Sport

Lautstarke Wüstensöhne: Katarische Fans feuern die Spieler an, die den selben Pass wie sie besitzen. Bild: Bongarts

Geld = Erfolg. So einfach ist das

Katars Handballer stehen im WM-Halbfinal – so wenig Katar steckt in dieser International-Mannschaft

100'000 Dollar für jeden Sieg! Eine lebenslange Rente für das Erreichen des Halbfinals! Paläste, Luxusschlitten, Jungfrauen! Eine Multikulti-Truppe in katarischen Trikots ist dieser Tage DER Aufreger der Sportwelt.

28.01.15, 22:26 29.01.15, 09:23

Erfolg kann man eben doch kaufen. Diese Erkenntnis musste als bislang jüngstes Opfer die deutsche Handball-Nationalmannschaft machen. An der WM scheiterte sie im Viertelfinal an Gastgeber Katar, Deutschland verlor mit 24:26.

Eine Sensation ist das. Eigentlich. Denn wer genau hinschaut, den überrascht der Erfolg der Araber nicht unbedingt. Schliesslich sind die Araber grösstenteils gar keine echten Araber, sondern eingekaufte. Sehr viel Geld lockte sie nach Katar, das ölreiche Emirat mit rund zwei Millionen Einwohnern.

Katars Handball-Nationalmannschaft

Geld gibt's in Katar so viel wie Sand

Die Spieler stehen im Herbst ihrer Karriere und waren früher teils Nationalspieler im Balkan, für Frankreich oder Kuba. Sie wurden mit einem sechsstelligen Grundgehalt auf die arabische Halbinsel gelockt. Dazu soll jeder von ihnen für jeden Sieg an der WM 100'000 Dollar kassieren. Katar hat nun bereits sechs Spiele gewonnen … Und für den Vorstoss in die Halbfinals soll dem Vernehmen nach jedem Akteur eine lebenslange Rente versprochen worden sein.

Es ist im Jahr 2015 längst normal, dass Schweizer Nationalspieler nicht mehr Hügi oder Zwicker heissen, dass der berühmteste Schwede Ibrahimovic heisst und dass dunkelhäutige Deutsche Fussballweltmeister werden. Was diese Beispiele von der Handball-Nati in Katar unterscheidet, ist ihr Hintergrund. Xherdan Shaqiri wuchs in Basel auf, Zlatan Ibrahimovic kam in Malmö auf die Welt, Jérôme Boateng in Berlin.

Katars Goalies vom Balkan: Goran Stojanovic (links) und Danijel Saric. Bild: epa

2011 Weltmeister als Franzose, jetzt als Katarer im Halbfinal

Die meisten katarischen Handballer hatten mit ihrer neuen Heimat nie auch nur das Geringste zu tun. Ja, sie spielten vorher gar in grosser Zahl für ihre wahre Heimat. Bertrand Roiné wurde 2011 mit Frankreich Weltmeister. Die Scheichs hätten ihm das Angebot seines Lebens offeriert, gibt der spanische Trainer Valero Rivera zu. So wechselte er, der Spanien zum Weltmeister gemacht hatte, nach Katar.

Sicher ist: Rivera ist sein Geld wert. Denn es ist eine Sache, eine Multikulti-Truppe zusammenzukaufen. Chelsea oder Manchester City brauchten Jahre, um aus viel Geld ein erfolgreiches Team zu schustern. Rivera hingegen ist es gelungen, seine katarischen Handballer 2014 zum Asienmeister zu coachen.

Und 2015? Der Halbfinal gegen Polen muss nicht die Endstation sein. Für Katar wäre der Titel ein Märchen aus Tausend und einer Nacht. Für den Rest der Sportwelt wäre es ein WM-Ende mit Schrecken.

Trainer Valero Rivera weist seinen Spielern den Weg zum Sieg. Bild: epa

Auch diese Sportarten tragen ihre WM in Katar aus

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • FabianHe 29.01.2015 01:04
    Highlight Das Problem ist nicht Katar, sondern das Regelment, das dies erst ermöglicht, oder?
    7 0 Melden
    • 's all good, man! 29.01.2015 09:11
      Highlight Richtig! Verfolge Handball nicht wirklich, aber was bitteschön ist denn das für ein komischer Verband? Erst DE mit einer lächerlichen Wildcard an das Turnier lassen und dann auch noch Spieler für ein Land auflaufen lassen, obwohl die vorher schon für eine andere Nation gespielt haben. Im Fussball zum Beispiel ja zum Glück nicht möglich. Wobei, von der FIFA reden wir besser erst gar nicht, so von wegen WM und Katar... ;-)
      4 0 Melden
    • rYtastiscH 29.01.2015 09:13
      Highlight Sehe ich auch so. Ist ja bei der FIFA nicht möglich. Sobald du deine ersten Spielminuten für die A-Mannschaft deines Landes gespielt hast, ist es nicht mehr möglich für andere Nationalmannschaften zu spielen. Warum das im Handball nicht der Fall ist verstehe ich nicht... Das ist ja keine WM mehr, eher ein internationales Klubturnier, nur halt mit Ländern.
      2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 28.01.2015 23:09
    Highlight Wie viel Eidgenossenschaft steckt denn in unserer Fussballnati?

    Hat der SFV nicht eben Embolo "gekauft"?

    Oder den Ex-Trainer, Othmar Hitzfeld.

    Und jedes Mal wenn Vettel gewinnt, heisst es immer öfters: Der Schweizer Sebastian Vettel hat den GP von BlaBla ggewonnen...

    5 33 Melden
    • Ralf Meile 28.01.2015 23:26
      Highlight Embolo wurde mitnichten «gekauft». Er lebt seit seiner Kindheit in Basel, spricht astreines baseldeutsch und hat einen sehr grossen Bezug zur Schweiz. Die Neo-Katarer hingegen hatten vorher null Bezug zur neuen Heimat, das ist der springende Punkt.

      Hitzfeld ist ein Deutscher, der so nahe an der Grenze aufwuchs, dass der Ball beim tschutten als Bube jeweils über den Zaun in die Schweiz flog. Und bei Vettel heisst es «Wahlschweizer», weil er sich (eher aus Steuergründen als wegen der schönen Landschaft) entschieden hat, im Thurgau zu leben. Trotzdem ist, bleibt und siegt er als Deutscher.
      31 1 Melden
    • Too Scoop 29.01.2015 00:23
      Highlight Eidgenossenschaft hin oder her, wer ist das schon!? Wie können sich einige als Eidgenossen nennen..? Ich versteh das nicht. Solch ein denken, oder diese Eingliederung waren im 18jhd. schon altmodisch!
      8 1 Melden
  • HabbyHab 28.01.2015 22:28
    Highlight Ja, die Schiedsrichter helfen aber auch stark mit.
    7 2 Melden
    • Ralf Meile 28.01.2015 23:27
      Highlight Gegen Österreich angeblich, ich hab's nicht gesehen. Gegen Deutschland waren letztlich nicht die Schiedsrichter schuld, auch wenn sie sicher nicht gegen Katar gepfiffen haben.
      5 1 Melden

«Vom Gespött zum Idol» – wie Paulinho Barça erobert und Cristiano Ronaldo blamiert

40 Millionen Euro überwies Barcelona im Sommer nach China für einen Spieler, dessen Anlagen so gar nicht zum Kurzpassspiel der Katalanen passen. Die Welt lachte. Zehn Wochen später sind die Kritiker nicht nur verstummt, sie spenden Paulinho gar Standing Ovations – schon bei der Einwechslung.

Stell dir vor, du verkaufst deinen getunten neuen Ferrari und kaufst dir mit einem Teil des Geldes einen alten Ford Focus. Etwa so fühlten sich die Barça-Fans vermutlich im Sommer, als Neymar verkauft und zwei Wochen später Paulinho geholt wurde.

40 der schönen 222 Millionen praktisch zum Fenster raus geworfen, war man sich sicher. Was will Barcelona mit einem, der zuvor bei Tottenham gescheitert war und jetzt seit zwei Jahren in China bei Guangzhou Evergrande mit 29 Jahren den Vorruhestand …

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