Syrien

Immer wieder schlagen Geschosse in Kobane ein. Bild: SEDAT SUNA/EPA/KEYSTONE

IS-Vormarsch

Die Angriffe der Dschihadisten auf Kobane werden immer härter

03.10.14, 19:16 04.10.14, 09:52

Die Angriffe der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf die eingeschlossene Stadt Kobane in Nordsyrien werden immer heftiger. Am Freitag feuerten die Extremisten rund 60 Granaten auf die kurdische Stadt.

Es seien die härtesten Angriffe seit Beginn der IS-Offensive auf Kobane (Arabisch: Ain al-Arab), teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Kurdische Volksschutzeinheiten (YPG) schlugen nach eigenen Angaben drei IS-Angriffe zurück. Die Lage sei dennoch «sehr kritisch», sagte ein Sprecher.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sicherte den Kurden in der Stadt Hilfe zu. «Wir würden nicht wollen, dass Kobane fällt», sagte Davutoglu nach Angaben des Senders «A Haber». «Wir werden tun, was immer nötig ist, um zu verhindern, dass das passiert.»

Das Parlament in Ankara hatte am Donnerstagabend Militäreinsätze in Syrien und im Irak gebilligt. Damit kann die türkische Regierung dort mit Bodentruppen oder anderen militärischen Mitteln gegen Terrororganisationen vorgehen.

Keine rasche Intervention

Verteidigungsminister Ismet Yilmaz erklärte nach der Parlamentsentscheidung, eine rasche Militärintervention sei nicht zu erwarten. Die Regierung fürchtet, durch einen Militäreinsatz könnten sowohl Syriens Präsident Baschar al-Assad als auch die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK gestärkt werden.

Neben einem Militäreinsatz billigte das türkische Parlament ausserdem, dass auch Soldaten anderer Länder im Kampf gegen die IS-Miliz von türkischem Territorium aus zum Einsatz kommen dürfen.

Syrien warnte die Türkei vor einem militärischen Eingreifen im Land. Jede türkische Intervention auf syrischem Boden werde als «Verletzung der Souveränität und Akt der Aggression» angesehen, erklärte das Aussenministerium in Damaskus nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana in Briefen an UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und den UN-Sicherheitsrat.

Hilferuf an USA

Die Ko-Vorsitzende der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD), Asia Abdullah, richtete einen Hilferuf an die USA und forderte stärkere Luftangriffe auf die Terrormiliz. Das internationale Bündnis gegen die IS-Miliz müsse deren Kämpfer direkt an der Frontlinie in Kobane bombardieren, sagte sie der Nachrichtenagentur DPA.

Die bisherigen Angriffe seien nicht wirksam gewesen. So habe das von den USA geführte Bündnis in der Nacht auf Freitag den IS weit entfernt von Kobane bombardiert.

Die YPG sind dem IS zahlenmässig und von der Ausrüstung weit unterlegen. «Wir brauchen Hilfe der internationalen Gemeinschaft, wir brauchen Waffen und Munition», sagte ein YPG-Vertreter, Idris Nahsen, der Nachrichtenagentur AFP am Telefon.

Die PYD und die Volksschutzeinheiten stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe. Der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan warnte im Fall eines Massakers durch die IS-Miliz in Kobane vor einem erneuten Aufflammen des bewaffneten Konflikts mit der türkischen Regierung. (sda/dpa/afp/reu/gag)

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 03.10.2014 21:35
    Highlight Hier wird eine psychologisch wichtige "Schlacht" geschlagen. "Hamburger Hill" oder Operation Apache Snow 1969 kommt einem da in den Sinn. Ein nutzloser Hügel wurde damals in Vietnam zum sinnlosen Artillerie- und Infanterie-Massaker ohne strategischen Wert.
    2 0 Melden

Spielball der Mächte: Weshalb der Syrien-Konflikt in erster Linie ein Stellvertreterkrieg ist

Die westliche Berichterstattung über den Syrien-Konflikt sei einseitig, unreflektiert und spiegle die Interessen der Industriemächte, schreibt der langjährige SRF-Korrespondent Helmut Scheben. Dabei gehe oft vergessen, dass am Anfang des syrischen «Bürgerkriegs» ein Kampf um die Vormacht im globalen Energiemarkt stand.

Die Hauptakteure der ausländischen Parteien, die in Syrien Krieg führen, sind Gas-Exporteure mit Interessen in einem von zwei umkämpften Pipeline-Projekten. Dabei geht es um die Ausbeute der weltgrössten Erdgasreserven, nämlich des Gasfeldes South Pars/North Dome, welches auf dem Grund des Persischen Golfs liegt und zum Teil dem Iran, zum Teil Katar gehört. Beide Länder begannen 1989 mit der Förderung.

2009 schlug Katar vor, eine Pipeline zu bauen, die Erdgas durch Saudiarabien, Jordanien und …

Artikel lesen