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Gökhan Inler und Yann Sommer testen die neue Nati-App. Bild: KEYSTONE

Geh heim, App, du bist betrunken

Erst hat uns der Gesichtsscanner der neuen Nati-App schwer beeindruckt – bis wir merkten, wie unfassbar schlecht er ist

Fans der Schweizer Nati können ihre Lieblinge seit einigen Tagen mit einer neuen offiziellen App hautnah verfolgen. watson entlarvt die lustigste Funktion als Mogelpackung.

Am Freitag hebt das Team von Ottmar Hitzfeld mit dem Flug LX92 nach São Paulo ab. Richtig eingefleischte Nati-Fans ohne WM-Tickets müssen dann ganz stark sein. Nach zweieinhalb Wochen Zusammenzug in der Schweiz können sie die neusten Nachrichten um Xherdan Shaqiri, Josip Drmic und Co. nur noch aus 9'620 Kilometern Distanz verfolgen – und der Liebesentzug bei Fernbeziehungen ist bekanntlich kein Zuckerschleck.

20.05.2014; Feusisberg; Fussball - WM Vorbereitung;  Diego Benaglio (SUI) auf dem Weg ins Mannschaftshotel (Andreas Meier/freshfocus

Bald packt die Nati wieder ihre Koffer und düst nach Brasilien. Bild: Andreas Meier/freshfocus

Trotz Distanz ganz nah dabei

Damit die Trennung leichter fällt, hat sich der Schweizerische Fussballverband etwas einfallen lassen. Es gibt für alles eine App, jetzt auch für die Nationalmannschaft. Der Slogan: «Werde eins mit dem Team.»

Das Nati-Tool ist kostenlos und unter dem Namen «SFV ASF App» für iOS und Android erhältlich. Neben News, Terminen, Fotos und Statistiken gibt es einen Feed mit allen Social-Media-Postings der Nationalspieler.

Zur Lancierung am 28. Mai meldete der stolze SFV-Generalsekretär Alex Miescher etwas gestelzt: «Wir verstärken damit unseren digitalen Fussabdruck.» Auch Gökhan Inler war einigermassen begeistert: «Das ist etwas sehr Cooles. Die Fans können uns verfolgen. Ich muss sagen, da haben wir einen Riesenfortschritt gemacht.»

Auch Gökhan Inler war bei der Präsentation der Nati-App einigermassen begeistert. Bild: KEYSTONE

Zu viele Push-Nachrichten und ein cooles Feature

Tatsächlich ist es ziemlich cool, alle Social-Media-Aktivitäten der Nati-Stars auf einen Blick zu sehen. Auch wenn die voreingestellte Schwemme an Pushmeldungen zu jeder Tages- und Nachtzeit sogar den grössten Nati-Fanatiker nach spätestens zwei Tagen nervt.

Was wir beim Testen aber wirklich witzig fanden, ist die Rubrik: «Wem siehst du ähnlich?» Schnell ein Foto schiessen und schon errechnet der Gesichtsscanner anhand biometrischer Merkmale, zu wie viel Prozent man welchem Kicker gleicht.

Bei uns auf der Redaktion sitzen laut der App fast eineiige Zwillinge von Michael Lang, Granit Xhaka und Blerim Dzemaili. Keine schlechte Ausbeute. Wo bleiben eigentlich all die hübschen Autogrammjägerinnen?

Ups, erwischt ...

Die grosse Ernüchterung folgt im Schweizer Trainingscamp in Weggis. Wir machen die Probe aufs Exempel und fotografieren in der Mixed Zone acht echte Nati-Stars. Die Resultate, die der Scanner liefert, treibt uns vor Lachen das Wasser in die Augen. 

Geh heim Gesichtsscanner, du bist betrunken

Image

Gelson Fernandes sieht am ehesten wie Ricardo Rodriguez aus. Sich selbst gleicht er nur zu 41 Prozent. Gökhan Inler ist in Brasilien nicht nur unser Captain, er geht auch als Sturmhoffnung oder Goalie durch. Die App findet nämlich, er gleiche vor allem Josip Drmic oder Roman Bürki. Bei Linksaussen Tranquillo Barnetta stimmt immerhin die Spielfeldseite: Er wird als Ricardo Rodriguez oder Valentin Stocker identifiziert – mit 45 Prozent sieht er sich selbst weniger ähnlich als 15 anderen der 23 Nati-Spieler. Bildt: SFV ASF App

Fazit: Bei sieben von acht Versuchen mit den Originalen versagt der Gesichtsscanner komplett. Ricardo Rodriguez scheint ein richtiges Durchschnittsgesicht zu haben – er wird drei Mal als vermeintlicher Doppelgänger von anderen Spielern angegeben. Nur beim Foto von Philippe Senderos landet die App einen Volltreffer. Wegen der Frisur?

Geht da noch mehr?

Wir gehen noch einen Schritt weiter und wollen das Tool für richtig dumm verkaufen. Das klappt dann aber doch nicht. Eine Flasche lässt sich genauso wenig mit Nati-Spielern vergleichen wie ein Affe – oder diese schöne Zeichnung: 

SFV app

Diese Figur gleicht keinem Nati-Spieler. Da sind wir erleichtert. Bild: watson

«Die festgestellten Mängel sind alle gewollt»

Die hohe Fehlerquote ist trotzdem sehr erstaunlich. Denn wie bei der Auswahl der Nationalspieler setzt der SFV auch bei der Umsetzung der App auf bewährte Qualität. Die Firma Wisekey ist ein internationaler IT-Player mit Sitz in Genf und hat bereits ähnliche Projekte für Real Madrid und das Oracle Team USA bewältigt.

Entsprechend professionell fällt dann auch die Stellungnahme der SFV-Medienstelle aus: «Die festgestellten Mängel sind alle gewollt und hängen mit dem Datenschutz zusammen. Unter anderem wurde bewusst darauf verzichtet, dass die Hautfarbe eine Rolle spielt. Das spielerische Element steht im Vordergrund.»

Eine vornehme Variante, um zu sagen: «Das Teil ist nur ein Scherzartikel.»



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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Patrick 03.06.2014 19:28
    Highlight Highlight Für eine Bestätigung dafür, dass der Scanner wirklich so schlecht ist, beispielsweise mit einem Bild, hat die Zeit wohl nicht mehr gereicht. Obschon ja immerhin zwei Journis an diesem doch eher mageren Text gearbeitet haben.
    • Patrick 03.06.2014 19:36
      Highlight Highlight Und plötzlich sind die Bilder da. ;-)
    • Alex 03.06.2014 20:21
      Highlight Highlight Da muss sich ein Verbindungsteufel eingeschlichen haben. Die waren natürlich von Anfang an drin.
    • Patrick 03.06.2014 21:21
      Highlight Highlight Scheint so. Bei mir war die Seite nach dem dritten Bild zu Ende, sowohl auf dem Handy als auch dem Tablet. Auf dem Rechner ging's dann. Und jetzt ist auch mehr Fleisch am Knochen. ;-)
  • Dave von Arx 03.06.2014 18:17
    Highlight Highlight Das ganze App ist nicht sehr kompetent. Das Jamaika Resultat wird erst nach zweit Tagen aktualisiert und in den Spielen zur EM-Quali spielt die Schweiz 3x gegen San Marino.
  • Slant 03.06.2014 17:33
    Highlight Highlight Memes übersetzen? Nicht cool!
    Play Icon
  • Chaose 03.06.2014 17:29
    Highlight Highlight Und wieder einmal muss der "Datenschutz" als Allerwelts-Argument hinhalten. Was auch immer das mit Datenschutz zu tun hat...

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