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epa05219041 Swiss Moto2 rider Thomas Luethi of the Garage Plus Interwetten team in action during a free practice session second day for the Motorcycling Grand Prix of Qatar at Al Losail International Circuit in Doha, Qatar, 18 March 2016. The 2016 MotoGP World Championship season's first race will be held in Doha on 20 March.  EPA/-

Hebt Tom Lüthi bald in der MotoGP-Klasse ab?
Bild: -/EPA/KEYSTONE

Testvertrag unterzeichnet – Tom Lüthis späte, echte MotoGP-Chance

Ein Traum kann doch noch Wirklichkeit werden, der längst ausgeträumt schien: In Katar hat Tom Lüthi am Freitagabend einen Vertrag unterzeichnet, der ihn 2016 in die «Königsklasse» bringen kann.

19.03.16, 18:40

klaus zaugg, katar



Resultate Qualifying in Katar

1. J. Folger (GER) 1'59,052
2. S. Lowes (GBR) + 0,072
3. A. Rins (SPA) + 0,302
Ferner:
10. T. Lüthi (SZ)​ + 0,868

Vor bald sieben Jahren, im Herbst 2009, zerstoben bei Tom Lüthi alle Träume vom Aufstieg in die Königsklasse MotoGP. Sein Freund und Manager Daniel M. Epp hatte mit Honda alles ausgearbeitet. Das MotoGP-Team für Tom Lüthi stand. Die Finanzierung hatte er in der Schweiz zu einem grossen Teil gesichert und den Rest hätte der erfolgreiche Unternehmer im Ruhestand (er hat seine internationale Autoersatzteilhandelsfirma verkauft) aus der Portokasse beigesteuert.

26.06.2014; Assen; Motorsport - Training GP Assen 2014;
Teambesitzer Daniel Epp (SUI) im Gespraech mit Thomas Luethi (SUI), Suter (Waldemar Da Rin/freshfocus)

Daniel Epp im Gespräch mit Tom Lüthi.
Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Er erinnert sich: «Es hätte funktioniert. Aber sportlich war Tom in dieser Saison völlig von der Rolle. Das Abenteuer MotoGP war unter diesen Umständen nicht mehr zu verantworten. Wir gaben das Projekt im Herbst 2009 schweren Herzens wieder auf.» Tom Lüthi beendete die 250er-Saison 2009 bloss auf dem enttäuschenden 7. Schlussrang und stieg 2010 in die Nachfolgekategorie Moto2 ein. Dort fährt er noch heute und gehört zu den Stars.

Den Traum der «Königsklasse» hat er indes nie ganz aufgegeben und jedes Jahr irgendwann in einem Interview erwähnt. Die Erfüllung schien jedoch in unerreichbare Ferne gerückt.

Lüthi als KTM-Test-Pilot

Doch die Lateiner sagen: «Tempora mutantur, nos et mutamur in illis». («Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen.»). Tatsächlich hatte Tom Lüthi keine Chance, bei den japanischen Titanen (Yamaha, Honda, Suzuki) oder bei Ducati Werkfahrer zu werden. Aber nun kommt eine neue Marke. Die österreichischen Motorradwerke KTM, seit Jahren erfolgreich im Motocross und Enduro-Sport, im GP-Zirkus in der Moto3-Klasse engagiert, steigen nächste Saison mit einer eigenen Maschine ganz oben ein.

«Wir haben Tom Lüthi als Testfahrer engagiert weil wir einen erfahrenen, schnellen Piloten brauchen.»

KTM-Projektleiter Mike Leitner

Diese Saison wird die MotoGP-Höllenmaschine entwickelt. KTM hat vier Test-Piloten unter Vertrag genommen: Alex Hofmann (De, 35), Randy de Puniet (Fr, 35), Mika Kallio (Fi, 33) – und Tom Lüthi (29). Nächste Saison setzt KTM zwei Werkfahrer ein und beide werden finanziell ein sorgenfreies Dasein haben. Hofmann, Kallio und De Puniet kommen dafür nicht mehr in Frage. Tom Lüthi ist hingegen ein Kandidat.

epa04439340 Australian Moto 3 rider Jack Miller of Red Bull KTM Ajo in action during a free practice session at Twin Ring Motegi, Tochigi Prefecture, northern Japan, 10 October 2014. The MotoGP Motorcycling Grand Prix of Japan will be held on 12 October 2014.  EPA/KIMIMASA MAYAMA

KTM ist in der Moto3-Klasse engagiert und will nächste Saison in die MotoGP-Klasse.
Bild: KIMIMASA MAYAMA/EPA/KEYSTONE

Die Tür nach ganz oben, die seit 2009 für immer verschlossen und verriegelt schien, hat sich ein Spalt weit aufgetan. Mike Leitner, ein ehemaliger Privatpilot, leitet für KTM dieses ehrgeizige Projekt. Er flog am Donnerstag nach Katar und hatte auf der langen Reise Zeit zum Plaudern. «Wir haben Tom Lüthi als Testfahrer engagiert weil wir einen erfahrenen, schnellen Piloten brauchen.» Ist es möglich, dass er nächste Saison für KTM die «Königsklasse» bestreitet? «Ich schliesse es nicht aus. Es ist noch völlig offen, wer für uns fahren wird.» Testfahrer Alex Hofmann sagt sogar, dass Tom Lüthi gute Chancen habe. «Wenn er bei den Tests schnell ist und diese Saison um den Moto2-Titel fährt, dann wird er ein Kandidat sein.»

Am Freitagabend hatte Mike Leitner hier in Katar also noch eine Kleinigkeit zu erledigen. Die Unterzeichnung des Testvertrages mit Tom Lüthi. «Wir waren uns schon lange in allen Punkten einig» sagt Daniel M. Epp. «Aber den Vertrag haben wir tatsächlich erst jetzt unterzeichnet.»

Tom Lüthi muss um den Titel fahren

Tom Lüthi wird diese Saison mindestens drei zweitägige Tests bestreiten. Sein Freund und Manager macht sich keine MotoGP-Illusionen für die nächste Saison. «Viele erfahrene Piloten haben auslaufende Verträge. Als Schweizer ist Tom für den Werbemarkt von KTM-Hauptsponsor Red Bull nicht sonderlich interessant. Aber es gibt eine kleine Chance.»

Dass sich KTM Zeit lässt mit der Fahrerwahl hat seinen Grund: Ende Saison laufen die Verträge von einigen MotoGP-Stars aus. Die Titanen werden kaum wechseln. Valentino Rossi hat soeben für zwei weitere Jahre bei Yamaha verlängert. Jorge Lorenzo wird Yamaha ebenfalls treu bleiben und auch für Marc Marquez gibt es keinen Grund, Honda zu verlassen. Aber sein Landsmann Dani Pedrosa (30) könnte seine Zeit mit Honda beenden und zu KTM wechseln. Mike Leitner war jahrelang technischer Direktor im Team des Spaniers.

epa05218874 Italian MotoGP rider Valentino Rossi of the Movistar Yamaha MotoGP team prepares for the free practice session at the Motorcycling Grand Prix of Qatar at Al Losail International Circuit in Doha, Qatar, 18 March 2016. The 2016 MotoGP World Championship season's first race will be held in Doha on 20 March.  EPA/-

Moto-GP-Superstar Valentino Rossi hat bei Yamaha um zwei Jahre verlängert.
Bild: -/EPA/KEYSTONE

Bei der Fahrerwahl spielen Märkte tatsächlich auch eine Rolle – aber letztlich keine so zentrale wie Tom Lüthis Manager befürchtet. In Spanien dominieren Jorge Lorenzo und Marc Marquez die Medienpräsenz, in Italien ist es Valentino Rossi. Da interessiert ein KTM-Pilot, der nicht um Sieg und Podest fährt, niemanden. In den USA und Deutschland gibt es zwar Töff-GP – aber der Sport interessiert nur Insider. Tom Lüthi hat für den Job eines zweiten KTM-Piloten tatsächlich eine Chance. Wenn er bei den Tests schnell ist und in der Moto2-WM um den Titel fährt.

Bis heute hat kein Schweizer ein MotoGP-Rennen bestritten. Eskil Suter war 1998 der letzte Schweizer in der Königsklasse, die damals noch mit 500er-Zweitaktern gefahren wurde. Er hatte als beste Klassierung einen 13. Platz erreicht. 2002 erfolgte die Umstellung auf Viertakter-Bikes und die Einführung der Bezeichnung MotoGP.

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • 8004 Zürich 19.03.2016 21:13
    Highlight Ein technisch sauberer und "gspüriger" Pilot wie Lüthi ist natürlich super in einer solchen Rolle.
    Aber ich bleibe dabei: Weder wird Lüthi eine echte Chance auf den Moto2-Titel 2016 haben, noch je eine auf einen MotoGP-Platz. Er ist zu lieb, zu weich...
    6 1 Melden
    • 8004 Zürich 19.03.2016 21:21
      Highlight Bzw. ich sehe ihn nicht nur als Testpilot, sondern für ein Team in der Situation von KTM ein super Entwicklungs-Tester. Seine Feedbacks werden viel wert sein. WM fahren werden dann aber andere..
      2 1 Melden

Das Chaos wird noch grösser – jetzt ist Tom Lüthi Sturzkönig der «Königsklasse»

Es schien, eine Steigerung des Dramas um Tom Lüthi sei beim GP von Italien in Mugello nicht mehr möglich. Aber es ist noch schlimmer geworden. Tom Lüthi sagt: «Unter solchen Umständen kann man nicht arbeiten.»

Die Wirklichkeit übertrifft inzwischen jede Fiktion. Das Rennen der Königsklasse beim GP von Italien in Mugello ist in vollem Gange. Begeisternder Rennsport. Valentino Rossi ringt um einen Platz auf dem Podest.

Aber wo ist Tom Lüthi? Er sitzt bereits frisch geduscht, gebürstet und gekämmt in seinem BMW. Er hat sich schon auf den Heimweg gemacht und versucht, vor dem Ende des Rennens aus dem Fahrerlager zu gelangen und dem Verkehrschaos zu entkommen.

Wer böse ist, mag sagen: Er schafft auch das …

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