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Cape Epic Leute Sipho

Sipho, der immerfreuliche Fan mit Fahrern aus Polen. Bild: Denis Peros

Cape Epic 2014

Dr. Evil, ein schräger Vogel, gute Feen, Ulknudeln und Engel

Das Cape Epic lebt nicht nur von den Fahrern, sondern auch von den unzähligen Helfern im Hintergrund.

29.03.14, 14:23 29.03.14, 16:19

Das Cape Epic hat sich in den elf Jahren seit seiner ersten Austragung zu einem riesigen Event entwickelt, der wohl auch im nächsten Jahr zulegen wird – obwohl mit 1200 Fahrern die aktuelle Obergrenze erreicht ist. Gründer Kevin Vermaak kündigte allerdings an, dass in den nächsten zwei Jahren spannende Entwicklungen anstehen könnten.

Neben den vielen aussergewöhnlichen Teilnehmern, macht den Event an der Südspitze Afrikas auch eine ganz spezielle Stimmung aus. Dazu tragen verschiedene Leute aussserhalb des Scheinwerferlichts ihren Teil bei. Wir stellen hier einige vor:

Sipho - der herrlich verrückte Tänzer

Was wäre das Cape Epic nur ohne Sipho, den grössten Fan des Exxaro Teams? Die Exxaro-Organisation unterstützt benachteiligte Kinder und versucht mit Mountainbiken einen Weg aus der Trostlosigkeit der Townships zu geben. Als Markenzeichen ist seit letztem Jahr auch Sipho mit dabei. Der Fan aus Limpopo trägt eine schrille, grüne Perücke, die dazu passende, übergrosse Brille, ein grünes Shirt, eine Trillerpfeife und einen «Zauberstab», welcher als Putzgerät durchgeht. Der Junge hat den Rhythmus im Blut, tanzt praktisch 24 Stunden und unterstützt die Fahrer lautstark.

Sipho tanzt sich am frühen Morgen vor dem Start warm. Video: watson.ch

Die Ulknudel und der Spassvogel

Paul Kaye und Dan Nicholl sind die Stimmen des Cape Epic. Sie moderieren die Preisverleihung, führen durchs Abendprogramm, begleiten die Fahrer via Mikrofon am Start, unterstützen sie am Waterpoint und heissen sie zurück im Ziel willkommen. Dabei necken sie sich gegenseitig und haben immer einen passenden Spruch auf den Lippen. Kurz: Man wird bestens unterhalten. Nicholl, der seit neun Jahren am Epic ist, sagt: «Die Fahrer leiden so viel, da wollen wir sie aufmuntern und zum guten Spirit beitragen.» Dies gelingt hervorragend. Die Stimme bis zur letzten Etappe in Form zu halten ist schwierig, aber Nicholl hat ein Rezept: «Ja, es ist hart. Aber dann schaue ich mir die Fahrer an und bin total zufrieden mit meinem Job.»

Dan Nicholl begrüsst am Waterpoint 1 jeweils fast jeden Fahrer persönlich. Video: watson.ch

Paul Kaye ist seit drei Jahren mit dabei. Sein schnelles Mundwerk hat schon so manchen ausgelaugten Fahrer im Ziel aufgemuntert:  «Wir wollen ihnen das Gefühl geben, dass sie etwas Grosses erreicht haben – was ja auch so ist.» Auswendig kennen die beiden nicht alle 1200 Fahrer. Aber mit etwas spicken geht es gegen Ende der Woche wunderbar. Selber fahren will Kaye das Cape Epic vielleicht auch einmal: «Fit wäre ich», sagt der Triathlet, «aber technisch müsste ich trainieren.» Wer Kaye live sehen – oder vor allem hören – will: Am 1. Juni ist er beim Ironman in Rapperswil-Jona, am 27. Juli bei demjenigen in Zürich vor Ort. Es lohnt sich!

Paul Kaye (l.) und Dan Nicholl: Ein unschlagbares Duo. Bild: watson.ch

Waterpoints

Neben Paul und Dan warten an den Waterpoints und im Ziel auch fleissige Helfer auf die Fahrer. Kuchen, Bananen, Äpfel, Kartoffeln, Orangen, Süssigkeiten und Guetzli – es gibt schlicht alles, was ein abgekämpfter Biker brauchen könnte. Dazu können die Wasserflaschen aufgefüllt, Brillen geputzt, Ketten geölt und Bikes repariert werden. Wie sehr diese Arbeit geschätzt wird, sehen die unzähligen Volunteers praktisch jedem Fahrer im Gesicht an.

Am Waterpoint vor dem Sturm der Fahrer. Video: watson.ch

Lohnenswertes Zwischenziel auf jeder Etappe: Die Waterpoints. Bild: watson.ch

Wo sich täglich rund 100 Biker den Allerwertesten zupflastern

Bei 1200 Fahrern und den harten Bedingungen darf natürlich ein Medizinzelt nicht fehlen. Dieses unterhält die Mediclinic, zu der auch die Hirslanden-Klinik in der Schweiz gehört. 20 Betten, sieben Ärzte und viele weitere ausgebildete Helfer kümmern sich um die im Schnitt 250 täglichen Besuche. Auf der längsten Etappe verzeichneten die guten Engel gar 425 Kunden, das ist mehr als ein Drittel aller Fahrer, die irgendein Wehwehchen hatten. Das Team kann bis auf Ultraschall alles vor Ort erledigen, pro Cape Epic müssen rund 25 Fahrer ins Spital weitergeleitet werden.

Sehr bekannt ist die «Bum clinic», wo sich Fahrer mit schmerzendem Po am Morgen vor dem Etappenstart jeweils behandeln und eintapen lassen. Rund 100 Fahrer nehmen ab der 4. Etappe diese Hilfe täglich in Anspruch. Kein Wunder verbraucht das Team dabei zirka fünf Liter «Arschcrème». 

Zur Aufgabe können die Mediziner eigentlich niemanden zwingen. Aber Managerin Anneke Greyling sagt: «Es ist manchmal eher so, dass Fahrer zu uns kommen und eine ‹medizinische Ausrede› wollen, damit sie das Rennen aufgeben können.»

Das Medizinzelt. Von Wehwehchen bis zu Infusionen gibt es alles vor Ort. Bild: watson.ch

Die guten Feen mit den Wunderhänden

Unmittelbar neben den Engeln der Medizin arbeiten die guten Feen der Massage. Die Abschlussstudenten der Universität Stellenbosch kneten täglich die müden Biker-Muskeln wieder locker. Rund 250 Fahrer gönnen sich täglich eine Massage. Dabei werden nicht nur Muskeln massiert, sondern es wird auch mit aufmunternden Worten am Selbstvertrauen gearbeitet.

Die Masseurinnen haben wortwörtlich alle Hände voll zu tun. Bild: watson.ch

1,5 Tonnen Wäsche täglich

Der afrikanische Boden deckt die Fahrer täglich mit einer Schicht Staub ein. Darunter leiden natürlich die Trikots. Damit am nächsten Morgen alle wieder frisch – zumindest was die Kleider betrifft – aussehen, bietet Miele einen Waschservice an. 1,5 Tonnen Kleider werden dort täglich über Nacht in neun Maschinen gewaschen. Allerdings muss man anmerken: Ein weisses Shirt wird nach dem Cape Epic nie mehr weiss. 

Waschsalon im Miele-Lastwagen: Da rattern die Maschinen oft die halbe Nacht durch. Bild: watson.ch

5-Sterne-Service im Ziel

Die Zielankunft ist für die Fahrer jeweils eine wahre Erlösung. Getränke werden gereicht, kalte Tücher verteilt und Essen ausgegeben. Dazu nimmt ein Helfer das Bike entgegen und fährt dieses zur Waschstrasse. Dort werden die Fahrräder gereinigt. Der Fahrer wir später per SMS informiert, dass sein Vehikel für die nächste Etappe wieder bereitsteht.

Nach jeder Etappe werden die Bikes gewaschen. Video: watson.ch

Nach der Wäsche zum Check

Wobei bereitstehen ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen. Die Etappen verlangen auch vom Material vieles ab und dieses muss täglich gewartet werden. Einige Fahrer erledigen dies selbst, andere geben ihr Bike einem Mechaniker, der oft auch bis spät in die Nacht alles wieder auf Vordermann bringt. Mechaniker Duncan hatte dieses Jahr vor allem nach der Schlamm-Etappe 2 alle Hände voll zu tun.

Mechaniker Duncan: Während der Etappe am Waterpoint 2 für Notfälle, am Abend in der improvisierten Werkstatt.  Bild: watson.ch

Dr. Evil

Neben all den Engeln, Feen, Spassvögeln und guten Menschen, müssen wir hier leider auch auf einen etwas ungemütlicheren Kerl aufmerksam machen: Dr. Evil. Leon Evans, der Routenplaner des Cape Epic, hat sich diesen Übernamen schon bei der ersten Durchführung eingehandelt, als auf der Testfahrt sein Freund Tim Brink in einem Aufstieg bemerkte: «Leon, you are evil.» Seither versucht der eigentlich freundliche Teufel seinem Ruf gerecht zu werden. Rund drei Monate dauert die Planung der Route jährlich. Und wie ist Dr. Evil mit seinem Werk in diesem Jahr zufrieden? Nach Etappe 4 bemerkt er stolz: «Ich glaube, ich habe genügend Schaden angerichtet.»

Einer auf diesem Bild ist Dr. Evil, der andere der Autor dieser Story. Bild: watson.ch

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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