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Klarer Sieger im Halbfinal der US-Open: Marin Cilic. Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Cilic demütigt Federer 

«Die Partie ist schnell zusammengefasst: Cilic hat grossartig gespielt»

07.09.14, 00:36 07.09.14, 09:26

Sensationeller Halbfinal-Samstag am US Open: Erst gewann Kei Nishikori gegen die Weltnummer 1 Novak Djokovic, anschliessend verlor Roger Federer gegen den Kroaten Marin Cilic 3:6, 4:6, 4:6. Cilic und der Japaner spielen am Montag ihren ersten grossen Final.

So sehen die Nadal-Fans die Halbfinals am US-Open.

Erst verhinderte ein Gewitter eine Stunde lang den Beginn des Halbfinals zwischen Roger Federer und dem klaren Aussenseiter Marin Cilic. Dann verwehrte der Kroate dem Schweizer den erstmaligen Einzug in den US-Open-Final seit 2009. Cilic, die Nummer 16 der Welt, dominierte die Partie von Beginn weg fast nach Belieben und mit einer nahezu perfekten Vorstellung.

Der 1,98 m grosse Kroate schlug glänzend auf, brillierte aber vor allem auch mit enorm starken Returns. Mit solchen verdiente er sich im ersten Satz das Break zum 3:1 (nach 40:0). Auch im zweiten Durchgang ging Cilic sogleich 2:0 in Führung. In beiden Sätzen hatte Federer danach kaum eine Chance, die Partie nochmal auszugleichen.

Frust statt Lust: Federer hatte keine Chance gegen den Kroaten Bild: Mike Groll/AP/KEYSTONE

Nach den fünf Sätzen im Viertelfinal gegen Gaël Monfils fehlte dem 33-jährigen Basler die nötige Frische. Im ersten Satz musste er sich allerdings nicht viel vorwerfen. Er schlug zehn Winner und beging drei unerzwungene Fehler. Mit einer solchen Bilanz verliert man nicht oft einen Satz 3:6. Bis zum Ende kam Federer auf 28 Gewinnschläge und 17 Fehler.

Chance zur Wende

«Wenn ich etwas länger bei ihm hätte bleiben können, wäre er vielleicht etwas nervöser geworden.»

Roger Federer

«Die Partie ist eigentlich schnell zusammengefasst: Marin hat grossartig gespielt. Ich hatte vielleicht nicht meinen allerbesten Tag, aber er war auch unglaublich konstant. Das hat mich ein wenig überrascht.» Einzig im dritten Satz erarbeitete sich Federer eine Chance zur Wende, als er sich mit einem Rückhand-Winner das ersehnte Break und eine 2:0-Führung verschaffte. 

Video: YouTube/Sports Highlights

Cilic schlug jedoch sogleich zurück und glich wieder aus. Nach einem erneuten Aufschlagverlust zum 3:4 stand der fünffache US-Open-Champion erneut mit dem Rücken zur Wand - und Cilic zeigte keinerlei Nerven. Im letzten Game zum 6:3, 6:4, 6:4 schlug er drei Asse und einen Rückhand-Winner.

«Ich habe vom ersten bis zum letzten Punkt das beste Tennis meines Lebens gespielt.»

Marin Cilic

Danach trauerte Federer einzig dem Break nach, das er im ersten Satz nach einer 40:0-Führung zugestanden hatte. «Wenn ich etwas länger bei ihm hätte bleiben können, wäre er vielleicht etwas nervöser geworden», sagte er. «Aber so spielte er sich in einen richtigen Rausch.» Diese Einschätzung teilte Cilic vollumfänglich: «Ich habe vom ersten bis zum letzten Punkt das beste Tennis meines Lebens gespielt», sagte der Schützling von Goran Ivanisevic.

Video: YouTube/Live Sports HD

Zuvor hatte Kei Nishikori bei 36 Grad auf dem Court und einer Luftfeuchtigkeit von gut 70 Prozent gegen Novak Djokovic gewonnen, der nicht zum ersten Mal bei hohen Temperaturen nicht seine beste Leistung abrufen konnte.

Hat Historisches vollbracht: Finalist Nishikori aus Japan. Bild: Charles Krupa/AP/KEYSTONE

«Ich weiss nicht, was los ist.»

Kei Nishikori nach dem Sieg

Nishikori konnte sein Glück kaum glauben. «Ich weiss nicht, was los ist», brachte er im Platzinterview knapp heraus. Er sei nämlich wirklich nervös gewesen vor diesem ersten Grand-Slam-Halbfinal. Ein wichtiger Faktor für seine Fortschritte sei Coach Michael Chang. Der Amerikaner chinesischer Abstammung hatte 1989 als 17-Jähriger sensationell das French Open gewonnen und war nun einer von vier ehemaligen Grand-Slam-Siegern, welche die vier Halbfinalisten trainieren (neben Djokovic/Becker, Federer/Edberg und Cilic/Ivanisevic).

«Die Bedingungen waren hart für beide, das ist keine Entschuldigung für meine Niederlage.»

Novak Djokovic

Für Djokovic endete hingegen ein privat erfreulicher (Hochzeit, im Herbst folgt das erste Kind), sportlich aber wenig erfolgreicher Sommer abrupt und überraschend. «Die Bedingungen waren hart für beide, das ist keine Entschuldigung für meine Niederlage», erklärte Djokovic. «Ausser im zweiten Satz habe ich nie so gespielt, wie ich mir das vorgestellt habe. Zu viele unnötige Fehler, zu wenig Länge in meinen Bällen.» 

Novak Djokovic ist unzufrieden mit sich. Bild: MIKE SEGAR/REUTERS

Nun wartet der Davis-Cup

Während die TV-Stationen diese Tatsache, die ihnen deutlich tiefere Einschaltquoten bescheren, gar nicht goutieren werden, gewinnt ihr Federer durchaus etwas Positives ab: «Wer ist nun der Favorit», fragte er. «Keiner weiss es, und das ist doch eine interessante Situation. Deshalb sollte man diesen Final unbedingt anschauen.»

Selber kann er sich nun auf den Davis-Cup-Halbfinal gegen Italien am kommenden Wochenende in Genf konzentrieren. «Wir sind der Favorit, und ich hoffe, dass wir in diesem Jahr noch zweimal Davis Cup spielen werden.» Ganz besonders freue er sich auch über die ausverkaufte Halle mit dreimal 18'000 Zuschauern.(kad/si)

Ticker: 6.9. Federer-Cilic

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Too Scoop 07.09.2014 00:48
    Highlight seine retourns waren fies!
    0 0 Melden

Mehr Trainingsspiel denn Ernstkampf – Federer freut sich über «perfekten Start»

Roger Federer bekundet bei seiner Rückkehr auf die Tour keinerlei Probleme. Einen Tag nach seinem 36. Geburtstag qualifiziert sich der Wimbledon-Sieger durch ein 6:2, 6:1 gegen den Kanadier Peter Polansky für die Achtelfinals des Masters-1000-Turniers in Montreal.

Federer brauchte eine Minute länger und ein Game mehr als vor drei Jahren, als er – damals in Toronto – ebenfalls in der 2. Runde gegen Polansky gewonnen hatte. Nach seinem Freilos in der 1. Runde war der Wildcard-Empfänger Polansky, die Nummer 116 der Welt, auch diesmal kein Gradmesser für Federers Form nach dreieinhalb Wochen Pause. Im ersten Spiel nach seinem achten Wimbledon-Triumph stand der Schweizer nur gerade 53 Minuten auf dem Platz und musste beim Stand von 4:0 im zweiten Satz …

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