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This photo released by Portal da Copa shows an aerial view of the Arena da Amazonia stadium in Manaus, Brazil, March 13, 2014.  The arena will host matches during the 2014 World Cup soccer tournament. (AP Photo/Jose Zamith, Portal da Copa)

Arena da Amazonia in Manaus. Bild: AP Portal da Copa

WM-Statistik beweist

Der entzauberte Klima-Mythos

Diese WM-Vorrunde war extrem: Gespielt wurde bei mehr als 30 Grad und maximaler Luftfeuchtigkeit. Fielen wegen der Hitze so viele Tore? Und sind die Spieler weniger gelaufen? Die drei grossen Klima-Thesen der WM im Daten-Check.

27.06.14, 19:42

christina elmer / spiegel online

Ein Artikel von

Bei steigenden Temperaturen wächst das Chaos. So lautet ein Prinzip, das an die Thermodynamik erinnert, sich aber auch prima in der Fussball-Analyse nutzen lässt. Etwa von Ottmar Hitzfeld, der damit die hohen Ergebnisse der WM-Vorrunde erklärte: «In der Hitze leidet die Konzentration, man macht Fehler. Und Tore entstehen nun mal aus Fehlern», zitiert ihn das Schweizer Radio und Fernsehen.

Eine überzeugende Kausalkette? Nicht wirklich. Untersucht man den statistischen Zusammenhang von Toren und Temperaturen der Vorrunde, lassen sich diese Thesen nicht halten. Auch die Fussballwelt ist komplizierter als ein Dreisatz.

Zunächst zum Wetter: Das ist zweifellos aussergewöhnlich und herausfordernd, insbesondere für die europäischen Teams. Rund jedes vierte Spiel der Vorrunde wurde bei Aussentemperaturen von 29 Grad und mehr ausgetragen, Italien musste gegen Uruguay sogar bei 33 Grad auf den Platz. Und schwül war es, mit einer Luftfeuchte von häufig über 75 Prozent.

Quelle: fifa

Im kühlsten Spiel der Vorrunde durfte England in São Paulo bei inseltypischen 12 Grad gegen Uruguay antreten.

These 1: Weil es heiss ist, laufen die Spieler weniger

In den Vorrundenspielen legte beispielsweise die deutsche WM-Elf rund 341 Kilometer auf dem Rasen zurück, im Durchschnitt 114 Kilometer pro Einsatz. Im Vergleich zur Bundesliga wirkt dieser Wert schon weit weniger beeindruckend: In der vergangenen Saison brachten es die Spieler des SC Freiburg laut Opta-Daten auf einen Schnitt von 121 Kilometern, für alle Klubs lag dieser Mittelwert bei 117 Kilometern. Offenbar scheinen sich also die Spieler in der Hitze Brasiliens tatsächlich weniger zu bewegen.

Auch die Schweizer Gelson Fernandes und Admir Mehmedi.  Bild: EPA

Dafür aber allein das Wetter verantwortlich zu machen, wäre deutlich zu kurz gegriffen. So legte das deutsche Team bei der viel kühleren WM 2010 in Südafrika nur 108 Kilometer pro Spiel zurück. Und gäbe es einen direkten Zusammenhang zum Klima, dann müsste sich dieser Effekt auch innerhalb der kompletten Vorrunde dieser WM nachweisen lassen. Wo es moderater war, hätte die Laufleistung tendenziell ansteigen müssen. Was sie nicht tat.

Stattdessen brachten es einige Teams trotz hoher Temperaturen auf Spitzenwerte bei den gelaufenen Kilometern. Etwa die deutsche Elf mit 117 Kilometern gegen Ghana, Australien mit 116 Kilometern gegen Chile und Algerien mit 113 Kilometern gegen Belgien - allesamt erlaufen bei 29 Grad im Stadion.

Fazit: Stimmt nicht.

Quelle: fifa

These 2: Weil die Spieler in der Hitze mehr Fehler machen, fallen mehr Tore

Diese These hat immerhin einen wahren Kern: Torreich war die Vorrunde dieser WM tatsächlich, mit 136 Treffern in 48 Spielen. Allein sieben Tore fielen im Spiel Schweiz gegen Frankreich, jeweils sechs in den Partien Spanien gegen die Niederlande und Südkorea gegen Algerien. Auch im Vergleich zu früheren WM-Vorrunden hält sich dieser Eindruck: In Südafrika ging der Ball in der Vorrunde nur 101 Mal ins Netz, trotz eines Spiels mit sieben Toren (Portugal gegen Nordkorea).

Doch auch hier müsste sich ein Effekt auch innerhalb der Vorrunden zeigen. Schliesslich reichten die Tagestemperaturen in Südafrika von 2 bis 19 Grad, in Brasilien von 12 bis 33 Grad. Diese Spannbreiten hätten belegen können, was viele vermuten: Dass der Ball häufiger im Tor landet, wenn es wärmer ist. Dieser Zusammenhang ist aber statistisch nicht zu beweisen.

Fazit: Ja und nein. Tore sind sehr viele gefallen, aber das liegt nicht nur am Wetter. 

Quelle: fifa

These 3: Weil die Erschöpfung während des Spiels zunimmt, fallen mehr Tore später

Wie offensiv diese Vorrunde war, zeigte sich tatsächlich oft erst in der zweiten Halbzeit. Dann nämlich wurden rechnerisch sechs von zehn Toren geschossen. Doch dahinter dürfte mehr stecken als die Aussentemperatur. Denn auch in Südafrika waren die zweiten Spielhälften der Vorrunde deutlich torreicher als die ersten.

Zudem unterscheiden sich heisse und moderate Spiele auch hier zu wenig, als dass sich ein Effekt daraus ableiten liesse. In allen Vorrundenspielen in Brasilien wurden 46 Prozent der Tore in der letzten halben Stunde erzielt. Vergleicht man nur die Spiele bei Temperaturen bis 21 Grad, lag dieser Wert deutlich unter, im moderaten Bereich zwischen 23 und 26 Grad weit über dem Schnitt. Eine Gesetzmässigkeit lässt sich also auch hier nicht finden.

Fazit: Ja und nein. Tore fallen eher spät als früh, aber auch das liegt nicht nur am Wetter.

Der Fluch von Manaus

Applaus gab's in Manaus für die Schweiz. Bild: ANDRES STAPFF/REUTERS

Der einfache Dreisatz Hitze-Fehler-Tore darf also als widerlegt gelten, jedenfalls in seiner eindimensionalen Form. Als Ausgleich fördert die Statistik aber einen neuen Mythos zutage, den die Zahlen ohne Zweifel belegen: Die Arena Amazônia in Manaus bringt Unglück. Von sechs Teams, die hier am ersten und zweiten Spieltag der Vorrunde spielten, verloren fünf ihr nächstes Spiel. Wie dieser Fluch auf die Mannschaften übertragen wird, müssen weitere Analysen zeigen.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 28.06.2014 07:31
    Highlight Der Vorteil wegen dem Klima, war vielleicht vor 40-50 Jahren ein Argument. Heut spielen die meisten Profis, sei es aus Südamerika oder Afrika in Europa, und haben sich schon längs „europäisch akklimatisiert“ und haben keine Vorteile mehr.
    0 0 Melden
    • sewi 29.06.2014 17:00
      Highlight Ich glaube dass man sich nie richtig akklimatisiert. Bei einem "Ausflug"war ich als einziger Weisser mit zwei Schwarzen in Äquatornähe. Ich und der in Europa geborene Schwarze schwitzten wie die Säue, der in Afrika geborene Schwarze schwitzte kaum obwohl er seit Jahren in Europa lebt
      0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 28.06.2014 02:41
    Highlight gibt,s auch ein Erklaerung warum in Rio so wenig Tore fallen ? hab mir hier schon 4 Spiele angeschaut ( 2:1, 0:2, 1:0, 0:0) so kanns natuerlich nicht weitergehen. Hoffe morgen bei Colombia - Venezuela gibts genug Hitze und es fallen ein paar Toerchen, an den heissbluetigen Zuschauer(innen) sollte es nicht ligen
    1 0 Melden

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