Sport

Weil Murray erst nach der Auslosung Forfait gab, ist der Traumfinal zwischen Federer und Nadal nicht möglich. Bild: X02835

Roger und Rafa früh gefordert – viele Stolpersteine auf dem Weg zum Nummer-1-Duell

30 der letzten 31 Grand-Slam-Titel wurden von fünf Tennisspielern gewonnen. Drei von ihnen fehlen beim heute beginnenden US Open. Für die Topfavoriten Roger Federer und Rafael Nadal wird es dennoch ein langer und beschwerlicher Weg zum erhofften Duell um die Nummer-1-Position.

28.08.17, 16:08

Acht Jahre ist es her, seit Juan Martin Del Potro im US-Open-Final Roger Federer entzaubert und nach Novak Djokovic (Australian Open 2008) als Zweiter die Phalanx von Roger Federer und Rafael Nadal durchbrochen hat. 17 der letzten 18 Major-Titel hatten die beiden seit Wimbledon 2004 unter sich aufgeteilt.

Etwas ausgeglichener wurde es danach, statt zwei Spieler dominierten fünf die grossen Turniere. Seit Del Potros Sternstunde haben Federer, Nadal, Djokovic, Andy Murray und Stan Wawrinka 30 von 31 Grand-Slam-Titel gewonnen. Nur Marin Cilic konnte sich 2014 beim US Open eine der begehrten Major-Trophäen schnappen. 

Federer und Nadal am Kids Day

Schon oft wurde das Ende der «Big 5» – oder sind es nur die «Big 4»? – herbeigeschrieben. Immer wieder hiess es, jetzt sei die Zeit der «NextGen», der nächsten Tennis-Generation, gekommen. Erst war es diejenige um Kei Nishikori, Grigor Dimitrov und Milos Raonic, seit einiger Zeit die um Alexander Zverev, Nick Kyrgios und Dominic Thiem. 

Doch ausgerechnet jetzt, wo drei der «Big 5» verletzungsbedingt aufs US Open verzichten mussten, spricht niemand mehr von der nächsten Generation oder einem anderen möglichen Überraschungssieger. Alles fokussiert sich auf Federer und Nadal.

Nadal und Federer stets am gleichen Tag:

Das hat einerseits natürlich seine Berechtigung. Die beiden einstigen Dominatoren haben in diesem Jahr nach schwierigen Zeiten mit Verletzungen, Formtiefs und bitteren Niederlagen wieder zu alter Form zurückgefunden. Bis Wimbledon haben sie zusammen mit Ausnahme von Rom sämtliche grossen Turniere gewonnen. Die logische Konsequenz: Nadal ist wieder die Nummer 1 geworden. Federer kann ihm den Tennis-Thron aber beim US Open schon wieder streitig machen. 

Das grosse Highlight wäre ein Final-Duell zwischen Federer und Nadal. Die Partie der beiden Topgesetzten wäre gleichzeitig ein Duell um die Nummer-1-Position. Weil Andy Murray aber einen Tag nach der Auslosung Forfait gab, würde es schon im Halbfinal statt im Final dazukommen. Ein kleiner Wermutstropfen.

Federer wird beim US Open wieder die Nummer 1 ...

● ... wenn er mindestens den Final erreicht.

● ... wenn er im Halbfinal verliert, darf sein Bezwinger nicht Nadal heissen.

● ... wenn Federer im Viertelfinal scheitert, darf Nadal keine Partie gewinnen.

Beim ganzen Hype um die beiden wird gerne etwas ausgeblendet, dass Federer und Nadal nicht ohne Probleme nach New York gereist sind und erst noch bis in den gemeinsamen Halbfinal kommen müssen. 

Federer würde gerne auf Nadal treffen:

Federer kuriert noch immer seine im Final von Montreal erlittene Rückenverletzung aus. Wie gravierend die Probleme des fünffachen US-Open-Champions noch sind, lässt sich nicht abschliessend sagen. Federer spricht in der Öffentlichkeit nicht über seine Verletzung, gibt sich aber verhalten optimistisch: «Ich kann wieder an die Taktik denken und finde meine Rhythmus wieder. Es gibt ab eine gewisse Unsicherheit», so der «Maestro».

Die grosse Ungewissheit: Hält Federers Rücken? Bild: EPA/EPA

Nadal hingegen ist zwar körperlich fit, aber seit seinem Wimbledon-Aus gegen Gilles Muller in ein kleines Formtief gefallen. Die Umstellung auf Hartplatz ist ihm mal wieder nicht wie gewünscht geglückt. Der Spanier versuchte in Montreal und Cincinnati zwar etwas härter zu servieren und näher an der Grundlinie zu stehen. Doch immer wieder fiel er in alte Muster und liess sich allzu sehr in die Defensive drängen, wo er von seinen Bezwingern Nick Kyrgios und Denis Shapalov regelrecht abgeschossen wurde.

Mögliche Stolpersteine auf dem Weg zum Halbfinal-Duell gibt es für Federer und Nadal genug. Auch wenn mit Murray, Djokovic, Wawrinka, Nishikori und Raonic gleich fünf Topcracks ausfallen:

Nadals mögliche Stolpersteine:

» Hier geht's zur vollständigen US-Open-Auslosung.

Sind derzeit besonders heiss: Nick Kyrgios (l.) und Grigor Dimitrov. Bild: AP/AP

Federers mögliche Stolpersteine:

Umfrage

Wer gewinnt das US Open 2017?

  • Abstimmen

452 Votes zu: Wer gewinnt das US Open 2017?

  • 71%Roger Federer
  • 3%Rafael Nadal
  • 15%Alexander Zverev
  • 2%Nick Kyrgios
  • 4%Grigor Dimitrov
  • 6%Ein anderer

Rafa trifft lieber nicht auf Roger

Sollte es dennoch zum erhofften Halbfinal-Duell der beiden lebenden Legenden kommen, wäre es ihre erste Direktbegegnung am US Open. 2010 und 2011 verpasste Federer den Final gegen seinen Erzrivalen jeweils trotz zwei Matchbällen in den Halbfinals gegen Djokovic.

Federer würde sich auf das 38. Duell mit Nadal freuen: «Ich wäre glücklich, hier auf Rafa zu treffen.» Der Spanier ist da aber anderer Meinung: «Wenn ich es in den Halbfinal schaffe, würde ich lieber gegen einen anderen spielen. Einen leichteren Gegner, wenn möglich.»

Am Starttag im Einsatz:

Leichte Gegner wird es aber nicht geben. Auch im Final nicht, obwohl Andy Murray die untere Tableau-Hälfte wegen seiner Absage kurzfristig geöffnet hat. Mit Wimbledon-Finalist Marin Cilic, Montreal-Sieger Alexander Zverev, Nadals letztjährigem Bezwinger Lucas Pouille und den Aufschlagshünen Sam Querrey, John Isner und Kevin Anderson hat es dort genügend Anwärter auf den zweiten Finalplatz.

Die One-Slam-Wonders im Herren-Tennis

Unvergessene Tennis-Geschichten

06.01.1996: Wegen Rossets Dummheit des Jahres bricht Hingis beim Hopman Cup in Tränen aus

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

20.01.2013: Djokovic fügt Wawrinka die Mutter aller heroischen und bitteren Niederlagen zu

21.01.1999: «Yips» beschert Anna Kurnikowa trotz Sieg einen unglaublichen Negativrekord 

24.01.2001: Hingis macht Kleinholz aus Serena und Venus und stürmt in den Australian-Open-Final

26.01.2002: Martina Hingis' Traum schmilzt bei 50 Grad im Glutofen von Melbourne weg

01.02.2009: Federer verpasst Sampras' Rekord und weint nach Pleite gegen Nadal bittere Tränen

13.02.2000: Roger Federer verliert seinen ersten Final, weint bittere Tränen und jammert, er werde nie mehr in ein Endspiel kommen

30.03.2002: Roger Federer bodigt zum ersten Mal die Weltnummer 1 – und diese ist sich sicher: «Er kann den Durchbruch schaffen»

30.04.1993: Wie ein Messerstich die Tenniswelt veränderte

31.05.2009: Robin Söderling fügt Rafael Nadal die einzige Niederlage an den French Open zu und ebnet Roger Federer den Weg zum Karriere-Grand-Slam

01.06.2009: Gedanklich ist Federer wohl schon ausgeschieden. Dann rettet ihn eine unglaubliche Vorhand auf dem Weg zum Karriere-Slam 

05.06.1989: Mondbälle, Krämpfe und ein «Uneufe»-Aufschlag – der 17-jährige Michael Chang treibt Ivan Lendl mit seinem Psychokrieg in den Wahnsinn

05.06.1999: Hingis' schwärzeste Stunde – zwei «Uneufe»-Aufschläge, gellende Pfiffe und bittere Tränen

06.06.2005: Nadals erster erster Streich am French Open – ganz Paris verliebt sich in das «Kind mit der donnernden Linken»

05.07.1997: Martina Hingis ist mit 16 Jahren die jüngste Wimbledon-Siegerin des 20. Jahrhunderts

07.07.1985: Als jüngster Spieler aller Zeiten gewinnt Boris Becker Wimbledon und löst so einen Tennis-Boom in Deutschland aus

08.07.2001: Die Weltnummer 125 triumphiert in Wimbledon: Goran Ivanisevics grosser Traum wird doch noch wahr

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

10.08.2003: Andy Roddick ist einen Sommer lang der beste Tennisspieler des Planeten – dann vergeht ihm das Lachen für lange, lange Zeit

04.09.1977: Bei McEnroes drittem US-Open-Auftritt wird ein Zuschauer mitten im Stadion durch eine Pistolenkugel verletzt

05.09.1996: Sampras kotzt gegen Corretja auf den Court – denkwürdigstes US-Open-Tiebreak aller Zeiten 

20.09.2009: «Who ist the beeest? Better than the reeest?» Federer outet sich nach dem Davis-Cup-Sieg gegen Italien als Party-Tiger

25.10.2002: Nach Roger Federers Gegensmash wirft ihm Andy Roddick frustriert das Racket vor die Füsse

24.11.2009: Das kommt uns Spanisch vor – im Interview mit CNN hat Roger Federer seinen legendären Lachflash

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tataaa 28.08.2017 19:42
    Highlight "Phalanx" treffend eingesetzt 😉. Na dann, let's get ready to rumble!

    4 0 Melden
  • Toerpe Zwerg 28.08.2017 17:04
    Highlight Das war doch Taktik von Murray, bis nach der Auslosung zu warten.
    28 4 Melden
    • chnobli1896 28.08.2017 17:41
      Highlight Kann gut sein. Macht ihn auf alle Fälle in meinen Augen nicht sympathischer
      28 4 Melden
    • Radiochopf 28.08.2017 21:52
      Highlight Wow echt mieses Spiel von Murray.. auch wen er sicher alles gab um dabei zusein, war es ihm sicher klar das es für ihn besser war nach der Auslosung abzusagen.. echt mies und eher unbritisch...
      9 2 Melden

«Ein Traum wird wahr, ich kann es nicht glauben» – Federer ist die älteste Nummer 1

Roger Federer ist ab Montag wieder die Nummer 1 der Welt! Der Baselbieter qualifiziert sich in Rotterdam für die Halbfinals und sammelt damit genügend Punkte, um Nadal an der Ranking-Spitze abzulösen.

Nach dem Belgier Ruben Bemelmans und dem Deutschen Philipp Kohlschreiber schlug Federer auch den Niederländer Robin Haase (ATP 42). In der ausverkauften Ahoy Arena bewältigte er die letzte Aufgabe auf dem Weg zurück an die Weltranglistenspitze nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem 4:6, 6:1 6:1. Er musste zum ersten Mal in dieser Woche seinen Service und einen Satz abgeben. «Das ist einer der grössten Siege meiner Karriere», wird er später trotzdem sagen.

» Hier gibt's den Ticker der …

Artikel lesen