Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

DIE DETAILLIERTE ANALYSE

Basels defensive Dreierkette war der Grund für die langweilige Partie

Murat Yakin hatte gegen Maccabi Tel Aviv ein Ziel: Die Null muss stehen! Mit einem unorthodoxen System sorgt der FCB für ein Spiel mit vielen Zweikämpfen und wenig Tempo. Eine taktische Analyse des Geschehens.

21.02.14, 07:49
Tobias Escher, spielverlagerung.de

Murat Yakin ist mit dem 0:0 in Tel Aviv zufrieden. Bild: Freshfocus

In der K.o.-Runde der Europa League kam es für den FC Basel zum Wiedersehen mit einem alten Bekannten: Bereits in der Champions-League-Qualifikation traf Murat Yakins Team auf Maccabi Tel Aviv – mit dem besseren Ende für die Basler. Kleiner Schönheitsfehler: Damals kassierte Basel nach einer 3:0-Führung noch drei Treffer im Tel Aviver Bloomfeld Stadium. Das 3:3 fühlte sich wie eine kleine Niederlage an.

Telegramm: 

Maccabi Tel Aviv - Basel 0:0
Bloomfield. - 13'519 Zuschauer. - SR Borbalan (Sp).
Maccabi Tel Aviv: Juan Pablo; Yeini, Carlos Garcia, Tibi, Ben Harush; Radi, Mitrovic (58. Prica), Alberman (82. Einbinder); Zahavi, Itzhaki, Mikha.
Basel: Sommer; Sauro, Suchy, Ajeti; Philipp Degen, Serey Die (84. Diaz), Safari; Xhaka, Delgado (63. Frei), Elneny; Sio (79. Stocker).
Bemerkungen: Basel ohne Streller, Ivanov und Schär (alle verletzt) sowie Callà (nicht spielberechtigt). Verwarnungen: 16. Sauro (Foul). 20. Carlos Garcia (Foul/im nächsten Spiel gesperrt). 67. Micha (Foul). 65. Ajeti (Foul). 91. Einbinder (Foul).

Die Dreierkette: stabil und sicher

In dieser Partie wollte Murat Yakin sein Team defensiv besser einstellen. Der Trainerfuchs wühlte in seiner Taktik-Kiste und kramte die Dreierkette heraus, eine Formation, die der FCB bislang äusserst selten spielte. Yakins Mannschaft formierte sich in einem 3-3-3-1, gegen den Ball agierten die Basler mit einer Fünferkette.

Vorne wechselten Delgado, Xhaka und Elneny immer wieder die Positionen. Interessanterweise setzte auch Tel Avivs Trainer Paulo Sousa auf eine Dreierkette, sein Team formierte sich in einem 3-4-3.

Beide Teams agierten gegen den Ball recht mannorientiert, das heißt, sie verteidigten nah am Gegner und nicht strikt im Raum. Durch die ähnlichen Formationen entstanden viele Eins-gegen-Eins-Duelle, die sich ständig wiederholten. So nahmen sich beispielsweise die hohen Aussenverteidiger gegenseitig aus dem Spiel, auch die Mittelfeldspieler beider Teams blockierten sich.

Die direkten Duelle dem Platz lassen sich in beiden Formationen erkennen. Tel Aviv steht etwas höher und stört früher, während Basel vor allem die Mittelfeldspieler von Tel Aviv deckt.

Freie Spieler gab es innerhalb der Formationen nur wenige. Basel liess die Verteidiger von Tel Aviv gewähren und stellte die Anspielstationen ins Mittelfeld zu. Tel Aviv musste den eigenen Ballbesitz daher hauptsächlich in der eigenen Hälfte ausspielen. Sobald sie den Weg nach vorne suchten, wurden sie sofort gestört. Die Basler schafften es problemlos, Tel Aviv aus der eigenen Hälfte herauszuhalten.

Basel kommt nicht in die gegnerische Hälfte

Bei Basel waren die freien Spieler meist Serey Die und der zurückfallende Delgado. Allerdings konnten sie gegen Maccabis aktives Pressing diese Überzahl meist nur in der eigenen Hälfte ausspielen, indem sie sich weit zurückfallen liessen. Die beiden einrückenden Aussenstürmer von Tel Aviv, Zahavi und Rudi, stellten die Passwege ins Mittelfeld zu. Auch der FCB konnte daher selten Raumgewinn verbuchen.

Der FCB im Aufbau: Serey Die fällt im Spielaufbau meist in die Abwehr zurück. Auch einer der Mittelfeldspieler, hier Delgado, kippt in die eigene Hälfte ab. Basel kommt dadurch jedoch nur selten hinter die gegnerische Pressinglinie, oft bleibt nur der Rück- und Querpass.

So war die Partie lange Zeit geprägt von einem trägen Spielaufbau in der eigenen Hälfte und vielen Zweikämpfen im Mittelfeld. Keines der beiden Teams legte das starre taktische Korsett ab, welches das Spiel lange Zeit erdrückte. Die erste Halbzeit endete nicht nur ohne Tor, sondern auch ohne echte Torchance.

Erst nach der Pause gab es einige Torszenen zu bestaunen. Basel agierte nun etwas geradliniger, Elneny hielt die rechte Seite und Xhaka spielte links. Letzterer fiel häufiger zurück und suchte die Anbindung an sein Team, rieb sich aber in seinen zahlreichen Dribblings auf.

Nach der Pause mehr Tempo 

Schwung ins Spiel brachte hingegen Maccabis Coach Sousa. Er stellte zwar seine Formation nicht um, brachte mit seinen Wechseln aber offensivere Spielertypen aufs Feld. Vor allem die Einwechslung des Stürmers Rade Prica brachte mehr Wirbel ins Spiel von Tel Aviv, da Itzhaki auf die rechte Seite gehen konnte. Zusammen mit dem vorstossenden Rechtsverteidiger Mikha beschäftigte Itzhaki die Basler Abwehr, Linksverteidiger Safari kam einige Male in arge Bedrängnis.

Der eingewechselte Valentin Stocker kann sich nur selten in Szene setzen. Bild: Freshfocus

Da die Mittelfeldspieler von Tel Aviv nun aber wesentlich höher agierten, kam Basel fortan zu einigen Konterchancen. Diese versuchten sie über die rechte Seite und den vorstossenden Philipp Degen auszuspielen, allerdings verpassten die Mittelfeldspieler oft den Umschaltmoment. Überhaupt schien ein Stratege im Basler Spiel zu fehlen, auch der spät eingewechselte Diaz konnte dieses Manko nicht beheben. Zudem fanden die eingewechselten Frei und Stocker im Angriff nie so richtig ins Spiel. 

Zu Spielende zog sich Basel daher etwas weiter zurück, um das 0:0 zu halten. Am Ende gelang es ihnen, den Angriffen von Tel Aviv standzuhalten. Mit der eher defensiven Ausrichtung mag Basel die Zuschauer gelangweilt haben – allerdings haben sie sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel erarbeitet.

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • thierry 21.02.2014 18:56
    Highlight na ja, ein halbes basler-b-team diente als versuch - der erst mal gelungen ist. am sonntag ist der wichtige spitzenkampf im zürcher friedhof...eh,leichtathletikstadion..., da wird auch anderes basler personal punkte jagen. yakin sorgt in jedem spiel für taktische überraschungen, fordert seine mannschaft in spielintelligenz und flexibilität - und ist für die gegner unberechenbar.
    nicht immer gleich attraktiv, aber fussballerisch interessant.
    0 0 Melden
  • Pat-bacher 21.02.2014 09:58
    Highlight Was bezweckt man mit diesem System? Klar, schön- und Offensiv spielen birgt Gefahren. Aber ich selber bevorzuge Spiele, welche geprägt sind von Kontern, schnelle Pässe gepflegte Schüsse, warum nur Herr Yakin? Wie wird's in Basel, wohl gleich? Oder ist da der selbe, ich nenns Anti Fussball, zu sehen? Schade um wichtige Punkte und um das sonst so schön anzusehnde Basler Spiel.. :-)
    2 1 Melden

«Irgendeinisch fingt z'Glück eim»: der YB-Euphorie auf der Spur

32 Jahre lang war der Fussballgott ein Sadist. Zumindest aus der Sicht aller YB-Anhänger. Jetzt hat sich das Blatt gewendet. Warum eigentlich? Und was macht das mit einem? Ein Erklärungsversuch von vier Bernern, die es wissen müssen.

Sie sind nach dem letzten YB-Titel geboren und kennen nur zweite Plätze. Trotzdem geben sie viel Herzblut für den Klub und sorgen mit ihren Livesendungen für Unterhaltung auf höchstem Niveau. Jetzt stehen Brian Ruchti und Gabriel Haldimann von Radio Gelb-Schwarz unmittelbar vor dem grossen Triumph. Sie planen bereits einen Grosseneinsatz für den Moment, wenn YB den Kübel holt: «Wir werden vor dem Cupfinal eine Woche lang aus dem Wankdorf durchsenden», verraten die YB-Radiomacher. 

Und sie …

Artikel lesen