Sport

Stein des Anstosses: Die Erhebungen auf Prologsieger Geraint Thomas' Dress. bild: AP Photo/Christophe Ena

Team Sky wehrt sich gegen den Vorwurf des «Kleider-Dopings»

Vier Fahrer in den ersten acht, darunter Prolog-Sieger Geraint Thomas und Titelverteidiger Chris Froome: Für Team Sky ging die Tour de France perfekt los. Wenn da nur nicht die Anschuldigungen der Konkurrenz wären.

03.07.17, 11:00 03.07.17, 11:39

Geraint Thomas heisst der erste Träger des Maillot Jaune der diesjährigen Tour de France. Der Waliser entschied überraschend den Prolog in Düsseldorf für sich, er schlug um fünf Sekunden den Thurgauer Stefan Küng. Mit Vasil Kirjenka (4.), Chris Froome (6.) und Michal Kwiatkowski (8.) fuhren drei weitere Fahrer des Sky-Teams in die Top Ten.

Aber der Erfolg wurde von der Konkurrenz sofort hinterfragt. Stein des Anstosses: das Zeitfahr-Dress. Bei genauem Hinschauen fallen kleine Noppen an den Oberarmen auf. Sofort wurden Vergleiche mit einem Golfball aufgestellt, der auch Kerben hat, damit er weiter fliegt. Grundsätzlich ist es im Radrennsport nicht erlaubt, sich durch zusätzliche Elemente an oder unter der Kleidung einen aerodynamischen Vorteil zu verschaffen.

Im Kreise seiner Teamkollegen: Tour-Leader Thomas. Bild: Peter Dejong/AP/KEYSTONE

«Wir halten das Reglement ein»

Nicolas Portal, Sportdirektor des Team Sky, wehrte sich gegen Anschuldigungen, dass man mit diesem Anzug gegen das Reglement verstosse. «Wir halten es ein», sagte er zur BBC. Jurypräsident Philippe Marien befand, dass die Noppen ein Bestandteil des Trikots seien.

Ausserdem, so ergänzte Portal, würden auch andere Teams diese «Büggeli» verwenden. «Sie sind kein riesiger Vorteil, aber eines von vielen kleinen Details. Wieso sollten wir es nicht nutzen, wenn wir davon wissen und es legal ist?»

Ein Detail am Rande, das viel über den Stellenwert der Tour de France im Vergleich mit den anderen Rundfahrten aussagt: Sky hatte den Noppen-Anzug wie auch die Konkurrenz von Movistar (mit Tour-Favorit Nairo Quintana) schon beim Giro d'Italia vor einigen Wochen eingesetzt. Damals erkannte offenbar niemand einen Verstoss gegen das Reglement.

Küng will «Weiss» verteidigen

Geraint Thomas fährt nach dem gestrigen Etappensieg durch Marcel Kittel weiter im Gelben Trikot. Die 3. Etappe der Tour de France endet heute – erstmals in diesem Jahr – in Frankreich. In Longwy an der Grenze zu Belgien und Luxemburg wartet ein «Klassiker-Finale» mit einer 1,6 Kilometer kurzen, aber im Schnitt 5,8 Prozent steilen Schlussrampe auf die Fahrer.

Bester Jungprofi: Stefan Küng. Bild: ROBERT GHEMENT/EPA/KEYSTONE

Stefan Küng hofft, das Leadertrikot in der Wertung des besten Jungprofis verteidigen zu können. Er ist überzeugt, dass er mit den Besten mithalten kann, «wenn ich zu Beginn des Anstiegs gut positioniert bin». Der 23-jährige Thurgauer war gestern in einem Massensturz zu Boden gegangen, er kam mit einigen kleinen Schürfungen davon.

Der Ausreisserkönig: Thomas Voeckler an der Tour de France

13.07.1967: Tom Simpson stirbt am Mont Ventoux – und sein Name wird zu einem Mahnmal für alle Radsport-Profis

15.10.2011: Für einen Tag schlüpft Oliver Zaugg aus der Rolle als Helfer und feiert den grössten Triumph seiner Karriere

11.10.1998: Ein halbes Jahrhundert nach Ferdy Kübler trägt mit Oscar Camenzind endlich wieder ein Schweizer das Regenbogentrikot

21.07.2009: Jens Voigt stürzt fürchterlich und gibt drei Tage später ein obercooles Interview

17.06.1981: «Dä Gottfried isch für mich gschtorbe!» – 2 Tage nach dem Zitat seines Lebens fliegt Beat Breu ins Leadertrikot

14.07.2003: Armstrong rettet sich nach dem Horrorsturz von Beloki mit einem Höllenritt querfeldein über das Kornfeld

22.07.2001: Sven Montgomery erlebt an der Tour den schönsten Moment seiner Karriere – und nur drei Tage später den schlimmsten

14.02.2004: Der Pirat geht von Bord – aber in den Herzen der Fans lebt Marco Pantani ewig

20.07.2006: Floyd Landis begeistert die Sportwelt mit einer historischen Flucht – und wird kurz nach dem Tour-Sieg als Doper entlarvt

17.07.1992: Der Thurgauer Rolf Järmann bodigt Ex-Gesamtsieger Pedro Delgado und gewinnt die längste Tour-Etappe

22.03.1995: Du kannst im Fitness-Center strampeln wie du willst – an den durchdrehenden Nüscheler kommt keiner ran

09.04.2006: Ein Lenkerbruch und ein Albtraumsturz zerstören den grossen Traum von Armstrongs Edelhelfer

24.04.1993: Järmann schlägt im Sprint Weltmeister Bugno und gewinnt das Amstel Gold Race

30.01.2011: «Dummi huere Ruederer» und «Schiiss-Ponys» machen Reporter Hans Jucker zur Legende

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • *sharky* 03.07.2017 12:09
    Highlight Seit wann hat ein Golfball Noppen? Erinnert mich eher an Schuppen (Riplet) bei Haien. Es wurden, resp. werden z.T. in der Aviatik Folien mit Haifisch-Schuppen-Design verwendet um den Strömungswiderstand zu senken. In welchem Ausmass dies geschieht ist mir nicht bekannt. Mutter Natur ist einfach mal perfekt.
    23 5 Melden

«Habe beim Asthma-Mittel die Dosis erhöht» – Chris Froome an der Vuelta positiv getestet

Gesamtsieg bei der Tour de France, danach auch bei der Vuelta: Es war das Jahr des Christopher Froome. Nach einem positiven Dopingbefund bei der Spanien-Rundfahrt gerät der Dominator des Radsports nun unter Druck.

Der vierfache Tour-de-France-Sieger Chris Froome ist an der Vuelta positiv auf die Substanz Salbutamol getestet worden. Das Mittel wird zur Behandlung von Asthma verwendet.

Nach der 18. Etappe der diesjährigen Vuelta ist im Urin des Briten der zu hohe Wert des Asthmamittels aufgefallen, wie der Rad-Weltverband UCI mitteilte. Die B-Probe hat das Ergebnis bestätigt. Die auffällige Probe Froomes bedeutet aber vorerst keine provisorische Sperre für den Briten. Der 32-Jährige muss aber erklären, …

Artikel lesen