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Switzerland's Haris Seferovic celebrates his goal against Ecuador with his teammates during their 2014 World Cup Group E soccer match at the Brasilia national stadium in Brasilia, June 15, 2014. REUTERS/Ueslei Marcelino (BRAZIL  - Tags: SOCCER SPORT WORLD CUP)        TOPCUP

Wollen wir auch gegen Frankreich sehen: Jubelnde Schweizer. Bild: UESLEI MARCELINO/REUTERS

Die detaillierte Analyse

Die Franzosen sind ein anderes Kaliber als Ecuador – das muss die Nati für den zweiten Sieg machen

Nach dem Auftaktsieg ist vor dem Frankreich-­Spiel. Ottmar Hitzfeld dürfte sich die erste Partie der Franzosen genau angeschaut haben. Watson verrät, welche Stärken und Schwächen die Franzosen beim 3:0-Erfolg über Honduras offenbarten.

16.06.14, 14:57

tobias escher, spielverlagerung.de

Den ersten Schritt in Richtung Achtelfinal hat die Nati bereits getan. Mit dem 2:1­-Erfolg über Ecuador hat sich die Schweiz eine gute Ausgangsposition geschaffen. Als nächstes muss das Team von Ottmar Hitzfeld gegen die starken Franzosen ran (Freitag, 21 Uhr). Diese zeigten beim 3:0­-Erfolg über Honduras, dass sie auch ohne Superstar Franck Ribéry ein starkes Team sind.

Karim Benzema war mit zwei Toren und einem von ihm provozierten Eigentor Honduras die grosse Figur der Franzosen. Bild: MURAD SEZER/REUTERS

Frankreichs flexibles System

Frankreich setzt auf eine 4­-3-­3-­Formation, die allerdings nur auf dem Papier besteht. Defensiv ordnen sie sich in einer 4-­1-­4-­1-­Formation an und decken den Platz in der gesamten Breite ab. Ihr Pressing beginnt dabei schon in vorderster Linie: Benzema leitet den Gegner auf die Aussen, wo der Zugriff gesucht wird. Die Schweizer Innenverteidigung wird sich vor den Pressingattacken von Benzema hüten müssen – Honduras zwang er zu unkontrollierten langen Bällen, die Frankreichs gross gewachsene Verteidiger einfach abfangen konnten.

Frankreichs 4-3-3 gegen Honduras 4-4-2. Während Honduras fast durchgehend in der Formation verbleibt, wechseln die französischen Spieler oft ihre Positionen.

In der Offensive ist das taktische Grundgerüst der Franzosen sehr flexibel. Aus der Abwehr heraus macht der zurückfallende Cabaye das Spiel, wodurch wiederum die Aussenverteidiger weit vorrücken können. Besonders Rechtsverteidiger Debuchy zeigte sich im Spiel gegen Honduras sehr offensiv und gab im letzten Drittel die Breite. Die Aussenstürmer rücken hingegen weit ein. Valbuena fiel hierbei etwas in die Tiefe, während Griezmann sich etwas höher positionierte.

Cabaye fällt zwischen die Verteidiger und macht das Spiel. Die Aussenverteidiger schieben weit nach vorne, während die Aussenstürmer etwas einrücken und den Kontakt zu den Achtern suchen.

Honduras zu Fehlpässen und Querschlägern gezwungen

Zusammen mit den Achtern versuchen die französischen Aussenstürmer, die Halbräume im Mittelfeld zu überladen. Hier müssen die Schweizer sehr vorsichtig sein. Honduras verteidigte diese Angriffe über weite Strecken mit ihrem engen 4-­4­-2 gut, allerdings hatten auch sie Probleme mit den schnellen Tempoverschärfungen der Franzosen. Sie kreieren ständig Überzahlen in Ballnähe, mit deren Hilfe sie auch sehr gut ins Gegenpressing kommen.

Frankreich setzte direkt nach Ballverlusten nach und zwang die spielerisch eher limitierten Honduraner zu Fehlpässen und Querschlägern. Gegen die Schweiz dürfte dies nicht so leicht werden, allerdings dürfte sich die Nati Abspielfehler wie gegen Ecuador unter dem hohen Druck nicht leisten.

Lücken auf den Flügeln

Wenn es im Zentrum zu eng wurde, blieb den Franzosen immer noch die Verlagerung auf die Flügel. Durch die hohe Rolle der Aussenverteidiger konnten sie hier stets Gefahr ausstrahlen, zumal die Aussenverteidiger oft von den Achtern unterstützt wurden. Allerdings war die Rückwärtsbewegung der Aussenverteidiger manches Mal zu langsam. Gerade der angeschlagene Evra wirkte nicht so dynamisch wie in seinen besten Tagen. Eventuell könnte Hitzfeld versuchen, Shaqiri als Rechtsaussen etwas höher spielen zu lassen, um im Umschaltmoment in die Räume hinter Evra zu gelangen.

Eine entscheidende Waffe der Franzosen waren zudem die zahlreichen Positionswechsel, die sie in der Offensive vollführten. Benzema, Griezmann und Valbuena tauschten häufig die Seiten, wobei sie stets die gleiche Aufgabenteilung hatten: Valbuena suchte als tiefster Spieler die Anbindung ans Mittelfeld, während Griezmann und Benzema etwas höher für die Durchschlagskraft sorgten. Hier muss die Schweiz gute Übergabemechanismen zeigen, um die Franzosen aufnehmen zu können. Die französische Offensive hat ganz andere Qualitäten als die sehr geradlingen Ecuadorianer, die nur selten die Positionen tauschten.

France's defender Patrice Evra (L) vies for the ball with Honduras' defender Maynor Figueroa (down) and defender Brayan Beckeles, during a Group E football match between France and Honduras at the Beira-Rio Stadium in Porto Alegre during the 2014 FIFA World Cup on June 15, 2014.  AFP PHOTO / LUIS ACOSTA

Evra fliegt über Figueroa, beobachtet von Beckeles. Bild: AFP

Xhakas Abräumer-Qualitäten sind gefragt

So dürfte nach dem 3:0­-Sieg der Franzosen der Respekt der Schweizer gross sein. Frankreich dominierte die Partie, zeigte starke Überladungen und stand auch im Pressing stabil. Die Schweizer müssen ihre Leistung im Vergleich zum Auftaktspiel steigern, könnten aber durchaus mit den Franzosen mithalten. Xhaka dürfte mit seiner Lauf-­ und Zweikampfstärke den Wachhund für Cabaye geben, der unverzichtbar für das Ballbesitzspiel der Franzosen ist.

Dahinter werden die beiden Viererketten der Schweizer immer wieder zusammen­- und auseinanderschieben müssen, um die zentralen Überladungen der Franzosen zu neutralisieren. Mit viel Kampf und etwas Glück könnten die Schweizer den entscheidenden Konter über die Flügel fahren, der die Franzosen knackt.

Trainer Deschamps gratuliert Cabaye zu dessen Leistung. Bild: AFP

Angstgegner Honduras mauert mal wieder

Die Partie gab auch Hinweise auf das letzte Gruppenspiel der Schweizer. Honduras verteidigte gegen Frankreich über 90 Minuten weg und setzte wenige eigene Akzente. Ihr 4-­4-­2 interpretierten sie sauber und schnörkellos – wie schon vor vier Jahren, als sie zum Schweizer Schreck wurden und die Nati mit einem 0:0 aus dem Turnier beförderten.

Gegen Honduras wird vor allem der Spielaufbau sehr wichtig sein. Die französische Strategie, Überladungen im Zentrum mit schnellen Flügelattacken abzuwechseln, könnten sich die Schweizer durchaus abschauen – Shaqiri und Mehmedi brachten diese Qualität bereits im Auftaktspiel ein.

Doch zunächst gilt es, Frankreich zu besiegen. Es wird keine einfache Aufgabe, doch mit etwas taktischem Geschick kann die Nati den schweren Brocken meistern. Ein Sieg wäre wichtig – schliesslich möchte es niemand im Schweizer Team darauf ankommen lassen, am letzten Spieltag die mauernden Honduraner schlagen zu müssen.

Honduras' Taktik heisst Hoffnung: Hinten dicht machen und vorne hilft der liebe Gott. Bild: DAMIR SAGOLJ/REUTERS



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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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Herr und Frau Mötzli, können wir uns nicht einfach mal freuen?!

Die Schweiz schlägt Serbien hochdramatisch 2:1. Schlagzeilen machen aber die Doppeladler beim Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Die Gesten waren unüberlegt und unnötig. Aber auch verständlich für Spieler, bei denen sich so viel um Identität und Zugehörigkeit dreht.

Als sich Xherdan Shaqiri nach seinem 2:1 in der 90. Minute gegen Serbien dazu entschied, seine Hände zum Doppeladler zu formen, da wurde er innert Sekunden vom Helden zum Deppen. 

Zumindest für ganz viele Schweizer Fans. Die Freude über den Sieg wurde schnell gedämpft. Dürfen sich Schweizer da überhaupt noch freuen? Das war doch Hochverrat!

Zum Glück, so muss man fast sagen, haben Shaqiri und Xhaka mit dem Doppeladler für einen kleinen Skandal gesorgt. Sonst, man stelle sich vor, hätten …

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