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epaselect epa04197194 Conchita Wurst representing Austria performs during the Second Semi-Final of the 59th annual Eurovision Song Contest at the B&W Hallerne in Copenhagen, Denmark, 08 May 2014. The grand finale will take place on 10 May.  EPA/NIKOLAI LINARES DENMARK OUT

Bild: EPA/SCANPIX DENMARK

Nichts, was ihr gefährlich werden könnte

Zweites ESC-Halbfinale: Tolle Wurst!

Erst geschmäht, dann bejubelt: Die österreichische Travestiekünstlerin Conchita Wurst wurde mit Diven-Bombast zur Siegerin der Herzen – beim zweiten Halbfinale des Eurovision Song Contests. Keine Frage: Nun muss der Damenbart auch in der Endrunde gewinnen.

09.05.14, 01:41 09.05.14, 22:48

Ein Artikel von

Andreas Borcholte / Spiegel

Nun stehen sie also fest, die Finalkandidaten für den Eurovision Song Contest am Samstag in Kopenhagen. Buhrufe wie am Dienstag, als der russische Beitrag weiterkam, gab es am Donnerstag in der zweiten Halbfinalshow nicht. Dafür aber umso frenetischeren Jubel, als die Moderatoren endlich, ganz zum Schluss, verkündeten, dass auch Conchita Wurst im Finale auftreten dürfe. Spannend hatten sie es gemacht, die erneut lässig und professionell moderierenden Dänen, indem sie Österreich als letzten der zehn Kandidaten ausriefen.

Wie immer es am Samstag ausgeht, der Halbfinal-Triumph des Travestiekünstlers Thomas Neuwirth alias Conchita Wurst (Album-Titel «The Wiener Takes It All») ist schon jetzt eine der schönsten Geschichten, die man sich später über diesen Eurovisions-Wettbewerb erzählen wird. Noch vor wenigen Tagen hatte sich in Osteuropa, angeführt von einer erzkonservativen Gruppierung in Weissrussland, Protest gegen den Damenbart-Träger formiert, eine Boykott-Petition machte die Runde.

Umso tapferer absolvierte Wurst ihren Auftritt mit der angemessen bombastischen, an James-Bond-Hymnen erinnernden Ballade «Rise Like A Phoenix» - und konnte in einer Show voller musikalischer Mittelmässigkeiten mit Glamour und Würde punkten. Ihre Darbietung war eindeutig eine der besten von 16 Kandidaten im zweiten Halbfinale. Angesichts der traditionell starken Osteuropa-Vetternwirtschaft beim ESC, was das gegenseitige Zuschustern von Nachbarschaftspunkten betrifft, konnte man sich trotzdem nicht sicher sein, ob Wurst am Ende das Rennen machen würde.

Der Beitrag aus Weissrussland trug den Titel «Cheesecake» – und kam ebenfalls weiter. Bild: SCANPIX DENMARK

Demokratie à la ESC: Auch Weissrussland wurde mit der an Robin Thicke erinnernden, etwas arg dünnen R&B-Nummer «Cheesecake» des Sängers Teo ins Finale gevotet.

Fast wäre der ESC zum Nasse-Blusen-Contest verkommen

Auffällig war der Qualitätsabfall der Beiträge gegenüber dem ersten Halbfinale am vergangenen Dienstag in dieser zweiten Auswahlrunde. Ausser Wurst konnte eigentlich nur noch ein weiterer Teilnehmer überzeugen, der norwegische Ex-Türsteher eines Metal-Clubs, Carl Espen, der sich auf der ESC-Bühne zwar bärtig und martialisch mit Lederarmband am massiven Unterarm gab, aber mit seiner zarten Soulballade «Silent Storm» durchaus Emotionen schürte.

Emotionen, allerdings eher negativer Art, weckte auch der polnische Beitrag «My Slowianie - We are Slavic» von Donatan & Cleo, einem folkloristisch angehauchtem HipHop-Verschnitt über die Beschwernisse der polnischen Landfrau, die sich dann, in Gestalt einer wohlproprtionierten Bühnendarstellerin, im aufreizend bauschenden Dekolleté, mühend über ein Waschbrett am Trog beugen durfte. Aber: Sex sells, und die Schauwerte täuschten wohl auch Juroren und Publikum über die musikalische Banalität des Songs hinweg: Auch Polen ist im Finale.

Die Mühen der polnischen Landfrau, visualisiert. Bild: Reuters

Alles nichts, was Wurst gefährlich werden könnte

Ausserdem qualifizierten sich am Donnerstag der angenehm unfolkloristische HipHop-Beitrag aus Griechenland des Rapper-Duos Freaky Fortune feat. Risky Kidd, die reizende, aber leider sehr langweilige Querflötenspielerin Tinkara Kovac aus Slowenien, die britrockenden Coldplay-Epigonen Softengine aus Finnland, das elegisch-öde Gesangsduo Paula Seling und OVI aus Rumänien, das allzu brave Folk-Gechwisterpaar Firelight aus Malta sowie der nicht minder bieder wirkende Sänger Sebalter aus der Schweiz.

Alles nichts, was der beherzten Gender-Benderin Conchita Wurst am Samstag musikalisch ernsthaft gefährlich werden könnte. Wenn es denn beim ESC ausschließlich darum ginge - und wenn sie es noch einmal schafft, das Publikum im Saal und vor den Fernsehern derart in ihren Bann zu ziehen, mit Bart, Diven-Pose, Abendkleid und allem Pipapo.

Im Finale prallen dann also tatsächlich die gesellschaftlichen und politischen Debatten Europas spielerisch aufeinander: Die krisengeschüttelte Ukraine, noch so eine potenzielle Gewinnerin der Herzen, trifft mit dem internationalen Pop der schwarzmähnigen Sängerin Mariya Yaremchuk auf die kühl-blonden Extension-Queens The Tolmachevy Twins aus Russland, und Conchita Wurst darf gegen Schwulenfeindlichkeit und Intoleranz ansingen.

Ein Sieg der Österreicherin wäre, bei allem patriotischen Daumendrücken für die Berliner Band Elaiza, ein schönes, wichtiges Signal.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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