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Tatort - Borowski und das Meer

Am Tatort: Axel Milberg als Hauptkommissar Borowski, Sibel Kekilli als Sarah Brandt 

Copyright SRF/NDR/Christine Schroeder
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Bild: SRF

Tiefsee-«Tatort» mit Borowski

Bleischwer am Meeresgrund

Der Run auf die Ozeane hat begonnen. Kommissar Borowski gerät in den Kampf um Tiefseeschürfrechte und Seltene Erden. Ein Event-«Tatort» mit viel zu viel Gerede, einem koketten Gastauftritt von Frank Schätzing – und einem kurzen befreienden Tauchgang in die Stille des Meeres.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Christian Buss

Kinderblick durchs Bullauge, im Gesicht ein Staunen. So treibt der Kommissar durch die Kieler Förde. Das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozean- und Tiefseeforschung hat ihn zu einem Trip im Tauchschiff «Jago» eingeladen, das so knallig gelb ist, als hätten die Beatles ihren Song «Yellow Submarine» eigens zu Ehren dieses Boots geschrieben. Borowski, völlig losgelöst.

Diese wunderbar schwerelose Szene bleibt einem nach dem Kieler «Tatort» vor allem deshalb im Gedächtnis, weil sonst nichts in ihm wunderbar schwerelos ist. «Borowski und das Meer» ist einer dieser bleischweren Themenkrimis geworden, bei dem es um die ganz grossen globalen Stoffe geht. In diesem Fall um den Raubbau an den Meeren, der in den nächsten Jahren noch erheblich zunehmen wird.

Während eines ausgelassenen Bootsausflugs der Firma Marex wird der Jurist Jens Adam (Andreas Patton) erschossen. Der Konzern ist weltweit führend im Abbau von seltenen Rohstoffen in der Tiefsee, der leblos ins Meer gefallene Anwalt wollte offensichtlich öffentlich auspacken über Schweinereien bei der Gewinnung Seltener Erden.

Drehbuch und Regie gut besetzt

Borowski (Axel Milberg) und Brandt (Sibel Kekilli) lernen bei ihren Untersuchungen allerhand über die Ausbeutung der Meere und wie wir alle mit unserem Hunger nach Smartphones und Flachbildschirmen mit an ihr Schuld sind, denn für deren Herstellung werden eben die Seltenen Erden benötigt. Das Geomar liefert die nötigen Daten für den Öko-Krimi, und irgendwann hält auch noch Star-Autor Frank Schätzing einen Vortrag, um dann den Kommissar kokett auf die eigene Prominenz hinzuweisen. Die Handlung des Meeres-«Tatorts» ist da schon längst, Entschuldigung, abgesoffen.

Dabei wissen die Verantwortlichen hinter dem Projekt eigentlich sehr gut, wie man mit schwierigen globalen Stoffen hantiert. Das Drehbuch stammt von Christian Jeltsch, der zum Beispiel schon einen stark recherchierten und stark geschriebenen Bremer «Tatort» über den Grenzschutz an Europas Rändern geliefert hat. Regie führte die Österreicherin Sabine Derflinger, die gerade für ihren sensationellen Wiener «Tatort» über Elendsprostitution im bulgarisch-türkischen Milieu mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.

Komm, süsse Stille

Doch trotz dieser geballten Kompetenz in Sachen journalistischer Krimis ist «Borowski und das Meer» nicht viel mehr geworden als eine «Was ist was»-Ausgabe mit Mordfall. Die meisten Figuren im Film sind eigentlich komplex angelegt (gespielt werden sie von tollen Schauspielerinnen wie Karoline Eichhorn und Nicolette Krebitz), doch am Ende sind sie dann eben doch nur dafür da, die vielen ozeanografischen Fakten und den komplizierten aktuellen Forschungsstand zur Ausbeutung der Meere zu referieren.

Das ist gerade deshalb schade, weil der gelegentlich ins Stocken geratenen Borowski-«Tatort» eigentlich gerade so einen guten Lauf hatte. Wie in keinem anderen TV-Revier war man in Kiel auf Tuchfühlung mit Schizophrenen, Psychopathen und Borderlinerinnen gegangen, hatte einen konsequenten, eigenen Stil entwickelt, bei dem noch der schrägste Ton und die bizarrste Wendung im Plot aufgingen. Die Quoten waren passabel, ein Ermittlerstar war der störrische Borowski eben nie. Umso mehr Bewegungsfreiheit hatte er aber bei der Annäherung an menschliche Abgründe.

Mit dem Event-«Tatort» versucht man nun, den nordischsten aller deutschen Fernsehkrimis wieder mal ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu bescheren. Doch am Ende lässt uns das verworrene, lärmige, zugequatschte Ozeanologen-Spektakel nur sehnsüchtig an Borowskis Tauchgang denken. Komm, süsse Stille.

«Borowski und das Meer», Sonntag, 20.05 Uhr, SRF I



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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 31.03.2014 08:49
    Highlight Highlight Wenn zu viele bedeutungsschwangere Handlungsstränge und ausgeschmückte Persönlichkeiten zusammenkommen, fehlt die Zeit, aus dem Potenzial etwas mehr zu machen, obwohl alle Ressourcen vorhanden sind. Gerade diese Themen hätten für einen Mehrteiler im stylischen Ambiente von "die Brücke" mehr Raum verdient. Doch trotzdem muss man den Tatort für den nicht missglückten Versuch loben und feststellen, dass es da noch Luft nach oben gibt.

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