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Szenenbild aus «Trepalium».
bild: arte

Europa, deine Serien sind Klasse. Wir zeigen, was 2015 Brandneues gedreht wurde

Damit ihr ein bisschen früher mitreden könnt als andere: Norwegen, Island, Frankreich, die Schweiz und zwei Afrikanerinnen in Berlin haben hervorragend gearbeitet. Sie liefern schon jetzt oder demnächst viel Futter für gewisse Stunden.



Trepalium

Der Kultursender Arte hat irrsinnig viel Geld in die Hand genommen und ein postapokalyptisches Drama geschaffen, das irrsinnig gut aussieht. Benannt ist die französische Serie nach dem Tre- oder Tripalium, einem Folterinstrument aus drei Pfählen, auf das in der Antike ungehorsame Sklaven gespannt und mit Flammen gequält wurden. Das französische «travail» leitet sich davon ab, Arbeit als Folter also.

In «Trepalium» setzt sich die Welt aus 80 Prozent Arbeitslosen in Slums und 20 Prozent Beschäftigten in einer retrofuturistischen Gated Community zusammen. Ganz selten öffnen sich die Tore, die Welten werden durchlässig, Revolutionen bahnen sich an, Doppelgänger schleichen sich ein, Gewalt macht sich breit, Kapitalismus ist scheisse. Eine Mischung aus «Gattaca», «Metropolis» und «Hunger Games», sehr cool, sehr sehenswert.

Arte, Frühjahr 2016.

Trapped (Ófærð)

Der Winter ist ein Monster. Der Mensch auch. Niemand kann das eindringlicher zeigen als die Isländer auf ihrer Insel mit den verrückten Landschaften und den krassen Wintern. Der zigfach preisgekrönte Regisseur Baltasar Kormákur («101 Reykjavik») nutzt seine Heimat für einen ultragrässlichen und beklemmenden Thriller: Ein Torso wird im Meer gefunden, ein Liebespaar verbrennt, eine Fähre voller Fremder bleibt im Hafen der vom Bösen heimgesuchten Kleinstadt stecken. Ein Schneesturm isoliert die Zwangsgemeinschaft wochenlang, schnell wird klar, der Mörder ist unter ihnen.

Eine einfache und äusserst effiziente Spannungsanlage, ein enorm einnehmender Ermittler, Naturaufnahmen zum Niederknien, «Trapped» wird der neue Thrillerhit aus dem düsteren Norden.

«Trapped» wurde von BBC und ZDF gekauft. Ein Ausstrahlungstermin ist noch nicht bekannt.

Acquitted (Frikjent)

Nun heisst «Acquitted» zwar «freigesprochen», aber das nützt natürlich nichts, wenn trotzdem die ganze Verwandtschaft glaubt, dass man seine 17-jährige Cousine ermordet habe. Weshalb der weiterhin Verdächtigte zuerst in Kuala Lumpur ein neues Leben beginnt. Um Jahre später als Firmensanierer nach Norwegen zurück zu kehren.

Natürlich ist dies unfassbar schwierig, vor allem, weil sofort neue Rätselmorde geschehen. Zudem sollte er als Solartech-Unternehmen auch noch die Welt retten, denn das Klima ist bekanntermassen am Arsch. Mehr Überforderung geht für einen Jungmanager eigentlich gar nicht, und dabei schauen wir sehr gerne zu. Schön komplex, sehr zeitgemäss und erst noch nach einem wahren Mordfall. Vom Regisseur von «Lilyhammer». Noch nie versammelten sich so viele Norweger für eine Serie vor dem Fernseher.

Leider gibt es «Acquitted» als DVD erst norwegisch mit holländischen Untertiteln ...

Polyglot

Wenden wir uns mal einem Juwel im zunehmend beliebten (und immer zugänglichen) Genre der Web-Serien zu. Von «Polyglot» gibt es bis jetzt drei Folgen, es ist die Geschichte einer jungen Rapperin aus Ruanda, die in Berlin nach einer Zukunft sucht, die sich in allerlei migrantischen Communities zurecht zu finden versucht, voller Witz, voller Heimweh, voll grossartiger Musik. So polyglott wie hier haben wir Berlin bisher tatsächlich noch nicht gesehen.

Die beiden Frauen hinter «Polyglot» sind die ruandische Regisseurin Amelia Umuhire und ihre schauspielernde und rappende Schwester Amanda Mukasonga. Eine Guerilla-Serie, gedreht ohne Geld, und eine ebenso erfrischende wie ergreifende Sicht auf die Migrationsproblematik.

Alle drei Folgen von «Polyglot» gibts auf YouTube zu sehen.

Occupied (Okkupert)

Diese ebenfalls norwegische Serie wurde im November bereits auf Arte gezeigt (und dort erfahrungsgemäss von einem nur sehr kleinen Publikum gesehen), was heisst, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis sie im ZDF oder auf SRF laufen wird. 

Also: Die Russen entführen und manipulieren den norwegischen Ministerpräsidenten, weil er ihnen (und der ganzen EU) zu öko ist. Ein tüchtiger Journalist wird zum Hobby-Ermittler. Menschen sterben, andere werden mächtig. Geschrieben hat diese kühne Vision Thriller-Bestsellerautor Jo Nesbø.

Die erste Staffel von «Occupied» ist soeben auf DVD erschienen.

Anomalia

Und nun zu etwas ganz Anderem: In «Anomalia» geht es weder um die Klima-, noch die Finanz- oder die Flüchtlingskrise, sondern um das paranormale Chaos im Leben einer Chirurgin und ihres kleinen Sohnes. Um eine alte Klinik, in der es spukt, um eine uralte Höhle, in der es noch viel mehr spukt, um elegische Landschaften unter Schnee. «Anomalia» heisst Leben im und mit dem magischen Realismus, mit sanftem Horror und unter latenter Spannung.

Das ist eine Mystery-Serie im Stil von «Les Revenants» und – das ist eine Schweizer Serie aus dem Welschland. Also: Französischkenntnisse reaktivieren und staunen, was es in der Schweiz neben dem «Bestatter» noch so für Serien gibt.

Ab 16. Januar auf RTS.

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bild: rts

Wir bedanken uns beim Genfer Film Festival Tous Ecrans, das uns die Serien-«Premieren» ganz legal ermöglicht hat. 

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Angelika 27.12.2015 13:42
    Highlight Highlight Gibts keine etwas optimistische Serie? Mir ist draussen schon pessimistisch genug...
    • Simone M. 28.12.2015 15:29
      Highlight Highlight Liebe Angelika, sag mir ein paar Filme, die du liebst, vielleicht kommen mir dann ein paar Serien in den Sinn. Aber es ist schon alles recht schwarz - oder Comdey.
    • Simone M. 28.12.2015 15:33
      Highlight Highlight Comedy, hätte das heissen sollen, so sorry.
    • Angelika 28.12.2015 18:21
      Highlight Highlight Danke der Nachfrage! :)
      Absoluter Liebling ist Pleasantville, gerade auch wegen der genialen Filmtechnik. Unbreakable Kimmy Schmidt war die erste Staffel recht witzig, aber eben nicht allzu doof witzig (wenn auch manchmal etwas abgedreht). Kennst du was Ähnliches? Alternative Realität find ich auch spannend, aber da ist heute das meiste eben recht dunkel. Super auch: Catch me if you can (immer spannend) und Marie Antoinette (schöne Details). Der Bestatter gefällt mir eigentlich auch gut, der ist nicht so effekthascherisch und überdramatisch wie die amerikanischen.
  • azoui 27.12.2015 11:52
    Highlight Highlight ....Ihr habts dann doch noch erwähnt, "der Bestatter" :) Da gibts soll ja auch eine neue Staffel kommen.
    Generell machen wir zuhause einen grossen Bogen um die Ami Produktionen.
    • Simone M. 28.12.2015 15:26
      Highlight Highlight Yep, der Bestatter geht nächste Woche weiter. Wie immer dienstags.
  • Daniel Caduff 27.12.2015 10:41
    Highlight Highlight Occupied hat mich von der ersten Folge an in den Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Das Ende war dann dafür umso enttäuschender. Ein sehr offensichtlicher Cliffhanger, der aber zumindest eine weitere Staffel erwarten lässt.
  • Fonzie 27.12.2015 08:59
    Highlight Highlight Danke dafür. Ab in die Favourites, Mitte Jahr nochmals reinschauen und den Serien-Marathon starten! :)
  • anatomyjane 26.12.2015 22:59
    Highlight Highlight Danke für die Tipps! Gut zu sehen, dass es nicht nur US-Serien sein müssen. Kenne mittlerweile schon fast jede Strasse in den USA ^_^

Linksautonome Schweizer marschierten an «Gilets-jaunes»-Protesten mit

Unter die «gilets jaunes» in Paris mischten sich am Samstag auch Mitglieder der linksradikalen «Revolutionären Jugend». Sie wollten Solidarität bekunden, «Erfahrungen in Strassenkämpfen» sammeln und «untersuchen, inwiefern sich Rechtsextreme an den Protesten beteiligen.»

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