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Roger Federer hat fünf Tage Zeit sich zu erholen. Bild: Kirsty Wigglesworth/AP/KEYSTONE

Wird Federer für den Davis-Cup-Final fit?

Rogers Rücken ist das neue «Knie der Nation» – mit welchen Schweizer Sportstars wir bereits mitlitten

Schock für die Schweizer Tennis-Fans: Fünf Tage vor dem Davis-Cup-Final gegen Frankreich zwickt Roger Federers Rücken. Wird er spielen? Im Vollbesitz seiner Kräfte? Wieder einmal bangt die ganze Schweiz um ein Sportler-Körperteil.

17.11.14, 14:25 17.11.14, 18:33

Der Worst Case ist eingetroffen: Das Wochenende vor dem Davis-Cup-Final gegen Frankreich endet statt mit dem ersten Schweizer Tennis-Fest in einem riesigen Fiasko. Roger Federer und Stan Wawrinka zermürbten sich bei den World Tour Finals in einem epischen Halbfinal über 2:48 Stunden gegenseitig: Federer siegt zwar 4:6, 7:5, 7:6, doch am Ende sind beide Verlierer.

Taten sich bei ihrem Marathon-Match in London gegenseitig keinen Gefallen: Stan Wawrinka und Roger Federer. Bild: Zuma

Im Tiebreak zwickt Federers Rücken, mal wieder. Die Verletzung ist so gravierend, dass er nicht zum Final vom Sonntag gegen Novak Djokovic antreten kann. Zu allem Übel sollen Federer und Wawrinka nach der Partie auch noch aneinander geraten sein. Weil sich Stan an den Anfeuerungsrufen von Rogers Frau Mirka gestört hat, soll in der Garderobe «etwas vorgefallen» sein, wie John McEnroe gehört haben will.

Während der Zwist zwischen zwei Männern wohl zügig beigelegt werden kann, macht sich die ganze Schweiz Sorgen um Federers Rücken. Kann der «Maestro» im ersten Einzel am Freitag spielen? Falls ja, wird er genügend fit sein, um Jo-Wilfried Tsonga oder Richard Gasquet schlagen zu können? Fragen, die wir uns vor wichtigen Anlässen auch bei anderen Schweizer Sportgrössen schon gestellt haben.

1985: Das Knie der Nation

Im Januar 1985 zieht sich Pirmin Zurbriggen bei seinem Doppelsieg auf der Streif in Kitzbühel – der schwierigsten Abfahrt der Welt – eine Meniskusverletzung zu. Dies knapp zwei Wochen vor der WM in Bormio. In der Muttenzer Rennbahnklinik, wo Zurbriggen mit einer damals neuen Arthroskopie-Methode operiert wird, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit: Schafft es Zurbriggen, rechtzeitig auf die WM wieder fit zu werden?

Um das «Knie der Nation» entbrennt ein in der Schweiz nie dagewesener Medienrummel. Die «Tagesschau» ist live dabei, als Zurbriggen in den Operationssaal geschoben wird. Die Zeitungen, allen voran der «Blick», berichten danach täglich über Zurbriggens Fortschritte bei der Aufbaugymnastik. Der Rummel hat schliesslich ein schier unglaubliches Happy End: Zwei Wochen nach seiner Verletzung wird Zurbriggen sensationell Abfahrtsweltmeister und holt später im Riesenslalom Silber.

Pirmin Zurbriggen müht sich nach seiner Knieoperation in der Reha ab. bild: Keystone

1994: Alain Sutters grosser Zeh

Erstmals seit 28 Jahren qualifiziert sich die Schweizer Nati wieder für ein grosses Turnier. Bei der Fussball-WM 1994 spielt das Team von Roy Hodgson ebenfalls gross auf und qualifiziert sich dank einem 4:1-Sieg gegen Rumänien für die Achtelfinals. Bester Mann ist Alain Sutter. Seine überragende Leistung krönt er mit dem 1:0, das er mit gebrochenem Zeh erzielt. 

Sutter will sich auch für die kommenden Partien fit spritzen lassen. «Eine Spritze bekomme ich direkt vor dem Spiel, eine in der Pause. Das ist ziemlich schmerzhaft. Während des Spiels kehrt der Schmerz auch wieder zurück. Ich muss gehörig auf die Zähne beissen», erklärt er nach dem Rumänien-Spiel.

Im letzten Gruppenspiel gegen Kolumbien spielt Sutter von Anfang an, wird nach 81 Minuten aber ausgewechselt. Für den Achtelfinal gegen Spanien reicht es nicht mehr. Von der Spielerbank muss er mitansehen, wie die Schweiz von den Iberern mit 0:3 nach Hause geschickt wird.

Trotz Zehenbruch zeigt Alain Sutter bei der WM 1994 Höchstleistungen, bis der geschwollene Fuss schliesslich nicht mehr in den Schuh passt. Bild: KEYSTONE

2003: Hakan Yakins Knöchel

Mit einem Sieg gegen Irland kann sich die Schweiz für die EM 2004 in Portugal qualifizieren. Einen Tag vor dem Spiel stellt sich den Schweizer Fans die bange Frage: Kann Mittelfeld-Regisseur Hakan Yakin spielen oder ist seine Verletzung am linken Knöchel noch nicht ausgeheilt?

«Es ist alles gut gegangen, ich konnte schiessen und sprinten. Es fehlt natürlich noch etwas, wir werden sehen, ob der Trainer mich aufstellt», sagt Yakin, nachdem er im Abschlusstraining erstmals wieder mit der Mannschaft trainiert hat. 

Trainer Köbi Kuhn stellt Yakin auf und das macht sich schon nach sechs Minuten bezahlt. Der begnadete Techniker umkurvt den irischen Torhüter, schiebt mit dem angeschlagenen linken Fuss locker ein und legt mit seinem 1:0 den Grundstein für den 2:0-Sieg.

Er kam, sah und traf: Hakan Yakin im alles entscheidenden EM-Quali-Spiel gegen Irland. Bild: KEYSTONE

2008: Patrick Müllers Knie

Ein halbes Jahr vor der EM im eigenen Land erleidet Patrick Müller beim Spiel von Olympique Lyon gegen Besançon einen Kreuzbandriss im rechten Knie. Dem spielstarken Innenverteidiger droht eine lange Pause.

Nach fünf Monaten Verletzungspause feiert Müller Anfang Mai 2008 sein Comeback in der Reservemannschaft von Lyon. Grund genug für Köbi Kuhn seinen Abwehr-Patron für die Heim-EM aufzubieten. Müller spielt schliesslich bei allen drei Gruppenspielen durch, das Aus nach der Vorrunde kann aber auch er nicht verhindern.

Blitzgenesung bei Patrick Müller: Sechs Monate nach seinem Kreuzbandriss spielt der Innenverteidiger bei der EM 2008 im eigenen Land. Bild: KEYSTONE

2009: Lara Guts Hüfte

Lara Gut ist erst 18 Jahre alt, wird aber bereits als neues «Schätzchen der Nation» bezeichnet. 2009 gewinnt sie in Val d'Isére WM-Silber in der Abfahrt und in der Kombination. Doch im Oktober 2009 folgt der Rückschlag: Bei einem Trainingssturz in Saas Fee renkt sich Lara Gut das rechte Hüftgelenk aus. Eine Operation lässt sich nicht vermeiden, Gut kämpft danach um die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver.

Reicht es für Olympia? «Ehrlich, mich nervt diese Frage allmählich.» Der Kampf geht schliesslich verloren. Mitte Januar 2010 gibt Gut bekannt, dass sie nicht nach Vancouver reisen wird. Auch auf die restlichen Rennen in dieser Saison verzichtet sie. 

Für Lara Gut ist die Zeit zu knapp: Als klar ist, dass es für Olympia nicht reicht, setzt die Tessinerin gleich die komplette Saison aus.  Bild: KEYSTONE

2010: Didier Cuches Daumen

Riesenslalom im slowenischen Kranjska Gora: Didier Cuche bleibt 15 Tage vor den Olympischen Spielen Vancouver am zweitletzten Tor hängen, stürzt und schlittert auf dem Bauch ins Ziel. Die Diagnose: Der Daumen der rechten Hand ist gebrochen.

«Ich werde trotzdem antreten», verkündet Cuche nach der Operation mit dickem Gipsverband. Und dass er nicht nur dabei sein will, beweist Cuche bereits im ersten Abfahrtstraining in Whistler: Bestzeit. Deshalb gibt es vom Romand anschliessend auch ein kräftiges «Daumen hoch».

Doch die Geschichte hat kein Happy End. Cuche geht in Vancouver leer aus. Er wird 6. in der Abfahrt, 10. im Super-G und 14. im Riesenslalom. «Les jeux sont faits», sagt der enttäuschte Neuenburger.

Daumen hoch: Nach dem Abfahrtstraining ist Didier Cuche noch zuversichtlich. Bild: KEYSTONE

2010: Alex Freis Knöchel

Schock im Abschlusstraining: Am Tag des Abflugs zur WM 2010 in Südafrika bestreitet die Nati im Zürcher Letzigrund ein letztes Show-Training, da passiert es. Alex Frei geht nach einem Zweikampf mit Steve von Bergen mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden, sofort hält er sich den rechten Knöchel. Zum zweiten Mal nach der Heim-EM 2008, als er sich im Eröffnungsspiel gegen Tschechien das Innenband im linken Knie angerissen hatte, droht Frei, ein grosses Turnier zu verpassen.

Der Torjäger reist trotzdem mit. Mannschaftsarzt Dr. Cuno Wetzel gibt täglich das Verletzungsbulletin durch. Das sensationelle 1:0 gegen den späteren Weltmeister Spanien sieht Frei dann aber nur von der Bank aus. Das Comeback im zweiten WM-Spiel gegen Chile endet frühzeitig. Behrami sieht rot, Frei wird noch vor der Pause aus taktischen Gründen ersetzt. Bis zum enttäuschend frühen Out in der Gruppenphase kommt er nur auf 63 Einsatzminuten.

«Wenn ich mir nochmals alles durch den Kopf gehen lasse und analysiere, komme ich zu einem klaren Ergebnis: Ich wäre wohl besser zuhause geblieben. So wie es mir mein Bauchgefühl immer sagte», erinnert sich Frei mit etwas Distanz.

Alex Frei verletzt sich vor der WM 2010 im fast letztmöglichen Moment. Bild: KEYSTONE

2012: Beat Feuz' Knie

Beat Feuz führt vor dem Saisonfinale in Schladming im Gesamtweltcup mit 55 Punkten Vorsprung auf den Österreicher Marcel Hirscher. Doch der Weltcup-Schlussspurt ist für den Schangnauer nicht nur ein Kampf gegen Hirscher, sondern auch ein Kampf mit seinem Knie.

Seit Wochen plagen Feuz Schmerzen im linken Knie. «Ich bin mir sicher, dass Beat im Moment mehr Schmerzen ertragen muss, als er zugibt», sagt Physiotherapeut Michel Burgener. Immer wieder muss der «Kugelblitz» Trainingseinheiten auslassen.

Trotzdem: In der Abfahrt baut Feuz seinen Vorsprung auf 135 Punkte aus. Doch ein Ausfall und Hirschers überraschender dritter Platz im letzten Super-G bringen die Wende. Weil Feuz im Riesenslalom ausfällt und Hirscher das Rennen gewinnt, steht der Österreicher schon vor dem abschliessenden Slalom als Gesamtweltcupsieger fest.

Nach der Saison lässt sich Feuz den Knochenabriss im linken Knie fixieren, doch im Sommer verletzt er sich erneut am selben Knie. Es beginnt eine lange Leidenszeit, die bis heute anhält.

Beat Feuz ärgert sich über den verpassten Triumph im Gesamtweltcup. Bild: KEYSTONE

2012: Fabian Cancellaras Schlüsselbein

Grosses Pech für Fabian Cancellara an der Flandern-Rundfahrt: Der Berner stürzt 61 km vor dem Ziel in der Verpflegungszone und muss das Rennen mit einem vierfachen Schlüsselbeinbruch in der rechten Schulter verletzt aufgeben. Der Traum von Gold im Strassenrennen und der Titelverteidigung im Zeitfahren bei den Olympischen Spielen 2012 in London droht zu platzen.

Nach 52 Tagen gibt Cancellara sein Comeback. «Ich sitze noch mit einer Fehlhaltung auf dem Velo», sagt der Berner. Für Olympia bleibt er optimistisch. «Es wird hart, aber ich kann es schaffen», ist er überzeugt.

Doch bei Olympia hat Cancellara wieder Pech: Im Strassenrennen führt er rund 15 Kilometer vor dem Ziel die Spitzengruppe an, als er sich in einer scharfen Rechtskurve verschätzt und wieder auf die rechte Schulter stürzt. «Ich brauche ja eigentlich nur die Beine», sagt er vor dem Zeitfahren. Doch die Schmerzen sind zu gross. Cancellara muss sich im Kampf gegen die Uhr mit Rang 7 begnügen.

Der erste von zwei verhängnisvollen Stürzen: Cancellara bricht sich an der Flandern-Rundfahrt das Schlüsselbein. Bild: afp

2013: Dario Colognas Knöchel

Es passiert beim Joggen vor der Saison: Dario Cologna übertritt sich im November 2013 den Fuss, das Innenband, das Aussenband sowie das Syndesmoseband am rechten oberen Sprunggelenk sind gerissen. Die Vorbereitung auf die olympischen Spiele wird zum Wettlauf mit der Zeit.

Doch Cologna steckt den Kopf nicht in den Sand, sondern lässt sich von Teamarzt Patrik Noack auf einem Behindertenschlitten festschnüren, arbeitet an seiner Doppelstock-Technik. Vor Weihnachten steht er wieder auf den Ski, im Januar bestreitet er das erste Rennen.

Rechtzeitig für Olympia ist er wieder topfit, obwohl er seinen Knöchel noch in jedem Rennen spürt. Doch Cologna lässt sich davon nicht bremsen und holt Gold im Skiathlon sowie über 15 km klassisch. «Das ist mein grösster Erfolg, denn es war kein einfacher Winter für mich», gibt er danach hocherfreut zu Protokoll. 

Dario Cologna trainiert nach seiner Knöchelverletzung mit dem Schlitten auf einem Rollband. Bild: KEYSTONE

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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