Tatort
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«Tatort»: Der irre Iwan

«Dein Macker hat Monogamie für ein Brettspiel gehalten»

In ihrem zweiten «Tatort» ermitteln Christian Ulmen und Nora Tschirner in Weimar in Sachen Mord, Frauentausch und Beischlafschleicherei. Der heutige Abend verspricht amüsant zu werden!

christian buss / spiegel online

Ein Artikel von

Spiegel Online

«Dein Macker hat Monogamie für ein Brettspiel gehalten.» Von solchen Bonmots gibt es im neuen «Tatort» («Der irre Iwan», Sendetermin 1.1.2015) aus Weimar reichlich, und sie drehen sich meist ums gleiche Thema: den Körperflüssigkeitenaustausch von zwei, drei oder noch mehr Menschen. Das Ganze käme ziemlich schlüpfrig rüber, würden die beiden Ermittler nicht in Parka, Knitteranzug und mit stark gesenktem Hormonspiegel das Treiben der anderen beobachten.

Kommissar Lessing (Christian Ulmen) und Kommissarin Dorn (Nora Tschirner) aber marschieren betont zugeknöpft durch die FKK-Clubs und Saunalandschaften Weimars.

Bei einem Raubüberfall auf die Stadtkämmerei wurde eine junge Sekretärin erschossen, die ein Verhältnis mit dem Finanzchef von Weimar hatte. An ihren Stenografiekenntnissen lag es offensichtlich nicht, dass sie den Job hatte. Eine eifersüchtige Kollegin macht umständliche, aber eindeutige Bemerkungen über die körperlichen Vorzüge der Toten. Mit dem Chef traf sich die Ermordete in einem örtlichen Nackt-Klub. 

Ringelpiez mit Anfassen

Dass der lustvoll verdrehte Plot um Frauentausch und Beischlafschleicherei der Drehbuchautoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger – beide haben auch schon die erste Episode des Weimarer «Tatort» geschrieben – an keiner Stelle an einen entgleisten Junggesellenabschied erinnert, liegt auch an der kunstvoll gedrosselten Inszenierung. Regisseur Richard Huber hat einige extrem moderne Hamburger Grosstadt-«Tatorte» mit Mehmet Kurtulus gedreht, für die Provinz-Sexstory findet er Slow-Motion-Bilder, die Weimar herrlich verstrahlt wirken lassen.

Aufregung ist diesem Event-«Tatort» fremd, der von den ARD-Verantwortlichen passenderweise in die Katerstimmung an Neujahr programmiert wurde. Wie angenehm runtergefahren der MDR-Krimi bei aller spielerischen Dramaturgie ist, wird vor allem im Vergleich mit dem Saarbrücker «Tatort» vom Zweiten Weihnachtstag deutlich. Der wollte ja auch komisch sein. Doch als der von Devid Striesow gespielte Saar-Ermittler Stellbrink als Freier getarnt mit einer Prostituierten sprach, wirkte das einfach nur schmierig.

Beim Weimarer «Tatort» gibt es da bei allem Schenkelklopferpotenzial eine gewisse Liebenswürdigkeit. Man kommt nicht mal umhin, den Chef des Reviers zu mögen. Der stratzt nervös durch die Ehebruch- und Partnertauschszenarien, trägt auch noch den ungünstigen Namen Kurt Stich und wird vom Andreas-Dresen-Schauspieler Thorsten Merten bemitleidenswert unterversorgt gespielt. «Mein lieber Spitz!», raunt er irgendwann mit weichen Knien, als ihm das ganze Ausmass der Betrügerei bewusst wird. 

In trockenen Tüchern ist es noch nicht, aber man darf wohl davon ausgehen, dass es in zwölf Monaten einen dritten Weimar-«Tatort» geben wird. Vielleicht denkt man aber auch mal über eine höhere Frequenz nach, so lustig ist das deutsche Fernsehen ja sonst nicht.



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    Alle Leser-Kommentare
  • The Writer Formerly Known as Peter 02.01.2015 09:49
    Highlight Highlight Im Vergleich zum Saarbrücken Tatort der in allem eine Wucht war und verrissen worden ist, war dieser Tatort nicht zum aushalten. Ha ha, wie lustig, eine Leiche am Boden aber wir machen billige Scherzchen ... wie trifft es sich gut, das der Chef uns mit seiner Schrottkarre gleich auflesen kann. Und wie lustig dieses Auto doch ist! Haben wir uns toll ausgedacht! Nicht zu verstehen war Tschirner, die sich durch Ihren Text nuschelt... Dieser Tatort war ein Griff ins Klo! Enttäuscht bin ich vom Spiegel. Schaut ihr überhaupt die Tatorte oder gibt es da persönliche Seilschaften und Absprachen?
    5 5 Melden
    • pascii 02.01.2015 15:08
      Highlight Highlight Peter, das habe ich auch gedacht! Da muss eine geheime Absprache im Gange sein! Sozusagen Tatort @tatort! Ich halte gleich meine Schnüffelnase dort rein!
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