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ARD/WDR TATORT: OHNMACHT, Fernsehfilm Deutschland 2014, Regie: Thomas Jauch, Autor: Andreas Knaup, am Sonntag (11.05.14) um 20:15 Uhr im ERSTEN.Janine Bertram (Nadine Kösters, vorne rechts) braucht ihre Eltern: Als sie zu den Ereignissen an der U-Bahn-Station aussagen soll, begleiten sie Elisabeth (Corinna Kirchhoff, vorne links) und Gerolf Bertram (Felix von Manteuffel, hinten rechts). Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, hinten links) hat Zweifel an der Aussage der jungen Frau.© WDR/Uwe Stratmann, honorarfrei - Verwendung gemäà der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/Uwe Stratmann" (S2). WDR Presse und Information/Bildkommunikation, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de

Nicht ohne meine Tochter: Elisabeth Bertram (Corinna Kirchhoff) hält auf Gedeih und Verderb zur engelsgleichen Janine (Nadine Kösters), die einen Jungen ins Koma getreten haben soll. Bild: ARD

Köln-«Tatort» über Jugendgewalt

Mamis kleines Monster

Beulen am Kopf, Wunden am Ego: Kommissar Ballauf gerät in ein Gewaltverbrechen unter Jugendlichen - und trifft mit Kollege Schenk auf Eltern, die Angst vor den eigenen Kindern haben. Ein bürgerliches «Tatort»-Trauerspiel aus Köln.

09.05.14, 14:16

Ein Artikel von

Christian Buss / Spiegel

Die Blicke der Eltern, sie tun so weh. Von fatalistischer Hingabe erzählen sie, von matter Schicksalsergebenheit. Die Kölner Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) begegnen diesen in trauriger Liebe ergrauten Alten bei ihren Ermittlungen zu ihrem aktuellen Fall, einem Ausbruch entfesselter Jugendgewalt. 

Auf dem nächtlichen Nachhauseweg wird Ballauf im U-Bahnhof in eine Prügelei verwickelt. Zwei Jugendliche schlagen und treten auf einen Jungen mit Geigenkoffer ein. Der Polizist springt zur Hilfe, wird selbst drangsaliert und vor den einfahrenden Zug geschmissen, der Junge mit dem Geigenkoffer liegt fortan im Koma.

Mutmassliche Täter sind schnell ausgemacht; ein Mädchen mit Engelsgesicht, ein Bubi mit Welpenzotteln und weichen Zügen. Sonderbar, wieviel Hass aus solch unfertigen Gesichtern herausschreien kann. Die Brut hat Wut - aber worauf eigentlich? Auf die Eltern? Auf die Schule? Auf einen Arbeitsmarkt, der keine Perspektive verspricht? Eher nicht. 

Schwarz steht Schenk und Ballauf gut

Eine gute Entscheidung, dass die Verantwortlichen des Kölner «Tatort» weitgehend darauf verzichten, mit handlichen küchenpsychologischen Argumenten das Verbrechen verstehbar zu machen. Gerade für die Figuren Schenk und Ballauf, die Erklärbären des Fernsehkrimis, die in der Vergangenheit oft gesellschaftliche Phänomene freundlich brummend in den dicken Tatzen hin- und herwendeten, bis sie sich in Wohlgefallen auflösten, ist das ein mutiger Schritt.

Im Kölner Revier scheint es endgültig vorbei zu sein mit dem Allesversteher-Trott. Im Januar wurde den beiden Ermittlern die patente Assistentin Franziska aus der Handlung drangsaliert, ein Akt von brutaler Wucht, der aus Jugendschutzgründen erst nach 22 Uhr ausgestrahlt werden durfte. Im März stiegen Schenk und Ballauf in ein Familiengrab mit drei toten Kindern hinab und leuchteten sich mit trübem Taschenlampenlicht durch ein bürgerliches Trauerspiel. Düster ist es geworden im Kölner «Tatort», der WDR verfolgt da offensichtlich eine sehr klare Linie.

Und das neue Schwarz steht den einstigen rheinischen Frohnaturen gut. Statt alles und jeden erklären zu können, schleppen sie sich jetzt durch eine Welt, die in grossen Teilen eine Zumutung ist. Schenk und Ballauf werden eben nicht jünger. Und, nicht mal diese Genugtuung schenkt man ihnen, weiser auch nicht.

«Tatort: Ohnmacht», Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Aus der Gegenwart gefallene Ermittler

Das zeigt sich nun auch in der aktuellen Folge «Ohnmacht» (Buch: Andreas Knaup, Regie: Thomas Jauch) sehr deutlich. Auf den verwaisten Platz von Franziska nimmt die Mittzwanzigerin Miriam Häslich (Lucie Heinze) Platz, eine Eingeborene des Internets, die dreimal so schnell im Kopf ist wie die beiden älteren Herren und die Aufgaben, die Schenk und Ballauf sonst gemächlich an die Kriminaltechnik weiterleiten, schnell mal selbst mit dem digitalen Besteck absolviert. Ballauf - Beulen am Kopf, Wunden am Ego - geht denn auch motzend auf die junge Kollegin los, als wäre sie persönlich schuld an seiner Misere.

Gerade diese Aggressivität, dieses Charakterwanken, diese grausame Gegenwartsverlorenheit bringt eine neue Dynamik in den Kölner «Tatort». Hier treffen zwei Fünfzigjährige, die ihr Umfeld nur noch mit grösster Mühe in den Griff bekommen, auf andere Fünfzigjährige, die es aufgegeben haben, das Umfeld in den Griff bekommen zu wollen. Die Mütter und Väter der mutmasslichen Täter nämlich scheinen längst entkoppelt vom Leben ihrer halbwüchsigen Kinder

In den Begegnungen mit den Eltern läuft Schenks und Ballaufs Lass-uns-doch-mal-reden-Pose von einst vollends ins Leere. Empört wollen sie von dem alleinerziehenden Vater des Wut-Welpens (Sebastian Rudolph) wissen, wie es zu der Verderbtheit seines Sohnes kommen konnte. Doch der starrt sie nur in tonloser Trauer an, beschwört das Treuehalten gegen jede Vernunft als letzte verzweifelte Massnahme in einem Kampf, der in Wirklichkeit längst verloren ist. Und erschüttert blicken die Ermittler auf die Mutter der Wonneproppengewalttäterin (Corinna Kirchhoff), die jede Aggression der Kleinen mit mehr und mehr Liebe kontert. 

So ist es entstanden, Mamis kleines Monster. Bitte nicht streicheln, die Folgen könnten tödlich sein.

Mehr zur Tatort-Serie



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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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Alkohol + Bachelorette = ?!?!?! (und Massasch isch mega)

Leute, heute heisst es leider: In Folge 6 entpuppt sich unsere Adela als Opportunistin, aber auch hinter anderen Fassaden verbergen sich Wahrheiten, die wir lieber nicht wissen würden.

Seid geherzt, ihr Truffes du jour meiner journalistischen Existenz, ihr Morgensonnenstrahlen über meinem tristen Tal, ihr ... Und seid gewiss: Wie auch immer ihr gerade ausseht, es ist mir egal, ich find euch eh die Schönsten. Oder um es mit dem Camp-Poeten David zu sagen: «Nöd d' Schönheit beschtimmt, wär mir liebet. Sondern d' Liebe beschtimmt, wär mir schön findet.» Riiiight.

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