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Roger Federer, was soll er denn machen?
Bild: POOL/REUTERS

Federer nach dem Wimbledon-Aus: «Ich bin wütend und traurig»

Nichts wird es mit dem 18. Grand-Slam-Titel für Roger Federer. Der Schweizer scheitert im Halbfinal an Milos Raonic. Das war unnötig und macht die Weltnummer 3 «wütend und traurig».

08.07.16, 19:30 09.07.16, 09:31

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Die Partie schien in seinen Bahnen zu laufen im vierten Satz. Milos Raonic musste nach der Partie gestehen: «Federer spielte im 3. und 4. Durchgang unglaublich.» Doch der Schweizer nutzte drei Breakchancen nicht und als er bei 5:6, 40:0 praktisch im Tiebreak war, unterliefen ihm zwei Doppelfehler, welche die Wende einläuteten: «Unerklärlich. Irgend etwas ging schief. Es ist für mich nicht erklärbar, wie ich da zwei Doppelfehler machen konnte. Das macht mich sehr traurig und wütend auf mich selber. Das darf mir nicht passieren.»

Mit der ersten Halbfinal-Niederlage in Wimbledon verpasst Federer eine grosse Chance auf seinen langersehnten 18. Major-Titel. Vor vier Jahren sicherte er sich den letzten im Südwesten Londons. Das schmerzt: «Ich fühle eine grosse Traurigkeit, dass ich hier nicht um den Titel spielen kann. Leider Gottes überwiegt die Frustration, obwohl ich stolz sein kann. Vielleicht habe ich ja gegen Cilic (im Viertelfinal gewann Federer gegen Cilic nach Abwehr von drei Matchbällen; d. Red.) zu viel Glück aufgebraucht.»

Die Einsamkeit des Ausgeschiedenen. Bild: POOL/REUTERS

«Sonst könnte ich mich einfrieren»

Stolz darum, weil der 34-Jährige mit so wenig Erwartungen wie seit 2003 nicht mehr in sein Lieblingsturnier gestartet war. «Ich bin sehr überrascht, dass ich überhaupt so weit gekommen bin. Ich dachte, ich sei nicht fit genug und mir fehle der ‹Pfupf›.» ER habe noch viel Potential, im Tennis- wie auch im explosiven Bereich. Unzufrieden ist er daher nicht nur: «Meine Leistung war ok. Nicht schlecht, nicht herausragend. Ich kann damit leben.»

Immerhin macht der siebenfache Sieger in Wimbledon seinen Fans Mut. So wird er sich wohl nicht von seinem Lieblingsturnier verabschieden: «Ich hoffe, im nächsten Jahr wieder hier zu sein. Es wäre ein Traum, hier noch einmal zu gewinnen, aber es ist nicht mein einziges Ziel und nicht der einzige Grund, wieso ich noch Tennis spiele. Sonst könnte ich mich einfrieren lassen und erst vor Wimbledon wieder rauskommen.»

Das war jetzt also noch nicht alles von Roger Federer und der Baselbieter warnt die Konkurrenz schon mal vor: «Ich weiss, dass ich noch viel besser spielen kann, und hoffe, wieder auf dieses Level zu kommen. Bis zum US Open oder von mir aus auch später.»

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 08.07.2016 22:40
    Highlight Schade - aber leider nicht zu ändern. Mental ist er nicht sooo stark wie ein Djokovic oder Raonic.

    2 Doppelfehler in der entscheidenden Phase.. und das hintereinander.

    Hätte erwartet dass er mit seiner Erfahrung einfach cooler agiert.

    Beim entscheidenden Break im 5. Satz spielt er sanfte, kurze Bälle - anstatt mal voll durchzuziehen - wie es dann Raonic gemacht hat.

    Da habe ich den TV ausgeschaltet - habe mich als super grosser Federerfan einfach zu sehr aufgeregt - konnte da nicht mehr hinsehen.

    Schade, einfach schade.
    Aber wird halt auch nicht jünger..
    6 17 Melden
  • Baberde361 08.07.2016 21:21
    Highlight Schade...
    18 9 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.07.2016 20:08
    Highlight Sorry aber ich bin jedes Mal froh wenn Federer ausscheidet und das SRF nicht wieder dauernd wie einen Gott verehrt und ihm huldigt.
    21 147 Melden
    • The Punisher 08.07.2016 20:46
      Highlight ganz richtig
      16 78 Melden
    • Looney 08.07.2016 20:52
      Highlight ok
      9 15 Melden
    • Gelöschter Benutzer 08.07.2016 21:18
      Highlight Das gilt auch für Cologna, Cancellara, Steingruber und andere....
      13 65 Melden
    • Gelöschter Benutzer 08.07.2016 21:19
      Highlight Das SRF hat schon mehr Leute heilig gesprochen als irgendein Papst...
      20 65 Melden
    • Sching 08.07.2016 21:41
      Highlight Hoppela
      34 6 Melden
    • Jol Bear 08.07.2016 23:12
      Highlight Guter Rat des Therapeuten: Versuchen Sie, sich vom SRF allmählich zu lösen, sofern Sie das stört; entdecken Sie die Tenniswelt unabhängig von SRF und Sie werden sich bald am Tennis von Federer wieder erfreuen können.
      14 5 Melden
    • Steven86 08.07.2016 23:56
      Highlight Du hast einen hass auf alle Schweizer Sportler und schaust es immer wieder an? ah das kaufe ich dir nicht ab, man merkt es du hast die alle lieb und auch das srf. :D
      18 4 Melden
    • Gelöschter Benutzer 09.07.2016 08:45
      Highlight @Jol Bear: ich löse dich bald von was :-) @Steven86: Wenn ich Sportpanorama schaue und erfahre wer Gast ist, schalte ich um...
      4 6 Melden
    • Gelöschter Benutzer 09.07.2016 08:50
      Highlight Was mich am SRF am meisten ankotzt ist die Tatsache, dass sie dauernd egal ob Federer, Stucki oder irgendein Nationalspieler, immer irgendjemand vor die Kamera zerren, dessen Bruder, dessen Tante die Coiffeuse, deren Kunde der Lehrer eines der genannten Personen ist..... Ich bin CH (und eine Figur aus Star Trek :-) ) aber das ist eine zumutung wie wenn Sascha Rufer irgendwas kommentiert und lobgesänge auf seine Manchester United Truppe macht. Sowas muss man doch langsam merken oder sind alle so verblendet von Ihrem Nationalstolz ???
      6 5 Melden
    • Chrutondchabis 09.07.2016 09:41
      Highlight Ich betrachte den medialen Hype und dessen Gefolgschaft mit einem Lächeln, jedem das seine...
      0 5 Melden

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