Sport

«Ich sehe das Ziel schon vor Augen und habe noch Reserven»

Bild: AP/AP

Zwei Siege trennen Roger Federer (36) bei den Australian Open von der Titelverteidigung. Was der Baselbieter nach seinem Sieg gegen Tomas Berdych an der Pressekonferenz sagte.

24.01.18, 13:56 24.01.18, 16:39

Simon Häring, Melbourne / Nordwestschweiz

Roger Federer steht ohne Satzverlust im Halbfinal der Australian Open, in dem er am Freitag auf den Südkoreaner Hyeon Chung (21, ATP 58) trifft.

Nach dem Sieg gegen den Tschechen Tomas Berdych (32, ATP 20) sprach er über ...

... seinen unbekannten Gegner, den Südkoreaner Hyeon Chung ...
Ich kenne ihn kaum, um ehrlich zu sein. Irgendwie mag ich das, weil es etwas total Neues ist. Wir mögen die Rivalitäten, aber neue Namen sind gut fürs Tennis. Ich freue mich auf den Halbfinal. Es ist beeindruckend, wie er gegen Djokovic gespielt hat. Ihn hier auf diesem Platz zu schlagen, ist eine der grössten Herausforderungen in unserem Sport. Weil ich ihn kaum kenne, werde ich gut auf meine Coaches hören müssen und mehr Zeit in die Vorbereitung investieren. Wir müssen noch herausfinden, wie ich gegen ihn spielen soll.

Gut drauf: Chung nach seinem Sieg gegen Djokovic. Bild: AP/AP

... seinen Halbfinal-Einzug ohne Satzverlust ...
Es ist das beste Gefühl, das du haben kannst. Auf einmal bin ich im Halbfinal. Körperlich topfit. Du bist im Tunnel, im Sog, und es sind nur noch noch zwei Matches. Ich sehe das Ziel schon vor Augen und habe noch Reserven. Ich wusste, dass hier etwas möglich ist, darum bin ich sehr fokussiert und konzentriert. Trotzdem kann ich es geniessen. Auch die Kinder haben es hier gut. Hier in Australien haben wir immer viel Besuch aus Europa und Amerika.

Das meint Heinz Günthardt zu Federers Ausgangslage:

... den geplatzten Traumfinal gegen Rafael Nadal ...
So habe ich nicht gedacht. Ich wusste ja, dass ich erst in den Viertelfinals bin und gegen Berdych spiele und er bisher gut drauf war. Ich bin ja nicht im Final und ich will auch nicht zu weit vorausdenken. Wenn du das machst, beginnst du zu straucheln. Darum denke ich, war ich so nervös, als ich in den Match gestartet bin. Weil ich weiss, wie gefährlich Berdych ist.

Schlecht drauf: Nadal nach seiner Forfait-Niederlage gegen Cilic.  Bild: AP/AP

... das Platzinterview mit Jim Courier, bei dem es um Mode ging ...
Früher gab es das nicht. In Wimbledon, wenn du das Turnier gewonnen hattest, bekamst du den Pokal für zehn Sekunden, das wars. Heute ist das anders und ich geniesse es. Es interessiert die Menschen, wer du bist, woher du kommst, was du durchmachst und was dir wichtig ist. Wenn die Fans etwa ein Kleidungsstück kaufen können, gibt ihnen dies das Gefühl, etwas von dir zu bekommen. Es ist wie ein Fussballshirt mit dem Namen auf dem Rücken.

Locker drauf: Federer beim Platzinterview mit Jim Courier. Bild: AP/AP

Die besten Bilder des Australian Open 2018

Unvergessene Tennis-Geschichten

06.01.1996: Wegen Rossets Dummheit des Jahres bricht Hingis beim Hopman Cup in Tränen aus

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

20.01.2013: Djokovic fügt Wawrinka die Mutter aller heroischen und bitteren Niederlagen zu

21.01.1999: «Yips» beschert Anna Kurnikowa trotz Sieg einen unglaublichen Negativrekord 

24.01.2001: Hingis macht Kleinholz aus Serena und Venus und stürmt in den Australian-Open-Final

26.01.2002: Martina Hingis' Traum schmilzt bei 50 Grad im Glutofen von Melbourne weg

01.02.2009: Federer verpasst Sampras' Rekord und weint nach Pleite gegen Nadal bittere Tränen

13.02.2000: Roger Federer verliert seinen ersten Final, weint bittere Tränen und jammert, er werde nie mehr in ein Endspiel kommen

30.03.2002: Roger Federer bodigt zum ersten Mal die Weltnummer 1 – und diese ist sich sicher: «Er kann den Durchbruch schaffen»

30.04.1993: Wie ein Messerstich die Tenniswelt veränderte

31.05.2009: Robin Söderling fügt Rafael Nadal die einzige Niederlage an den French Open zu und ebnet Roger Federer den Weg zum Karriere-Grand-Slam

01.06.2009: Gedanklich ist Federer wohl schon ausgeschieden. Dann rettet ihn eine unglaubliche Vorhand auf dem Weg zum Karriere-Slam 

05.06.1989: Mondbälle, Krämpfe und ein «Uneufe»-Aufschlag – der 17-jährige Michael Chang treibt Ivan Lendl mit seinem Psychokrieg in den Wahnsinn

05.06.1999: Hingis' schwärzeste Stunde – zwei «Uneufe»-Aufschläge, gellende Pfiffe und bittere Tränen

06.06.2005: Nadals erster erster Streich am French Open – ganz Paris verliebt sich in das «Kind mit der donnernden Linken»

05.07.1997: Martina Hingis ist mit 16 Jahren die jüngste Wimbledon-Siegerin des 20. Jahrhunderts

07.07.1985: Als jüngster Spieler aller Zeiten gewinnt Boris Becker Wimbledon und löst so einen Tennis-Boom in Deutschland aus

08.07.2001: Die Weltnummer 125 triumphiert in Wimbledon: Goran Ivanisevics grosser Traum wird doch noch wahr

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

10.08.2003: Andy Roddick ist einen Sommer lang der beste Tennisspieler des Planeten – dann vergeht ihm das Lachen für lange, lange Zeit

04.09.1977: Bei McEnroes drittem US-Open-Auftritt wird ein Zuschauer mitten im Stadion durch eine Pistolenkugel verletzt

05.09.1996: Sampras kotzt gegen Corretja auf den Court – denkwürdigstes US-Open-Tiebreak aller Zeiten 

20.09.2009: «Who ist the beeest? Better than the reeest?» Federer outet sich nach dem Davis-Cup-Sieg gegen Italien als Party-Tiger

25.10.2002: Nach Roger Federers Gegensmash wirft ihm Andy Roddick frustriert das Racket vor die Füsse

24.11.2009: Das kommt uns Spanisch vor – im Interview mit CNN hat Roger Federer seinen legendären Lachflash

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Therealmonti 25.01.2018 09:59
    Highlight Roger Federer ist einfach ein total lässiger Typ. Die Schweiz sollte ihm unendlich dankbar sein. Er ist mit grossem Abstand der beste Botschafter, den unser Land hat. Allen Neidern, die RF seinen sportlich und finanziellen Erfolg missgönnen sei hier gesagt: Ihr seid sowas von kleinlichen Neidhammeln!
    3 0 Melden

Was die Federer-Zwillinge den Papa nach dem 20. Grand-Slam-Titel Wichtiges fragen mussten

Erst gegen 3 Uhr stösst Roger Federer mit Freunden in einer Bar auf seinen Sieg an, im Gepäck den Norman Brooks Challenge Cup, zuvor musste er auch noch zum Dopingtest.

«Es ist unglaublich, wie lange alles dauert und wie viele Dinge es zu erledigen gibt», sagt der Baselbieter vor dem Government House in Melbourne. Nur drei Stunden hat er geschlafen. «Ich bin einfach nur müde und habe wenig geschlafen. Aber es war ein schöner Abend, weg vom Rampenlicht. Nur mit Freunden und Familie.»

Es sei ein …

Artikel lesen