Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Steve Moore nach dem Niederschlag von Todd Bertuzzi. Bild: AP CP

Das fieseste Foul der NHL-Geschichte beendet die Karriere von Steve Moore

8. März 2004: Todd Bertuzzi beendet die Karriere von Steve Moore mit einem Faustschlag an den Hinterkopf. Später entschuldigt sich der Haudegen unter Tränen. Erst zehn Jahre später enden die Streitigkeiten.

08.03.18, 06:42 08.03.18, 08:01


Die Partie war schnell entschieden. Im ersten Drittel gehen die Colorado Avalanches gegen die Vancouver Canucks innert 9:23 Minuten 5:0 in Führung. Ausgerechnet Steve Moore markierte dabei das 5:0. Es ist sein fünfter Treffer in der NHL. Und wird sein letzter bleiben. Denn die Aggression weicht in dieser Partie nicht – und sie wird im letzten Drittel brutal explodieren.

8:2 steht es mittlerweile. Todd Bertuzzi verfolgt Moore über das Feld, provoziert ihn, zerrt am Shirt, aber der 25-Jährige ignoriert seinen Kontrahenten. Bis dieser ihm entnervt hinterrücks die Faust an den Hinterkopf donnert. Es kommt zu einer Massenschlägerei. Nur Moore bleibt bewusstlos liegen. 

Die Attacke von Bertuzzi auf Moore. Video: streamable

Nach rund zehn Minuten wird der angegriffene Spieler auf einer Trage vom Eis und ins Spital befördert. Drei Wirbel hat er im Nackenbereich gebrochen, er erleidet eine Gehirnerschütterung dritten Grades, verletzte Wirbelkörper und Nerven, eine Platzwunde im Gesicht und Erinnerungsverlust. Moore wird nie mehr aufs Eis zurückkehren.

Der Auslöser

Wie war es überhaupt dazu gekommen? Die Geschichte beginnt drei Wochen zuvor, als die beiden Teams aufeinandertreffen. Moore checkt dabei Canucks-Captain Markus Näslund brutal am Kopf. Ein «Nobody» schaltet den Topskorer aus, reklamieren die Kanadier. Doch es gibt nicht einmal eine Strafe – nicht einmal als die Szene im Nachhinein untersucht wird.

Der Check von Moore gegen Näslund.  Video: YouTube/pjstock20

Vancouver tobt. Bertuzzi nennt Moore ein «Stück Scheisse». Näslund verpasst drei Spiele. Just auf das nächste Duell am 3. März kehrt er zurück. Die Partie geht ohne grosse Zwischenfälle über die Bühne.

Provokationen ohne Ende

Doch wiederum fünf Tage später kommt es zum dritten Duell innert wenigen Wochen. Jetzt wird Moore pausenlos provoziert. Er sagt: «Immer, wenn ich auf dem Eis war, wollten sich zwei bis drei Spieler mit mir prügeln.»

Die Prügelei zwischen Cooke und Moore im ersten Drittel. Video: YouTube/Humpzilla21

Nach sechs Minuten – noch stand es 0:0 – rauft sich Moore mit Matt Cooke. Es ist nur eine von vier Prügeleien im ersten Drittel. Die Rechnung scheint beglichen. Trotzdem warnt ein NHL-Verbandsangestellter die Schiedsrichter, dass es hier eine Eskalation geben könnte. Verhindern können sie diese nicht.

Bertuzzi gibt zwei Tage nach dem Zwischenfall eine Pressekonferenz und entschuldigt sich unter Tränen für den Vorfall. Er habe Moore nicht verletzen wollen. 

Todd Bertuzzi entschuldigt sich unter Tränen. Bild: AP CP

Tränen bei Entschuldigung und 17 Monate Sperre

Der Rüpel wird bis zum Saisonende gesperrt, die Canucks müssen 250'000 Dollar bezahlen. Da danach eine Lock-out-Saison folgt, wird Bertuzzi international gesperrt.

Die Pressekonferenz von Todd Bertuzzi. Video: YouTube/Bobby

Erst zur Saison 2005/06 darf er wieder aufs Eis. Er fehlte 17 Monate, was die viertlängste Sperre der Geschichte bedeutete. Der Flügelstürmer verliert damit rund 500'000 an Gehalt und geschätzte 350'000 Dollar Werbeeinnahmen.

Die Zusammenfassung der Vorfälle 10 Jahre später. Video: YouTube/CanucksVid

Doch damit ist der Fall nicht beendet. Gegen Bertuzzi wird ein Strafverfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung aufgenommen. Er wird dabei erst freigesprochen, erhält aber eine einjährige Bewährungszeit. Moore arbeitet an seinem Comeback, doch immer wieder auftretende Kopfschmerzen und Übelkeit verhindern ein Profi-Comeback.

Klage auf 68 Millionen Dollar

Darum klagt das Opfer ab 2005 weiter. Der Fall dauert Jahre. Moore fordert am Ende vor Gericht 68 Millionen Dollar für Schmerzensgelder und Erwerbsausfall. Erst im August 2014 einigen sich die beiden aussergerichtlich. Die Bedingungen bleiben geheim.

Bertuzzi bei seinem ersten Spiel zurück in Colorado. Bild: AP ROCKY MOUNTAIN NEWS

Bertuzzi setzte seine Karriere 2006/07 bei den Florida Panthers fort, wird dann zu den Detroit Red Wings transferiert und wechselt im Sommer 2007 zu den Anaheim Ducks, ein Jahr später zu den Calgary Flames. 2009 kommt er zurück zu Detroit, wo im Sommer 2014 sein Kontrakt nicht verlängert wird. Als Free Agent unterschreibt er 2015 bei den Binghamton Senators, in der Hoffnung, so wieder in die NHL zu kommen. Zwölf Tage später löst er den Vertrag auf und beendet seine Karriere.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Meilensteine aus 100 Jahren NHL

Despacito mit Eishockey-Spielern

Video: watson/Laurent Aeberli, Reto Fehr, Lea Senn

Eishockey in Übersee – Geschichten aus der NHL

Das fieseste Foul der NHL-Geschichte beendet die Karriere von Steve Moore

Spengler-Cup-Kultgoalie zeigt in der NHL einen Save für die Geschichtsbücher

Dean Kukan verlängert bei Columbus und erhält einen Einweg-Vertrag

600 Tore in weniger als 1000 Spielen – Owetschkin auf den Spuren von Gretzky und Lemieux

Wie Kevin Fiala der aktuell treffsicherste Spieler in der NHL wurde

Wetten, dass du das Wundermittel von Hischiers Teamkollegen nicht trinken willst?

Wayne Gretzky lobt Nico Hischier und sagt, was dessen wichtigste Qualität ist

Adam Henrique krönt seine Rückkehr zu den Devils mit dieser genialen Kiste

Meilensteine aus 100 Jahren NHL in Bildern

Wird Hischier der beste NHL-Rookie der Saison? Das sind seine grössten Konkurrenten

Höchste Zeit, dass mal ein ganzer Fanblock die Schiedsrichter anfeuert

Wann fliegt er? Ex-SCB-Trainer Guy Boucher steckt mit Ottawa tief in der Krise

Philipp Kurashev – der nächste Schweizer klopft an die Türe des NHL-Erstrunden-Drafts

Wo fliegen 25'017 Teddybären aufs Eis? Natürlich bei den Hershey Bears!

Sidney Crosby schiesst dieses kontroverse Tor – hättest du es gegeben?

NHL kurios: Manchmal musst du dein Team mitten im Spiel ohne Abschied verlassen

«Hischier first» – New Jersey ist verrückt nach dem Schweizer mit der Nummer 13

Ein ungleicher Kampf und «Schere, Stein, Papier» – 5 Video-Highlights der NHL-Nacht

Viva Las Vegas! 5 Punkte, die den verblüffenden Erfolg der Golden Knights erklären

Nico Hischier zeigt uns, was NHL-Stars in sein Freundschaftsbuch geschrieben haben

Standvelofahren statt Eishockey spielen – ein Treffen mit Streit 12 Jahre nach dem Debüt

Es kam fast zur Prügelei! Wie aus Nico Hischier in ein paar Sekunden ein Mann geworden ist

Alle Nummer-1-Drafts seit 1984: So gut waren Nico Hischiers Vorgänger in der NHL

Wie Freunde, Trainer und Lehrer Hischier erlebten: «Nico, setz dich doch mal richtig hin!»

Taufbecken, Pastaschüssel, Caddy – wozu der Stanley Cup im Sommer «missbraucht» wurde

68 Fakten zu Jaromir Jagr – Ex-Freundinnen, Feuerwehrmann-Auftritte und legendäre Zitate

Der Weg der Vegas Golden Knights zum besten Expansionsteam aller Sportarten

Zurück von der Strafbank – und gleich wieder aufeinander los 👊🏻👊🏻

Bobby Orr entscheidet mit dem «Flying Goal» den Stanley-Cup-Final

Wie Taylor Hall neben Nico Hischier zu einem der besten Spieler der NHL wurde

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
12
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Devante 08.03.2018 13:25
    Highlight Und Crawford ist heute noch Trainer und hat eine offensichtliche Mitschuld
    10 9 Melden
  • grind 08.03.2018 11:25
    Highlight einfach nur krank.
    da bin ich lieber ne fussballer pussy
    10 46 Melden
    • fridolin219 08.03.2018 14:22
      Highlight Im Fussball hat es ja sicher noch nei ein schlimmes Foul gegeben, wo der Gegner langfristige Schäden davon getragen hat.
      28 1 Melden
  • Yotanke 08.03.2018 10:45
    Highlight Mich erstaunt, dass Bertuzzi nicht lebenslang gesperrt wurde. Und dann seine Aussage, dass er nicht verletzten wollte. Wer von hinten mit voller Wucht gegen den Kopf haut, nimmt bewusst Verletzungen in Kauf. Aber irgendwie haben da auch die Schiedsrichter versagt. Da ging ja ein langes Geplänkel voraus. Das Zerren am Shirt. Da hätten Schiedsrichter eingreifen müssen und Streithähne schon trennen. Die Schiedsrichter wussten ja um die Brisanz der Vorgeschichte. Aber vielleicht wäre es auch gut vom Coach gewesen, sie hätten Moore nach dem Foul an Naslund etwas pausieren lassen.
    41 1 Melden
  • Jagr 08.03.2018 07:57
    Highlight Das ist nicht Eishockey. Das sind kriminelle, welche diesem Sport schaden. Lebenslange Sperre. Anzeige wegen Körperverletzung. Fertig.
    66 7 Melden
  • gas_wookie 08.03.2018 07:13
    Highlight Wohl eines der Fouls mit den schlimmsten Konsequenzen aber den Doppelhänder von Chris Simon gegen Ryan Hollweg 2007 finde ich noch niederträchtiger.


    32 1 Melden
    • goschi 08.03.2018 10:38
      Highlight Wow. 😯
      Das ist ja richtig übel!

      Was waren da die Konsequenzen?
      13 0 Melden
    • Yotanke 08.03.2018 10:42
      Highlight Krass. Hatte Hollweg Langzeitschäden?
      6 0 Melden
    • goschi 08.03.2018 11:02
      Highlight https://de.m.wikipedia.org/wiki/Chris_Simon

      OK, der Typ scheint generell ziemlich unsauber gespielt zu haben 😯😣
      10 0 Melden
    • Lucernefan 08.03.2018 16:30
      Highlight schock!!!! das ist ja unter aller sau!!
      7 0 Melden
    • Mia_san_mia 08.03.2018 20:24
      Highlight Wirklich schlimm, aber so ein Riesendrama müsst Ihr trotzdem nicht machen. Der wurde sicher bestraft.
      0 10 Melden
  • Al Paka 08.03.2018 06:46
    Highlight Der war wirklich fies und hinterlistig.
    Aber auch der Stockschlag von McSorley gegen den Kopf geht in diese Richtung.

    Was ich teilweise krank finde sind gewisse „Racheaktionen“ nach groben Fouls.
    Eigentlich ist es ja richtig, den Kollege zu „rächen“.
    Aber wenn ich teilweise sehe wie alle Spieler aufeinander los gehen und das evt. schwer verletzte Opfer noch mitten im Pulg befindet.
    Wie Moore der noch von einem Haufen Spieler begraben wird.
    Oder ein Spieler von Vancouver, der nach einem Foul, von der Menge noch ein paar Füsse gegen den Kopf kassiert, als er am Boden lag. (unabsichtlich)
    23 1 Melden

Sbisa vor dem Stanley-Cup-Final: «Wir wissen, dass wir auch die Caps dominieren können»

Es ist eine kitschige Geschichte mit Luca Sbisa mittendrin. Der Zuger Verteidiger kann mit den Vegas Golden Knights als vierter Schweizer den Stanley Cup gewinnen. Die erste Finalpartie gegen die Washington Capitals findet schon in der Nacht auf morgen statt.

Bislang durften aus der Schweiz erst die Torhüter David Aebischer (2001 mit den Colorado Avalanche) und Martin Gerber (2006 mit den Carolina Hurricanes) sowie Verteidiger Mark Streit (2017 mit den Pittsburgh Penguins) den Stanley Cup in die Höhe stemmen. Dennoch würde Luca Sbisa bei einem Triumph der Golden Knights wohl für eine Premiere sorgen.

Denn das oben genannte Trio kam in den jeweiligen Finals während keiner Sekunde zum Einsatz. Sbisa dagegen ist bei Las Vegas, das seine erste NHL-Saison …

Artikel lesen