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Team Wallraff, Screenshot RTL

Pro Burger hat der Mitarbeiter 20 Sekunden Zeit. Screenshot: RTL

Team Wallraff

Undercover-Reporter bei Burger King: «Das darf nicht sein, das darf nicht sein»

Vielleicht sollte man langsam Ernst machen mit dem Abnehmen. Aber worauf verzichten? Fast Food würde sich anbieten - insbesondere wenn man weiß, was das RTL-«Team Wallraff» in Filialen von Burger King erlebt hat. 

29.04.14, 05:45 29.04.14, 06:49

Ein Artikel von

Stefan Kuzmany / Spiegel Online

Die geschnittenen Tomaten liegen schon seit über vier Stunden da, so steht es auf dem Etikett an der Schüssel. Über vier Stunden, also zu lange, um sie noch in einen Burger zu stecken. Die müssen ausgetauscht werden. Die Tomaten? Nein. Die Etiketten. 

Kein Dosenöffner zur Hand? Dann öffnen wir die Dose eben mit einem spitzen Messer. Das Fritierfett muss abkühlen, bevor es entsorgt werden kann? Aber das dauert doch zu lange! Die Toiletten putzen und dann frisches Fleisch anfassen? Kann schon mal passieren. Krankengeld, Weihnachtsgeld, Zuschläge? Nicht für geringfügig Beschäftigte. Und wenn einer aufmuckt, wird er rausgeschmissen - und sei er auch Betriebsrat, kein Problem, der Spezialanwalt kümmert sich darum. 

Günter Wallraff, Bild: RTL

Führt die Operation an: Undercover-Legende Günter Wallraff. Bild: RTL

Darmbakterien und Ausbeutung

Seit die Yiko-Holding GmbH vor knapp einem Jahr etwa neunzig Filialen von Burger King vor allem in Süddeutschland übernommen hat, scheint es noch weniger Freude zu machen, dort zu arbeiten, als man es bei einer Fast-Food-Kette ohnehin annehmen möchte. Und glaubt man den Recherchen eines RTL-Teams unter Vorsitz des Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff, dann hat man es als Gast dort nicht nur mit ausgebeuteten Angestellten zu tun, sondern, wenn man Pech hat, auch mit Lebensmitteln, deren Verfallsdatum überschritten ist, und wenn man noch mehr Pech hat, mit Darmbakterien. 

Es sind augenscheinlich gute und wichtige Recherchen, die das «Team Wallraff» geleistet hat, es kann sich einem tatsächlich, wie in der Sendung mehrmals betont wurde, "der Magen umdrehen" bei den gezeigten Zuständen und auch angesichts des Geschäftsgebarens von Ergün Yildiz, der hier als Geschäftsführer fungiert. Bezeichnend ist die kurze Szene, in der ein undercover eingesetzter Ex-Restaurantleiter sich bei einer Yildiz-Filiale um Einstellung bemüht und ihm eine Mitarbeiterin, noch während sie ihm die Kontaktnummer aufschreibt, einen wohlgemeinten Rat gibt: «Für Herrn Yildiz würde ich nicht arbeiten.» Ihr Pech, dass sie es bereits tut. Gewinnmaximierung scheint hier bis an die Grenzen des Erlaubten betrieben zu werden - und auch darüber hinaus. 

Als Fernsehkritiker könnte man jetzt freilich anmerken, dass die ganze Aufmachung der Sendung dabei allerdings arg dramatisierend mit den Mitteln des Privat-TV arbeitet: Kaum eine Szene kommt ohne bedrohliche Musik im Hintergrund aus, jedes schlimme Detail wird in Wort und Bild mehrmals wiederholt, und die Experten, sei es nun ein Hygiene-Fachmann oder der Fachanwalt für Arbeitsrecht, unterstreichen ihre Expertise mit Floskeln, die auch der letzte verstehen soll: «Das darf nicht sein, das darf nicht sein», spricht der Hygieniker. 

Ein Wallraff wie Wicki

Insbesondere die Auftritte Günter Wallraffs, könnte man monieren, wirken montiert wie ein Text über einer Blankoüberschrift: Mal wartet er «ein paar Ecken weiter» auf den Undercover-Reporter Alexander Römer, der die eigentliche Arbeit macht, um sich von diesem für die Kamera die Rechercheergebnisse referieren zu lassen. Mal wird er, Gipfel der unnötigen Inszenierung, per Livestream in die laufende Undercover-Recherche zugeschaltet, auf dass er das Geschehen aus der Ferne in Echtzeit kritisch begutachten kann. 

Und stets wird der Eindruck erweckt, ohne ihn, den grossen Enthüller, würde niemand selbst auf nächstliegende Rechercheideen kommen: «Da solltet ihr mal Proben nehmen und das einem Hygieneinstitut vorlegen. Ist das nicht am Ende... gesundheitsschädlich?» Ach so, klar. Warum ist nur sonst keiner darauf gekommen? Eigentlich fehlt nur noch, dass Wallraff sich bei seinen Eingebungen die Nase reibt wie Wicki, das superschlaue Besserwisserkind. 

Aber wissen Sie was? Auf Kritik verzichten wir heute. Denn alle Schwächen der Darstellung sind verzeihlich, im Gegenteil: Setzt man voraus, dass Fast-Food-Kunden auch RTL-Kunden sind, ist es möglicherweise sogar zwingend notwendig, die eigentlich für sich selbst sprechenden Fakten publikumsgerecht auszuschmücken, damit die Zielgruppe dranbleibt - und vielleicht demnächst den Yildiz-Filialen fern. 

Nein, Kritik an dieser Sendung wäre geschmäcklerisch - und um Geschmack geht es nicht: «Team Wallraff» auf RTL ist Aufklärung für die Massen.



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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • chrigel60 29.04.2014 08:18
    Highlight zum Glück esse ich keinen Fast Food!
    3 0 Melden
  • Nope 29.04.2014 06:03
    Highlight Nächste Stufe von Asi-TV :-)
    1 3 Melden
    • kEINKOmmEnTAR 29.04.2014 11:22
      Highlight Was Konsumentenschutz?
      1 0 Melden

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