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Steht Djokovic wieder auf oder ist die Luft wirklich draussen? Bild: Claude Paris/AP/KEYSTONE

Boris Becker gnadenlos: «Bei Djokovic ist die Luft draussen»

Ex-Trainer Boris Becker analysiert die Krise der ehemaligen Nummer 1 der Welt, Novak Djokovic. Und nimmt für einmal kein Blatt vor den Mund.

25.04.17, 11:33 26.04.17, 14:01

Simon Häring / aargauer Zeitung

Seit seinem Triumph bei den French Open vor einem knappen Jahr hat Novak Djokovic nur noch zwei Turniere gewonnen. Der Serbe hat nicht nur die Spitzenposition der Weltrangliste an Andy Murray eingebüsst, er belegt in der Jahreswertung derzeit auch nur den 20. Rang. «Tennis ist nicht mehr meine oberste Priorität. Ich bin nicht mehr derselbe», sagt Djokovic, der im Mai 30 wird. Er sei nicht nur Sportler, sondern auch Vater und Ehemann.

Seit dem letzten Dezember zählt Boris Becker nicht mehr zum Trainerteam Djokovics. Vor zu kritischen Äusserungen hatte er sich bisher aber stets gescheut.

So nah wie hier sind sich Djokovic und Becker längst nicht mehr. Bild: FACUNDO ARRIZABALAGA/EPA/KEYSTONE

Nun lässt sich der Deutsche in einem Interview mit dem TV-Sender «Sky Sports» dennoch zu einer brisanten Aussage hinreissen: «Seine Denkweise hat sich geändert. Mit dem Sieg in Roland Garros ist Novaks Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Seither ist bei ihm die Luft draussen.»

Djokovic vernachlässigt Training

Niemand vergesse, wie man eine Vor- oder Rückhand spielt, oder wie man aufschlägt. «Wer zweifelt, der hat schon verloren. Die Gegner in der Kabine bekommen das mit. Sie erkennen auch die Körpersprache und sie lernen, wie sie Novak schlagen können.» Beobachter sagen, Djokovic habe das Training vernachlässigt und zeige Anzeichen einer Sinnkrise. Dazu passt, dass mit Pepe Imaz ein Ex-Spieler, der Liebe und Frieden predigt, Einfluss nimmt.

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  • 9%Er wird wieder die Weltnummer 1, aber nicht mehr unwiderstehlich.
  • 27%Er hält sich noch ein Weilchen in den Top 4 und gewinnt grosse Turniere.
  • 21%Grosse Titel wird er nicht mehr gewinnen, oder sicher nicht viele davon.
  • 20%Die Luft ist draussen – bald tritt er zurück.
  • 19%Ich will nur das Resultat sehen.

Er spiele immer noch mit grosser Leidenschaft Tennis. Noch immer sei es das Spiel, das er liebe wie beim ersten Mal. Damals, als er im vom Krieg versehrten Belgrad erstmals ein Racket in die Hand nahm. Später mit 13 Jahren, beseelt vom Traum, der beste Spieler der Welt zu werden, nach München auswanderte. Später angetrieben davon, aus dem Schatten der erfolgreicheren und beliebteren Roger Federer und Rafael Nadal zu treten.

Da war er noch feurig: Novak Djokovic am Hopman Cup 2006 mit Ana Ivanovic. Bild: AP

Hilft Djokovic die Wut zur Rückkehr?

Nach Jahren der Dominanz, der Askese, dem Streben nach Perfektion hat Djokovic jedes Ziel erreicht. Er ist zwölffacher Grand-Slam-Sieger. Mit 108 Millionen Dollar hat er mehr Preisgeld verdient als jeder andere. Er war 122 Wochen die Nummer 1. Doch trotz Jahren der Dominanz steht er nun wieder im Schatten von Federer und Nadal. Vielleicht hilft ihm die Wut darüber, das innere Feuer wieder zu entfachen. Aber vielleicht erstickt es auch das letzte Glühen.

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22
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    Alle Leser-Kommentare
  • DerRaucher 25.04.2017 21:17
    Highlight Ist halt nicht jeder ein Federer der den Hals immer noch nicht voll hat. Der würde wohl mit 60 noch Profitennis spielen wenn es der Körper hergebe.
    11 26 Melden
  • Typu 25.04.2017 16:27
    Highlight Private probleme haben ihn aus der bahn geworfen. Nur mit einem perfekten umfeld kann ein spitzensportler spitzenkeistungen vollbringen. Die sind sehr sehr sensibel.
    27 2 Melden
  • 123und456 25.04.2017 15:43
    Highlight finde ich sympathisch. er hat erreicht was er wollte.
    er ist ehemann und vater und hat mehr als genug Geld. da ist es verständlich, dass der Sport in den Hintergrund rückt.
    er ist halt ein etwas “kantiger Typ“. aber er soll sich nicht verbiegen und hat allen gezeigt was er kann. es kann nicht jeder everybodys darling sein wie federer..
    51 9 Melden
  • Der müde Joe 25.04.2017 15:07
    Highlight Solange dieser "gspürsch-mi-fühlsch-mi" Guru an Djokovic's Seite ist, wird er keinen Blumentopf mehr gewinnen. Kein Biss, kein Elan, keine Titel!
    64 3 Melden
  • Cyberraga 25.04.2017 13:26
    Highlight Er war nicht 'nur' 122 Wochen die Nummer 1 sondern 223 Wochen. Kleiner aber feiner Unterschied.
    63 0 Melden
    • super_silv 25.04.2017 18:19
      Highlight Stimmt. Ist wohl mit dem "most consecutive weeks at #1" verwechselt worden.
      7 0 Melden
  • Calvin WatsOff 25.04.2017 12:15
    Highlight Ist die Moneyquelle erschöpft oder war Herr Becker schon lange nicht mehr in den Medien? 😂😂😂
    65 19 Melden
    • Asmodeus 25.04.2017 14:39
      Highlight Ja
      16 3 Melden
  • N. Y. P. 25.04.2017 12:12
    Highlight Vielleicht dachte er immer, indem er alle Rekorde von Rafa und Roger schlägt, schaffe er es auch in die Herzen der Zuschauer.
    Aber mit jedem Jahr, wo er Siege an Siege reihte, hat er sich eher noch weiter vom diesem Ziel entfernt.
    Das wurde ihm nach Paris so richtig bewusst. Er hatte alles gewonnen. Aber in der Zuschauergunst war er trotz allem immer noch Lichtjahre hinter Rafa/Roger.
    Das muss den Stärksten irgendwann aus der mentalen Bahn werfen.
    Irgendwie ist er doch ein guter Kerl.

    Meine Meinung.
    135 12 Melden
    • AJACIED 25.04.2017 13:02
      Highlight Konter: muss Mann immer der Liebling der Massen sein!
      28 15 Melden
    • N. Y. P. 25.04.2017 14:40
      Highlight @AJACIED
      Sag Du es mir !
      Wärst Du gerne der Liebling der Massen ?
      25 1 Melden
    • Gretzky 25.04.2017 15:06
      Highlight Es kann ja nicht jeder der Liebling der Massen sein. Und der beste aller Zeiten auch nicht. Ist aber auch nicht nötig, denn er war extrem erfolgreich, muss niemanden etwas beweisen und hat sich meines Erachtens die letzten Jahre durchaus gebessert. Er wird auch älter und muss nicht sein Leben lang der Ehrgeizling bleiben, der er mal war. Meines Erachtens ein Zeichen von Reife, das andere Dinge mit der Zeit wichtiger werden.
      21 4 Melden
    • AJACIED 25.04.2017 18:41
      Highlight @ Officer der N.Y.P.
      Nein möchte ich nicht. Nur sich verstellen damit dich 50ig Leute mehr gerne haben.
      Nei möchte kein Liebling der Massen sein den ich da müsst man sich schon bitzeli verstellen.
      Das mache ich sicher nicht um dir zu gefallen 😂🤘
      8 1 Melden
    • N. Y. P. 25.04.2017 19:06
      Highlight @AJACIED
      Du gefällst mir auch nicht😄😄.
      Als Liebling muss man sich ein wenig verstellen. Das stimmt.
      Ich habe übrigens oben geschrieben, dass er gerne so beliebt wäre wie die anderen beiden. Djoker wollte sicher nicht Liebling werden, aber bestimmt in die Nähe der beiden aufrücken..
      5 5 Melden
    • AJACIED 25.04.2017 22:06
      Highlight Möchte gerne? Ok frag ihn mal ..! Nicht denken fragen 😉. Schöne abig 🖖
      6 3 Melden
  • Sean Amini 25.04.2017 12:08
    Highlight Man hatte auch Federer und Nadal bereits abgeschrieben. Jeder hat diese Sinnkrise durchgemacht oder wurde durch Verletzungen gestoppt.

    Er wird zurück kommen aber trotzdem GO FEDI ;-) http://E
    81 7 Melden
  • Ignorans 25.04.2017 12:08
    Highlight Ist das mit der Ehe nicht durch?
    Er hat keine Motivation und das ist sympathisch.
    51 2 Melden
  • c_meier 25.04.2017 11:59
    Highlight naja man hat ja bei Federer gesehen, dass man nach einigen Monaten Pause wieder sehr erfolgreich auf die Tour zurückkehren kann...
    Daher gut möglich, dass er mal ein "Sabbatical"-Jahr einlegt um dann wieder voll motiviert zurückzukommen.
    Schaun mer mol
    49 1 Melden
  • Hans Dampf 25.04.2017 11:58
    Highlight Als die Meldung kam das er jetzt mit so einem "Guru/Heiler"-Trainer zusammenarbeitet, hatte ich gleich die Orangensaft phase von Patty vor Augen.

    Da kam dann auch nicht mehr viel....
    82 1 Melden
    • Alan Smithee 25.04.2017 15:50
      Highlight Patty's sauberer Urinwinkler.😆
      ..........Rainer Harnecker!.
      15 1 Melden
  • LukasderErste 25.04.2017 11:52
    Highlight Haha "für einmal kein blatt vor den mund". Becker ist doch die grösste tratschtante des tennissports.
    123 3 Melden
  • Yippie 25.04.2017 11:44
    Highlight Ich würde es begrüssen, wenn er sich nochmals zu Höchstleistungen pushen kann. Dem Tennis würde eine breites Spitzenfeld mit Federer, Nadal, Djoker, Murray und Stan gut tun.

    Sollte er es nicht mehr schaffen, dann ist es halt so und schmälter auch nicht die Leistungen aus der Vergangenheit. Es gibt Wichtigeres im Leben als sportlich erfolgreich zu sein.
    141 7 Melden

Nach dem Verzicht auf die Sandsaison: Ist Federer ein Pragmatiker oder ein Feigling?

Nach Roger Federers erneutem Verzicht auf die Sandplatzsaison wirft sich die Frage auf: Ist der Schweizer ein Feigling, Rafael Nadal auf dessen stärkster Unterlage aus dem Weg zu gehen, oder ist er einfach nur clever?

Ein bisschen angefressen schien Roger Federer (36) schon. Seine Antworten waren immer noch höflich und durchdacht, aber doch knapper als sonst. Klar, da war Enttäuschung. Eine Niederlage sei nicht das Ende der Welt und es sei auch okay, einmal zu verlieren, hatte er vor einer Woche in Indian Wells nach der Final-Niederlage noch jovial gesagt.

Über Niederlagen lässt es sich ja auch einfach sinnieren, wenn man so sehr ans Gewinnen gewöhnt ist wie er. Doch zwei Mal in Folge? Das war ihm lange …

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