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FREIBURG IM BREISGAU, GERMANY - SEPTEMBER 24:  The logo of the ARD criminal tv programme TATORT is pictured during the photocall on set of the TV series

Bild: Getty Images Europe

«Tatort»-Fans aufgepasst: Das sind die Aufreger der kommenden Saison 

Fassbinder am Bodensee, Kubrick in Stuttgart, Sexsklavinnen in Wien: In der «Tatort»-Saison 2016/17 wird der Krimi-Klassiker wieder für Gesprächsstoff sorgen.

Christian Buss / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Sicher, ein Krimimeisterwerk war der Berlin-«Tatort» am Sonntag nicht. Hier betasteten, begrabschten und beglupschten sowohl die jungen Verdächtigen als auch die Ermittler die ganze Zeit die Displays von iPhone und iPad, so richtig voran aber kam der Episodenplot nicht.

Immerhin: Mit den schwulen Sexszenen sorgte die Folge «Wir – Ihr – Sie» für Diskussionen. Wo der «Tatort» früher beim Thema Homosexualität immer sehr verschwiemelt daherkam, wurde das Krawall-Outing von Kommissar Karow in korrekten, expliziten Bildern inszeniert. Auch wie sich der Ermittler gegen die homophoben Sprüche seiner Kollegen zur Wehr setzte, hatte Stil.

Jetzt folgt erst einmal eine extra lange Sommerpause. Es deutet sich aber an, dass der «Tatort» auch in der Saison 2016/17 für Diskussionen sorgen wird. Hier ein paar mögliche Hoch- oder Tiefpunkte.

Fassbinder am Bodensee

Tatort - Die schöne Mona ist tot
3.2.2013
Sebastian Bezzel als Hauptkommissar Kai Perlmann, Eva Mattes als Hauptkommissarin Klara Blum in der Nähe des Tatorts
Copyright: SRF/ SWR/Peter Hollenbach
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Hauptkommissarin Klara Blum zusammen mit ihrem Kollegen Kai Perlmann. Bild: SWR-Pressestelle/Fotoredaktion

Zugegeben, wir haben in den letzten Jahren an dieser Stelle reichlich gestöhnt über den Bodensee-«Tatort». Auf die letzte Folge aber, die um den Jahreswechsel herum ausgestrahlt wird, freuen wir uns diebisch. Die ehemalige Fassbinder-Aktrice Eva Mattes trifft in «Wofür es sich zu leben lohnt» als Kommissarin Klara Blum auf die ehemaligen Fassbinder-Aktricen Hanna Schygulla, Irm Herrmann und Margit Carstensen.

In den Frauenmelodramen von Rainer Werner Fassbinder ging es ja immer um männliche Gewalt und manchmal auch um weibliche Selbstermächtigung. Letzteres könnte auch in diesem, wie man hört, ausgesprochen kunstvoll inszenierten Frauenkrimi eine Rolle spielen. Inhalt: In Konstanz häufen sich die männlichen Leichen, während eine Schwesternschaft aus älteren Damen den Schulterschluss übt. Thema des Krimis laut ARD-Annonce: «das Recht der Schwächeren».

Wir hoffen auf eine Mixtur aus Fassbinders Sadistendrama «Martha» und den Racheschocker «Die Frau mit der 45er Magnum».

Kubrick in Stuttgart

Auch in Stuttgart fährt der SWR schwere cineastische Geschütze auf: «HAL» heisst die Episode mit den Kommissaren Thorsten Lannert und Sebastian Bootz, die Ende August nach dem ganzen Sportgerümpel die «Tatort»-Saison 2016/17 eröffnet, und sie spielt natürlich auf HAL 9000, den Bordcomputer des Raumschiffs «Discovery» in Stanley Kubricks «2001: Odyssee im Weltraum» an.

Der Kubrick-Roboter erweist sich im Laufe der Handlung ja zusehends als schwieriger Charakter in dem Science-Fiction-Klassiker. Anzunehmen also, dass auch der Rechner in dem schwäbischen Daten-Thriller Trouble macht. Es geht um ein Sozialanalyse-Programm, das aufgrund riesiger Mengen von Informationen präzise Verhaltensprognosen abgeben können soll.

Big Data im «Tatort» – nach dem schwulen Sex im Berliner «Tatort» am letzten Sonntag ein weiteres Novelty-Thema. Befragen wir unsere eigenen Datensätze, stehen die Prognosen für eine gelungene Umsetzung des Risikostoffes gut: Regisseur und Autor Niki Stein hat für Lannert und Bootz zuvor den Aufreger Stuttgart 21 in einem bösen, doppelbödigen Psychothriller thematisiert.

Sexsklavinnen in Wien

ARD TATORT: DECKNAME KIDON, Ãsterreich 2013, Regie Thomas Roth, am Sonntag (04.01.15) um 20:15 Uhr und am Montag (05.01.15) um 00:10 Uhr im ErstenBibi Fellner (Adele Neuhauser, Mitte) und ihr Kollege Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) ahnen nicht, dass Sara Gilani (Angela Gregovic) für den Mossad arbeitet.© ORF, honorarfrei - Verwendung gemäà der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter Degeto-Sendung und bei Nennung

Rechts im Bild: Das Ermittler-Duo Fellner und Eisner.
Bild: rbb Presse & Information

Unvergessen der ORF-«Tatort», in dem die Ermittlerin Bibi Fellner Freiern die Arme verdrehte und Zuhältern an die Gurgel ging. So wutgetrieben die Episode «Angezählt» von 2013 inszeniert war, so genau beleuchtete sie die sozioökonomischen Gegebenheiten in der türkisch-bulgarischen Elendesprostitution von Wien. Dafür gab es den Grimme-Preis.

Für die «Tatort»-Folge «Die Kunst des Krieges», die im Herbst laufen soll, kehren Fellner und Kollege Moritz Eisner zurück ins Rotlichtmilieu. Es geht ein weiteres Mal um osteuropäische Sexsklavinnen, die über einen Schlepperring nach Österreich gelangen. So verbindet Autor und Regisseur Thomas Roth das Thema sexuelle Ausbeutung mit dem in Österreich besonders heissen Eisen Flüchtlinge.

Ein Krimi, der vor dem Hintergrund der erstarkten FPÖ in Österreich für Wirbel sorgen wird.

Wiedersehen in Leipzig

Tatort:

Beim Jubiläums-«Tatort» mit dabei: Axel Milberg aka Kommissar Borowski.
Bild: ARD

Der «Tatort», über den man unter historisch ambitionierten Hardcore-Fans am meisten diskutieren wird, dürfte die Jubiläums-Folge «Taxi nach Leipzig» werden. Taxi? Leipzig? Klingelt da was? Genau: Bereits im ersten «Tatort» im November 1970 liess sich ein westdeutscher Kommissar in den Osten chauffieren. Der offiziell 1000. «Tatort» wird ein ähnliches Szenario auffahren.

Für das besondere Ereignis werden sich der von Axel Milberg gespielte Kieler Ermittler Borowski und die von Maria Furtwängler verkörperte Kollegin Lindholm gemeinsam in ein Auto quetschen. Die beiden werden mit einem ehemaligen KSK-Soldaten konfrontiert, der sich nach einem Einsatz in Afghanistan an seiner Ex-Freundin rächen will, bevor ihre Hochzeit mit einem Kameraden stattfindet.

In Nebenrollen werden viele legendäre Gestalten der «Tatort»-Geschichte auftreten – etwa Hans Peter Hallwachs und Günter Lamprecht, die in dem Ost-West-«Tatort» 1970 Oberleutnant und Offizier der Volkspolizei spielten. Taxi nach Leipzig anno 2016, ein kluges Referenzspiel oder ein nostalgisches Begräbnis? Darüber wird im Herbst zu diskutieren sein.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ratert 06.06.2016 16:10
    Highlight Highlight Ich bin nur diesen Artikel runtergescrollt um zu schreiben, dass ich kein Tatort Fan bin - wie steht es mit dem Game Of Thrones Hype, oder gibts den nur zum Auftakt einer neuen Season? :(
  • kettcar #lina4weindoch 06.06.2016 14:25
    Highlight Highlight "Der «Tatort», über den man unter historisch ambitionierten Hardcore-Fans am meisten diskutieren wird..."
    Und das im Zusammenhang mit Sibel Kekilli...
    hihi
  • Amboss 06.06.2016 11:35
    Highlight Highlight Kann mir jemand mal sagen, wieso dieser ganze Tatort-Hype?

    Sorry, aber es gibt also wirklich bessere Krimis am Fernsehen.
    • Human 06.06.2016 14:00
      Highlight Highlight Weil Tatort sich einfach sehr gemacht hat...! Ich freu mich auf die Österreicher :D Gestern war echt für die Katz, nach 10min umgeschalten...
    • Calvin Whatison 07.06.2016 05:07
      Highlight Highlight Tatort ist halt Kult. Man liebt oder hasst Ihn. Dieses Duo hier aktuell ist Neu. Weine dem Alten aus Berlin nach.... aber kommt vielleicht gut, neuerdings verknüpfen sich die Folgen, sollte dann hallt nicht erst nach 7-8 Wochen/Folgen weiter gehen. Auf die letzte Folge aus Konstanz mit Kommissarin Blum und Kollege Perlmann, welche im Abschlussjahr 16 folgt, freu ich mich. Die Konstanzer sind nicht so der Brühler, aber solide. Ist hallt vielleicht wie am Freitag die Arena, jetzt Sonntags der Tatort. Aber jetzt gibt's ja Sommerpause. ;-)
    • Amboss 07.06.2016 09:14
      Highlight Highlight @Sugarbaby: Was ist "Tatort"? Das sind einfach Kriminalfilme.
      Nicht mehr und nicht weniger.
      Und irgendwie, weil davor und danach dieser uralte Tatort-Vorspann, rsp. Abspann läuft, finden alle die etwas Besonderes. Weshalb???

      Die Filme wurden zuletzt immer schlechter, langweiliger.
      Ich versteh einfach nicht, weshalb man immer nur von diesen Tatorten spricht, wo es doch so viele wirklich gute, spannende Filme zu sehen gibt
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