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Der «Schweizer» Nachfolger von Jon Stewart hat seine Feuertaufe überstanden: Zu Besuch beim neuen «Daily Show»-Moderator Trevor Noah 

Der Südafrikaner Trevor Noah übernimmt ein grosses Erbe: In dieser Woche moderiert er als Nachfolger des US-Satirikers Jon Stewart die «Daily Show». Besuch bei einem fast zu smarten Fremdling.

29.09.15, 10:10 29.09.15, 11:39

Marc Pitzke, New York

Ein Artikel von

Trevor Noah ist wahrscheinlich der einzige Late-Night-Star Amerikas, der fliessend Deutsch spricht. «Ein Brötchen bitte», sagt er beim Treffen im Herzen New Yorks demonstrativ und entschuldigt sich im gleichen Atemzug für seinen Akzent: «Nach ein paar Tagen in Deutschland fällt mir das jedes Mal leichter.»

Insgesamt beherrscht der Südafrikaner sogar acht Sprachen, darunter Zulu. Zwar dürfte er sich auf Englisch beschränken, wenn er an diesem Montag mit der Premiere einer renovierten «Daily Show» das Erbe des grossen US-Satirikers Jon Stewart antritt. Doch seine Flexibilität – sprachlich, politisch, intellektuell – soll der Sendung ganz neuen Drall geben.

Jon Stewart hinterlässt grosse Fussstapfen.
Bild: Jordan Strauss/Invision/AP/Invision

Ein riskanter Job: In 16 Jahren hat Stewart die «Daily Show» zur Institution gemacht, zu einer Art moralischer Instanz sogar – und zum Goldesel für den Kabelsender Comedy Central und Mutterkonzern Viacom, der Noahs Debüt nun auf allen Kanälen ausstrahlt, samt MTV und VH1. Jede Änderung des Erfolgsrezepts könnte sich übel rächen. Gerade da der Neue ein Fremdling ist, der erst seit 2011 in den USA lebt und zugibt, dass er die hiesige Politik noch lernen müsse – mitten im längst zur Groteske verkommenen Präsidentschafts-Vorwahlkampf.

Klar spüre er den Druck, sagt der 31-Jährige, der in seinem schmalen, smarten Anzug nur noch jünger aussieht. «Wenn ich keine Angst hätte, wäre was nicht in Ordnung.» Doch sein – weitgehend unverändertes – Team müsse sich noch mehr fürchten: «Die unbekannte Grösse bin ich

Noah sitzt in seinem neuen Studio auf Manhattans West Side. Es ist eine verjüngte, technologisch aufgemotzte, doch verwandte Version des Sets, in dem Stewart sich viermal die Woche ausliess über Politiker, Medien und anderen «Bullshit», wie er es zu seinem Abschied nannte.

Travor Noah, der neue Kopf der «Daily Show».
Bild: /AP/KEYSTONE

Witze über Juden und Dicke

Ein Plexiglastisch, darunter ein Becher mit angespitzten Bleistiften und eine Kleenex-Schachtel. Digitale Leinwände überall. Zur Linken eine Bühne für Bands und Musiker, eine der Innovationen. «Neu und frisch», sagt Noah, «aber auch etwas, was an die alte ‹Daily Show› erinnert

Diese Balance müssen sie finden. Stewart war ein Meister, aber zuletzt auch berechenbar. Noah garantiere «die nächste Evolution der Franchise», sagt Comedy-Central-Chefin Michele Ganeless. «Er ist ein ausserordentliches Talent, ein grossartiger Geschichtenerzähler.» Und mit 31 «ein Mitglied der Millenniumgeneration – unserer Zielgruppe».

Das Problem: Viele Amerikaner haben keine Ahnung, wer Noah ist. Aufgewachsen in Soweto, war er in seinem Heimatland ein Comedy-Star, doch in den USA allenfalls Insidern bekannt. Ende 2014 warb Stewart ihn für die «Daily Show» an, nur dreimal trat er dort auf.

Treffen der Genrationen: Stewart und Noah bei der Emmy-Verleihung.
Bild: MARIO ANZUONI/REUTERS

Kein Wunder, dass Noah schon unbesehen Kritik erntet. Alte Stand-up-Videos zeigten grobe Witze – etwa über fette Frauen. Die seien «vernichtend dämlich», schreibt Jessica Winter in «Slate» – ohne zu erwähnen, dass Noah selbst mal dick war. Auch politisch unkorrekte Tweets über Juden und Israelis sorgten in den Staaten für einen Shitstorm. Er verstehe, dass er gerade die Amerikaner verwirre, sagt Noah gelassen: «Die wollen einen immer schnell definieren.» Doch weder seine Person noch seine Biografie eignen sich für ein flottes Urteil.

Smart und weltoffen: Noah will frischen Wind in die «Daily Show» bringen.
Bild: Matt Sayles/Invision/AP/Invision

Sein Vater war Schweizer, seine Mutter eine Schwarze. Unter der Apartheid war ihre Beziehung illegal. «Ich wurde als Verbrechen geboren», sagt Noah gerne. Als Familie durften sie nie gemeinsam über die Strasse gehen, seine Mutter musste ihn sogar verleugnen.

«Donald Trump ist ein toller Entertainer!»

Rassismus, Tabus, Stigmen und Vorurteile waren also immer schon Mittelpunkt seiner Comedy. Gutes Timing: «Ich dachte nie, dass ich vor der Polizei in Amerika mehr Angst haben würde als in Südafrika», sagt Noah. «Da vermisse ich die guten, alten Zeiten zu Hause fast.»

Noahs Premiere am 28. September. Der Moderator verspricht: «Der Kampf gegen den Bullshit geht weiter!»
YouTube/Comedy Central

Sein Ansatz ist dabei weniger amerikazentriert als der vieler Kollegen: «Ich sehe mich als Weltbürger.» Die «Daily Show» solle eine internationale Sendung werden, die nicht nur US-Phänomene aufs Korn nehme, sondern «so vielen unterschiedlichen Stimmen wie möglich» eine Plattform biete – egal welcher Herkunft oder Politik.

Was auch zu Irritationen führen kann. So begeisterte sich Noah – zum Entsetzen seines Teams – bei der letzten TV-Debatte für Tea-Party-Senator Rand Paul. Er komme eben ohne parteipolitischen Ballast, verteidigt sich Noah – als Ausländer dürfe er ja nicht mal wählen. Ob die Zuschauer ihn akzeptieren? Gerade in diesem aufgeheizten Klima hier, in dem Nuance als Schwäche gilt und der lauteste Brüller vorne liegt? «Donald Trump ist toll», sagt Noah. «Ein toller Entertainer!»

Und darauf läuft am Ende ja sowieso alles hinaus: Entertainment.

Noah war Anfang August 2015 Gast von Jon Stewart.
Bild: Getty Images North America

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Eisenhorn 29.09.2015 12:05
    Highlight Trevor Noha ist super, letztlich über Daily Show Videos auf ihn gestossten, er nimmt kein Blatt vor den Mund und ist ein bisschen direkter als John Stewart aber absolut genial. Er bringt eine wahrlich Internationale Sichtweise mit.
    5 0 Melden
  • royal 29.09.2015 10:36
    Highlight Trevor ist genial. Verfolge ihn seit längerer Zeit via Youtube etc.
    Entdeckt habe ich ihn in einem Special mit Gabriel Iglesias (Fluffy :D ). Jon Stewart zu beerben ist unglaublich schwer, ein Vergleich wird beiden nicht gerecht. Ist für mich nun eine neue Show mit dem selben Namen.
    8 0 Melden
    • Eisenhorn 29.09.2015 12:05
      Highlight Absolut! Nur bei den Afrikaans Witzen kann ich nicht immer folgen ;)
      0 0 Melden
    • royal 29.09.2015 13:42
      Highlight Weil die Witze nicht verständlich sind (Know-How/Sprache whatever) oder nicht deinem Geschmack entsprechen?
      0 0 Melden

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