Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Image

Moderator Hartmann, Bundestrainer Völler: «Ich kann diesen Scheiss nicht mehr hören!» Bild: ARD

Heute würde ein 0:0 gegen Island anders beurteilt: Vor 13 Jahren lupft es Völler den Deckel

6. September 2003: Nach einem lahmen 0:0 auf Island hat Bundestrainer Rudi Völler die Schnauze voll vom ewigen Gemotze der Medien und der Experten. Also schlägt er zurück – und wie! Sein Interview bei Waldemar Hartmann ist eine Sternstunde der Fussball-Berichterstattung.



Play Icon

Delling und Netzer lästern über die DFB-Auswahl, Völler schlägt bei Hartmann zurück. Video: YouTube/YouDerTuber

Rudi Völler ist einer der populärsten deutschen Fussballer aller Zeiten. Auch als Bundestrainer ist der langjährige Torschütze der Nationalmannschaft beliebt, hat er doch eine fussballerisch eher limitierte Auswahl zum Vize-Weltmeistertitel 2002 geführt.

Doch nun weht «Tante Käthe» ein steifer Wind entgegen, denn in der Qualifikation für die EM 2004 läuft es überhaupt nicht nach Wunsch. Mühsame 2:1- und 2:0-Siege gegen die Färöer-Inseln, je ein 1:1 gegen Litauen und Schottland – das ist nicht das, was man sich in Deutschland vorstellt.

Es folgt «der absolute, neue Tiefpunkt», wie es ARD-Moderator Gerhard Delling formuliert: ein 0:0 auf Island. Völler lupft es den Deckel, als er bei Waldemar Hartmann im improvisierten Studio sitzt und Delling zuhört, wie er mit Altstar Günter Netzer über den Match plaudert.

Klaus & Klaus: «Es gibt nur ein Rudi Völler»

Play Icon

Du darfst ruhig klicken. Aber beschwer dich anschliessend nicht, wenn dir für den Rest des Tages «Ein Rudi Völler» durch den Kopf geht! Video: YouTube/fritz51188

Völlers beste Aussagen:

«Delling, das ist eine Sauerei, was der sagt.

Die Geschichte mit dem Tiefpunkt und noch mal ein Tiefpunkt. Da gibt's noch mal einen niedrigen Tiefpunkt. Ich kann diesen Scheissdreck nicht mehr hören. Das muss ich ganz ehrlich sagen.

Natürlich war das heute nicht in Ordnung. Aber ich weiss nicht, woher die das Recht nehmen, so etwas zu sagen. Das verstehe ich nicht.

Dann soll er doch Samstagabend-Unterhaltung machen und keinen Sport, keinen Fussball. Dann soll er ‹Wetten dass …?› machen und den Gottschalk ablösen.

Ich kann diesen Käse nicht mehr hören nach jedem Spiel, in dem wir kein Tor geschossen haben, dann ist noch ein tieferer Tiefpunkt. Das ist das Allerletzte. Wechselt den Beruf, das ist besser. 

Ich sitze jetzt seit drei Jahren hier und muss mir den Schwachsinn immer anhören.

Ihr müsst doch mal von eurem hohen Ross runter kommen, was ihr euch immer alle einbildet, was wir für einen Fussball in Deutschland spielen müssen.

Der Günter (Netzer), was die früher für einen Scheiss gespielt haben, da konntest du doch früher überhaupt nicht hingehen, die haben doch früher Standfussball gespielt.»

Moderator Waldemar Hartmann wendet nach Völlers Monolog ein, er verstehe nicht ganz, weshalb Völler diese Schärfe ins Gespräch bringe. Worauf ihm der Bundestrainer ins Wort fällt:

«Die Schärfe bringt ihr doch rein. Müssen wir uns denn alles gefallen lassen? Du sitzt hier locker, bequem auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken.»

Hartmann ist höchstens einen kurzen Augenblick lang verdattert, dann verteidigt er sich:

«In Island gibt es kein Weizenbier. Ich bin auch kein Weizenbiertrinker.»

Gegen Ende des Gesprächs zeigt sich Völler versöhnlich: «Tschuldigung Waldi, die Geschichte mit dem Weizenbier habe ich nicht so gemeint. Alles andere habe ich so gemeint.»

«Weissbier-Waldi» ist geboren

Obwohl Hartmann nach eigener Aussage kein Freund der bayrischen Biervariante ist, begleitet ihn von diesem Moment an der Spitzname «Weissbier-Waldi». Völlers Ausraster sorgt für ein willkommenes Taschengeld, eine Brauerei engagiert den Moderator als Werbeträger:

Play Icon

«Weissbier-Waldi» mit Oliver Kahn im Biergarten. Video: YouTube/dashad

Waldemar Hartmann schickt Rudi Völler jedes Jahr am 6. September eine SMS, es ist zum Ritual geworden zwischen den beiden: «Herzlichen Dank, eine Provision bekommst du immer noch nicht. Aber beim nächsten Treffen geht die Rechnung wieder auf mich.»

Der erfahrene Medienmann Hartmann sagt im Rückblick, er habe sofort erkannt, was gerade passiere. «Ich habe mir gesagt: ‹Bleib schön ruhig, Waldi.› Das war geil, was da abging. Ich habe sofort gemerkt, das schreibt jetzt Fernsehgeschichte. Ein rasender Bundestrainer. Ich war glücklich, durfte es aber nicht zeigen. Ich dachte, genial Rudi, du bist grandios, mehr davon.»

Das Publikum steht ohnehin auf der Seite Völlers, seines langjährigen Lieblings, so dass der Ausraster für ihn keinerlei negative Auswirkungen hat. Nach der verkorksten EM 2004 tritt Rudi Völler als Nationaltrainer zurück. Einem kurzen Intermezzo als Trainer der AS Roma, wo er als Stürmer eine Legende ist, folgt der Einstieg als Sportdirektor von Bayer Leverkusen, wo er immer noch tätig ist.

Sauer auch bei Ecki Heuser

Play Icon

Reporter: «Ich danke Ihnen.» Völler: «Ich Ihnen nicht.» Video: YouTube/TripleKSC

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Daniela Ryf und Nino Schurter sind die Schweizer Sportler des Jahres

Nino Schurter und Daniela Ryf wurden an den Credit Suisse Sports Awards in Zürich als Schweizer Sportler und Sportlerin des Jahres ausgezeichnet. Den Preis für das Team des Jahres erhielt die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft.

Zahlreiche Schweizer Sportler haben 2018 Ausserordentliches geleistet, deshalb präsentierte sich das Feld der Nominierten für die Sports Awards von heute hochkarätig wie selten zuvor. Mit Triathletin Daniela Ryf und Mountainbiker Nino Schurter setzten sich im Gegensatz zum Vorjahr, als Wendy Holdener und Roger Federer triumphierten, zwei Athleten durch, die eher aus Randsportarten stammen.

Die weiteren Awards in der TV-Gala gingen an Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer (Trainer …

Artikel lesen
Link to Article