Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Die stimmungsvolle Eröffnungsfeier im Zuger Eisstadion. Bild: KEYSTONE

Ein Besuch an der Streethockey-WM in Zug – wo ein Rasta-Bär auf Schlagerstar Beatrice Egli trifft

So ein Sportfest wie die Streethockey-WM hat es noch nicht gegeben: Gratiseintritt, Popkonzerte und hochklassiger Sport. Selbst einer der grössten NHL-Bösewichte ist begeistert.

20.06.15, 22:02 20.06.15, 23:04

Klaus Zaugg, Zug

Die Eröffnungsfeier erinnert an eine Ouverture von Olympischen Spielen en miniature. Es sind ja nicht mehr als 150 sondern bloss 18 teilnehmende Nationen, deren Flaggen ins Stadion getragen werden. Aber der Rahmen stimmt. Martialischer Sound, Lichtspiele und der TV-Moderator Nik Hartmann, der vor Begeisterung überbordet.

Es ist ein gelungener Auftakt zu einem wundersamen Sportfest. Zur wahrscheinlich erstaunlichsten WM, die wir in der Schweiz je veranstaltet haben. Ins Bild passt, dass auch Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller etwas sagen darf. Müller ist ein Sozialist. Adrett steckt das feuerrote Einstecktuch in der Brusttasche. Mit ziemlicher Sicherheit ist ihm gar nicht bewusst, dass mit dieser Streethockey-WM mehr als hundert Jahre nach der Gründung seiner SP die ersten Welttitelkämpfe nach den wahren sozialistischen Grundsätzen Wirklichkeit geworden sind.

Selbst die Kommunisten haben es in den Zeiten des realen Sozialismus nie geschafft, was die Zuger in diesen Tagen vollbringen: Eine WM fürs Volk. Gratiseintritt. Sogar die Sowjets konnten es einst nicht lassen, dem werktätigen Volk bei Weltmeisterschaften ein paar Kopeken Eintrittsgeld abzuknöpfen.

Vereinfacht gesagt: Streethockey ist Eishockey ohne Schlittschuhe. Bild: KEYSTONE

Wer den Reichen die Hecken schneidet, findet einen Weg in ihre Herzen

Aber nicht der «Rote Dolfi» hat dieses Wunder einer Gratis-WM in Zug möglich gemacht. Sondern ein Zuger Erzkapitalist. Der Gartenbauer Maurus Schönenberger. Im Vergleich zum ihm verblasst selbst die legendäre Gärtner- und GC-Mäzenen-Dynastie der Familie Spross.

Maurus Schönenberger ist Präsident der Oberwil Rebells, die acht der letzten neun Schweizermeister-Titel im Streethockey geholt haben. Er amtiert als OK-Chef der WM und sein Trainer Tibor Kapanek (er beschäftigt ihn in seiner Firma als Gärnter) ist auch Nationaltrainer. Wer den Reichen und Mächtigen in Zug die Hecken schneidet, die Tulpen-Beete düngt und die Rosen pflegt, findet auch einen Weg in ihre Herzen.

Mehr als 4000 Zuschauer

Globale Unternehmen mit Sitz in Zug wie der Chemie-Gigant Sika und der Rohstoff-Titan Glencore alimentieren diese WM und finanzieren ein Budget von sage und schreibe zwei Millionen Franken. Deshalb ist es möglich, freien Eintritt zu gewähren und drum herum ein Party-Rahmenprogramm (u.a. mit Pegasus, Oesch's die Dritten und Beatrice Egli) zu bieten.

Die Rechnung geht auf. Zum Startspiel am Freitag gegen die Bermudas (die Schweiz gewinnt mit 1:0) sind bereits weit über 4000 Fans gekommen. Am Sonntagnachmittag könnte die Arena gegen Kanada (14 Uhr) voll werden.

Knapper Sieg zum Auftakt

Bis heute sind die Schweizer bei einer WM noch nie über Platz 7 hinausgekommen. Um das Minimalziel Viertelfinals zu erreichen, ist ein Sieg im Startspiel gegen die Bermuda-Inseln Pflicht. Der vermeintliche Exote entpuppt sich indes schnell als taktisch schlauer und fast unüberwindlicher Aussenseiter.

Die Mannschaft besteht ja sowieso aus Kanadiern, die auf den Bermudas arbeiten. Um für ein Nationalteam zu spielen braucht es keine Pässe des entsprechenden Landes. Wohnsitz und Arbeitsbewilligung reichen. Angefeuert vom «Hopp Schwiiz!» aus 4000 Kehlen gelingt dem Grenchner Lars Henzi der Siegtreffer zum 1:0. «Es war sicher das wichtigste Tor meiner Karriere», strahlt der 25-jährige Polymechaniker. Wie alle Teamkollegen hat auch er für die WM einen Teil der Ferien geopfert.

Der fiese und der anständige Vergleich

Streethockey bietet beste Unterhaltung. Wer vom Eishockey kommt, denkt politisch unkorrekt: «Wie Frauenhockey. Aber taktisch besser und weniger Fehlpässe.» Wer politisch korrekt ist, sagt: «Eishockey mit angezogener Handbremse.» Und bald zieht dieses Spiel den Betrachter in den Bann. Auf einem Eishockeyfeld wird in Turnschuhen mehr oder weniger nach Eishockeyregeln mit Hockeystöcken und einem roten Ball auf ein Eishockeytor gespielt.

Weil das Gleiten und die explosive Beschleunigung auf Schlittschuhen nicht möglich sind, wirkt das Spiel langsamer. Aber es ist intensiv und taktisch enorm anspruchsvoll. Weil Laufen anstrengender ist als Gleiten, gilt Streethockey als anstrengender als Eishockey. Das bestätigen Eishockeyspieler nach einem Street-Hockeyspiel immer wieder. Es muss sogar mehr gelaufen werden als beim Fussball.

Lars Henzi bejubelt sein Tor, das der Schweiz den ersten Sieg bringt. Bild: KEYSTONE

Ex-NHL-Haudegen und Schweizer «Bretzelibuebe»

Und was dem «Roten Dolfi» sicherlich gefällt: Der Zusammenschluss aller Proletarier aller Länder, das Ziel der Sozialistischen Internationale wird ausgerechnet in Zug, einem der kapitalistischsten und reichsten Stadtstaaten der Welt endlich Wirklichkeit. Die Street-Hockeyspieler sind ja alles Amateure. Also Sport-Proletarier. Die Zulassungsregeln sind locker: Ein Pass ist nicht nötig. Eine Aufenthaltsgenehmigung oder der Nachweis, dass Vater oder Mutter aus dem betreffenden Land stammen, reicht. Die Landesgrenzen sind überwunden und Nationalismus spielt in kaum einem anderen Sport eine so nebensächliche Rolle.

Streethockey interessiert seit jeher Hockeystars. Raphael Diaz und Damien Brunner sind am ersten Tag auch im Stadion. Und ich sehe einen Bären mit Rastalocken. Ist das nicht … nein, das kann nicht sein! Aber er ist es: Georges Laraque. 38 Jahre alt, 192 cm lang, 140 kg schwer. Gegen ihn sind selbst Brunner und Diaz nur «Bretzelibuebe».

Der «Schorsch» hat seine Eishockey-Karriere vor fünf Jahren beendet und gilt als einer der härtesten NHL-Spieler aller Zeiten – aber auch als ein Gentleman. Er spricht sanft wie ein Engel und strafte auf dem Eis wie ein zorniger Gott.

Georges Laraque als Spieler der Montreal Canadiens. Bild: NHLI

Trifft der Rasta-Bär Schlagerstar Beatrice Egli?

«Schorsch, was machst Du bloss in Zug?» Er grinst und erzählt, dass er Haiti coacht. Offiziell ist er zwar nur als Assistenz-Coach gemeldet. Aber klar ist, dass alle nur auf ihn hören. «Meine Eltern stammen von dort. Unsere Spieler haben haitianische Wurzeln, leben aber alle in und um Montréal. Die meisten sind meine Kumpels und wir bezahlen die Reise aus eigener Tasche.» Spielen könne er wegen Kniebeschwerden leider nicht mehr.

Das Bedauern des Kanadiers darüber, dass er nur coachen und nicht spielen kann, hält sich indes in Grenzen. «Im Streethockey gibt es ja keine Goons …» Das erste Spiel hat Haiti gegen Italien 1:4 verloren. Der glänzenden Partylaune Laraques tut es keinen Abbruch. Und ich frage mich: Trifft der Rasta-Bär wohl unseren Schlagerstar Beatrice Egli?

Zwei Millionen feiern den Stanley-Cup-Sieg der Chicago Blackhawks

Kennst du schon die watson-App?

Über 150'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
8
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • marcolino75 22.06.2015 03:39
    Highlight guter und interessanter Bericht. War am ersten Tag vor Ort und sah nur glückliche Leute die gut unterhalten wurden.
    3 0 Melden
  • pun 20.06.2015 23:45
    Highlight haha, immer wenn ich mich im sportbereich von watson über einen stumpfen artikel nerve, ist er von zaugg. immerhin konsequent. :)
    8 11 Melden
  • Gelöschter Benutzer 20.06.2015 23:26
    Highlight die WM ist geil, kurzweilige Sportart, dauert weniger lang als Eishockey, Eintritt gratis, Stimmung sehr relaxt. I LIKE!
    16 3 Melden
  • Ani_A 20.06.2015 23:05
    Highlight Ach Herr Zaugg, sie werden noch staunen, was in unserem kapitalistischen Stadtstaat sonst noch (fast) gratis ist. Ansonsten gratuliere ich dem OK zu einer tollen WM!!
    10 6 Melden
  • DeineMudda 20.06.2015 22:59
    Highlight liebes watson team, es haben sich in eurem bericht ein paar recherche fehler eingeschlichen. Der amtierende Weltmeister ist die Slowakei und nicht Kanada, zudem hat Italien das Spiel gegen Haiti "nur" mit 4:1 gewonnen. Aber sonst guter Bericht zu einer Randsportart, die, wie ich hoffe nach dieser WM einen Aufschwung erleben wird.
    14 2 Melden
    • Ralf Meile 20.06.2015 23:04
      Highlight Danke Mami, ich hab's angepasst!
      12 0 Melden
    • DeineMudda 20.06.2015 23:24
      Highlight Haha sorry ralf, habe kurz den klugscheiss modus angestellt... :) dem laien wärs nicht aufgefallen.
      6 1 Melden
    • Ralf Meile 20.06.2015 23:29
      Highlight Musst dich nicht entschuldigen, sind immer froh um solche Feedbacks!
      8 1 Melden

Embolo und Gelson stehen leider in der falschen Rangliste auf dem Podest …

Werder Bremens Ishak Belfodil ist das Raubein der Bundesliga: Niemand foult so oft wie der algerische Nationalspieler. Auf den Rängen 2 und 3 folgen zwei Schweizer: Breel Embolo und Gelson Fernandes.

Alle 20 Minuten pfeifen die Schiedsrichter ein Foul von Ishak Belfodil ab. Gemessen an der Einsatzzeit führe er damit das Foul-Ranking der Bundesliga an, hat die Bild ausgerechnet. 61 Mal langte der Werder-Angreifer bislang in seinen 1246 Minuten auf dem Platz zu.

Neben «Sieger» Belfodil stehen zwei Schweizer Nationalspieler auf dem Podest. Breel Embolo foult im Schnitt alle 21 Minuten (41 in 867 Minuten), Gelson Fernandes von Eintracht Frankfurt alle 26 Minuten (31 in 809 Minuten). Vor …

Artikel lesen