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Kurz vor dem Ziel kann der Thurgauer Järmann seine Arme in die Höhe recken: Er hat den grossen Champion Delgado besiegt. Bild: fantomon44

17.07.1992: Der Thurgauer Rolf Järmann bodigt Ex-Gesamtsieger Pedro Delgado und gewinnt die längste Tour-Etappe

17. Juli 1992: Endlich erreicht der Thurgauer sein grosses Ziel. Nach Siegen am Giro d'Italia und an der Tour de Suisse gewinnt Rolf Järmann auch ein Teilstück der Tour de France. Und nicht irgendeines und nicht gegen irgendwen.



» Mehr über die Karriere und das Doping-Geständnis von Rolf Järmann findest du in diesem Unvergessen-Artikel

Marco Saligari, links, gewinnt die Tour de Suisse, vor seinem Manschaftskollegen Rolf Jaermann, aufgenommen am 24. Juni 1993 in Zuerich. (KEYSTONE/Str)

Järmann im Trikot der Ariostea-Mannschaft. Bild: KEYSTONE

28 Siege als Profi wird Rolf Järmann auf seinem Konto haben, als er seine Karriere beendet. Jener vom 17. Juli 1992 hat dabei einen ganz besonderen Stellenwert. Schliesslich erringt ihn der Arboner an der Tour de France, dem wichtigsten Radrennen der Welt.

Es ist die längste Etappe der Rundfahrt, welche die Fahrer an diesem Freitag in den Alpen zu bewältigen haben: 267,5 Kilometer zwischen Dôle und St-Gervais stehen auf dem Programm. Järmann ist gut in Form, er hat sich in den vergangenen Tagen aktiv gezeigt und ist deshalb vor dem Etappenstart als kämpferischster Fahrer ausgezeichnet worden.

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Die 12. Etappe ab 7:30 Min., der Zielsprint ab 11:25 Min. YouTube/Fantomon44

Hochkarätige Fluchtgefährten

In einer Abfahrt 150 Kilometer vom Ziel entfernt greift der ehemalige Schweizer Meister Jogi Müller an. Järmann geht mit, der Franzose Fabrice Philipot folgt dem Duo. Der Vorsprung wird gross und grösser – doch von hinten stossen dennoch weitere Konkurrenten zur Fluchtgruppe. Und was für welche! Der Gesamtdritte Stephen Roche, der Gesamtachte Giancarlo Perini und Pedro Delgado, Gesamtneunter. Der Ire Roche gewann 1987 die Tour, den Giro und die WM; der Spanier Delgado holte sich den Tour-Sieg 1988.

Die eindrücklichsten Geschichten in 113 Jahren Tour de France

Müller setzt sich zwischenzeitlich noch einmal ab, wird jedoch wieder gestellt. So muss der Schlussaufstieg nach St-Gervais entscheiden, rund 7 Kilometer ist er lang. Schon früh verlieren Müller, Philipot und Perini den Kontakt, übrig bleiben Roche, Delgado und Järmann. 

«Ich wollte Delgado nicht demütigen»

Järmann verhält sich clever, versteckt sich im Windschatten der höher dotierten Gegner. Und er «liest» Delgado richtig. Als dieser den «toten Mann» markiert und sich etwas zurückfallen lässt, weiss Järmann, was kommt: ein Angriff des Spaniers. Sofort kontert der Thurgauer diesen, Roche ist abgehängt.

«Ins Unendliche fixiert war der Blick, als Järmann vor dem Zielstrich schliesslich selbst antrat», beschreibt die NZZ die entscheidende Attacke. Delgado kann nichts mehr entgegensetzen – er ist geschlagen, der 26-jährige Thurgauer jubelt. Er sei sich zu 80 Prozent sicher gewesen, dass er den Zweiersprint für sich entscheide, erklärt Järmann danach, er hätte Delgado auch schon früher stehenlassen können. «Aber ich wollte den früheren Tour-Sieger nicht demütigen», sagt er gönnerhaft.

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Die Entscheidung nach über sieben Stunden.

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Verdiente Küsschen für den Etappensieger. gifs: fantomon44

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

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