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epa05629097 Sergey Karjakin, of Russia (L) plays against Magnus Carlsen of Norway, the reigning world chess champion, during round two of the World Chess Championship in New York, New York, USA, 12 November 2016.  EPA/Peter Foley

Magnus Carlsen (r.) will seinen WM-Titel gegen Sergej Karjakin verteidigen. Bild: Peter Foley/EPA/KEYSTONE

Du hältst die Schach-WM für öde? Diese 7 Fakten beweisen das Gegenteil

In New York wird derzeit um den Weltmeistertitel im Schach gespielt. Wer denkt, bei Magnus Carlsen und Sergej Karjakin handle es sich um zwei verschupfte Nerds, der täuscht sich gewaltig. Das Duo verleiht der simpel anmutenden Sportart erstaunlich viel Tiefe.

Donat Roduner
Donat Roduner



>>> So lief die 5. Partie in der Nacht auf Freitag

Magnus Carlsen und Sergej Karjakin begegnen sich im WM-Kampf bisher auf Augenhöhe. Die bisherigen vier Spiele endeten jeweils remis, wobei der Titelverteidiger aus Norwegen dem Sieg in den letzten zwei Partien näher stand. Steht es nach Abschluss der Best-of-12-Serie tatsächlich noch unentschieden, wird ein Tiebreak mit verkürzter Bedenkzeit nötig.

Chess world champion Magnus Carlsen, of Norway, left, and his challenger, Sergey Karjakin, of Russia, participate in a news conference for promote the World Chess Championship in New York, Thursday, Nov. 10, 2016. The championship returns to New York after 21 years and runs until Nov. 30, 2016. (AP Photo/Seth Wenig)

Die Duellanten an der Pressekonferenz. Bild: Seth Wenig/AP/KEYSTONE

Dass es sich dabei nicht um ein zweidimensionales Duell handelt, in dem zwei Schnösel nacheinander Figuren über das karierte Spielfeld schubsen, zeigen folgende Fakten:

Früh übt sich

Carlsen (25) und Karjakin (26) sind für Schachspieler von ihrem Profil noch sehr jung, auch wenn der Trend eindeutig darauf hinausläuft, dass immer mehr Spieler schon im Kindesalter erstaunliche Qualitäten auf das Brett bringen. Das war in den Fällen des Norwegers und des Russen nicht anders:

Carlsen mass sich schon im Alter von 13 Jahren mit ehemaligen Weltmeistern (und remisierte) und wurde 19-jährig zur jüngsten Nummer 1 der Welt. Karjakin kann dafür von sich behaupten, als jüngster Schachspieler den Grossmeister-Titel erlangt zu haben, nämlich schon mit zwölf Jahren (Carlsen gelang dies «erst» mit 13).

Der zwoelfjaehrige Ukrainer Sergej Karjakin spielt am Samstag, 1. Februar 2003 in Brissago gegen die achtzehnjaehrige Russin Alexandra Kostenjuk am 1. Internationalen Dannemann Classico Schachtournier. Karjakin ist der juengste Grossmeister aller Zeiten, waehrend Kostenjuk russische Vizeweltmeisterin ist. (KEYSTONE/Ti-Pess/Samuel Golay)

Sergej Karjakin (12). Bild: TI-PRESS

The current youngest grandmaster in the world Magnus Carlsen from Norway plays during the Grandmaster Tournament against Hikaru Nakamura from the United States, not in picture, at the International Chess Festival in Biel/Bienne, Switzerland, Sunday, July 17, 2005.  (KEYSTONE/Monika Flueckiger)

Magnus Carlsen (13). Bild: KEYSTONE

Es geht sogar blind

Dass die beiden WM-Finalisten genügend Schach-Neuronen in ihrem Schädel untergebracht haben, ist unschwer zu erkennen. Ganz deutlich wird das bei Carlsen, dem grossen Star der Szene mit den 32 Figuren. Er gibt sich immer wieder für Experimente wie das folgende hin:

Hier spielt Magnus Carlsen ohne ersichtliche (ha, Wortspiel!) Probleme blind gegen drei Spieler. Er hat das mit Erfolg aber auch schon gegen zehn Gegner gleichzeitig getan, die Schach spielen können. Das ist schon sehr beeindruckend, aber für den 25-Jährigen noch nicht genug: «Es wäre spannend zu sehen, ob ich das auch gegen 20 Spieler kann.»

Athleten!

Ist Schach jetzt eigentlich ein Sport? Diese Frage wird immer wieder gestellt, mit einer gewissen Berechtigung. Man hängt Schach gerne das Prädikat (Denk-) Sport an, was aber im Falle der WM-Duellanten nicht nötig wäre. Carlsen und Karjakin sind fit wie ein Turnschuh. Sie treiben praktisch täglich Sport, um stets körperlich wie geistig bereit zu sein für die zehrenden Matches (das vierte dauerte sechseinhalb Stunden).

Carlsen spielt gerne Fussball. Auf verschneitem Kunstrasen. Mit Hallenschuhen. *facepalm*

Zum Repertoire des Titelverteidigers zählen Schwimmen, Basketball, Volleyball und Fussball, während der Herausforderer mit seiner Entourage, zu der natürlich auch Athletik-Trainer zählen, sehr gerne Beachvolleyball spielt.

Man munkelt übrigens, dass Carlsen seinen Weltmeistertitel vor zwei Jahren in Sotschi derart einfach verteidigt hat, weil er seinem indischen Gegner Viswanathan Anand (46) physisch überlegen war. Ja, physisch. Wie früher die Duelle mit Zigarre und Bier zu bestreiten, das kann sich heute keiner mehr leisten.

Autisten? Keineswegs!

Karjakin wurde in der russischen Zeitung «Sport Express» gefragt, ob Carlsen in gewisser Weise autistisch sei. «Das ist er keineswegs!», lautete die klare Antwort. «Er ist ein ganz normaler Typ, nur schrecklicher Real-Madrid-Fan. Man munkelt, er würde in Gewinnstellung remis bieten, um es zum Spielbeginn an den Fernseher zu schaffen.»

Martin Odegaard? Ah, nein, dessen Landsmann Magnus Carlsen.

Bei Karjakin sind trotz seines immensen Schach-Talents ebenfalls keine autistischen Züge zu finden. Der Ukrainer, der seit 2009 für Russland antritt, ist bereits in zweiter Ehe verheiratet und hat zusammen mit seiner jetzigen Frau Galija einen Sohn.

Model und Businessman

Schach, Fussball und die anderen Hobby-Sportarten sind Magnus Carlsen noch lange nicht genug. Seit 2010 modelt er für die Kleidermarke G-Star Raw und offensichtlich hat er allen Grund dazu: In der britischen Ausgabe der Cosmopolitan schaffte es der Norweger in die Liste der «sexiest men of 2013»!

Bild

Carlsen verdient als grösster Star seiner Sportart zwar genug Geld, dennoch sorgt er auch daneben gut für sich. Beispielsweise ist er selbst für die Firma verantwortlich, die seine Schach-App «Play Magnus» entwickelt, in der man gegen den «Schach-Mozart» auf verschiedenen Stufen antreten kann (fünf- bis 25-jährig). Er selbst hat auch schon gegen sein 14-jähriges Ich verloren (ob als Publicity-Stunt, sei dahingestellt):

Die beste Idee

Angesichts dessen, dass bei der Schach-WM zwei sportlich fitte Jungspunde aufeinandertreffen, hat der ebenfalls noch junge kanadische Grossmeister Eric Hansen die Idee geäussert, dass sich Karjakin und Carlsen nicht wie gewohnt am drögen Tisch messen sollten, sondern im Schachboxen, einer Disziplin, die es tatsächlich gibt. Würde das umgesetzt, es wäre sicherlich der Hit!

Umfrage

Aber: Wer würde im Schachboxen gewinnen?

  • Abstimmen

666

  • Magnus «Muhammad» Carlsen56%
  • Sergej «der Zar» Karjakin20%
  • Remis24%

Bild

So würde das dann aussehen. quelle: chess24.com

Anekdote zum Schluss

Karjakin, erneut gegenüber dem «Sport Express»:

«Einmal bin ich mit ihm nach einem Turnier in Moskau bowlen gegangen, wir haben die Nacht durchgespielt. Gegen sechs Uhr morgens hatte er plötzlich Lust, mal in die Moskauer U-Bahn zu steigen. An der Station kommt eine Meute junger, scheinbar aggressiv gestimmter Leute auf uns zu. Wir haben uns erschrocken und dachten, dass sie uns ausrauben wollen. Dann stellt sich heraus, dass sie Carlsen erkannt haben – sie liessen uns nicht gehen, bis jeder ein Foto mit ihm hatte.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Stromer5 18.11.2016 06:17
    Highlight Highlight Wie bitte? Kirjakin, der Ukrainer, der seit 2009 für Russland spielt? Wie das?
    • mastermind 18.11.2016 14:40
      Highlight Highlight Karjakin erhielt 2009 die russische Staatsbürgerschaft. Er wollte diese, da er in der Ukraine keine schachlichen Entwicklungsmöglichkeiten für sich gesehen hatte. Auch ist er auf der Krim aufgewachsen, welche für die Einwohner (ich will keine politische Diskussion starten) schon immer mehr zu Russland als zur Ukraine gehörte.
    • Stromer5 18.11.2016 19:53
      Highlight Highlight Ok, alles klar, danke 👍
  • Zwingli 17.11.2016 23:38
    Highlight Highlight diese fakten haben nicht das gegenteil bewiesen. ich will mein geld zurück.
  • 8004 Zürich 17.11.2016 20:12
    Highlight Highlight Dass Schach als Sport bezeichnet wird, hat historische Gründe und nichts mit der Tätigkeit an und für sich zu tun.
    In Deutschland haben die irgendwann mal so ein wichtiges Komitee für Sport und Olympia gegründet (heisst heute Deutscher Olympischer Sport Bund) und ein Gründerverband war der Deutsche Schachbund (sonst gab es noch einige Turnvereine und Fussball Clubs). So wurde Schach zum Sport. International (IOC dann irgendwann) hat das so global übernommen. Mit der Frage "was ist Sport" hat dieser Umstand nichts am Hut.

    Auf so einer Redaktion sollte das eigentlich schon einer wissen... ;-)
    • 8004 Zürich 18.11.2016 02:59
      Highlight Highlight Dass Schachspieler - die ihr Spiel selber gerne als Sport rühmen - mit dieser Geschichte nicht hausieren gehen, versteht sich ja irgendwie von selbst ;-D
  • naitsabeS 17.11.2016 19:41
    Highlight Highlight Ein bisschen ein schwacher Artikel angesichts dem bisherigen Verlauf der Schach-WM. Die ersten beiden Spiele waren tote Unentschieden, da schon sehr früh starke Vereinfachungen herbeigeführt und nicht auf Gewinn gespielt wurde. Die Spiele 3 und 4 waren hingegen von Ungenauigkeiten oder Fehlern, die auf diesem Niveau selten sind, Karjakins geprägt, aber wegen gleichseitiger Ungenauigkeiten Carlsens konnte er, insebsondere in Spiel 4 seine gewinnende Position nicht umsetzen. Daher war die Schach-WM aus schachlicher Sicht bis jetzt objektiv. Neuerungen in der Öffnung oder Mattstellungen fehlen.
  • Jol Bear 17.11.2016 18:45
    Highlight Highlight Guter Beitrag. Dass die Schach-WM in der Schweiz auf wenig Resonanz stösst, hängt auch damit zusammen, dass wenige Leute (Tendenz weiter sinkend) dieses Spiel kennen oder selber spielen. In Ländern Osteuropas beispielsweise hat Schach einen Stellenwert wie bei uns Jassen, Eile mit Weile o.a., Gesellschaftsspiele, die in der Familie od. mit Freunden regelmässig gespielt werden (oder heutzutage eher wurden...). Demnächst wird wahrscheinlich auch die NZZ ihre "Schachspalte" rauskippen, was den Negativtrend leider bestätigt.
    • Bijouxly 18.11.2016 01:27
      Highlight Highlight Lies die Zeit: Beste Artikel bisher zur WM! (auch auf der Gratisapp :))
  • aschgyyge 17.11.2016 18:33
    Highlight Highlight der trend, dass die spiele nicht mehr elend lange gehen, tut dem schach gut.
    blitz / bullet sind meiner meinung nach unterschätzt.

    wer interesse hat, dem kann ich nur die chessbrahs (youtube /twitch) ins besonders GM Eric hansen ans herz legen. da gibts grossteils bullet mit boilerroom musik und auch edukative folgen/streams.
    • aschgyyge 17.11.2016 18:43
      Highlight Highlight uuuuuund lichess.org die beste werbefrei und gratis schach site im netz.
    • naitsabeS 17.11.2016 19:44
      Highlight Highlight Beim Blitz/Bullet fällt halt das Durchrechnen der Positionen grösstenteils weg.

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