Sport

Nach Einzug in den Doppelfinal bei den US Open

Martina Hingis ist zurück auf der grossen Bühne

In der Nacht auf morgen kämpft Martina Hingis im Doppelfinal um ihren 15. Grand-Slam-Titel. In New York war die 33-jährige Rheintalerin nicht nur deshalb eine gefragte Gesprächspartnerin. Sie steht auch am Ursprung des nächsten Schweizer Stars Belinda Bencic.

06.09.14, 11:05 06.09.14, 14:14

Auch fast genau 20 Jahre nach ihrem Profidebüt hat Martina Hingis noch Gänsehaut und feuchte Hände, wenn sie auf einen Tennisplatz geht. Zumindest, wenn es der Final eines Grand-Slam-Turniers ist. 2006 hatte sie dieses Gefühl das letzte Mal, als sie an der Seite des Inders Mahesh Buphati am Australian Open das Mixed gewann. In der Nacht auf morgen hat sie in New York – ziemlich unverhofft – wieder eine Chance.

Die Ostschweizerin bereut nicht, dass sie schon im zarten Alter von 14 Jahren ihren Einstand auf der Frauentour gab. Sie findet auch nicht, dass die Regeln nötig sind, die heute junge Tennisspielerinnen vor einem zu frühen Einstieg schützen und die Anzahl ihrer Turniere limitieren. Dennoch waren die letzten 20 Jahre ihres Lebens von einigen Wirrungen begleitet. 

Martina Hingis gewinnt mit einem Sieg über Jana Novotna 1997 auch Wimbledon. Bild: AP

Trainerin Hingis mit wenig Erfolg

1997 wurde sie die jüngste Nummer 1 der Geschichte, bis zu ihrem ersten Rücktritt 2003 wegen chronischen Schmerzen im Fuss gewann sie fünf Grand-Slam-Titel im Einzel und neun im Doppel. 2006 kehrte sie zurück und schaffte es nochmals in die Top Ten, wurde wegen einer positiven Dopingprobe (Kokain) zwei Jahre gesperrt und kehrte dem Tennis erneut eine Weile den Rücken.

Die «Swiss Miss», die mit ihrem federleichten Stil und dem immensen Spielwitz die Tenniswelt verzaubert hatte, wurde zur Persona non grata und durfte nicht einmal mehr als Gast Turniere besuchen. Nach Ablauf der Sperre war ihre Reputation jedoch schnell wieder hergestellt. Während in der Schweiz eher über Hingis' offensichtlich recht turbulentes Ehe- und Liebesleben diskutiert wurde, blieb ihre Popularität international ungebrochen. 

Trainerin Martina Hingis mit ihrem ehemaligen Schützling Sabine Lisicki. Bild: EPA/DPA

Engagements als Coach von Anastasia Pawljutschenkowa und Sabine Lisicki waren allerdings nicht von Dauer und von wenig Erfolg gekrönt. Vor einem Jahr wurde sie in die «Hall of Fame» aufgenommen – und gab ein zunächst wenig beachtetes zweites Comeback im Doppel. Damit war sie aber wieder da, wo sie sich am wohlsten fühlt: auf dem Tennisplatz.

Mit Pennetta ein starkes Duo

Nach ein paar Monaten hatte sie schliesslich mit Flavia Pennetta die richtige Partnerin gefunden. «Sie kann an der Grundlinie jedes Tempo mitgehen», erklärt Hingis. «Und ich mache den Gegnerinnen Angst am Netz.» Gleich im ersten Turnier im Juni erreichten die beiden in Eastbourne den Final. 

Die Stimmung ist gut bei Hingis und Pennetta. Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Die 32-jährige Italienerin gewann 2011 das Australian Open im Doppel und war die Nummer 1. Sie schwärmt von Hingis: «Sie könnte 20 Jahre vom Tennis weg sein, zurückkommen und spielen, wie wenn sie nie weg gewesen wäre.» Würde das allenfalls auch für ein Comeback im Einzel reichen? Die Rheintalerin winkt ab: «Das habe ich gehabt, das ist mir zu anstrengend.»

Die 14 Grand-Slam-Titel von Martina Hingis

Einzel (5): Australian Open 1997, 1998, 1999; Wimbledon 1997, US Open 1997.
Doppel (9): Wimbledon 1996 (m. Sukova), Australian Open 1997 (Zwerewa), Australian Open 1998 (Lucic), French Open 1998, Wimbledon 1998, US Open 1998 (alle Novotna), Australian Open 1999 (Kurnikowa), French Open 2000 (Pierce), Australian Open 2002 (Kurnikowa).
Mixed (1): Australian Open 2006 (Bupathi). 

Hingis' Freude über Bencic

So hatte sie in New York genügend Zeit, den Durchbruch von Belinda Bencic zu verfolgen. Die Parallelen sind verblüffend – und natürlich kein Zufall. «Sie hat bei meiner Mutter Tennis spielen gelernt», betont Hingis. «Und sie legt viel Wert auf die Technik.» Bencic, die ihre Wurzeln wie ihr Vorbild in der Slowakei hat, zog bereits im Alter von sieben Jahren extra aus der Ostschweiz in den Kanton Schwyz, um bei Hingis' Mutter Melanie Molitor trainieren zu können.

«Ich habe mich riesig über ihre Erfolge gefreut», sagt Hingis. Ein bisschen überrascht sei sie schon davon, aber nur ein bisschen. «Ich habe vor dem Turnier mit ihr trainiert und gesehen, wie gut sie spielt.» Die 17-Jährige sei definitiv keine Kopie von ihr. 

Martina Hingis mit Ivan Bencic, Vater von Belinda. Bild: Manuela Davies/freshfocus

«Belinda ist kräftiger und hat mehr Waffen als ich, kann mehr Winner schlagen, während ich mich vielleicht noch etwas besser bewegt habe.» Für Hingis ist klar, dass Bencic ein «riesiges Potenzial» habe, definitiv für die Top 5. «Wie weit sie es aber letztlich bringt, liegt an ihr selber.»

Irgendwann hatte Hingis aber genug über Bencic gesprochen und wollte keine weiteren Fragen dazu beantworten. Immerhin steht sie mittlerweile selber bald in einem Grand-Slam-Final. Zurück auf der grossen Bühne, ganz in ihrem Element. (si/syl)

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Da grinst King Roger – Federer ist Sportler des Jahres, Holdener bei den Frauen gekürt

Die Schweizer Sportlerin des Jahres heisst Wendy Holdener. Die Schwyzer Skirennfahrerin setzte sich an den Credit Suisse Sports Awards in Zürich in einer engen Ausmarchung knapp gegen die Ironman-Weltmeisterin Daniela Ryf und Kunstturnerin Giulia Steingruber durch. Holdener verdiente sich die Auszeichnung mit dem WM-Titel in der Kombination und der WM-Silbermedaille im Slalom. Nach Lara Gut im Vorjahr gewann zum zweiten Mal in Folge eine Vertreterin von Swiss Ski den Award. 

Roger Federer …

Artikel lesen