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FCL-Stürmer Tomi Juric lässt sich von Teamkollege Olivier Custodio feiern. Bild: KEYSTONE

Es gibt ihn tatsächlich! Der Fussballer, dem das schnelle Geld egal ist

Gibt es auf dieser verdorbenen Welt noch einen Fussballprofi, dem das Geld egal ist? Der aus freien Stücken nicht dort anheuert, wo er am meisten verdienen könnte? Wohl kaum. Doch wer sucht, wird in Luzern fündig. Hier gibt es tatsächlich noch ein solch rares Exemplar.

28.07.17, 11:31 29.07.17, 11:25

Markus Brütsch / Nordwestschweiz

Natürlich spielt Tomi Juric auch beim FC Luzern nicht für ein Butterbrot. Aber hätte er es gewollt, würde der 26-jährige Australier nun in Schanghai spielen und dabei in drei Jahren sechs Millionen Franken verdienen – netto.

Auch hätte er sich im Winter dem englischen Zweitligisten Reading anschliessen können und würde dort ungleich mehr einstreichen als in Luzern. «Das Problem ist: Wenn ich so viel verdiene, dass ich nach Vertragsablauf ausgesorgt habe, dann kann dies meine Motivation negativ beeinflussen», hat er in einem früheren Interview erklärt.

Alles Kopfsache: Juric will in Luzern bleiben. Bild: KEYSTONE

Nun sitzt dieser Tomi Juric im Bauch der Swissporarena an einem Tisch und erzählt aus seinem Fussballer-Leben − und wie er sich dieses vorstellt. «Das Zitat stimmt. Ich hätte in China eine Menge verdient, aber mir ist die Karriereplanung wichtiger als das schnelle Geld», sagt Juric.

«Wenn der richtige Moment gekommen ist, werde ich noch immer sehr viel verdienen können.» Ein Kollege aus dem australischen Nationalteam habe ihm nichts Gutes über den Fussball in China erzählt.

Starke internationale Auftritte

Dass er in Schanghai so begehrt war, hatte mit seinen grossen Auftritten in wichtigen Wettbewerben zu tun. 2014 hatte er mit seinem Tor gegen Hilal aus Ryad die asiatische Champions League zugunsten der Western Sydney Wanderers entschieden, ein paar Monate später den 2:1-Siegtreffer Australiens im Final der Asienmeisterschaft gegen Südkorea vorbereitet. Wie er dabei zwei Gegenspieler vernaschte war schlicht phänomenal. «Ich weiss noch heute nicht, wie ich das gemacht habe», schmunzelt Juric.

Juric bereitet herrlich Australiens 2:1-Siegtreffer vor. Video: streamable

Vor ein paar Tagen ist er 26 Jahre alt geworden und wohl selten so stark aufgetreten wie in diesen Monaten. Im Juni hatte er im Qualifikationsspiel gegen Saudiarabien zwei Tore zum 3:2-Sieg beigesteuert und die WM-Hoffnungen der Socceroos am Leben erhalten.

Jurics 1:0 gegen Saudi-Arabien. Video: streamable

Beim Confedcup in Russland schoss er gegen Deutschland ein Tor, stand in jedem Spiel in der Startformation und genoss danach in Kroatien seine zehntägige Sommerpause. «Wenn ich in Kroatien bin, fühle ich mich als Australier. Wenn ich in Sydney bin, als Kroate«, sagt der Doppelbürger. 

Fussball ist auch in den Ferien Trumpf

Kaum zurück in Luzern, setzte der Kopfballspezialist das Toreschiessen fort. In der Europa-League-Qualifikation schoss er beim 2:1 gegen Osijek beide Tore, sodass dessen Trainer orakelte, Juric werde nicht mehr lange hier spielen. Im Startspiel in der Super League gegen Lugano avancierte er erneut zum Matchwinner. In den Medien halten sich die Gerüchte, Stuttgart und Freiburg würden um ihn buhlen.

Nicht die letzte Partie für den FCL

«Man sollte nicht alles glauben, was man liest», sagt Juric, der im vergangenen Sommer Kerkrade verlassen hatte, weil der Kunstrasen seinen Gelenken nicht guttat. «Es stimmt zwar, dass ich in Form und im Prinzip bereit für die Bundesliga oder die Premier League bin. Aber es ist keine Floskel, wenn ich sage, dass es mir in Luzern mit diesem Team Spass macht.» Es sei natürlich schön zu spüren, wie wichtig er für das Team sei. «Ich gehe nicht davon aus, dass die Partie gegen Basel meine letzte im Luzerner Trikot ist», sagt Juric.

Tomi Juric versteht sich blendend mit FCL-Trainer Markus Babbel. Bild: KEYSTONE

Sportchef Remo Meyer sagt: «Es liegt keine Offerte für Juric vor. Er ist wichtig für uns. Wir wollen sportlichen Erfolg haben. Ein Abgang ist kein Thema.» Aber Meyer ist schon zu lange im Geschäft, um nicht zu wissen, dass morgen schon alles ganz anders aussehen kann. Juric freut sich auf den Auftritt im St.-Jakob-Park: «Wenn wir so spielen wie gegen Osijek und Lugano, dann liegt selbst in Basel etwas drin.»

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  • droelfmalbumst 28.07.2017 14:28
    Highlight Guter Typ!
    74 2 Melden
  • Luca Brasi 28.07.2017 14:22
    Highlight Oh, der Kunstrasen in Kerkrade hat seinen Gelenken nicht gut getan? Dann rate ich ihm zu Reisen bei den beiden Berner Clubs ab.
    Falls er in die Bundesliga zu Freiburg oder Stuttgart wechseln sollte, weiss er zumindest, dass diese Liga einheitlich Naturrasen hat, was auch meines Erachtens sowieso sportlich fairer ist.
    52 9 Melden
    • DäPublizischt 28.07.2017 16:29
      Highlight Nicht ganz richtig. In der Bundesliga gibt es Stadien mit Natur- und Kunstrasen-Gemisch.
      Ausserdem ist (schlechter) Kunstrasen tatsächlich schlechter für die Gelenke, als normaler Rasen.
      38 1 Melden
    • Luca Brasi 28.07.2017 17:30
      Highlight @DäPublizischt: Stimmt. Die werden auch gerne als Hybridrasen bezeichnet.
      Ich gehe aber davon aus, dass der Kunstrasen in Kerkrade ähnlich ist wie in Bern und Thun?
      10 2 Melden
    • maxi 29.07.2017 08:19
      Highlight wir haben einen zwei jahre alten kunstrasen im verein. der unterschied zu naturrasen merkst du immer noch auch bei der neuen generationen!
      4 0 Melden
  • Datsyuk 28.07.2017 12:35
    Highlight Gut so!
    78 1 Melden
  • hoi123 28.07.2017 12:33
    Highlight GOTT
    68 6 Melden
  • Looney 28.07.2017 12:29
    Highlight Bitte Bericht offline nehmen und hoffentlich am 1. September wieder live schalten.

    40 36 Melden

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