, dass Chile das Spiel noch entgleiten könnte. Die Europäer müssen sich weiter gedulden, den Homeless World Cup wiedermal den Lateinamerikanern entreissen zu können. 

Surprise-Strassensport

Sport ist neben dem Magazin «Surprise», dem Strassenchor und dem sozialen Stadtrundgang ein weiteres Angebot vom Verein Surprise mit dem Ziel der «Hilfe zur Selbsthilfe». Via Strassenfussball («Street Soccer») wird seit 2003 die Reintegration sozial benachteiligter Menschen gefördert. Das Angebot und die Liga werden stetig ausgebaut. Internationale Statistiken vom Homeless World Cup sowie nationale Erhebungen belegen Erfolg und Effizienz dieses sport- wie spassorientierten niederschwelligen Reintegrationsprojektes. Das Projekt wird von Sponsoren, Stiftungen und Gönnern finanziert. Für Surprise-Strassensport ist es die 11. Teilnahme am Homeless World Cup.

Chile feiert bei den Männern nach 2012 bereits den zweiten Weltmeistertitel. Ein Chilene sogar seinen zweiten. Als Spieler darf man per Reglement zwar nur einmal am Homeless World Cup teilnehmen. Leo Briceño, der in Mexico noch die 11 auf dem Rücken trug, ist aber neu als Coach an der Bande und schreibt sich mit dem Erfolg in die Annalen der HWC-Geschichte. Strassenfussball-Weltmeister als Spieler und Coach kann sich sonst keiner nennen. 

Leo Briceño zeigt an: Zweimal Weltmeister, als Spieler (2012) und nun als Coach. bild: olivier joliat

Schweiz verbessert sich, ist aber nicht top

Der Schweizer Assistenz-Coach Marco Zanni, der 2011 als Nati-Spieler mit dem 28. Rang in Paris das bislang beste Ergebnis einer Schweizer Nati am HWC erreichte, blieb es verwehrt, seinen Spielererfolg zu toppen

Die Schweiz verlor ihren Final im Futbol Calle Cup gegen Indien mit 2:4 und beendet den Homeless World Cup auf dem 34. Rang. Immerhin besser als die letzten beiden Jahre. Das ist für die Spieler ein guter Grund zum Feiern. 

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Endlich haben wir wieder Grund, den Fussball zu lieben

Nach dem 0:3 zuhause schaffte Juventus in Madrid fast die Sensation und führte seinerseits mit 3:0, um danach doch noch tragisch zu scheitern. Es ist nur eines von drei Spielen, die uns in den letzten zwei Tagen zeigten, wie brutal und gleichzeitig schön der Fussball sein kann.

Wild gestikulierend stehen wir heute morgen zu fünft um den Bildschirm von Kollege Philipp. Der eine hat es deutlich gesehen, das Foul von Benatia an Vazquez gestern Abend, der andere spricht von einer Verschwörung. Wir sind uns auch noch nicht einig, als Newsdesk-Marius als Fussball-Dummy hinhalten muss und wir die Szene an und mit ihm nachspielen. Und wenn sich dann selbst William von den Reportern noch in die Diskussion einschaltet, dann weisst du: Der Fussball ist da, wo er sein …

Artikel lesen