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Switzerland's Martina Hingis stands with her mother Melanie Hingis-Zogg during practice at the U.S. Open in New York Saturday, Sept. 7, 1996.  Hingis will face number one seed Steffi Graf of Germany after rain postponed the match between Graf and Hingis on Friday. (AP Photo/Richard Drew)

Ein lange sehr erfolgreiches Duo: Martina Hingis mit ihrer Mutter und Trainerin Melanie Molitor. Bild: AP

23 Jahre Martina Hingis: Vom Wunderkind zur Grande Dame

Mit Martina Hingis verabschiedet sich eine herausragende Schweizer Sportlerin. Die 37-Jährige hat 23 erstaunliche Profijahre hinter sich.

26.10.17, 17:33 26.10.17, 18:00


Als Martina Hingis 1994 ihren ersten Match auf der WTA-Tour bestritt, hatte sie wenige Tage zuvor ihren 14. Geburtstag gefeiert. In der Zürcher Saalsporthalle gewann sie sicher gegen die amerikanische Top-50-Spielerin Patty Fendick. Und auch in den folgenden Monaten wurde sie ihrem Status als «Wunderkind» gerecht. Bereits 1997 setzte sich die von Mutter Melanie Molitor trainierte Ausnahmekönnerin an die Spitze des WTA-Rankings – als jüngste Spielerin aller Zeiten.

Die Karriere von Martina Hingis

An das «Wunderkind» erinnerte wenig, als Hingis in Singapur ihren endgültigen Abschied von der Tour bekannt gab. Über die Jahre hinweg hat sich die Ostschweizerin vom grossen Talent zu einer Art «Grande Dame» des Tennis gewandelt. Der Fokus lag im letzten Drittel ihrer Karriere ausschliesslich auf dem Doppel. Sie bestritt ihre Partien nicht mehr mit der gleichen Verbissenheit wie einst. Erfolge feierte sie trotzdem: Nach ihrer zweiten Rückkehr auf die Tour gewann sie im Mixed (mit Jamie Murray und Leander Paes) und Doppel (mit Chan Yung-Jan und Sania Mirza) zehn Major-Titel.

Wichtige Titel und Rekorde

Wichtige Einzeltitel
1997: Australian Open, Wimbledon, US Open
1998: Australian Open
1999: Australian Open
Rekorde:
– Jüngste Nummer 1 der Welt 1997 (16 Jahre und 6 Monate)
– Jüngste Australian-Open-Siegerin 1997 (16 Jahre und 4 Monate)
– Jüngste Doppel-Siegerin bei einem Grand-Slam-Turnier (Wimbledon 1996 mit Helena Sukova/15 Jahre und 9 Monate)

Ihren Ehrgeiz hat Hingis nie verloren, doch die Bereitschaft dem Tennis alles unterzuordnen war nach den erfolgreichen und auch von Verletzungen geprägten ersten Jahren weg. Ihre fünf Grand-Slam-Titel im Einzel gewann sie zwischen 1997 und 1999. In dieser Phase war der Teenager das Mass aller Dinge. Neben drei Titeln am Australian Open und je einem in Wimbledon und beim US Open gewann Hingis bis zu ihrer ersten Auszeit 2002 weitere 35 Turniere im Einzel. Während 209 Wochen war sie die Nummer 1 der Welt.

Verletzungen und Dopingsperre

Ab 2000 machten der taktisch und technisch ausgesprochen starken Hingis die aufkommenden Power-Spielerinnen um die Williams-Schwestern zu schaffen. Doch vor allem Verletzungen warfen sie zurück und verhinderten, dass sie ihr Niveau halten konnte. Nach Operationen an beiden Füssen gab sie im Februar 2003 ihren Rücktritt bekannt. Für über drei Jahre blieb die Niederlage gegen die Russin Jelena Dementjewa im Herbst 2002 in Filderstadt ihre letzte Partie auf der WTA Tour.

JAHRESRUECKBLICK 2007 - SPORT - SCHWEIZ TENNIS RUECKTRITT MARTINA HINGIS: Swiss tennis player Martina Hingis faces the press, Thursday, November 1, 2007 in Glattbrugg, Switzerland. Martina Hingis said she has been accused of testing positive for cocaine at Wimbledon, and announced her retirement from professional tennis. Hingis, a five-time Grand Slam champion and former Wimbledon winner, denied using cocaine. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Martina Hingis tritt 2007 zum zweiten Mal zurück. Sie wurde mit Doping (Kokain) erwischt. Bild: KEYSTONE

Bei ihrem Comeback zu Beginn der Saison 2006 lief es Hingis zu Beginn ausgesprochen gut. Sie spielte sich bis auf Platz 6 der Weltrangliste, litt aber im darauffolgenden Jahr immer wieder unter Verletzungen. Schliesslich folgte im November 2007 der zweite Rücktritt, nachdem die damals 27-Jährige wegen einer positiven Dopingprobe gesperrt worden war. Hingis wurde eine sehr geringe Menge Kokain im Urin nachgewiesen.

Adieu mit 25 Grand-Slam-Titeln

Obwohl Hingis das Schweizer Tennis Ende der Neunzigerjahre auf ein ganz neues Niveau hob, flogen ihr die Herzen nie im gleichen Masse zu wie etwa Roger Federer oder Stan Wawrinka. Bloss einmal, 1997, wurde sie Schweizer Sportlerin des Jahres. Die Frühreife wirkte oft etwas verbissen und unnahbar. Erst im letzten Drittel ihrer Karriere, als sie sich ganz dem Doppel verschrieben hatte, wirkte sie gelöst. Ein sowohl emotionales als auch sportliches Highlight war der Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 an der Seite von Timea Bacsinszky.

HANDOUT - Timea Bacsinszky, rechts, und Martina Hingis, links, posieren mit ihren Silbermedaillen anlaesslich der Medaillenfeier im House of Switzerland waehrend den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro, Brasilien, am Sonntag, 14. August 2016. Timea Bacsinszky und Martina Hingis gewannen im Tennis-Doppel der Frauen die olympische Silbermedaille. (KEYSTONE/Praesenz Schweiz/House of Switzerland Brazil 2016) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Bild: PRAESENZ SCHWEIZ/HOS BRAZIL 2016

Dass Hingis zu den ganz Grossen der Tennis-Geschichte gehört, ist schon seit Jahren klar. Bereits 2013 wurde sie in die Hall of Fame aufgenommen. Bei Auflistungen der wichtigsten Spielerinnen aller Zeiten fehlt sie so gut wie nie. Und als Publikumsmagnet wirkte sie auch noch als Doppel- oder Mixed-Spielerin. Obwohl sie nach dem furiosen Karrierestart Rückschläge hinnehmen musste, fand sie ihren Weg. Sie verabschiedete sich mit der Referenz von 25 Grand-Slam-Titeln und als Nummer 1 der Doppel-Weltrangliste. (sda)

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